Videos: Billig, schnell – schlecht

Am letzten Wochenende habe ich einen kleinen Workshop auf der Play-Konferenz in Berlin gemacht. Das Motto klang bestechend einfach: Mach sie einfach selbst, diese Sache mit den Videos. Ist ja inzwischen auch zu simpel. Theoretisch reichen das Smartphone und ein bisschen Zubehör im Hundert-Euro-Bereich, schon kann man ganz ordentliche Videos drehen. “Read

Symbolbild für die bevorstehende Deathroll, quasi. (Foto: Jakubetz)

Medien und die digitale Deathroll

In der Wirtschaft gibt es einen ebenso martialischen wie bildhaften Begriff: Deathroll. Damit gemeint ist sinnbildlich das, was Krokodile mit ihren Opfern machen. Sie beißen sich fest, zerren sie erstmal langsam ins Wasser. Und wenn sie dann in der richtigen Position sind, drehen sie sich quasi einmal um die eigene Achse. Es entsteht ein buchstäblich tödlicher Sog, der das Opfer in die Tiefe reißt. In der Konsequenz bedeutet das meistens, dass ein längerer Kampf ganz schnell und schlagartig zu Ende geht. “Read

Schöner altern mit dem Internet

Das hat mir mal jemand als nicht ganz ernst gemeinten Cover-Entwurf für das Universalcode-Buch geschickt. Heute, fast acht Jahre später, denke ich mir: Vorsicht, dass wir nicht selbst bald zu den Dinos gehören…

Ich muss euch zu Beginn mit ein paar Zahlen belästigen, die für mich vermutlich weitaus unangenehmer sind als für euch. Also, erstens gibt es diesen Blog hier schon seit bald 15 Jahren. Ich erschrecke selbst, wenn ich das lese, finde es aber irgendwie cool, als Digital-Dino so lange durchgehalten zu haben. Zweitens bin ich das, was man im Englischen Man in his fifties bezeichnet. Das schreibe ich deswegen in Englisch, weil sich das nicht ganz so schlimm anhört, als wenn ich euch mein wahres Alter verraten würde (bilde ich mir zumindest ein). Drittens habe ich mein erstes Buch zum Thema Digitaler Journalismus vor rund elf Jahren geschrieben.“Read

Jay Rosen und die merkwürdige Idee, was Journalismus in Deutschland ausmacht

Der US-Forscher Jay Rosen befasst sich mit der Lage des Journalismus in Deutschland. Und offenbart dabei das ganze Elend, wenn es um Debatten über den Journalismus in Deutschland geht. Er fragt die, die den Alltag bestenfalls aus dem Hörensagen kennen. “Read

In der Bubble: Jay Rosen fragt ein paar Leute, die er auf der re:publica hätte treffen können - und zeichnet daraus ein Stimmungsbild des Journalismus in Deutschland. (Foto: Jakubetz)

In der Bubble: Jay Rosen fragt ein paar Leute, die er auf der re:publica hätte treffen können – und zeichnet daraus ein Stimmungsbild des Journalismus in Deutschland. (Foto: Jakubetz)

Ich werde den Eindruck ja nicht los, dass es ein paar Leute gibt, bei denen Deutschlands Journalisten, insbesondere die aus der digitalen Szene, gerne die Hacken zusammennehmen. Jeff Jarvis ist beispielsweise so einer, der auch für mäßig spannende Dinge gerne bejubelt wird.

Oder Jay Rosen.

Der gehört auch zu denen, die selbst mit Plattheiten und Bagatellen für die größtmögliche Bugwelle sorgen können. Ich stelle mir in dem Zusammenhang lieber nicht vor, was eigentlich passiert, wenn Rosen und Jarvis mal miteinander was machen. Irgendwas zum Zustand des digitalen Journalismus in Deutschland. Gibt vermutlich eine Twitter- und Blog-Orgie und einen irgendwie trendigen Hashtag.

Also, Jay Rosen hat sich jetzt jedenfalls mal mit dem Zustand des Journalismus in Deutschland befasst (nebenbei, ist es nicht erstaunlich, dass sich amerikanische Medien-Gurus so gerne mit uns beschäftigen?). Das Ergebnis hat er in einem offenen Brief publiziert, dem er gleich zu Beginn vorausschickt, dass es sich dabei nur um einen persönlichen Eindruck handelt. Den wiederum hat er gewonnen, weil er sich mit 53 deutschen Medienmachern unterhalten hat, was natürlich schon lustig ist: In Deutschland gibt es eine gute fünfstellige Zahl von Journalisten – und Rosen gewinnt seine Eindrücke, weil er mit 53 gesprochen hat? Ich meine, klar ist das legitim, es handelt sich ja eben nicht um eine wissenschaftliche Arbeit. Aber ich wüsste schon gerne, wie relevant eigentlich Eindrücke sein können, wenn man sich mit 50 aus rund 40.000 Journalisten unterhält?

Zumal bei allem Respekt die Liste seiner 53 Gesprächspartner vor allem eines zeigt: Jay Rosen hat es sich sehr leicht gemacht. Auf diese 53 kommt man mit ein bisschen googeln. Das ist alles schön und recht, aber wenn mal ersthaft auf die Namen Lobo, Niggemeier, Beckedahl, Zielina, Pörksen kommt, dann reicht es eigentlich auch aus, wenn man mal zwei Tage auf die re:publica geht. Da trifft man die nämlich alle. Das ist nicht nur wenig einfallsreich, sondern auch irrelevant: Aus der Sichtweise einer vergleichsweise kleinen Blase, die alle mit dem journalistischen Alltag an der Basis so gut wie nichts zu tun haben, die Sichtweise des deutschen Journalismus ableiten zu wollen, ist schon abenteuerlich.

Aber das ist das eigentliche Problem in dieser (Digital)-Blase, die mich regelmäßig nervt: Wieso zur Hölle sind da beispielsweise keine Leute von Regionalzeitungen dabei? Oder von Lokalsendern? Also, von den Medien, die immer noch die ganz große Masse ausmachen und deren Alltag aus sehr viel Praxis und ganz wenig theoretischen Abhandlungen, Medienkritiken oder Vorträgen bei der re:publica besteht?

Für die an der Basis interessiert sich der Diskurs immer noch verblüffend wenig

Vermutlich deshalb, weil die Blase und amerikanische Gurus das machen, was sie natürlich auf der Stelle von sich weisen würden: Sie halten die Journalisten an der Basis vermutlich für eher bemitleidenswerte Mitglieder eines Maschinenraums, den sie selbst nur vom Hörensagen kennen. Das kann man ihnen nicht zum Vorwurf machen, aber ausgerechnet sie zum Maßstab der Denkweise des Journalismus in Deutschland zu machen, ist reichlich absurd. Und bezeichnend natürlich auch: Die Leute aus dem Lokalen sind immer noch zweite oder dritte Reihe. Dabei hätte mich beispielsweise die Sichtweise eines Benjamin Piel aus Minden sehr viel mehr interessiert als ein Zusammenschnitt von ehemaligen DJS-Absolventen und Angehörigen der digitalen Bohème aus Berlin.

Dementsprechend mau fallen dann auch die Ratschläge Rosens aus (sehr treffend auseinandergenommen u.a. von Klaus Meier). Das alles könnte man schulterzuckend hinnehmen, wäre da nicht diese Bugwelle, die jemand wie Rosen immer noch erzeugen kann. Dabei ist genau das der lustigste Widerspruch, den man nur haben kann: Rosen attestiert dem deutschen Journalismus eine Entfremdung von ihrem Publikum, eine zunehmende Entfernung vom ganz normalen Leben sozusagen – und benennt als Kronzeugen dafür lauter Leute, die mit dem ganz normalen Journalistenleben ungefähr so viel zu tun haben wie Rosen mit einer Lokalredaktion in Halberstadt.

Aber so ist das immer noch in manchen Teilen des Journalisten-Deutschlands 2018: Eine ziemlich kleine Elite macht den Diskurs unter sich aus. Sogar zu Themen, von denen sie als Elite nicht sehr viel verstehen kann. [/read ]

Medienwandel: Weniger Buch, mehr Podcasts, mehr Kolumne

Vor ziemlich genau 10 Jahren habe ich mein erstes Buch zum Thema „Medienwandel“ veröffentlicht. Es trug den damals außergewöhnlich originellen Titel „Crossmedia“, an dem alleine man schon erkennt, wie schnell sich die Dinge schon wieder geändert haben. Wenn heute noch jemand ein Seminar zum Thema „Crossmedia“ anböte, er würde sich schnell als leicht zurückgeblieben outen. “Read

Wie ich die Digitalisierung jeden Tag aufs Neue überlebe…

Es ist noch gar nicht so lange her, da konnten wir die Welt in zwei Lager einteilen, wenn es um die Digitalisierung ging: in die der Technik-Optimisten (also: wir alle, die wir uns aufgeschlossen im Netz herumtreiben) und die der Technik-Verweigerer. Meistens meinten „wir“ damit Zeitungsverleger und Fernsehsender und all die anderen, die meinten, das Internet gehe dann schon irgendwann mal wieder weg. “Read

Der BDZV: Im Schützengraben seit 1998!

Der BDZV im Jahr 2018: großartig im Aufbau von Feindbildern, mit Begeisterung Kunden beschimpfend – und ansonsten verhaftet irgendwo im Jahr 1998. Szenen einer kleinen Begegnung bei Twitter… 

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Presseähnlichkeit: Der Pyrrhus-Sieg der Verleger

ARD und ZDF werden vermutlich ihre Apps demnächst umgestalten müssen. Damit endet ein bizarrer und seit Jahren währender Streit zum Thema Presseähnlichkeit zwischen den Sendern und den Zeitungsverlagen. Ein Sieg, der teuer erkauft wurde. Und spätestens in ein paar Wochen komplett vergessen ist. “Read

Bitte überprüfen Sie Ihre Datenschutz-Einstellung!

Datenschutz – wird jetzt alles besser? Dr. Daniel Schnurr, Wirtschaftsinformatiker an der Universität Passau, spricht im Video-Interview über die Konsequenzen aus dem Facebook-Datenskandal und wie User sich den Wert ihrer Daten bewusst machen können. “Read

rp #3: Meine Heldin dieser Tage ist – meine Frau!

Klar ist die re:publica geil. Keine neue Feststellung, haben wir alle tausendmal gelesen und gepostet. Trotzdem ist für mich die größte Heldin dieser Tage jemand, der gar nicht da war. Weil ich dadurch kapiert habe, was wirklich zählt. Und wie privilegiert, abgehoben und manchmal leider auch unerträglich überheblich wir in unseren digitalen Peergroups oft genug sind…“Read