Print…kostet

Zunächst wollte ich mich einfach mal in einem Beitrag darüber amüsieren, wie sehr der Hochglanzjournalismus momentan verramscht wird. Vanity Fair für einen Euro, die Park Avenue für einen Euro, das ist ja ein Preisniveau wie sonst bei Alles für die Frau.

Dann der Blick auf meine überaus geliebte Samstags-SZ, die auf Seite 2 – nein, nicht etwa ankündigt, billiger zu werden, sondern ein klitzekleines bisschen teurer. Das unzweifelhafte Vergnügen, täglich SZ lesen zu dürfen, kostet mich fortan pro Jahr die Kleinigkeit von rund 415 Euro, und ich finde es ja in solchen Fällen immer wieder hilfreich, sich an die gute alte Mark zu erinnern. Über 800 Mark im Jahr für meine Tageszeitung, huii…dafür kann ich aber viel im Web surfen. In dem Zusammenhanhg fiel mir ein ehemaliger Zeitungs-Geschäftsführer ein, der mir vor einigen Jahren mal beim zufälligen gemeinsamen Warten auf einen Flug in Berlin die Ohren volljammerte, dass diese verdammte Kostenlos- und Schnorrermedium…naja, wir kennen das ja noch von früher.

Unbestritten ist indes, dass das Geschäftsmodell Inhalt gegen (viel) Geld in dem Moment an seine Grenzen stößt, in dem dem Konsumenten klar wird, dass es durchaus hochwertigen und gleichwertigen Inhalt andernorts kostenlos gibt. Die Bereitschaft für sehr allgemein gehaltene Inhalte zu zahlen (und die klassische Tageszeitung nimmt ja immer noch für sich in Anspruch, alles für alle zu bieten), wird sinken. Alleine das, was an tagesaktuellen Geschehnissen in Podcasts und Videopodcasts angeboten wird, drückt Zeitungen an die Wand. (nebenbei: Eine ziemlich gute wissenschaftliche Analyse zur Problematik der Tageszeitung habe ich hier entdeckt, und ich verspreche übrigens, dass ich bei meinen nächsten Veranstaltungen mit dem Begriff „Disruptoren“ nur so um mich werfen werde.)

Ich bin mir auch nicht mehr so sicher, inwieweit man sich auf das Argument zurückziehen kann, qualitativer Journalismus koste eben auch richtig Geld. Zumindest teilweise liegt der Verdacht nahe, dass man sich nur ungern vom alteingefahrenen Geschäftsmodell verabschieden möchte. Bequemer ist das ja allemale, als dauernd über neue Ideen nachdenken zu müssen. Indessen zeigen die zahllosen hochwertigen Websiten, Podcasts und überhaupt die rasante Entwicklung im Netz, dass serh wohl sehr gutes Geld verdient werden kann, ohne dieses sture Gebührenmodell verfolgen zu müssen. Mit ihren Abopreisen jedenfalls erreichen die Zeitungen ein Niveau, bei dem sich ihre Lektüre leisten wollen muss. Und das betrifft nicht die SZ alleine, sondern alle, die Jahr für Jahr gewohnheitsmäßig mit dem gleichen Standardtext darüber, dass das Papier so teuer sei und man gleichzeitig in die Qualität investieren wolle, die Preise anheben).

Und außerdem kommt mir gerade eben der Gedanke absurd vor, in einm digitalen Zeitalter für Informations-„Technologie“ Bäume umschlagen zu müssen…;-)

2 Gedanken zu „Print…kostet

  1. Ich würde der Aussage „qualitativer Journalismus kostet eben auch richtig Geld“ schon zustimmen.
    Und an dem Euro für Vanity Fair und Park Avenue kann man dann schon ableiten, wie gut der Journalismus ist 😉

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