Always online and online first (aber nur von Montag bis Freitag)

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Willkommen in der always-online-Welt(.de ). Erst hielt ich es ja eher für unvorstellbar, was Kollege Christoph Maier da schrieb, aber ganz im Ernst, es ist wirklich so: Am Freitag Nachmittag schnüren die Videomacher von Welt Online ihr Ränzlein, sperren das Büro ab und fangen dann so gegen Montag mittag wieder mit der Produktion an. Retro-Feeling pur, fehlt eigentlich aus Konsequenzgründen nur noch eine kleine Ansprache von Kulenkampff und die Nationalhymne und dann ein Testbild.

Stattdessen gibts jetzt einen „Wochenrückblick“, wobei man bei solch einer Idee dann doch wieder merkt, dass es wohl immer noch verstärkt Zeitungs-Macher sind, die hinter der Welt stecken. Ein Wochenrückblick ist möglicherweise ein probates Mittelchen in der Tageszeitung, die quasi am Samstag den Wochenausklang einläutet. In einer always-on-Welt wirkt´s eher lustig, wenn das digitale Sandmännchen jetzt den Wochenrückblick präsentiert. Zugegeben, auch Spiegel und Focus zeigen am Wochenende nur den unmoderierten und zudem identischen Reuters-Feed. Aber lieber doch am Samstag und Sonntag Reuters-Massenware als den individuellen Rückblick.

Ein wenig off-topic, aber weil ich gerade beim Thema Videos und zu faul für einen neuen Beitrag bin: Warum nur kommt mir gerade der „Online-Reporter“ von SPON in Ausführung, Titel, Idee und einigem anderen gerade ein bisschen gekl inspiriert von anderen vor?

ZDF.de, Relaunch

Das ZDF hat seinen Online-Auftritt frisch gestrichen und das sehr elegant gelöst. Man sieht nämlich auf den ersten Blick gar nicht, dass der Auftritt neu ist. Statt irgendwelcher optischer Spielereien hat man viel Energie und Aufwand in die Verbesserungen im Detail gesteckt. Herausgekommen ist ein überaus solider Auftritt, der aktive Zuschauereinbindung noch stärker betont. Gerade die User-Fotos sind übrigens ein schönes Beispiel dafür, dass ein Zusammenspiel zwischen einer Redaktion und dem Konsumenten bemerkenswerte Ergebnisse hervorbringen kann. Mir gefallen beispielsweise die Impressionen aus dem Ruhrpott ausgesprochen gut. Der Wert dieser Inhalte wäre weitaus geringer, wäre man in typischer Zwonull-Manier hergegangen und hätte wahllos alles nebeneinander gestellt. Stattdessen sind die Co-Produktioner aus User-Inhalten und redaktioneller Betreuung ein echter Mehrwert.

Unspektakulär und dennoch extrem gut ist auch weiterhin die Mediathek, deren Bedeutung spätestens ab Sommer, wenn die Hälfte des TV-Programms dort zu sein soll, nochmal enorm an Bedeutung zulegen wird. Es passt übrigens im Bild, dass man in Mainz auch so klug ist, TV-Inhalte schon vor der Ausstrahlung im TV partiell freizugeben (auch wenn man ein wenig darüber schmunzeln kann, dass man beim ZDF von einem Abruf-Video spricht; das klingt in etwa so bemüht wie der aktuelle Vorschlag seiner linguistischen Heiligkeit, dem Sprachgeneral Wolf Schneider, den Laptop fortan Klapprechner zu nennen).

Was mir generell sympathisch ist: ZDF.de enthält deutlich mehr Substanz als Verpackung, der Relaunch lebt von seinen Inhalten und weniger vom Marketing-Geschrei. Gerade in diesem Jahr, in dem die Marktschreier Hochkonjunktur haben und ich auf meiner persönlichen Giftliste von großen Ankündigungen, die mit mageren Ergebnissen und eklatanten Zeitverzögerungen enden, schon satte vier(!) Kandidaten habe, eine ausgesprochen angenehme Erkentnnis.

Well done, Kollegen.

Zeitung mit Zukunft

Auch auf die Gefahr hin, dass das erst einmal wie ein Widerspruch zu vorangegangen Einträgen wirkt: Nach der Lektüre einer wirklich großartigen Seite 3 von Holger Gertz am Freitag, eines wie immer lesenswerten Magazins, einer guten Wochenend-Beilage und einiger anderer kleinen Perlen ist mir wieder klar geworden, warum ich doch letztendlich das Geld für eine Zeitung (in dem Fall die SZ) in die Hand nehme. Von der unbestritten herausragenden Qualität abgesehen ist mir aber auch klar geworden, dass für manche Texte – wie es eben die gestrige Seite – das großformatige Papier immer noch mein Favorit ist. Ich bezweifle, dass ich diese Geschichte auch auf dem Bildschirm zu Ende gelesen hätte, zumal das wie immer großartige sw-Foto von Regina Schmeken eben auch Platz braucht. Mehr als 800×600 Pixel, wenn´s geht (nebenbei: auch im Tabloid-Format einer Zeitung wäre diese Geschichte verschenkt gewesen).

Was ich also gerne hätte von meiner Zeitung ist all das, was ich während meines inzwischen vollständig auf digital umgestellten täglichen Nachrichtenkonsums vernachlässige: Kommentar, Reportage, Analyse, Hintergrund. Das hole ich mir woanders (und, soviel zum Thema Markenloyalität, digital ist es mir völlig egal, ob da Süddeutsche draufsteht oder nicht). Primärquelle für News also digital, den Rest auf Papier, so wird ein Schuh draus. Der Nachrichtenteil der SZ landet schon lange ungelesen im Altpapier.