Glück für den Klimawandel

Lieblingsschlagzeile des heutigen Tages: „USA erkennen den Klimawandel an“.

Da hat er aber Glück gehabt, der Klimawandel. Was hätte er gemacht, hätten ihn die USA nicht anerkannt? Nach Asien ausgewandert? 

Joost startet

Schneller als erwartet, aber alles andere als Überraschungen wär bei diesen Jungs ja auch eine Überraschung gewesen: Joost geht angeblich am Dienstag schon komplett an den Start. Und ich nehme mal an, dass wir irgendwann mal diesen Tag als denjenigen markieren werden, an dem die Zeit begann, in der das Fernsehen vom Web ähnlich brutal gebeutelt wurde wie Printmedien. Viel Spaß, Freunde.

1 x Surfen für 900 Euro mit Vodafone

Spaßige Geschichte in Sachen Equipment: Nachdem ich einigermaßen viel unterwegs bin, gehört die UMTS-Karte zum unverzichtbaren Standard. Natürlich verbrauche ich im Regelfall nicht allzuviele Daten mit der Karte, weil mir erstens UMTS zum vernünftigen Arbeiten zu lahm und auch zu teuer ist. Deswegen einen Tarif gebucht, der mir vernünftiges Abriufen der Mails und das Checken der täglichen Onlineseiten erlaubt. Keine Downloads und ähnlichen Kram. Das ging jetzt auch über einige Monate gut, meistens blieb ich weit unterhalb der tariflich festgelegten Menge.

Bis jetzt. Gestern kam die neueste Abrechnung, in der ich die sagenhafte Menge eines 512-MB-USB-Sticks mehr verbraucht hatte als tariflich vereinbart. Nach Vorstellung von Vodafone sollen das jetzt die teuersten Megabyte meines Lebens werden: 897,95 Euro hätte man dort jetzt gerne für diese Überschreitung des vereinbarten Volumens, und das ist kein Witz, wie mir eine Dame der Hotline versicherte. Jedes MB mehr kostet nämlich so ca. 1,35 Euro und man hält einen solchen Vertrag weder für sittenwidrig noch für kundenfeindlich noch für Wucher. Nein, bei Vodafone hält man knapp 900 Euro für ein Datenvolumen von rund 700 MB für – ganz normal.

Nachdem sich das ein klitzekleines bisschen von meinen preislichen Vorstellungen für die Datenmenge einer CD unterscheidet, werden wir jetzt ein wenig Ärger miteinander haben, Vodafone und ich. 

Ein bisschen Software (2)

Nützliches Spielzeug für all jene, die gerne an sieben Projekten gleichzeitig arbeiten, gelegentlich unstrukturierte Geistesblitze zu Papier bringen müssen und neben dem virtuellen Schmierzettel auch noch wichtige Mails oder Office-Dokumente an exponierter Stelle ablegen wollen: Ever Note, eine virtuelle Klade bzw. virtuelles Ringbuch. Kostenlos-Version reicht völlig aus und ist der 100-Euro-Konkurrenz von Microsoft („One Note“) beinahe ebenbürtig. Nur das Firefox-Addon hakt etwas, aber darauf kann man ggf. auch gut verzichten.

TV 2.0

Fast übersehen in der Hektik: Inzwischen gibt es auch einen TV2.0-Sender – sprich das ganze Programm besteht ausschließlich aus Zuschauerbeiträgen. Bin gerade zu müde für lange Erklärungen, nur soviel: Will das, erstens, wirklich jemand sehen? Und kann jemand mal den Planern solcher „Hobby-Reporter machen TV“-Trauerspiele sagen, dass Web und Fernsehen zwar irgendwie und irgendwann mal zusammen wachsen, dass aber dennoch Web und TV was ihre Inhalte udn Rezeption angeht ungefähr nichts gemeinsam haben?

Ist schwer zu kapieren, ich weiß. 

(Danke an Hinweisgeber Mike)

 

 

Debattierclubs (II)

Wenn der Versuch einer Neuerung aus einem bestimmten Haus kommt, funktionieren Reflexe erstaunlich zuverlässig:

Die Online-Ausgabe der „Welt“ lädt zur Debatte. Auf einer eigenen Seite. Nur: Niemand mag mit der Redaktion diskutieren. Also wendet greift sie zu verzweifelten Maßnahmen, um endlich Leserreaktionen zu erzeugen.

Schreibt der Herr Knüwer. Erstaunlich, wie man ein solches, bestimmt sehr fundiertes Urteil bereits eineinhalb Tage nach Start  fällen kann.

Quotendruck für solche, die bisher nix mit Quote am Hut hatten

Manchmal lohnt sich das Lesen von Kommentaren. Das Lesen von Kommentaren loht sich meistens immer. Der hier jedenfalls brachte mich zu einer Studie, in der auf rund 60 Seiten eine ziemlich gelungene Bestandsaufnahme der Entwicklungen von Online-Medien und des dort zu lesenden Journalismus abgeliefert wird.

Erste Erkenntnis daraus: Als alter Privatfunker amüsiert man sich, dass jetzt auch diejenigen, die sich früher gerne darüber lustig gemacht haben, eine fette Quotendebatte an der Backe haben. Seit es Klickstatistiken und irgendwelche Live-Traffic-Tools gibt, können nämlich auch Spiegel und Süddeutsche et al sehen, was die User wirklich gerne klicken. Das ist nicht immer das, worüber man in Redaktionskoferenzen und in abendlichen Veranstaltungen von Presseclubs gerne spricht. Auch der Leser des „Spiegel“ klickt gerne eine Geschichte über Frakturen im Geschlechtsorgan von Dieter Bohlen. Was zur Folge hat, dass der Spiegel in seiner Onlineausgabe ziemlich oft Geschichten über Frakturen im Intimbereich von Protagonisten aus dem Privatfernsehen bringt. Und dass es bei der Süddeutschen online Klickmaschinen über die 100 besten Biere der Welt gibt. Und dass sich bei N24.de regelmäßig halbnackte Frauen räkeln, weil halbnackte Frauen nunmal mehr Klicks machen als gut angezogene Vorstandsmitglieder von M-Dax-Unternehmen bei der Bilanzpressekonferenz. Das muss man nicht schönen, aber es ist nun mal so. Die Frage, ob man sich dem Quotendruck beugen möchte, müssen die gedruckten Qualitätsmedien für ihre Onlineausgaben gar nicht mehr beantworten. Sie haben es schon längst getan, was insofern segensreich sein könnte, weil man dann auf den Medienseiten der Druckausgaben nicht mehr gar so oft die wohlfeile Forderung lesen muss, dass auch im kommerziellen TV die Qualität vor die Quote…der Spruch hat mich früher regelmäßig ins Koma geschickt, weil er zumeist von Leuten geschrieben wurde, die keine Ahnung hatten, was Quotendruck überhaupt heißen könnte.

Zweite Erkenntnis, wenn auch nicht wirklich neu: Die immens hohen Klickzahlen, die inzwischen selbst kleinere Newssites für sich in Anspruch nehmen, haben nichts mit einem wirklich vorhandenen Interesse an Nachrichten zu tun. Tatsächlich, und ich nehme mich da nicht aus, scheinen Nachrichtenseiten im Netz zwar gerne aufgerufen und im Kontext Schlagzeile/Foto/Teaser gelesen zu werden, für einen Klick in die Tiefe und für mehr Interesse reichen aber anscheinend weder Zeit noch Lust noch Nutzungssituation. Das ist nicht weiter tragisch und muss auch nicht zu Jammergesängen Anlass geben. Jedenfalls stammen 4/5 der bei IVW gezählten Klicks nach dieser Studie aus allem möglichen, nur nicht aus den eigentlich journalistischen Inhalten auf der Seite. Das alles deckt sich dann wiederum mit dem bei IVW ausgewiesenen Verhältnis von Visits und PI´s bspw. bei N24.de, was angeblich so bei rund 1:5 liegt. Was den Schluss zulässt, dass die eigentlichen Nachrichten eben nur auf der Homepage via Überschrift und Teaser gelesen und die Klicks in die Tiefe anderswo erreicht werden.

Dritte Erkenntnis: Wer wirklich was anderes haben will als Bohlens Genitalien und die gewagtesten Fotos von Madonna, muss sich nach anderen Nachrichtenquellen umsehen, zumindest im Netz. Er muss nicht nur, er wird auch. Ob das dann wirklich Ziel einer crossmedialen Markenstrategie sein soll, das steht wieder auf einem anderen Blatt.

Debattierclubs

Heute den gewesenen Lieblingskollegen an der DJS zu Gast gehabt. Er erklärt u.a. den Relaunch des Münchner Merkur und auch, wie und warum man sich mit einer stark ausgedehnten Leserbriefseite verstärkt dem Leser und dessen Meinung widmet. Prima, denke ich mir, zumal ich im Hinterkopf auch die völlig missratene Dialog-Seite der AZ habe, die letztendlich dann doch wieder ein Monolog ist.

Dann das hier gesehen. Eine eigene Debattierplattform von Welt Online. Erster Gedanke: großartig. Zweiter Gedanke: vermutlich verdammt viel Arbeit. Dritter Gedanke: es wird spannend sein zu sehen, auf welchem Niveau diskutiert werden kann und wie viel Arbeit auf Moderatoren zukommt.  Wie auch immer, in diesem Bereich jedenfalls bisher das Professionellste, was ich in Deutschland zu dem Thema bisher gesehen habe.

Digitales Zeitalter verstehen

Das Wall Street Journal hat (lt. SZ vom Freitag) seinen neuen Chefredakteur auch deswegen zum Chefredakteur gemacht, weil er „das digitale Zeitalter wirklich versteht“. Interessantes Auswahlkriterium. Habe leider nur noch von keiner deutschen Zeitung gehört, die dieses Kriterium ebenfalls anlegen würde.