Wie die Zeitung der Zukunft aussieht

Beim Word Newspaper Congress haben die Zeitungsleute dieser Welt über Dinge gesprochen, die all diejenigen, die sich schon länger mit dem Thema Internet befassen, durchaus geraume Zeit bereits wussten: Das Medium Internet hat der Tagezseitung ihre bisherige Kernfunktion, das Überbringen der Nachricht nämlich, abgenommen. Dass man diese Erkenntnis überhaupt einer Erwähnung wert findet hat damit zu tun, dass sie von Zeitungsleuten kommt, die bisher immer gerne behauptet haben, dieser ganze digital-elektronische Quatsch werde die Zeitung nie ersetzen können (was mich, nebenbei bemerkt, an ein Gespräch mit einem ehemaligen Kollegen aus dem letzten Herbst erinnert. Er: „Die gedruckte Zeitung darf nie verschwinden.“ Ich: „Warum eigentlich nicht?“. Er: „….“)

Jedenfalls ist auch in der Holzklasse, wenn auch anscheinend erst in deren Avantgarde, angekommen, dass das Tageszeitungsmodell der letzten 50 Jahre mausetot ist. Auszug von Mario Garcia:

Der internationale Zeitungsdesign-Guru Mario Garcia schloss sich dieser Ansicht an. Die Zeitung der Zukunft sei komplementär zum Internetauftritt. Internet und Zeitungen „tanzen Tango und der Chefredakteur ist ihr Choreograf“. Die Botenfunktion für die Nachricht habe heute das Internet, die Zeitung müsse einordnen. „Die Story startet und endet online. Print ist da, um sie zu verstärken“, meinte der Mann, der das Gesicht von mehr als 450 Zeitungen neu gestaltet hat.

Wohl wahr – um allerdings der Choreograf der Tango tanzenden Medien zu sein (banale, aber überaus wichtige Erkenntnis) müssen Chefredakteure beide Parts des Paares kennen. Ich bezweifle, dass das tatsächlich überall der Fall ist.

Und auch das hier ist etwas, was man eigentlich nicht mehr wirklich betonen muss, es aber anscheinend auf dem Weltkongress der Zeitungen noch mal eine eigene Erwähnung wert ist:

Leitartikel seien im Zeitalter der Internet-Blogger out, die Meinung der Leser dagegen wichtiger als je zuvor. 

Persönlich würde ich zwar diese Aussage in dieser Pauschalität nicht übernehmen, weil sie ein Widerspruch zu der künftigen Funktion der Zeitung als ein einordnendes, (be-)wertendes Hintergrund-Medium ist. Und zum Einordnen, zum Sortieren, schlichtweg: zu einem publizistischen Profil gehört nun mal auch das Kommentieren. Ich denke, dass es einen ziemlich großen Bedarf nach Meinung bei Zeitungslesern gibt. Ich glaube, dass sie wissen wollen, was „ihre“ Zeitung denkt. Allerdings nicht mehr in Form einer Predigt von der Kanzel herunter, sondern als Denkanstoß, als Dialog.

Immerhin, in Kaptstadt ist die Botschaft angekommen, die Frage ist nur noch, wann man auch in Kassel, Karlsruhe oder Köln so denkt.

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