Über den Zustand der Blogosphäre als solcher

Das kommt davon, wenn man kein richtiger First Mover ist: Irgendwas scheine ich mal wieder versäumt zu haben. Jedenfalls lese ich in den letzten Tagen auffallend häufig Formulierungen wie Blogblues, Blog-Depression und gar „sterbender Blog-Hype“. Huch. Mein Blog stirbt gerade und ich merke es nicht?

Man muss dazu wissen, dass ich Blogs erst recht spät für mich entdeckt habe. Das hier gibt es erst seit gut zwei Jahren, da hatte Don Alphonso schon ungefähr fünf Bücher zum Thema gescrieben. Ich habe Blogs gelegentlich sehr gerne gelesen, auf die Idee, selbst zu bloggen, bin ich nachts um drei gekommen. Weil mich mein damaliges journalistisches Umfeld wahlweise entweder langweilte (an guten Tagen) oder tödlich quälte (an nicht so guten Tagen). Mit der Bloggerei entdecklte ich mein kleines persönliches Refugium, in dem ich machen konnte, was ich will. Nebenher hatte diese Seite den angenehmen Effekt, „meine“ DJSler einfach auf sie verweisen zu können, wenn es um die Updates aus vergangenen Unterrichtseinheiten ging. Besser als irgendwelche losen Kopien – allemal.

Ob sich darüber hinaus irgendjemand diese Seite anschaut, war mir seit jeher völlig egal. Inzwischen schauen sich auch ein paar Leute auch außerhalb der DJS gelegentlich hier um, was mich im Fall von einigen ganz speziellen Lesern sehr freut, ansonsten aber mir grundsätzlich immer noch egal ist. Dieses Blog wird weder dazu geschrieben, um Geld zu verdienen, noch um in irgendeinen Konkurrenzkampf einzutreten noch um jemanden zu beeindrucken (oder gar Eigenmarketing zu betreiben). Dass es so eine ulkige Seite wie die „Deutschen Blogcharts“ gibt, habe ich jahrelang gar nicht bemerkt. Ich dachte ja ehrlich gesagt immer, so was könne es nur in Deutschland und seinem ausgeprägten Hang zur Ordnung geben. Sogar ein halbwegs anarchisches und freies Kommunikations-Tool wie Blogs zwängen wir sofort in ein gelistetes Raster. Blogcharts, den Schwachsinn muss man sich mal vorstellen. Ich meine, von mir aus kann man sowas ja machen und sich auch darüber amüsieren, aber eine wie auch immer geartete Relevanz kann man weder aus Verlinkungen noch Klickzahlen oder anderem Kram herauslesen.

Davon abgesehen habe ich für mich persönlich sehr schnell festgestellt, dass ich die meisten der topgelisteten Blogs erstaunlich langweilig finde. Was irgendwie logisch ist, weil ich Bon Jovi oder irgendwelche anderen Gurken, die regelmäßig die Musikcharts dominieren, auch ziemlich einschläfernd finde. Letztendluch bleibt also der Schluss, dass ich weder die Musik, die ich höre, noch die Blogs, die ich lese, in irgendeiner Weise an Charts orientiere. Ist Bon Jovi ein guter, gar relevanter Musiker, weil er in den Charts ist? Na also. Charts haben also bestenfalls eine quantitative Aussage.

Und jetzt die aufgeregte Debatte: Blogs sterben! Blogs in Depression! Negative Verlinkungstendenzen!! Der Hype geht zu Ende! Man liest das und denkt, man sei mitten in einer Börsianer-Debatte. Dabei sind´s doch nur Blogs, kein Dax.

Was ich an Blogs machen: Jeder könnte theoretisch schreiben, viele und gottseidank nicht jeder tun es. Und ich kann Dinge von Leuten lesen, von denen ich zu früheren Zeiten nie etwas lesen hätte können. Das finde ich ziemlich schön. Man muss deswegen Blogs weder professionalisieren noch vercharten. Sie werden immer eine schöne kleine Nische für den Typus Selbstdenker sein. Ein paar Leute werden davon leben können und exponierte Stellungen einnehmen, was ich ihnen durchaus gönne. Der Rest hat auch in den vergangenen Tagen und Wochen gute und spannende und manchmal einfach nur blöde Geschichten geschrieben.

Ganz so wie immer.

Krise? Was für ein Unfug.

Ein Gedanke zu „Über den Zustand der Blogosphäre als solcher

  1. … und der kleine, traurige Songwriter in Austin/Texas wird auch nicht deswegen aufhören zu komponieren, weil Bon Jovi dieses Jahr nicht mehr so viele Platten verkauft wie letztes …

    Ja, Bloggen ist etwas sehr Individuelles, das macht man oder man macht es nicht, und wenn es nicht mehr so viele andere tun: na und? Entweder man hat was zu sagen oder nicht; wer bloggt, um trendy zu sein, wird eh nicht lange durchhalten. Das Ende des Hypes (so es einen gab und so er jetzt wirklich zu Ende ist) wird also im besten Fall bedeuten: das Durchschnittsniveau steigt.

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