Der Bratwurstpionier verramscht Ausweise (und den Journalismus)

(Vorweg der für diesen Beitrag nötige Hinweis: Ich habe kurze Zeit mal mit Andre Zalbertus zusammengearbeitet und in den letzten Jahren ungefähr gar nichts mehr mit ihm zu tun gehabt, worüber ich alles andere als unglücklich bin).

André Zalbertus ist jemand, der den großen Auftritt mag. Wie es überhaupt bei ihm gerne  groß und pompös sein darf: Von den Pressestellen der diversen Unternehmen, die er gegründet hat, lässt er sich schon mal  als „Visionär“ bezeichnen (eine Nummer kleiner hatten sie es gerade nicht) und auch andere Auszüge aus der Serie „Zalbertus über Zalbertus“ lassen erahnen, wie der Visionär, der unter anderem Kuriositäten Sender wie Bratwurst.tv und german-autobahn.tv betreibt, tickt:

Der Sender Bratwurst.tv, gegründet von Medienpionier Andre Zalbertus und einziges Vollprogramm rund um das Thema Bratwurst, plant daher zu Ehren der Currywurst umfangreiche Jubiläumsfeierlichkeiten und -aktivitäten.

(Pressemappe bratwurst.tv)

Die Zalbertus New Media GmbH wurde von Medienpionier Andre Zalbertus gegründet (…). Andre Zalbertus ist zugleich Begründer des center.tv Heimatfernsehen, dem 24-Stunden-Sender mit total lokalem Programm für die Region, und bratwurst.tv, dem einzigen Vollprogramm rund um das Thema Bratwurst.

(Pressemappe bratwurst.tv)

„Der Medienpionier Zalbertus ist nicht nur ein sehr erfolgreicher Fernsehunternehmer und Buchautor, sondern auch Geschäftsführer des Kölner und Düsseldorfer Lokalfernsehsenders center.tv Heimatfernsehen. (…) Zalbertus erklärtes Ziel ist es, nun auch mit Unterstützung von Rainer Prüm als „rechte Hand“, mit Internet und Fernsehen, die größte Heimat-Community Deutschlands aufzubauen.

(Pressemitteilung OpenPR)

„Gerade haben wir ein Büro in Hongkong eröffnet“, sagt Zalbertus.

(Welt online)

„Mittlerweile hat ein Hauen und Stechen um die regionalen Sendefrequenzen eingesetzt. Die Landesmedienanstalt in Nordrhein-Westfalen nennt das den „Zalbertus-Effekt“. Ich bin für Partner jedenfalls offen.“

(In einem Interview mit dem Manager-Magazin).

Der Mann, der das einzige Vollprogramm rund um das Thema Bratwurst betreibt (oder muss man sagen: betrieb? Die Seite ist jedenfalls irgendwie down), gründet ziemlich gerne ziemlich viel, bevorzugt mit wohlklingenden Namen, beispielweise rief er auch mal eine „Deutsche Videojournalistenschule“ ins Leben, die es aber, man ahnt es, auch schon lange nicht mehr gibt.  Irgendwann existierte  eine Centerstone AG, eine Zalbertus New Media, eine Emotionsberatung und viele andere hübsche Dinge, über die die „Süddeutsche Zeitung“  schrieb:

Man muss sich keine Sorgen um André Zalbertus machen. Das sagt er zumindest, wenn man ihn derzeit telefonisch in Asien erreicht. Der Kölner Fernsehunternehmer, der bei RTL Drittsendeplätze bespielt und Nordrhein-Westfalen mit billigen Lokalsendern überschwemmt, gibt indes durchaus Anlass, sich mal nach seinem Befinden zu erkunden.

(Das ist übrigens eine nette Umschreibung für eine Seite, bei der man sich u.a. 18 Minuten lang aus der Fahrerperspektive ansehen kann, wie jemand auf der A1 nach Kamen fährt.)

Jetzt hat der Dauergründer und Pioniervisionär etwas ganz Neues entdeckt (und da hört dann der Spaß wieder auf): Er vergibt Presseausweise. Für den Fall, dass Sie bisher dachten, dazu seien lediglich Journalistenverbände oder Verlegerverbände berechtigt und Inhaber eines Ausweises müssten mehr oder minder hauptberuflich tätig sein — Sie täuschen sich: Andre Zalbertus hat nach bewährtem Muster  einen wohlklingenden Namen erfunden, diesmal nennt sich das Konstrukt „Gesellschaft zur Förderung der Bürgerreporter“. Auf der Webseite befindet sich nichts (ähnlich übrigens auch wie hinter der Webseite zalbertus.com).

Die Presseausweise, die Zalbertus seinen Mitgliedern verspricht, haben denn auch nicht den Sinn, den Presseausweise haben sollten, nämlich Journalisten ihre Arbeit zu erleichtern. Stattdessen ist Zalbertus erfreulich offen und preist seine vermutlich von keinem einzigen seriösen Unternehmen anerkannten Kärtchen als das an, was sie sein sollen – Rabattmarken:

Zudem sollen sie [die Bürgerreporter] zur Minimierung ihrer Nebenkosten Presserabatte in Anspruch nehmen können.

Diejenigen, die die Rabatte gewähren sollen, ködert Zalbertus wie gewohnt mit visionären Superlativen: In den kommenden beiden Jahren entstehe unter seiner Obhut Europas größte Bürgerreportergemeinschaft, was gut sein kann, weil es in anderen europäischen Ländern keine Gesellschaften gibt, die den Quatsch fördern. Und diese Bürgerreporter, allesamt in Zalbertus´ GzFB  Mitglied, sind dann eine große, große Einkaufsgemeinschaft, die nicht nur fleißig bei den Rabattgewährern einkaufen, sondern nebenher auch noch gerne ihre Daten hergeben:

Die GzFB-Bürgerreporter werden somit eine große Einkaufsgemeinschaft bilden. Über das neue Internetportal www.bürgerreporter.com werden wir einen regen Erfahrungsaustausch dieser Zielgruppe initiieren. Die daraus resultierenden subjektiven Marktforschungsdaten können sicher auch für Ihr Unternehmen von Interesse sein. Auch direkte Mailings und besondere Rabattaktionen für Bürgerreporter werden damit möglich.

Jaha, so tickt der Medienvisionär Zalbertus: Er verkauft nicht nur Grundwerte des Journalismus, sondern die entsprechenden Daten und wertlosen Presseausweise gleich noch dazu (wie man das rechtlich bewerten mag, wissen andere sicher besser als ich). Journalisten als Rabattjäger, die man gerne noch mit ein paar gezielten Mailings und ganz besonderen Angeboten ansprechen darf; da ahnt man dann, woher der schlechte Ruf unseres Berufsstandes kommt. Und als wenn das alles nicht schon übel genug wäre, stilisiert sich Zalbertus nebenher auch noch als Wohltäter:

Mit einem Teil der Erlöse aus den Mitgliederbeiträgen werden wir Projekte im Bildungsbereich und ehrenamtliche Hilfsprojekte finanzieren. Gegenwärtig bilden wir zum Beispiel im Ruhrgebiet 20 Hauptschüler zu potentiellen Medienfachkräften aus. Diese Schüler hätten in normalen Bewerbungsverfahren nicht den Hauch einer Chance gehabt, einen Ausbildungsplatz zu erhalten. In diesem Bereich sind wir stolz, als mittelständisches Unternehmen einen Teil unseres Erfolgs an die Gesellschaft zurückgeben zu können.

Ganz besonders ärgerlich ist es, wenn Zalbertus bekannte Namen in den Kontext seiner wirren Unternehmungen bringt, ohne jedoch, so schlau ist er dann doch, zu behaupten, dass diese Zitate unmittelbar über ihn und seine Projekte gefallen sind. In seinem desaströs lustigem Buch „So werde ich Hobbyreporter“ beispielsweise druckte er diesen Text von Stefan Niggemeier aus der FAZ ab und machte ihn damit ungewollt zum Kronzeugen für seine Theorien. Dabei wird jedem, der Niggemeiers Text gründlich liest, schnell auffallen, dass sich seine und Zalbertus´Auffasungen in gar nichts decken. Für sein Bürgerreporterprojekt zitiert er u.a. Heribert Prantl und Wolfgang Büchner (die werden sich sicher freuen) und verweist in bekannter Bescheidenheit noch darauf, dass Barack Obama der erste gewesen sei, der die Bedeutung des Bürgerjournalismus erkannt habe und letztendlich wegen seiner Haltung zu ihnen Präsident geworden sei. Niggemeier, Büchner, Prantl, Obama, sie alle als Kronzeugen für die visionären Idee des Gründers der Gesellschaft zur Förderung von Bürgerreportern — wenn es nicht so bizarr wäre, müsste man schon wieder lachen.

Übrigens, gar so erfolgreich, wie sich Zalbertus und seine Unternehmungen gerne darstellt, ist er dann doch nicht. In der Branchenübersicht 01/2009 heißt es bei Verdi u.a.:

Der Regionalsender center.tv hat 2008 einen Verlust von 1,5 Millionen Euro eingefahren. Im laufenden Jahr wird deshalb ein hartes Sparprogramm umgesetzt. 20 Arbeitsplätze gelten als gefährdet.

6 Gedanken zu „Der Bratwurstpionier verramscht Ausweise (und den Journalismus)

  1. Bratwurst-Tiwie?

    Wie tief ist denn DER gesunken, sachma? Und die verlinkte Seite ist nicht gehackt, kein Spoof, kein böser Witz von Anti-Zalbertisten?

    Was die Presseausweis-Kiste angeht:
    Dürfen tut er das schon. Wenn das Diekmann’sche Telligenzblatt das darf, wenn auch eine Berliner Aktiengesellschaft Bürgern mit Fachkenntnissen eine so genannte Mitgliedschaft in einem so genannten Berufsverband für Fachjournalisten (der im echten Leben eine Kapitalgesellschaft ist, so wie die Mitglieder im echten Leben Kunden sind) verkaufen darf samt so genanntem Presseausweis, dann darf das ein leibhaftiger Absolvent unserer guten alten DJS wie der lustige Azmedia das eben auch. Gleiches Unrecht für alle.

    Nicht schön, das, aber leider auch nicht mehr selten.

  2. cj verdient Dank für die umfangreiche Recherche zu diesem Ärgernis und der so peinlich-mies handelnden Person: Aber wir organisierten Journalisten wären gut beraten, die Rabatt-Versprechungen nicht allzusehr zu thematisieren. Oder sind jene Gewerkschaftsmitglieder, die sich unter Vorlage ihres „richtigen“ Presseausweises (den in dieser rechtlich einwandfreien Form eben leider nicht mehr gibt!) oder des mittlerweile gültigen Rabatte verschaffen, aus den Verbänden ´rausgeworfen worden? Oder, ganz schlimme Vorstellung, gibt es gar noch gedruckte Listen mit Namen von Firmen und Händlern, die Journalisten Rabatte gewähren? Und das gaaaaanz ohne Hintergedanken? Zalbertus kennt diese Schwächen gewiss nicht aller, aber leider vieler Journalisten ganz bestimmt. Und findet exakt an dieser schwachen Flanke, seine Widersacher anzugreifen.834

  3. Nicht alles was Zalbertus gegründet hat, liegt darnieder oder war vollkommener Schwachsinn. Auch wenn er sich mittlerweile von seinen Anteilen an AZ MEDIA getrennt und die Deutsche Videojournalistenschule samt Personal und Know How in die Hände der TV Hauptstatdakademie übergeben hat, bleiben ihm zumindest die Verdienste um den deutschen Videojournalismus. Visionäre sind Menschen mit bildlichem Vorstellungsvermögen und die hat der Mann doch.

  4. Seit vielen Jahren besitze ich einen offiziellen, anerkannten Presseausweis und habe mir den GzFB Presseausweis bestellt um die Unterschiede beider Presseausweise zu vergleichen. Fazit: Bislang habe ich keine Unterschiede feststellen können. In dem Bericht von cjakubetz wird deutlich das er emotionale Probleme mit Andre Zalbertus hat. Wie soll cjakubetz unter diesen Umständen einen journalistisch glaubwürdigen Bericht verfassen? Das wesentliche Merkmal einer glaubwürdigen Berichterstattung ist die Unvoreingenommenheit. Da diese hier nicht gegeben ist, kann dieser Bericht auch unter journalistischen Aspekten gesehen in die Ablage P. cjakubetz scheint kein seriöser Journalist zu sein. Neid ist immer noch die schönste Form der Anerkennung. Damit hat Andre Zalbertus ja wenigstens etwas richtig gemacht.

  5. @Michael Schmidt

    du hast einen *offiziellen, anerkannten Presseausweis*
    und bestellst fuer 150,- einen nach deiner lesart
    NICHToffiziellen, NICHTanerkannten GzFBPresseausweis?

    wie lustig ist das denn ?????

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