Journalistenrausschmiss auf katholisch

Zum kirchlichen Charakter des Instituts gehört es auch, dass es keine bestimmte innerkirchliche Richtung vertritt oder favorisiert, sondern offen ist für die Vielfalt christlicher Glaubens- und Lebensstile. Alle, die in der großen Kirche Platz haben, sollen auch im Institut Platz haben – vorausgesetzt allerdings, dass sie dialogfähig sind, das heißt, daß sie ihre eigene Meinung nicht absolut setzen und nicht als die christlich und kirchlich allein mögliche hinstellen. In diesem Sinn soll das Institut einen Raum bieten, in dem jeder seinen eigenen Glaubensweg finden kann – immer in der argumentativen Auseinandersetzung mit den Fragen unserer Zeit. (aus: „Unser Selbstverständnis“, IfP)

Die katholische Journalistenschule in München hat in diesem Jahr einen neuen geistlichen Direktor bekommen. Pfarrer Michael Broch, auch als Rundfunkpfarrer für den SWR tätig,  gehört zu den Geistlichen in der Kirche, die man „unbequem“ nennen darf, ohne dass man sich damit der Phrasendrescherei schuldig macht. Am 22. Mai gab er ein Interview in der „Leonberger Kreiszeitung“, das einiges an solchen unbequemen Aussagen enthält: Dem Papst attestierte er, die Kirche „an die Wand“ zu fahren, die Sexualmoral nannte der „antiquiert“.  Das System Kirche, so schlussfolgerte Broch, dürfe nicht „von ein paar zölibitären Männern beherrscht werden“. Vor möglichen Folgen solcher Worte hatte er keine Angst: „Ich bin loyal, auch wenn ich motze. Und dann habe ich natürlich als Medienpfarrer mehr Freiheiten – denn meine Kirchenbezirke aus Rottenburg, Freiburg und Mainz haben Respekt vor der Pressefreiheit.“

Man musste sich da schon ein wenig sorgen: Geht das gut?

Es ging nicht. Michael Broch ist heute von seinem Amt als Geistlicher Direktor des IfP zurückgetreten. Liest man die Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferrenz allerdings genauer, müsste man eher sagen: Er ist zurückgetreten worden. Die DKB schreibt unter anderem:

Der Text (des Interviews) enthielt einige Bewertungen der kirchlichen Lage und zuspitzende Aussagen, die in der Bischofskonferenz für unvereinbar gelten mit der Verantwortung, die dem Geistlichen Direktor des ifp zufällt.

Das ist ein ziemlich interessanter Widerspruch zu dem, was für das IfP postuliert ist: eben keine bestimmte innerkirchliche Richtung vertreten zu wollen. Allen Platz zu lassen, so lange sie dialogfähig sind und ihre Meinung nicht als die alleinige kirchlich mögliche hinstellen. Genau das hat Pfarrer Broch getan: Er hat seine Meinung geäußert und keinen Zweifel daran gelassen, dass sie mit der offiziellen katholischen Sprachregelung eben nicht konform geht.

Und das eigentlich Erschreckende daran ist: Man wundert sich nicht einmal darüber. Man ist nicht erstaunt darüber, dass die katholische Kirche von der Amtsmeinung abweichende Äußerungen anscheinend nicht erträgt, nicht einmal dann, wenn es um die Ausbildung von Journalisten geht. Dabei nimmt die Bischofskonferenz doch für „seine“ Journalistenschule explizit in Anspruch:

Als Journalisten haben Christen keine andere Aufgabe und keine anderen Normen als die Kolleginnen und Kollegen, die von einer anderen Welt- und Lebensanschauung herkommen.

Die Bischofskonferenz hätte Größe, Glaubwürdigkeit und auch ein modernes journalistisches Sellbstverständnis bewiesen, hätte sie die Meinung eines Pfarrers und Journalisten ertragen. Gezeigt hat sie leider das Gesicht, das man von ihr leider nur zu oft gesehen hat: unversöhnlich, strafend, des Dialogs unfähig. Man muss Brochs Auffassungen nicht teilen — sehr wohl aber muss man sie aushalten können.

Persönlich halte ich diese Reaktion als auch für das IfP ausgesprochen schädlich. Ich kenne das IfP als ein Institut, das in Sachen Journalistenausbildung gute Arbeit auf hohem Niveau leistet. Ich kenne es als einen sehr angenehmen Ort, in dem journalistische Tugenden hoch geschätzt werden, in dem diskutiert und meinetwegen auch leidenschaftlich gestritten wird. Kurzum, als einen Ort, den man aufsuche sollte, will man sich gerade mal wieder im blinden Kirchen-Bashing verlieren.

Als einen Ort autoritärer Glaubensgewalt hingegen — kannte ich das IfP bisher nicht.

(Hinweis: Ich bin ab und zu für das IfP als Dozent tätig. Dies hier ist meine private Meinung.)

Nachtrag:

  • „Über sein dummes Maul gestolpert“: Das erzkoservative „kreuz-net“ über die Demission von Pfarrer Broch.
  • „Bischöfe verzeihen dem Papst-Kriker nicht“: Die „Südwest-Presse“ über den Rücktritt Brochs und die internen Reaktionen im IfP darauf

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