Mein Kropf gehört mir

Ich  bin Urheber. Und mein Kopf gehört mir. Bevor jetzt jemand beim „Handelsblatt“ jubiliert: Nein, die Konsequenz aus dieser dann doch eher banalen Feststellung ist nicht meine Zustimmung zur Anti-Irgendwas-Kampagne, sondern eine weitere banale Feststellung: Es ging mir noch nie so gut wie seit dem Tag, als ich das, was jetzt dort als rasend neue Erkenntnis verkauft wird, für mich selber begriffen habe. Weil meine Konsequenz daraus nicht war, für eine Beibehaltung der Verwerterrechte zu trommeln, sondern mein eigenes Ding zu machen.

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Den einen oder anderen habe ich vermutlich in den letzten eineinhalb Jahren ein bisschen gequält mit diesem Projekt namens „Universalcode“. Aber aus diesem Projekt heraus habe ich die zumindest für mich wichtigste Erkenntnis gezogen, dass ich in den früheren Konstrukten, in denen ich gearbeitet habe, keineswegs irgendwas auch nur halbwegs Schützenswertes, sondern das schwächste Glied einer langen Kette war. Mein Kopf gehörte da zwar auch schon mir, aber die Ergebnisse, die er produzierte, gehörten mir nur so lange, bis ich sie beim Verwerter ablieferte. Das erste Buch, das ich geschrieben habe (Crossmedia, UVK), ist natürlich ein Resultat meines Kopfes, viel mehr noch als „Universalode“, an dem ein sattes Dutzend Autoren beteiligt war. „Crossmedia“ habe ich vollständig alleine geschrieben. Trotzdem gehört mir an diesem Buch nichts:  Ich habe es komplett an den Verlag abgetreten, was damals (2008) ziemlich alternativlos war, wenn man nicht gerade ein Book on demand machen wollte. Ohne die Strukturen eines Verlags war es nicht möglich, ein Buch zu veröffentlichen und es wenigstens halbwegs unter die Leute zu bringen. Meine Position war demnach auch nicht gerade gut. Man sagte mir seitens des Verlags und seitens anderer, befreundeter Autoren, dass mit einem Buch in diesen Auflagen-Größenordnungen kein Geld zu verdienen sei, damit war dann auch klar, dass dieses Buch für mich eher ein Ding aus Spaß an der Freud sein würde. Das Buch ging dann zwar sogar in eine zweite Auflage und manchmal habe ich mich ja schon gefragt, wie ein Verlag überhaupt überleben kann, wenn er lauter Sachen auf den Markt bringt, die ihm kein Geld bringen. Zumal ich ja auch wusste, dass andere Bücher, die in dieser Reihe erscheinen, von einer zweiten Auflage einigermaßen weit weg waren. Und der Verlag auch ansonsten in seinem Portfolio keine Millionenseller hatte, mit denen solche vermeintlichen Liebhaberprojekte und Verlustbringer finanziert werden können.

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Ich war also demnach glücklich, vertraglich überhaupt irgendeinen Anteil an diesem Buch zugesprochen bekommen zu haben. Nicht viel, die Details erspare ich Ihnen, aber jeder, der schon mal ein Buch kleinerer Auflage geschrieben hat, weiß, in welch dramatischen Dimensionen sich das bewegt. Man begründete mir das damals damit, dass mein mir gehörender Kopf und ich dafür ja auch die gesamten Leistungen des Verlags in Anspruch nehmen könnten: Das Buch würde vom Verlag lektoriert, gesetzt, beworben, vertrieben. Was mir theoretisch einleuchtete, dennoch begann ich mich mit der Zeit zu wundern. Das Lektorat war de facto ein etwas besseres Korrekturlesen, das Marketing bestand daraus, dass mein Buch in den verlagseigenen Prospekt aufgenommen und ab und an auf Verkaufsständen ausgelegt wurde. Und der Druck? Inzwischen weiß ich in etwa, was der Druck eines 200-Seiten-Buchs kostet, noch dazu ohne Abbildungen, die den Spaß erheblich teurer machen. Die Werbeprospekte wurden eh gedruckt und das Lektorat war, wie gesagt, eher nebenher. Alles in allem habe ich dann mal nachgerechnet und festgestellt: Selbst an einer geringen Auflage verdient der Verlag, den ich zuvor als eher gnädig empfunden hatte, ganz ordentlich. Gut, werden Sie womöglich und der Verlag sogar ganz sicher sagen: Dafür trug er auch weitgehend das unternehmerische Risiko, hätte ja auch sein können, dass sich von dem Buch keine hundert Stück verkaufen. Dass es auch mein Risiko war, weil ich ja schließlich meine Zeit mit etwas ordentlich bezahltem hätte verbringen können, ist mir dann erst später bewusst geworden.

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Verdienst? Nahe null, zumindest bei mir. Wenn ich die Arbeitsstunden zusammenrechne, die in „Crossmedia“ stecken: Da hinkt sogar der beliebte Hartz4-Vergleich, das geht eher in Richtung eines 1-Euro-Jobs. Unnötig zu sagen, dass ich an diesem Buch keine Rechte habe, auf den Verkauf, das Marketing und alles andere keinerlei Einfluss besitze und meine eigene Position – wie erwähnt – die Schwächste ist. Dass sich der Verlag um mich, meine Rechte und meinen Kopf sonderlich viele Gedanken machen würde, ist mir bisher nicht aufgefallen und dass sich durch die Diebe und Kostenlos-Kretins der Piraten an meiner Lage noch irgendwas verschlechtert hätte, auch nicht.

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Zugegeben: Das alles war auch der Hintergrund, warum ich für „Universalcode“ ein solches, klassisches Verlagsmodell kategorisch ausgeschlossen habe. Dazu kam, dass ich ganz am Anfang des Projekts, als es noch gar nicht „Universalcode“ hieß, mal mit einem Verlag über die grundsätzliche Idee gesprochen habe. Da war man begeistert und stellte mir in Aussicht, das Buch gerne zu verlegen. Ich müsse lediglich einen Druckkostenzuschuss von 3000,- Euro zahlen, würde aber dann, wenn das Buch die Gewinnzone vielleicht mal erreicht, mit 5 Prozent an den Erlösen beteiligt werden (und nein, das ist jetzt kein Witz). Dass ich die Rechte am Buch, dessen Druck ich selber bezahlt habe, natürlich komplett abtreten hätte müssen, bedarf vermutlich keiner weiteren Erwähnung. Als ich dieses „Angebot“ auf dem Tisch liegen hatte, war mir zum ersten Mal klar, dass ich nie wieder in solchen Strukturen arbeiten würde: Der Verlag macht nichts anderes, als das Buch zu setzen, zu lektorieren und zu verschicken und streicht dafür 95 Prozent der Erlöse ein und sichert sich alle Rechte? Um ehrlich zu sein, ich weiß nicht, ob ich nicht das eher als Diebstahl und Kostenlos-Kultur bezeichnen soll.

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Bevor Sie jetzt irgendwas falsch verstehen: Ich habe bei „Universalcode“ gelernt, dass hinter einem Buch auch viel organisatorische und verlegerische Arbeit steckt, die ich durchaus respektiere. Und nein, natürlich ist noch niemand mit dem Buch reich geworden, wir stehen ja auch erst am Anfang, es gibt das Buch jetzt ein gutes halbes Jahr. Aber die Chancen, damit irgendwann Geld zu verdienen und es möglicherweise in weitere Projekte zu reinvestieren, ist deutlich größer als im klassischen Verlagsmodell.  Zumal auch noch anderes anders ist: Alle Autoren, die an „Universalcode“ beteiligt sind, haben die Rechte an ihren Texten behalten und sie nur einmalig für dieses Buch zur Verfügung gestellt.  Sprich: Die Urheber haben in diesem Modell alle Rechte an ihren Texten, nicht der Verwerter (in diesem Fall Ulrike Langer, Ralf Hohlfeld und ich). Lektoriert haben wir es selber (genauer gesagt: Tom Leonhardt), das Marketing haben wir hier im Netz und viral selber hinbekommen, das Buch wird von einem Dienstleister verschickt. Kurz gesagt: All die Dienstleistungen, für die ein Verlag 95 Prozent der Erlöse verlangt hätte, haben wir selber gemacht (und zwischendrin sogar die leidvolle Amazon-Problematik wenigstens halbwegs vernünftig gelöst).

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Das hat für mich Konsequenzen gehabt. Ich unterschreibe nirgendwo mehr Verträge, die in Richtung total buy-out gehen. Ich arbeite nicht mehr in diesen Konstrukten, in denen der einzige, der profitiert hat, der Verwerter, nicht der Urheber war. Ich respektiere die Arbeit von Verwertern und natürlich sollen sie für ihre Arbeit angemessen bezahlt werden. Ich ärgere mich nur maßlos, wenn in dieser Urheberrechts-Debatte so getan wird, als sorgten sich die Verwerter um uns Urheber. Das tun sie nicht, sie sorgen sich, womöglich zurecht (siehe oben) um ihr bisheriges und durchaus einträgliches Geschäftsmodell. Sieht man davon ab, wie unfassbar viele sachliche Fehler in der „Mein-Kopf-gehört-mir“-Kampagne stecken, wäre es schön, wenn wenigstens um das debattiert würde, um was es in Wirklichkeit geht. Für mich selber weiß ich (auch da gilt: siehe oben): Es geht mir gut wie nie zuvor – und ob die Piraten oder eine Änderung des Urheberrechts die größere Bedrohung dieses Zustandes wären, würde ich nach aktuellem Stand der Dinge dann doch bezweifeln.

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(Weitere Lesetipps: Thomas Knüwer „Das Handelsblatt schwurbelt durch die irreale Welt“, Dirk von Gehlen „Vom Wissen der Wichser: Zwei Thesen zum Urheberrecht“).

17 Gedanken zu „Mein Kropf gehört mir

  1. Ja, die Gehirnwäsche hat fein funktioniert. Jetz isse putt. Und wir könnten eigentlich mal versuchen, eine sachliche Debatte miteinander zu führen, anstatt von Scholz & Friends (?) noch tiefere Löcher buddeln zu lassen.

    Ich muss mich ja mittlerweile mit dem ganzen Kram auch ernsthaft beschäftigen und kann mich eigentlich nur u.a. bei euch von Universalcode bedanken. Auch wenn es das nicht leichter macht.

  2. Danke für den Text. Ich werde dich in meinem Artikel verlinken 🙂

    Was bei der Handelsblatt-Kampagne auffiel, war, dass dort kaum Künstler unterzeichnet haben. Der absolut größte Teil waren Verwerter, Politiker, Manager und dergleichen mehr.

    Auf der anderen Seite sind es natürlich auch nur die großen Namen, die sich melden. Diejenigen, die einen starken Stand bei den Verträgen haben.
    Wenn ein Konsalik sagt (der ist tot, dem darf ich das unterstellen :-)), er lasse sein nächstes Buch von einem anderen Verlag verlegen, bekommt er ganz schnell ein verbessertes Angebot. Aber die allerallermeisten haben halt diese Verhandlungsposition nicht…

  3. Ich bewege mich mit meinen Büchern auch in ähnlichen Dimensionen und sehe das genauso wie du. Ich glaube deshalb, es wird demnächst eine Konkurrenz unter Verlagen um AutorInnen geben (weil sonst immer mehr das so machen, wie du). Ich bin bisher noch bei meinen Verlegerinnen geblieben, aber eben deshalb, weil ihre Dienstleistung für mich (Lektorat und Marketing) wirklich gut ist, also besser, als du das erfahren hast. Verlage, die hier schlampen, werden es schwer haben, noch gute Bücher zum Verlegen zu bekommen. Habe dazu hier was gebloggt: http://antjeschrupp.com/2011/10/21/wozu-meine-verlegerin-gut-ist/

    Neulich hatte ich mit meiner Verlegerin übrigens ein langes Gespräch darüber, warum Bücher im Verkaufspreis so teuer sind, also auch warum z.B. eBooks nicht billiger sind, wo man doch keinen Druck und keine Logistik mehr braucht. Sie sagte mir, dass ein großer Batzen des Preises von den Grossisten abgeräumt wird, also den Zwischenhändlern, über die die kleinen Verlage ihre Ware an die Buchhandlungen schicken. Und das Unverhältnismäßige wäre, dass die für eBooks genauso viel abgreifen wie für PapierBooks (bei denen man ja noch nachvollziehen kann, dass diese Logistik eine tatsächlich notwendige Dienstleistung ist).

  4. Danke für den Text. Neulich las ich irgendwo, das das BGH Total-Buy-Out-Verträge immer wieder „einkassiert“. Man müsste die Autoren organisiert bekommen damit die Verlage nachzahlen müssen.

    Die Verlage beschäftigen sich selber. Vertrieb bei Buchhändlern usw. ist „krass teuer“. In der Pharmabranche und bei Firmen-Software für Mittelständler dürfte es ähnlich sein. Ein paar BWLer verdienen mehr oder weniger gut und die Maschinerie drumherum könnte inzwischen sehr viel kleiner und computer-optimierter sein. Das ist wie Zentrale Atomkraftwerke für ganze Bundesländer wo man besser Solar/Wind-Selbstversorgung per 12Volt/5Volt 90% des Tagesbedarfes gewinnen kann oder Kleinkraftwerke Stadtteile versorgen.

    Die ct hat wohl immer wieder Anleitungen wie man Ebooks selber macht. Vielleicht ist auch iBook-Author ein Disruptor und Dienstleister (weil in Deutschland Macs kaum verbreitet sind) für ein paar Euros erledigen das dann.
    Wie wichtig Lektoren sind, zeigt das bekannte Interview mit Naddel bzgl. ihrer Biographie auf. Ein Großteil der Bücher braucht allerdings nur Crowd-basiertes Korrekturlesen. Da man bei EPrint auch Updates vebreiten kann, kann man dem Autor auch nachträglich klarmachen welche Fehler er gemacht hat. Wenn er schlau ist, bringt er Bücher dann Kapitelweise heraus was sich speziell bei Sachbüchern anbietet.
    Sowas ist trivialprogrammierung. Leider nicht in Diktaturen oder Abmahnistanesien. Sonst gäbe es das längst.

    Ohne Abmahnungen hätte ich längst ein Wiki aufgesetzt wo man sieht wie die Geldströme sind. Die systematische Abwicklung der Buchhandlungen und LKW-Fahrer (Zeitschriften, Bücher, Zeitungen) und Zeitungsboten ist dann zu regeln!!! Die Buchhandlungen haben 30%-45% Rabatt („Marge“). Davon muss man aber auch Mieten, Mitarbeiter usw. bezahlen und Bücher die „jahrelang nur herumstehen“ während Amazon vermutlich vieles gar nicht physikalisch vorhanden „herumliegen“ hat sondern (wie ich mal bei CD-Bestellungen erleben konnte) Deine Bestellung dazu führt das Amazon von einem Vorlieferanten die CD (oder halt das Buch) geliefert kriegt und für Dich dann verpackt und der Post liefert. Wie bei Auto-Just-in-Time-Produktion sind diese Lieferanten und deren Zwischenlager vielleicht genau um das Amazon-„Werk“ herum positioniert.
    – Selbst-Autoren die für den Druck auch noch bezahlen gibt es viele. Früher musste man jeder Landesbibliothek zwei Exemplare geben. Weil das recht teuer ist (weil kaum jemand weiss wo man so günstig Druckdienstleistungen kriegt wie schon vor Jahren mal in der ct beschrieben), werden Dr-Arbeiten aus Kostengründen schon lange elektronisch veröffentlicht.
    – Vermutlich 90% der Zeitschriften entstehen beim Herausgeber im Büro oder Wohnzimmer oder Keller. Geh in die Stadtbücherei und schau dir stichprobenmäßig einzelne Einträge im Buch der Zeitschriften an. Du erkennst das Potenzial und das die Kiosk/Tankstellen-Zeitschriften nur die Spitze des Eisberges sind und wie IVW zeigt auch nur „tausende“ von Exemplaren verkaufen. Auch Dienstleistungen dürften damit möglich sein. Die Abo-Kosten gehen eher nicht für Gewinne sondern für Druck+Porto drauf. Bei der Druckerei muss man doch eh PDF abgeben glaube ich. Adobe und Post kriegen ihre Systeme für kleine Zeitschriften leider nicht fertig. Evtl wechseln Zeitschriften auf iBook-Author. Evtl kann man Crowdbasiert Zeitschriften und alte Ausgaben auf E(lektronisch) konvertieren und mit oder ohne dynamische Werbung freigeben. Mallorca-Rentner mit Ipad und Leute die schlecht lesen können würden sich freuen.
    – Für Sachbücher kriegt man ein paar hundert Euro und der Vermittler der schon mal ein paar Bücher geschrieben hat und Co-Autor (oder nur Quasi-Lektor ist) ebenso.
    Es gibt genug Leute die mit der Branche (Casting-Bands, Groschen-Romane, Sachbücher, Lehrbücher…) abgeschlossen haben und Interviews oder Aussagen geben wie hoch ihr Anteil war. Dafür muss man auch keine Geschäftsgeheimnisse outen und findet immer noch genug sinnvolle Aussagen. Sowas könnte man mal auf einem Semi-Moderierten Wiki sammeln. Oder DDR-Authoren deren Schulbücher ich gerne elektronifizieren würde um kostenlose i18n-Schulbücher in allen Sprachen für weltweit auf allen Plattformen (QNX, Symbian, iPhone, iPad, TV, RasberryPi, Epub, Kindle, PDF…) zu verbreiten, deren Bücher aber seit Jahren nicht mehr gedruckt werden. Geschäftsgeheimnisse zu outen ist natürlich böse. Aber wenn ein Buch auf der offiziellen OutOfPrint-CD nicht-mehr-lieferbarer Bücher steht und bei eurobuch gigantische Preise hat oder überhaupt nicht angeboten wird (Xenogears für Playstation1, Frühe Final-Fantasy-Teile für Playstation 1 auch wenn das keine Bücher sind), ist das wohl kein privates Geheimnis zwischen Autor und Verlag und bedeutet entgangene Steuer-Einnahmen.

    Da es mehr Autoren als Verleger gibt, sollten gewerkschaftsähnliche Ideen elegant einfach zu organisieren sein. Das wäre aber zu lang für hier.

    Ein strukturiertes Wiki wo Autoren wie bei Arbeitgeber-Bewertungen Vertrags-Konditionen bewerten können (ohne die Verlage zu outen) wäre auch eine Argumentationshilfe. Urheberrecht beginnt, wenn man weiss, wer welche Politiker-Rede geschrieben hat. Und wer mal „ausgeblendete Artikel“ bei news.google (das gerne mit Google-Websuche verwechselt wird) angeklickt hat oder die nachrichten.de-App nutzt, wird erkennen wie „sinnvoll“ ein Snippet-Recht ist. Man müsste nur mit seinem Ipad mal die Politiker in der Sprechstunde besuchen und das vorführen. Dann sieht man wie viele Prozente der Meldungen nur Agenturmeldungen sind. Das ist ok und war früher auch so. Aber heute fällt es halt mal auf dank google-News und wenn google+ besser wäre, würde man die guten Artikel hochschieben und die reinen Copy-Paste-Artikel ohne Eigenleistung gar nicht mehr verlinken sondern nur noch Eigenleistungs-Artikel mit echtem Wert.

    Die Hugendubel-Weltbild-EReader kosten nur 60 Euro. Das ist eine gigantische Zielgruppe für z.b. Artikel in großer Schrift für alte Augen. Ebenso könnte man Programmzeitschriften herausbringen wo man auf 🙁 und 🙂 tippen kann um Sendungen dauerhaft nicht anzuzeigen und somit ein schönes schlankes bereinigtes EPG angezeigt zu kriegen. Dummerweise gibt es die VG-EPG 🙁 und erst Apple-TV wird EPGs am 1920×1080-Großbildschirm in elegant nutzbar darstellen obwohl das ja heute schon ginge wenn TV-Konzern-Manager ihre eigenen TVs mal selber benutzen würden.

    Die Printbranche muss kleiner gefahren werden. Leider fordert das noch keiner. Man könnte Verlage offen aufrufen zu erklären das sie in der nächsten Rezession keine Subventionen brauchen werden und mit ihren Privatvermögen haften (und bis zu welcher Höhe). Dann müssen wir nicht wie schon bei den Auto-Subventionen wieder eine Branche mit meinen Steuergeldern „retten“.
    Man müsste Klickworkermäßig Lektorate u.ä. („Text-Beratung“) als Dienstleistung organisieren und kann Diplomarbeiten-Korrektur und Dr-Arbeiten-Korrektur als Nebeneffekt auch noch „mitnehmen“. Evtl. auch Crowding von Kunden-Meinungen und Betreuung was aber vielleicht zu teuer wird so das man sowas mit strukturierten Wikis vielleicht eher als „Selbsthilfegruppen“ organisiert wo die Autoren sich virtuell treffen und Geschichten seit dem letzten Treffen „erzählen“ und was sie wie umgesetzt haben (z.b. sich in Foren niemals aufputschen und provozieren lassen sondern deeskalierend überlegen sein wie die Kung-Fu-Meister in den Filmen) oder was sie anders gemacht haben als „empfohlen“. Man muss Autoren (Musik-Bands, Filme-Machern,..) helfen, freier zu agieren. Technisch ist es oft so trivial, das es schade ist, das es keiner schon längst macht 🙁 Piraten konsumieren und kritisieren anscheinend eher anstatt ungewählt einfach mal Lösungen zu organisieren und dann aus Dank gewählt zu werden.

  5. Vielen Dank! Das mit dem Druckkostenzuschuss von 3000,- Euro hat mich aufhorchen lassen. Und zwar, dass Sie fürchteten, Ihre Leser würden das für einen Witz halten.

    Für Geisteswissenschaftler sind 3000 Euro ein Schnäppchen. Häufig zahlen irgendwelche Stiftungen oder Organisationen Druckkostenzuschüsse. Jedenfalls ist der eigentliche Käufer (also der, der zahlt) eines Buches der Autor. Das heißt nicht, dass es das Buch dann umsonst gäbe, da es ja schon bezahlt ist. Nein geisteswissenschaftliche Bücher kosten dann eher so 50-100 Euro pro Stück. Ich habe voriges Jahr mal die Geschäftsmodelle von Wissenschaftsverlagen verglichen:
    http://erbloggtes.wordpress.com/2011/10/04/wissenschaftliches-verlagswesen-zwei-geschaftsmodelle-im-vergleich/

  6. Nachvollziehbar. Vielleicht mal den Amazon Kindle Store ansehen? Da hab ich mein Buch jedenfalls drin und bekomme mehr als 5%. 😉

  7. „Man stößt … auf erhebliche Unschärfen…“ So beginnt Ihr neues Buch. Leider findet sich diese „Unschärfe“ auch in Ihrem Artikel.
    „Der Verlag macht nichts anderes, als das Buch zu setzen, zu lektorieren und zu verschicken und streicht dafür 95 Prozent der Erlöse ein und sichert sich alle Rechte?“

    Äh, wie bitte? Als Autor sollten Sie schon mal davon gehört haben, dass allein der Buchhandelsrabatt zwischen 45 und 50% beträgt. Für die physikalische Auslieferung fallen noch mal ca. 10% an. Nimmt man noch die MWSt. dann kommen bei einem Verlag ca. 35% vom Ladenpreis an. Davon erhält der Auor seinen Anteil, wobei 5% krass wenig sind. Aber bitte, also landen etwa 30% beim Verlag. Davon bezahlt er Lektorat, Korrektorat, Satz, Covergestaltung, Druckvorlage, Druck und Bewerbung. Er arebitet übrigens selbst auch und ist nicht nur „Finanzier“. Wenn er das halbwegs anständig macht (oder warum haben Sie bei ihm unterschrieben?), dann bleiben am Ende ein paar Prozent übrig. Und die _realisiert_ er erst mit den letzten Exemplaren der Auflage, da er ja alles, evtl. auch den Vorschuss, _vorfinanzieren_ muss. Oder mit anderen Worten: am ersten (größten) Teil der Auflage verdient man gar nichts (Publikumsrenner >fünfstellige Stückzahl bitte ausgenommen).

    Hier zu suggerieren (2x, aber in eine Frage verpackt. Absicht?), Buchverlage würden 95% Erlöse einsacken, ist schon nicht mehr unseriös, sondern nur noch bodenlos. Wie war das mit dem guten Journalismus?

    „Alles in allem habe ich dann mal nachgerechnet und festgestellt: Selbst an einer geringen Auflage verdient der Verlag, den ich zuvor als eher gnädig empfunden hatte, ganz ordentlich. “ Dann mal von Kollege zu Kollege: Was ist eine kleine Auflage? 1000 Stück? 3000 Stück? 5000 Stück? Würde mich schon sehr interessieren, wie man damit „ganz ordentlich“ verdienen kann. Ich – und sicher viele meiner Kleinverlegerkollegen – wären an dieser Rechnung mördsmäßig interessiert –> share?

    (Für die evtl Merkbefreiten: hier geht’s um gedruckte Bücher)

    Marion Zartner
    Buchverleger, Kleinverleger

  8. Was ich gerne von Ihnen wüsste, ohne jetzt auf jedes Detail Ihres Kommentars einzugehen: Wenn Sie quasi nichts verdienen und Ihre Verlagskollegen auch nicht, warum machen Sie das Geschäft dann? Weil Sie uns Autoren so nett finden? Im Übrigen habe ich nie behauptet, dass 95 Prozent aller Erlöse immer in jedem Fall an den Verlag fließen. In dem beschriebenen „Angebot“ wären aber sogar die von Ihnen angegebenen Druckkosten rausgefallen, zudem wollte der Verlag ein satzfertiges Manuskript angeliefert bekommen. Und natürlich ist niemand so naiv zu glauben, dass Erlöse eines Verlags brutto wie netto sind.

    Ich kenne auch die Rabatte, die sich der Buchhandel erbittet. Die Zahlen sind zwar meines Wissens nicht ganz so hoch, wie von Ihnen behauptet, aber sei´s drum. Speziell Fachverlage wie der von mir beschriene UVK machen allerdings ziemlich viel über Direktvertrieb, das ist keine Lektüre, die man zwingend ausschließlich über den Handel vertreiben muss.

    Covergestaltung? Das Cover, das man mir für Crossmedia untergejubelt hat, kann keine 5 Minuten gedauert haben, das macht jeder Praktikant mit Photoshop ohne nachzudenken.

    Also, bevor Sie dann das nächste Mal die Leser hier als „Merkbefreit“ beschimpfen, denken Sie vielleicht nochmal nach, warum nicht jeder Autor beim Anblick eines Verlags „hurra“ ruft. Nach Ihrem Kommentar beschleicht mich das Gefühl, mit der Universalcode-Idee deutlich besser als bei Ihnen aufgehoben zu sein, bei allem Respekt.

  9. Sie schrieben:
    „Was ich gerne von Ihnen wüsste, ohne jetzt auf jedes Detail Ihres Kommentars einzugehen: Wenn Sie quasi nichts verdienen und Ihre Verlagskollegen auch nicht, warum machen Sie das Geschäft dann? Weil Sie uns Autoren so nett finden? “

    Letzteres ist sicher die notwendige Vorbedingung. Wenn man den Kontakt mit schreibenden Menschen schrecklich findet, wär‘ man woanders besser aufgehoben ;-).
    Ja, wir Kleinverleger verdienen schlecht (insg.) und an vielen Büchern sogar gar nichts oder weniger. Ohne auf so Feinheiten wie Quersubventionierung innerhalb eines Verlagsprogramms einzugehen – ohne die viele Bücher das Licht der Welt in gedruckter Form) nicht erblicken würden -, wir machen das aus Leidenschaft und natürlich in der Hoffnung ein- oder auch mehrmals einen „Treffer“ zu landen, sprich Bestseller, oder noch lieber, Longseller zu produzieren.

    „Im Übrigen habe ich nie behauptet, dass 95 Prozent aller Erlöse immer in jedem Fall an den Verlag fließen.“ Nein, Sie haben es in Fragen gepackt, suggerieren es aber.

    „In dem beschriebenen “Angebot” wären aber sogar die von Ihnen angegebenen Druckkosten rausgefallen, zudem wollte der Verlag ein satzfertiges Manuskript angeliefert bekommen.“
    Dass unterschiedliche Verlage (Wissenschaftsverlage, Fachverlage, etc) unterschiedliche Anforderunegn stellen ist mir bekannt. Wen es interessiert, muss sich nur mal auf entsprechenden Seiten die jeweiligen Leitfäden zur Manuskriptabgabe herunterladen. Ich (wenn wir schon beim Austauschen der persönlichen Ansichten sind) halte die Praxis der Wissenschaftsverlage für höchst überdenkenswert, besonders dort, wo mit öffentlichen Mittel erarbeitete Ergebnisse durch mit öffentlichen Mitteln bezahlte Autoren (und Assistenten zu Erfüllung der Formatvorgaben) in private Rechteverwertung übergeben werden. Aber das war ja nicht unser Thema.

    „Und natürlich ist niemand so naiv zu glauben, dass Erlöse eines Verlags brutto wie netto sind.“
    Es ging nicht um brutto und netto, sondern darum, dass Sie suggerieren, bei einem Verlag würden 95% vom Ladenpreis, von mir aus vom Nettoladenpreis, _ankommen_ (Erlös = verkaufte Menge × Verkaufspreis).

    „Ich kenne auch die Rabatte, die sich der Buchhandel erbittet. Die Zahlen sind zwar meines Wissens nicht ganz so hoch, wie von Ihnen behauptet, aber sei´s drum. “
    Nein, sei’s nicht drum. Der Barsortimentsrabatt liegt bei 50% (und ich habe Kollegen, die sagen, neuerdings sogar darüber), wer es geschafft hat in den letzten 10 Jahren (also keine Altverträge) darunter zu kommen, möge sich sofort bei mir melden und erzählen, wie er das gemacht hat.
    Was den stationären Buchhandel betrifft, ist ein Verlag in seiner Rabattgestaltung natürlich frei, aber da der Buchhändler (singlar, nicht die Ketten) mittlerweile mit der zweiten Stelle hinter dem Komma rechnet, sind Rabatte unter 40% für ihn schlichtweg nicht interessant. Auch hier wieder, Bestseller ausgenommen, da haben die Verlage andere Spielräume.

    Was Sie weiterhin zu den Ihnen angebotenen Konditionen sagen, stimmt sicher, und was Ihr ehemaliger Verlag macht, wissen Sie auch besser. Sie können sich ja jederzeit darüber beschweren, und/oder mit ihm verhandeln und am Ende zwingt Sie ja auch keiner, dort zu unterschreiben. Es ist aber kein Grund den Eindruck zu erwecken (und das tun Sie), Verlage würden a) die Autoren irgendwie zwingen (Wie denn? Mit vorgehaltener Waffe?) Ihre Rechte „natürlich komplett abtreten [zu] müssen“, und b) dabei einen grotesk unverhältnismäßigen Anteil einstreichen.

    „Also, bevor Sie dann das nächste Mal die Leser hier als “Merkbefreit” beschimpfen, …“
    Ich habe niemanden beschimpft. Ich habe mit dieser flapsigen Bemerkung lediglich für den Fall der Fälle darauf hingewiesen, dass wir über das in Auflage gedruckte Buch sprechen, und nicht über BoD, ebooks oder sonst ein e-publishing, da sieht die Sache nämlich nochmal ganz anders aus.

    ….denken Sie vielleicht nochmal nach, warum nicht jeder Autor beim Anblick eines Verlags “hurra” ruft.“
    Dass muss er doch auch nicht! Es gibt mehr (!) Verlage als Buchhandlungen in Deutschland, die Auswahl ist riesig, Und man kann mittlerweile selbst publizieren (BoD), einen Verlag gründen, oder eine so elegante Lösung wie Sie finden.

    Und glauben Sie mir, wir sind es, die beim Anblick eines guten (!) Manuskripts „Hurra“ schreien, und das mehr als einmal, es gibt nämlich gar nicht so viele davon. Von meiner Warte aus ist es so, dass wir uns krummlegen, um gute (!) Autoren zu bekommen und später auch zu halten. (Bitte jetzt keine „Bezahlverlage“ als Negativ-Beispiel anführen.)

    „Nach Ihrem Kommentar beschleicht mich das Gefühl, mit der Universalcode-Idee deutlich besser als bei Ihnen aufgehoben zu sein, bei allem Respekt.“

    Ich wünsche Ihnen, dass Sie das Gefühl nicht nur beschleicht, sondern dass Sie bald sicher sind/sein können, einen guten Weg gegangen zu sein. Sie sind nämlich jetzt auch Rechteverwerter. Und das noch mit Kapitalgesellschaft.

    Ach ja, und wie war das mit der Wirtschaftlichkeit kleiner Auflagen?

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