Der Niedergang eines Berufsstands (und eine Buchidee)

Vorwarnung: Ich möchte mal wieder ein Buch schreiben. Aus einer sehr spontanen Idee heraus, so wie damals bei „Universalcode“. Dazu bräuchte ich mal wieder Ihre und Eure Hilfe. Und ich bedanke und entschuldige mich zugleich bei Dirk von Gehlen, von dessen Idee ich mich inspirieren lasse. Man könnte auch sagen: von dem ich sie geklaut habe (sorry, Dirk). Was also soll das werden – und warum? Wenn Sie ein bisschen zuviel Zeit haben, dann erkläre ich Ihnen das auf den nachfolgenden gefühlten 50.000 Zeichen. Danke für Ihre Geduld.

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Was ist eigentlich aus unserem Beruf geworden? Wieso empfehlen Professoren plötzlich, auf gar keinen Fall mehr Journalist zu werden? Warum beschreiben junge Journalistinnen ihre Entscheidung für diesen Beruf als eine gegen jegliche Vernunft? Wieso ist es anscheinend nicht mal mehr längere Diskussionen wert, wenn ein Beruf, der ja dann doch irgendeine kleine Bedeutung für eine Gesellschaft haben sollte, so bezahlt wird, dass man ihn nicht wegen, sondern trotz seiner Bezahlung ausübt?

Das alles ist mir in den letzten Tagen oft durch den Kopf gegangen und an die Geschichte von meinen Großeltern (ich erzählte sie hier bereits), die mir vor inzwischen beinahe 30 Jahren von Herzen zugeraten haben, diesen Job zu machen, muss ich immer wieder denken. Würden sie heute noch leben,wären sie wahrscheinlich entsetzt über meine Berufswahl – und würden sagen: Willst du dir das wirklich antun? Es ist also genau genommen gar keine Krise, in der sich Medien und Journalismus aktuell befinden. Davon könnte man nur sprechen, wenn es sich um ein vorübergehendes Phänomen handeln würde, das irgendwann wieder vorüber geht. Tatsächlich ist der Journalistenberuf seit 30 Jahren langsam, aber stetig im Niedergang. Möglicherweise nicht nur, was sein ohnedies nie überragend hohes Ansehen angeht. Sondern auch, ganz profan, was seine materielle Ausstattung anbelangt.

Eine andere Frage, die sich stellt: Was wird eigentlich aus einer Gesellschaft ohne Journalismus? Braucht sie ihn und uns vielleicht gar nicht mehr? Und falls doch, wie soll ein Journalismus funktionieren, der aus Tagelöhnern und Dazuverdienern besteht – oder bestenfalls aus Menschen, die eine Unmenge an Idealismus mitbringen, weil es anders gar nicht mehr geht? Müsste man also nicht langsam mal eine Entscheidung treffen – entweder, den Journalismus, wie wir ihn heute kennen, für verzichtbar zu erklären, oder aber für eine Renaissance zu sorgen, damit er seine ihm eigentlich zugedachten Aufgaben wieder ordentlich wahrnehmen kann?

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So viele Fragen – und womöglich warten Sie jetzt zurecht auf ein paar Antworten. Die ich natürlich auch nicht habe und wenn ich sie hätte, würden sie nicht in einen Blogbeitrag handelsüblicher Größe passen. Aber womöglich passen sie in ein Buch. Jawoll, Buch. Eines, in dem man sich mal mit sehr grundsätzlichen Überlegungen zu Medien und Journalismus befasst. Keines dieser kurzatmigen Bestandsaufnahme-Dinger, auch kein Handwerksbuch wie es „Universalcode“ ist. Sondern eines, nach dessen Lektüre man (vielleicht) versteht, was das passiert ist in den letzten Jahren.  Wie der status quo jetzt ist. Und wie es weitergehen könnte. Ich würde gerne mit vielen Menschen sprechen, mit Journalisten, die noch mit Schreibmaschine und Filmentwickler gearbeitet haben. Mit Leuten, die seit ein paar Jahren dabei sind und jetzt mitten im Berufsleben stehen. Und natürlich mit solchen, die einsteigen wollen oder es gerade eben erst getan haben. Ich würde gerne mit Verlegern sprechen, mit Senderchefs und Chefredakteuren. Aber auch mit Lokaljournalisten, freien Mitarbeitern, mit jenen also, die jeden Tag irgendwo an der Basis den Betrieb am laufen halten. Und natürlich mit Politikern und Medienwissenschaftlern. Darüber, welche Rahmenbedingungen unseren Beruf in den nächsten Jahren erwarten könnten.

Und am Ende hätte ich gerne eine Antwort auf die beiden simplen Fragen: Was ist da überhaupt in den letzten Jahrzehnten? Und: Lohnt es sich wirklich nicht mehr, Zeit und Mühe und Begeisterung in diesen Beruf zu investieren?

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Das geht natürlich nicht alleine. Das ging schon bei „Universalcode“ nicht alleine. Und es wäre vermessen zu glauben, man könne all diese komplexen Fragen mal eben im Alleingang beantworten. Zumal es dem Verständnis, dass ich von Journalismus der Neuzeit habe, komplett widersprechen würde, wenn ich den Anspruch hätte, das alles alleine zu stemmen. Ich würde mich gerne nach guten Mitautoren umsehen. Ich würde natürlich gerne wieder den Entstehungsprozess möglichst transparent machen. So (und da kommen wir auf die Einleitung zurück) wie es Dirk von Gehlen bei seinem Projekt „Eine neue Version ist verfügbar“ vormacht. Ich mag die Idee sehr, das Schreiben zu verflüssigen, Menschen teilhaben zu lassen, ihre Ideen und Anregungen mit einfließen zu lassen. Und ich bin sehr angetan von der Möglichkeit, sich als Autor aus den Abhängigkeiten von Verlagen und Unternehmen zu befreien. Deswegen würde ich das Buch, sofern es jemals Realität werden sollte, ähnlich wie Dirks ENVIV via Crowdfunding finanzieren lassen.

Finanzieren? Ja. Sehr nüchtern betrachtet wird eine Menge Arbeit dahinter stecken und auch ein gewisser Materialaufwand, der irgendwie bezahlt werden muss. Zum anderen: Es ist ja schlichtweg widersinnig, wenn man zum einen immer von neuen Erlösmodellen und Finanzierungsmöglichkeiten von Journalismus spricht, Kollegen dazu auffordert, auch mal eigene Wege zu gehen – und dann bei einem solchen Projekt solche gar nicht mehr so neuen Wege nicht versuchen würde. Das bedeutet im Umkehrschluss auch: Die Entscheidung, ob es ein Buch über den Niedergang und die hoffentliche Wiederauferstehung des Journalismus treffen Sie/trefft ihr. Wenn das Thema niemanden juckt, gibt’s kein Buch. Auch das gehört zu den neuen Realitäten des Journalismus, dass das Feedback sehr unmittelbar und manchmal auch ganz gnadenlos ausfällt.

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Liege ich also völlig falsch mit dieser Idee? Dann ignorieren Sie dieses Posting. Liege ich vielleicht doch halbwegs richtig? Keine Sorge, dann müssen Sie jetzt noch nichts bezahlen oder sich für irgendwas verpflichten. Sie würden mir mit Feedback sehr helfen, gerne in den Kommentaren oder an cjakubetz (ät) gmail (dot) com. Uns noch mehr helfen würden Sie mir, wenn Sie diese Idee weiterverbreiten, auf allen Kanälen, die wir inzwischen haben, ob das Twitter, Facebook, Google + oder Ihr eigenes Blog ist. Oder sogar ganz analog, mündlich, in Gespräch mit echten, lebenden Menschen. Vielleicht sind ja auch noch ein paar Journalisten darunter, solange es sie noch gibt.

34 Gedanken zu „Der Niedergang eines Berufsstands (und eine Buchidee)

  1. Dir ist schon bewusst, dass allein der Zeitpunkt deines Posts die Antwort vorgibt: fast zeitgleich ist gerade eben Krautreporter gestartet. Das kann ja wohl kein Zufall sein – und auch die Tatsache nicht, dass Du bei deinem Text auf eine sehr kluge Idee zurückgreifst …

    Im Ernst: Machen, Ausprobieren! Egal, ob auf Krautreporter oder Startnext. Ich finde es gut!!

    Nur bitte, gib dem ganzen einen positiveren Titel 😉

  2. Ja. Ich würde so ein Buch gerne lesen. Ganz ohne Berufstands-Pathos und aus der Nutzer-Perspektive: Welche Inhalte wollen wir heute in welcher Form von Experten der Inhalte-Erstellung (aka) Journalisten lesen? Und dafür auch bezahlen? Mit Aufmerksamkeit, Daten, Verbreitung oder wie früher mit Geld? Bin gespannt.

  3. Eine gute und wie ich glaube auch notwendige Idee!

    Ich selbst bin Arzt geworden, hatte aber zu Zeiten der Oberstufe (Mitte der Achtziger) auch noch die Idee Journalismus könnte es sein.
    Ich schrieb seit Jahren an einer Schülerzeitung mit, und war altersentsprechend naiv fasziniert von der Idee, Meinung mit „zu machen“.
    Als ich dann aber von einem langjährigen Journalisten erfuhr, dass man heutzutage erst mal etwas studiere, um dann ggf. Fachjournalist zu werden, stand ich wieder vor der Frage was mich sonst noch interessiert.
    Nach dem Zivildienst im Krankenhaus war klar, dass es eben doch Medizin wird. Und eigentlich stand auch da schon fest, dass die Menschen den Beruf interessant machen, und Fachjournalist somit hinfällig war!

    Heute als politisch interessierter Mensch und berufspolitisch engagierter Arzt, bin ich immer wieder entsetzt wie wenig informiert häufig Journalisten sind, wenn Sie zu Themen schreiben, von denen ich berufsbedingt etwas verstehe. Dass Pressemitteilungen der Kassenverbände unhinterfragt einfach abgedruckt werden, ohne eigene Recherche.
    Wenn ich mir nun vorstelle, dass dies ganz sicherlich auch in vielen anderen Bereichen so funktioniert, von denen ich keine Ahnung habe, dann wird mir klar wieso Lobbyarbeit häufig so effektiv funktioniert. Und wieso die Meinungsmache durch große Verbände so effektvoll ist, trotz Meinungsfreiheit und einer noch recht pluralistischen Medienvielfalt in Deutschland (im Vergleich zu anderen westlichen Ländern).
    Der finanzielle Druck hat in den Redaktionen zu dem streichen vieler Stellen geführt, und so wird dankbar auf vorgefertigte Pressetexte der entsprechenden Lobbygruppen zurück gegriffen. Eigene Recherche, Hirnschmalz und Empathie, kann man sich offenbar kaum noch leisten.

    Das sind die Gedanken die mir bei diesem Thema durch den Kopf gehen. Sicherlich auch sehr einseitig, aber aus eigener Erfahrung kommend. Und das wäre mein Grund, ein solches Buch, das diese und andere Aspekte des journalistischen Niedergangs beleuchtet, zu unterstützen.

    Viel Erfolg, ich bin gespannt!

    Armin

  4. Da kenne ich eine Menge Kollegen, die noch Bleisatzzeiten erlebt und auf Schreibmaschinen geklappert haben. Wenn’s konkret wird, kann ich gerne ein paar alte Kontakte reaktivieren.
    Ich denke seit längerer Zeit über das gleiche Thema nach – allerdings mit einer etwas anderen Zielrichtung. Das mit dem Niedergang sehe ich nämlich ein wenig anders. Niedergang setzt voraus, es habe eine Blütezeit des Journalismus gegeben, in der alles (oder fast alles) Gold war. Wann soll das gewesen sein? In den 50er und 60ern, als die alten Nazis und Angepassten den Ton angaben? In den 70er und 80ern, als sich die 68er die Hörner abstießen? Damals habe ich im Lokaljournalistenprogramm der Bundeszentrale für politische Bildung mitgearbeitet, das Genöhle der Kollegen in den Seminaren habe ich noch gut im Ohr.
    Goldene Zeiten gab es vorübergehend in materieller Hinsicht – ob dies dem Journalismus gut getan hat, lässt sich kontrovers diskutieren.
    Es würde mir darum gehen, nicht die Vergangenheit zu verklären, sondern im kritischen Rückblick zu zeigen, dass Journalismus immer in einer prekären Situation war, wenn auch aus sehr unterschiedlichen Gründen. Und es ginge mir um Motivation für die jungen Menschen heute, sich allen Widrigkeiten zum Trotz für diesen Beruf zu entscheiden – weil neue Wege im Netz zu erkunden auch seinen Reiz hat. Vielleicht mehr, als den Trampelpfaden des Agentur oder Lokaljournalismus zu folgen. Ich glaube
    nicht daran, dass materielle Sicherheit, ein geregeltes Arbeitsleben und hohes soziales Prestige zu einer positiven Auslese führt. Da muss man sich nur etwa den Ärztestand anschauen.
    Auf eine kurze Formel gebracht: spannend wäre für mich ein Buch gegen die aufkeimende Journalismus-Nostalgie mit Blick auf sich abzeichnende (?) neue Wege.

    Viele Grüße aus Bad Honnef

    Michael Bechtel

  5. Ihr lieben Männer –
    ich würde gerne in Eure Runde einbrechen, weil ich denke, jede ist manns genug, mitzureden. Und ja – ihr habt recht – wie wird die Zukunft aussehen, ohne (aka) Journalisten? Wobei sich die frage aufdrägt, was sind heute (noch) Journalisten? Wie definiert sich eine oder einer, um einem Bild gerecht zu werden – oder gibt es überhaupt EIN Bild?
    Und welche Art von Information und Informationsweitergabe wird es eigentlich noch geben? Kann es eine Neuerfindung des Rades geben im übertragenen Sinn? Und welches Rädchen ist jetzt wer in der ‚Medienlandschaft‘ – um welche Achse drehe ich mich?
    Das sind alles Fragen, die mir in den Sinn kommen, wenn ich Eure Worte lese.Überhaupt:LESEN. Geht das überhaupt noch? Oder ist es nur noch Konsum, der die Waren bestimmen wird?
    Oh ja, Christian – (sei so nett und mach‘ es mit Startnext , ich mag mich nicht überall anmelden 😉 )
    das wird spannend, irgendwann Antworten auf all die Fragen zu bekommen.
    Gruß
    Su

  6. Ein sehr spannendes Thema, über das ich seit Jahren immer wieder aufs Neue nachdenken muss, wenn mich Nachwuchstalente aus der Was-mit-Medien-Fraktion über Berufschancen ausfragen.

    Ich stelle mir nur die Frage, ob ein Buch hierfür das richtige Medium ist. Bei einem Ausbildungsbuch wie „Universalcode“ gibt es zumindest ein paar beständige Standards, auf die man sich berufen kann. Mutmaßungen über die Zukunft unseres Berufsstandes sind aber wahrscheinlich zwischen Erstellung und Buchproduktion schneller überholt.

    Vielleicht wäre es bei einem solchen Thema sinnvoller, mit einem Brainstroming per thematisch strukturiertem Wiki o. ä. zu starten und erst dann zu entscheiden, welche Form das Projekt annehmen sollte.

    Vielleicht kommt dabei heraus, dass eine Sammlung von individuellen journalistischen Businessideen am inspirierendsten ist …

  7. Meinem Vorredner ‚Michael Bechtel‘ möchte ich mich anschließen: Die Zeit vor dem materiellen Niedergang des Journalismus liegt heute im goldenen Abendlicht und erscheint uns deshalb schöner, als sie war.

    Als jemand aus der Alterskohorte ‚Hippiezeit‘ weiß ich noch, wie viele Jugendliche sich unter dem publizistischen Einfluss der „Teufelsdroge Haschisch“ aus dem zwölften Stock in den Tod zu stürzen hatten, wo unten auf dem beschmadderten Gehweg tränenüberströmt die bestürzten Eltern dann die infernale Rockmusik beklagten.

    Zuvor, unter Adolf dem GröSchwaZ, gab es ja nicht nur die edlen heimatvertriebenen Journalisten à la Hans Habe, es gab buchstäblich Zigtausende, die auf ihrer Adler alles brav nachklapperten, was Goebbels ihnen vorbetete, die dazu unentwegt vom ‚Endsieg‘ tirilierten – ganz ohne Ironie. Wie der Journalismus in der Weimarer Republik aussah, das lässt sich bei Fallada (‚Bauern, Bonzen, Bomben‘) nachlesen. Und schon unterm Kaiser wurde in den Leitartikeln brav von ‚Preußens Gloria‘ trompetet, während zu den ‚Kriegsberichterstattern des Ersten Weltkriegs bei Karl Kraus alles Nötige zu finden ist.

    Kurzum – wer glaubt, dass es in einem ideellen Sinn im Journalismus jemals anständig zuging, der irrt. Allenfalls fielen in den ‚guten alten Zeiten‘ noch mehr Brocken vom Tisch der Verleger, als sich dort noch die Renditen höher türmten und kein BWLer auf jeder Etage über ‚Rationalisierungsmöglichkeiten‘ nachsann.

    Ansonsten – diesen geschichtlichen Teil zur ‚Selbstaufklärung‘ vorausgesetzt – ist eine solche Buchidee eine dankenswerte Sache. Ob sie sich auszahlt, steht auf einem anderen Blatt.

  8. Lieber Christian, machen! Und unbedingt auch den Blick ein wenig schweifen lassen, in die USA, nach GB, dorthin, wo die Entwicklung schon etwas weiter ist und uns zeigt, wohin es gehen könnte. Ist der Journalist als Marke nun das Nonplusultra? Wie unterscheiden sich die Eruptionen in Fernsehen, Radio und Print? Welche neuen Fähigkeiten erfordern sie? Welche kann man getrost vernachlässigen? Hat sich die Qualität verändert?

    Interessante Sache jedenfalls. Viel Erfolg dabei!

  9. DAFÜR!

    Finde @Peters Idee, erst mal eine Stoffsammlung zu machen, gut, aber es sollte auf jeden Fall ein Buch daraus werden. Wenn viele Menschen sich zu diesem Thema äußern, kann man das ruhig zum späteren immer mal wieder Nachlesen drucken. Und an Ansprechpartnern sollte es nicht mangeln ,)

  10. Ein Buch. Warum so oldfashioned? Im Netz gibt es hier und da schon fundierte Statements zum Thema. Diese zentral zu sammeln wäre ja schon mal ein Erfolg. (Heißt neudeutsch: Kuratieren, oder?) Darauf aufbauend dann weitere Thesen setzen, schreiben. Ich sehe da nicht unbedingt die Notwendigkeit eines Buches, wäre für mich erst der 2. Schritt.

  11. Inge, erstens finde ich nicht, dass der Begriff oldschool per se gegen ein Buch spricht. Zum anderen: Ich möchte das eigentlich gerne als eine so offene Veranstaltung wie möglich machen. Und dazu gehört auch und vor allem, diejenigen, die sich etwas weniger im Netz bewegen, nicht auszuschließen. Bei Universalcode stand ich ja vor der selben Frage – und der Wunsch nach einem gedruckten (!) Buch war der eindeutig überwiegende.

  12. @Inge und cjakubetz

    Warum das nicht verbinden? Buch auf Papier und Lesegeräte, online dann zusätzliche Infos: Videos von Interviews, Fotostrecken und Daten.

  13. Hallo Christian,

    wir brauchen ein solches Buch nicht, weil es keinen Niedergang des Journalismus gibt. Es gibt eine Krise des Verlagsmodells, das sich über Anzeigen finanziert at und dessen Goldgräberzeit aus den 90ern vorbei ist. Die Journalisten klagen auf hohemen Niveau, aber sie würden auch klagen, wenn sie prächtiger verdienen würden.

    VG Wolf

  14. für wen schreibst du das buch? für die leser, die nicht mehr so recht einsehen wollen, dass sie für artikel geld bezahlen sollen? für herausgeber und verleger, die die redaktion gerne mit sätzen wie „ihr journalisten seid doch hier der größte kostenfaktor, die anzeigenabteilung verdient eure viel zu hohen gehälter“ erschrecken?

    oder für die journalisten, die sich mit der zeit immer lieber „embedden“ ließen und lassen, jede pressereise goutieren und weihnachten auf ihr fresspaket oder den x-ten edelfüller warten?

    ich bin ein alte journalistin, die noch klebeumbrüche mit fixogum verbrochen hat. meine einschätzung ist, dass es wirklich aus dem ruder gelaufen ist mit der unabhängigen, kritischen und gründlich recherchierten berichterstattung, als die herausgeber- und verlegersessel mit reinen kaufleuten besetzt wurden. einer nach dem anderen. langsam aber sicher.

    welche zeitung, welches magazin hat an der spitze denn noch einen echten blattmacher? jemanden, der für eine fröhlich-gesunde feindschaft zwischen anzeigenabteilung und redaktion sorgt, der wie eine heimsuchung durch die gänge fegt, um mauscheleien und schlampigkeiten zu verhindern? der zur not auch mal die druckmaschinen anhält, um eine schlagzeile zu aktualisieren?

    statt dessen werden die chefredakteure dazu angehalten, an honoraren und redakteursgehältern zu sparen, recherchen werden an unterbezahlte, unerfahrene praktikanten und voluntäre gegeben und zuguterletzt – immer im sinne des wettbewerbsgedankens – werden die redaktionskollegen aufeinander gehetzt.

    eine zeitung wie die ftd beispielsweise hat redakteure quasi gefressen. kein monat, in dem nicht wieder per annonce ein ganzes rudel gesucht wurde.

    die regeln, die verkäufer zu höchstleistungen anspornen -und dazu gehört sicher der interne kampf um den fettesten knochen bzw. die dickste provision – haben in der führung einer redaktion nichts zu suchen. die funktioniert am besten mit dem „wir gegen alle anderen“ gedanken und kooperation. aber – wie gesagt – an den entscheidenden stellen sitzen struckis, also strukturvertriebler. die stammen aus einer ganz anderen welt und verändern den journalismus seit rund 15 jahren unaufhaltsam.

    nur: wer will das wissen? die leser? ich weiß es nicht. bestimmt aber nicht die herausgeber und verleger, die journalisten wissen es – und der nachwuchs sollte nicht noch mehr verunsichert werden.

    vielleicht ist mein eindruck aber zu einseitig und du machst noch ganz andere, entscheidende faktoren aus. dann hast du zumindest schon mal mich als leserin.

    schick mir doch ein rezensionsexemplar. selbstverständlich gratis. 😉 😉

    viel erfolg und viel glück bei deinem projekt!

  15. Innen- und Außensichten von Journalisten, ja das könnte man ruhig mal kuratieren, (wie hier jemand richtig schrieb). Klagen über moderne und altmodische Verleger (nun gut, das ist auch gerade noch spannend), das wirklich unentdeckte Land aber liegt auf der anderen Seite.
    Was wollen die Rezipienten?
    Und was davon bewusst und was unbewusst?
    Es hadern nämlich nicht nur Journalisten und Verlegern mit dem aktuellen Umbruch, sondern fast ebenso die täglich heterogener werdende Zielgruppe.

  16. Hallo Christian,
    ich bilde jetzt seit vielen Jahren PR-Leute aus und da gehört es dazu, dann man sich über Journalisten und Journalismus Gedanken macht. In den Anfangsjahren konnte ich noch über Berufsethos/Selbstverständnis sprechen. Jetzt rede ich über die Chancen, die sich den PR-Leuten bieten, weil es immer mehr gestresste, überforderte, schlecht ausgebildete dafür aber ziemlich eingebildete, „Hüter der gesellschaftlichen Moral“ gibt, die sich als „Journalisten“ begreifen.

    Die Erfahrungen auf meiner Seite der Informationskette widersprechen den Einschätzungen von Peter Wolf. Doch – es gibt einen Niedergang des Journalismus und er vollzieht sich im Selbstverständnis der agierenden Personen. (Übrigens auf allen Ebenen der Informationskette).

    Ein solches Buch ist nötig. Aber es sollte mehr sein, als eine Gedankenspiel über Verlagsmodelle. Es geht um die Menschen, die sich öffentlich zu Wort melden – wo hört der Quassler auf und wo fängt der Journalist an? Es geht doch in erster Linie um die Szene in der sich Journalismus vollzieht.

    Oder?

  17. Finde ich gut und würde es auch unterstützen, würde aber vorher etwas mehr wissen wollen: Werden es Interviews? Werden es Wortmeldungen? Dienen die Gespräche nur als Grundlage der Analyse?
    Wie stellst du dir das vor?

  18. Mir geht’s auch so, dass ich das Thema wichtig finde, aber es muss nicht gerade ein Buch sein. Eine Kampagne mit dem Ziel „Rettung des Journalismus“ wäre mir lieber. Aber wahrscheinlich kann man gar nicht so viel zusammencrowdfunden, wie man da bräuchte.

  19. Das Ganze soll schon als klassischer Text erscheinen, allerdings würde ich immer wieder Interviews oder Fallbeispiele einstreuen und das ganze dann auch mit einer Webseite und den entsprechenden Videos/Audios garnieren wollen. So viel zur Planung – und zur Theorie. Meistens kommt es ja dann doch ganz anders 😉

  20. Nein, das ist kein Niedergang eines Berufsstands. Der Beruf ändert sich gerade massiv, man wird mit weniger Aufwand mehr und anderes machen müssen, aber Niedergang? Ich würde eher von einer Mutation sprechen.

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