#rp13, Tag 1: Telekomgesellschaftserdrosselung

Immer, wenn die Re:publica stattfindet, ist das auch ein ganz guter Anlass darüber nachzudenken, wo wir denn jetzt aktuell stehen mit unserem digitalen Leben, auch und gerade, wenn es um uns in den Medien geht. Man steht dann morgens vor der dann doch ganz beachtlichen Schlange, wartet eine knappe Stunde, bis man drin ist – und denkt sich: Wir sind viele (und wir werden immer mehr). Das Schöne wie auch Bezeichnende ist: 5000 Menschen sollen es in diesem Jahr sein und trotzdem kennt man sich. Digitale Klassenfahrt, Kindergeburtstag, das digitale Leben in Deutschland ist auch unter 5000 Menschen noch überschaubar. Soll man sich da jetzt freuen – oder doch wundern, dass das Zukunftsthema schlechthin immer noch in vergleichsweise kleinen Zirkeln ausdiskutiert wird? Günther Dueck sagt´s ganz schön bei einer der ersten Sessions: Hier drin sind wie viele, da draußen immer noch vergleichsweise wenige.

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Die Themen sind in den ersten Stunden halbwegs erwartbar: Das freie Internet muss verteidigt werden, ein Zweiklassen-Internet darf es nicht geben, für das mittelmäßige und rückwärtsgewandte in dieser Onlinewelt steht gerade, wenig überraschend, die Telekom, für die Dueck den sehr schönen Begriff der „Telekomgesellschaftserdrosselung“ kreiert. Tatsächlich kontrastiert kaum etwas so schön den Unterschied zwischen digitaler Konferenzirgendwas und dem digitalen Alltag: Hier reden wir darüber, was alles sein könnte und sollte, draußen fällt den Providern nichts Sinnigeres ein, als das Internet zu drosseln, weil es gerade so groß wird. Ich habe hier übrigens schon einige Stände gesehen, von der Telekom war keiner dabei. Dafür immerhin von der Commerzbank einer, auch wenn ich nicht so recht weiß, was die hier macht.

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Und dann habe ich mir noch das völlige Kontrastprogramm zum deutschen Digitalalltag gegeben, in dem ich mir Betsy Hoover angehört habe. Miss Hoover hat die digitalen Kampagnen von Barack Obama verantwortet und ist sehr amerikanisch: „How are you“, beginnt sie ihren Vortrag, was der digitale Morgenmuffel des Landes D. mit einem bestensfalls freundlichen Lächeln quittiert, keineswegs aber mit massenhaft rausgeschleuderten „great“, wie es wohl in den USA gewesen wäre. Danach lernt man zwei Dinge: Die Amis beherrschen diese Sache mit der Emotion und dem Einsatz von Videos in einer unfassbaren Perfektion. Und man hört von ihr Dinge, die an sich wenig überraschend sind: Leute da abholen, wo sie sind, mit ihnen in einen Dialog treten, sie zu Beteiligten machen. All das findet man völlig ok, aber nicht unbedingt wahnsinnig erhellend, weil man sich das schon irgendwie dachte. Dann aber, während man gerade beginnt, Miss Hoover auf ihr Strahlelächeln und ihre amerikanisch gute Laute zu reduzieren, macht man dann den Realitätsabgleich mit dem gequälten „muss ja irgendwie“, mit dem in Deutschland Medien, Politik und Gesellschaft an das Digitalthema herangehen. Und man denkt sich: Gemessen an dem sind wir dann doch noch ein digitales Entwicklungsland. Und deswegen freut man sich dann doch, dass es lange Schlangen am Eingang gibt und immerhin 5000 Menschen hierher kommen. Und man denkt sich: Irgendwann werden sie es schon noch lernen, bei der Telekom, in den Redaktionen und vielleicht sogar in der Politik.

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