Lebt eigentlich die HuffPo noch – und wenn ja, warum?

Das Beste, was einem Projekt passieren kann, ist Aufmerksamkeit. Im umgekehrten Fall bedeutet das: Wenn keiner mehr darüber redet, dann ist das der GAU. Im Fall der Huffington Post Deutschland nähert sich dieser GAU allmählich, weil kaum mehr einer darüber redet, außer dieses kleine Blog und ein paar andere noch.

Tatsächlich liefert die HuffPo nur noch sehr, sehr wenig Anlass, sich über sie ernsthaft zu unterhalten. Die Substanzlosigkeit, das Fehlen jeglichen Esprits und einer Haltung, die etwas anderes ist als ein bemühtes „Wir sind neu und anders“, das alles, was man zu Beginn bemängeln konnte, hat sich nicht wirklich geändert. Weswegen sich ein alter Verdacht neu aufdrängt: Irgendwie wollten sie bei Burda mit wenig finanziellem Aufwand eine Menge Geld verdienen, dafür spricht u.a. der hehre Anspruch, in den kommenden Jahren zu den Top 5 der deutschen Webseiten zu gehören. Das schafft man normalerweise nicht mit einer 15-Mann-Redaktion und auch nicht mit einem ziemlich dahingeschlamperten Nicht-Konzept.

Bis heute hat es die HuffPo nicht geschafft, einen ihrer grundlegenden Irrtümer zu korrigieren: Nur, weil die Pressesprecher von halbwegs bekannten Menschen mediokre Allerweltstexte zur Verfügung stellen und man das dann halbwegs marktschreierisch als „Blogger“ firmieren lässt, entsteht noch keine Relevanz. Dass es sich bei diesen vermeintlichen „Bloggern“ sehr häufig um eine PR-geleitete Mogelpackung handelt, bemerkt man selbst dann sehr schnell, wenn man sich nicht beruflich mit Medien und Journalismus auseinander setzt. Dass sich von den Größen der deutschen Bloggosphäre kaum jemand fand, der für die HuffPo schreibt, sagt einiges über das Projekt aus. Dass sich die Klagen derjenigen, die sich breitschlagen ließen, allmählich häufen, übrigens auch.

In den USA gründete sich ein beträchtlicher Teil des HuffPo-Erfolgs darauf, dass sie sich als linksliberale Gegenstimme zum erzkonservativen Fox-Imperium etablierte. In Deutschland will die HuffPo zwar auch irgendwie anders sein, ist aber bisher nur laut und seelenlos. Und will wirklich irgendjemand Cherno Jobatey abnehmen, dass er sich plötzlich zum Gesicht einer digitalen Mediengesellschaft fernab der großen Konzerne aufschwingt? Und selbst wenn er es täte – nähme irgendjemand Burda bzw. Tomorrow Focus ab, dass man das dort wirklich wollte?

So bleibt die HuffPo der merkwürdige Versuch eines medialen Establishments, sich einen irgendwie innovativen und revolutionären Anstrich zu geben. Herausgekommen ist ein Angebot, das niemand so wirklich braucht – und über das deshalb niemand so richtig mehr redet.

Einen heißen Kandidaten für die Rubrik „Flop des Jahres“ im Jahr 2013 gibt es damit jetzt jedenfalls. Ist ja auch schon mal was wert.