Neue Autoren: Stefan Plöchinger, Marco Maas

Inzwischen sind eineinhalb Wochen seit dem Start von „Universalcode2“ vergangen – und es gibt zwei gute und eine eher unerfreuliche Nachricht vom Projektverlauf…

Fangen wir mal mit den Guten an: Ich hatte ja versprochen, Stück für Stück die Autoren des Buchs hier vorzustellen. Nach Dirk von Gehlen gibt es jetzt zwei Kollegen, über die ich mich ganz besonders freue. Über den einen ist die letzten Tage viel geredet und noch mehr geschrieben worden – aber das ist nicht der Grund für meine Freude. Auch ganz ohne Kapuzenpulli gehört Stefan Plöchinger unbestritten zum besten, was es im deutschen Journalismus gibt. Und auch, wenn wir sein Thema noch genau definieren müssen, so viel ist sicher: Es wird nicht (rpt. NICHT) um Kapuzenpullis aller Art gehen.

Der zweite ist einer, den ich damals bei der „Rundshow“ kennengelernt habe. Und einer, der seitdem ebenfalls zu den interessantesten und gefragtesten Gesichtern im Journalismus gehört: Marco Maas (Open Data City) hat einige der spannendsten (daten)journalistischen Projekte in Deutschland gemacht; erst diese Woche war er mit seinem Projekt „Lobbyplag.eu“ für den CNN Journalist Award nominiert.

Jetzt aber zum eher unerfreulichen Aspekt des bisherigen Projektverlaufs: Das Crowdfunding verläuft momentan, sagen wir, wie es ist, ausgesprochen mäßig. Aktuell steht das Projekt bei 760 Euro, das sind rund 15 Prozent. Bei noch verbleibenden rund drei Wochen kann sich das natürlich noch massiv ändern. Aber realistischerweise muss man sagen: Wenn´s so weitergeht, dann sieht es für „Universalcode2“ eher schlecht aus. Bitte versteht mich nicht falsch: Wenn es denn so wäre, dann müsste man das akzeptieren und sich möglicherweise auch eingestehen, das eigene Projekt falsch eingeschätzt oder möglicherweise auch überschätzt zu haben. Das ist ja das Tolle in der digitalen Welt – man plant nicht irgendwas ins Blaue hinein und am Publikum vorbei, sondern bekommt auf sehr deutliche Art und Weise gezeigt, ob man richtig liegt oder nicht. Ich möchte nur verhindern, dass das Projekt wegen der Auffassung nix wird, dass es ja schon genügend Unterstützer geben wird.

Aber bleiben wir mal optimistisch: In drei Wochen kann ja noch viel passieren.

Die Hoodie-Falle

Im Grunde war alles in einem einzigen Satz gesagt: „Sagt mehr über die FAS als über die SZ“, schrieb Dirk von Gehlen am Sonntag bei Facebook, als er offenbar gerade über einen Satz gestolpert war, der für den Medienredakteur Harald Staun aus Frankfurt in etwa das war, was für den gewesenen Deutsche-Bank-Chef Breuer diese Sache mit dem Interview über Leo Kirch war: kleiner, dummer Satz mit fataler Wirkung.

 

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Merkwürdigerweise: Ich habe mich über diesen letzten Satz (der mit dem Internetexperten) nicht aufgeregt. Nicht mal im Ansatz. Weil mich jeder andere Satz aus der FAZ/FAS eher überrascht hätte. „Sagt mehr über die FAS als über die SZ“, da hatte Dirk komplett recht. Warum also die Aufregung um die Ignoranz der FAS und warum die Verwunderung über einen Hoodie?

Zugegeben, am Anfang fand ich den darauffolgenden Candystorm, der sich über den Hoodie-tragenden Stefan Plöchinger ergoss, ganz amüsant. Aber irgendwann begann ich mich zu wundern. Über die damit verbindende Opferrolle, die wir Digitalmenschen immer noch einnehmen, wenn es um unsere Rolle in der Medienwelt geht. Und über die potentiell darin mitschwingende Larmoyanz. Da würde ich dann doch eher zu dem Selbstbewusstsein raten, von dem Plöchinger laut „Zeit“ etwas zu viel vor sich herträgt. Die Personalie Plöchinger ist umstritten – na und? Das sind, vermute ich mal, ungefähr drei Viertel aller Personalentscheidungen. Man unterstellt ihm fehlendes journalistisches Profil und spricht ihm, zumindest in der FAS, generell ab, ein richtiger Journalist zu sein? Da greift der Facebook-Eintrag von Dirk von Gehlen: Das sagt mehr über die Verfasser denn über die Lage in der SZ aus. Man kommt mit dem einhergehenden Kulturwandel nicht klar, was sich in der Diskussion um einen Kapuzenpulli manifestiert? Da haben aber ein paar Leute ein bisschen arg wenig Selbstbewusstsein. Wenn man denn dieser Hoodie-Nummer aus der „Zeit“ überhaupt Glauben schenken soll: Generell kommt mir die SZ-Chefredaktion zu intelligent vor, als dass das ein ernsthafter Punkt in der Debatte sein sollte.

Lasst sie also ruhig debattieren in der SZ und lasst sie bei der FAS glauben, Onliner seien Programmierer, die ab und an auch mal schreiben. Lasst den Plöchinger mal in die Chefredaktion aufsteigen oder auch nicht, aber behandelt das bitte wenigstens von unserer Digitaler-Seite aus als das, was es ist: ein ganz normaler Vorgang. Und steckt Plöchinger nicht in eine Falle, aus der er nicht mehr rauskommt: Wenn seine Berufung abgelehnt wird, dann wird der Hoodie als Schuldiger ausgemacht. Falls er (was man ja erwarten darf) doch in die Chefredaktion aufrückt, wird er zum Quoten-Hoodie.

Was keiner wollen kann. Weil Stefan Plöchinger ein sehr guter Journalist ist, der dann Chefredakteur wird, weil er es kann und weil es verdient hat. Dafür braucht er weder einen Kapuzenpulli noch die „Solidarität“ von Menschen, die man in manchen Fällen gar nicht haben will.

Crowdfunding

Das Projekt „Universalcode2“ steht in den Startlöchern. Sowohl inhaltlich als auch bei der Crowdfunding-Finanzierung. Damit ihr wisst, was ihr das überhaupt finanzieren und lesen sollt (und weil wir nach drei Tagen schon die ersten 10 Prozent geschafft haben – dickes Danke dafür!) –  die wichtigsten Fragen und Antworten zu „Universalcode2“.

Diesmal ist die Sache schon ein ganzes Stück komplizierter als bei der ersten Ausgabe von „Universalcode“. Dieser erste Teil war klar definiert: als eine Art Handbuch, eine Bedienungsanleitung für den digitalen Journalismus, sehr nutzwertig und komplett unideologisch. Es war und ist ein Buch, das seine Zielgruppe bei all denen findet, die sich aus- oder weiterbilden lassen.

Wird „Universalcode2“ wieder ein „Ausbildungsbuch“?

Verbindlich: nein! Natürlich darf es auch jeder lesen, der sich in der Aus- oder Weiterbildung befindet, aber salopp gesagt ist die Fortsetzung des Universalcodes diesmal ein Projekt, das jeder lesen darf, der sich für seinen Beruf interessiert. Also: ungefähr alle.

Sind wieder alle Autoren vom letzten Mal an Bord?

Nein. Nicht wegen irgendwelcher Querelen, sondern weil schon beim letzten Buch galt: Diejenigen, die sich in ihrem Metier am besten auskennen, sollen auch die entsprechenden Kapitel verfassen. Nachdem wir diesmal andere Themen haben, werden zwangsweise auch andere Autoren an Bord sein. Was nicht heißt, dass ihr nicht den einen oder anderen vom letzten Mal auch bei „Universalcode2“ wiedersehen werdet. Wer genau – folgt  in den nächsten Tagen und Wochen.

Einen verrate ich euch aber gerne jetzt schon: Dirk von Gehlen wird auch diesmal ein paar Seiten beitragen. Und ich verrate vermutlich nichts wirklich Neues, wenn ich dazu sage, dass ich mich über Dirk als Autoren ganz besonders freue.

Und was genau soll jetzt in „Universalcode2“ stehen?

Ok, jetzt wird’s komplex. Erstmal die grundsätzliche Idee: Ich glaube, dass sich die Diskussion um die Zukunft der Medien zu sehr mit der Gegenwart beschäftigt. Und sich zu sehr auf das Argument „Das böse Internet hat alles kaputt gemacht“ verengt.  Wenn man sich beispielsweise die Auflagen der deutschen Tageszeitungen anschaut, dann stellt man schnell fest, dass sie schon zu einem Zeitpunkt zu bröckeln begannen, als man noch nicht mal ahnte, dass es so etwas wie das www jemals geben würde.

Deswegen gibt es drei Blöcke: Vergangenheit. Gegenwart. Zukunft. Aus mehreren Gründen. Zum einen glaube ich, dass man natürlich das digitale Handwerk beherrschen muss. Deswegen haben wir ja auch den ersten Teil von „Universalcode“ gemacht.

Mindestens genauso wichtig ist aber auch zu verstehen, warum man das alles macht. Warum man plötzlich in so vielen Kanälen denken muss, warum man sich plötzlich mit Medien auseinandersetzen soll, mit denen man bis gerade eben noch gar nichts zu tun hatte. Dazu muss man sich zwangsweise anschauen, was in den letzten 20 Jahren passiert ist. Eben: wie wir wurden, was wir sind.

Und natürlich wollen wir alle wissen, wie es weitergeht. Ob sich Journalismus noch lohnt, ob er ein Beruf mit Perspektive ist, ob er eine Perspektive hat. Ob man ihn finanzieren kann. Und, nicht zu unterschätzen: ob er möglicherweise sogar noch Spaß machen könnte.

Das klingt jetzt vermutlich nach einer Ansammlung von sehr theoretischen und trockenen Texten, die irgendwann mal in einem intellektuellen Wolkenkuckucksheim enden. Genau das wollen wir unbedingt vermeiden. Weswegen an jedes „theoretische“ Kapitel eine Art Machbarkeits-Überprüfung angedockt wird. Jemand, der das schon mal gemacht hat. Der weiß, ob und wie das geht.

Ein konkretes Beispiel (weil ich das schon vor Augen habe und weil ich es selbst ja auch gerade mache): Beim Themenkomplex künftige Finanzierung des Journalismus wird auch das Thema „Crowdfunding“ eine Rolle spielen. Ich möchte also Sebastian Esser darüber schreiben lassen, was Crowdfunding ist, welche Erfahrungen wir im Journalismus in Deutschland damit haben, in welchen Ländern es andere Erfahrungen gibt und wie sein Projekt „krautreporter.de“ funktioniert.

Dirk von Gehlen wiederum ist einer, der sein letztes Buch über Crowdfunding finanziert hat. Und das sehr erfolgreich. Er wäre also dann der Kronzeuge, das role model. 

Das Prinzip ist: Keine Theorie ohne Praxis. Keine These, die nicht belegt werden kann.

Und es gibt auch einen Grundtenor im Buch: Jammern gilt nicht. Aber Skepsis schon. „Universalcode2“ wird weder ein kulturkritisches Lamento noch ein „Hurra“-Buch für alles, was irgendwie digital ist.

Was passiert, wenn das Crowdfunding scheitert?

Kommt offen gesagt auf das „wie“ des Scheiterns an.  Bleiben wir irgendwo bei 500 oder 1000 Euro hängen, müsste man das wohl auch als ein mäßig großes Interesse an diesem Buch werten. Kein Drama, kann passieren. Und dass Journalisten und Autoren mal die Bedürfnisse ihres Publikums falsch einschätzen, ist ein Phänomen, das es so lange gibt wie den Journalismus selbst.

Aber mal angenommen, es würden am Ende vielleicht 500 Euro fehlen – dann wäre das Crowdfunding zwar auch gescheitert, weil das Geld ja nur ausbezahlt wird, wenn das vorgegebene Funding-Ziel auch erreicht wurde. Aber ich fände dieses Ergebnis dennoch so ermutigend, dass ich vermutlich weitermachen würde. Oh, aber ich stelle gerade fest, dass ich mich mit einer solchen Aussage selbst ins Knie schieße…also bitte, fundet und teilt, damit wir das Buch an den Start bekommen.

„Universalcode 2“ – es geht los

Drei Jahre nach dem ersten Teil – soll es jetzt mit „Universalcode“ weitergehen. Ich weiß, das war schon längere Zeit angekündigt. Aber wie das so ist im Leben generell und bei Freiberuflern speziell: Irgendwas ist ja immer. Die richtige Zeit und Muse hatte ich nicht gefunden, dann musste ich mich um die Neuauflage des ersten Teils kümmern und…ach, lassen wir das, ich bin so schlecht im Erfinden müder Ausreden.

Jetzt aber geht es los. Ganz im Ernst und ganz richtig. Mit dem – ebenfalls schon angekündigten – Crowdfunding-Projekt bei „Krautreporter“. Dazu muss ich allerdings erst mal zwei Sätze loswerden. Vor allem als Antwort auf die Frage: Warum Crowdfunding? Die Antwort ist ziemlich simpel: Weil man mit Bücherschreiben im Regelfall kein Geld verdient und ganz froh sein kann, wenn man mit dem rauskommt, was Wirtschaftsmenschen gerne eine „schwarze Null“ nennen. Das gilt natürlich nicht für irgendwelche Bestseller-Autoren. Aber die Zielgruppe für Fachbücher ist derart zugespitzt, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt: Entweder man macht so ein Fachbuch sauteuer. Oder man bittet die Crowd eben um Unterstützung. Beim ersten „Universalcode“ hat das wunderbar geklappt, das war auch der einzige Grund, warum wir beim Preis unter 30 Euro bleiben konnten. Immerhin hat das Teil ja 600 Seiten und wiegt knapp ein Kilo. Man kann sich also leicht vorstellen, was alleine der Druck eines solchen Schinkens kostet.

Aber ich will ja nicht lamentieren – und euch stattdessen lieber erzählen, warum ein „Universalcode 2“ geben soll, was dort passiert und wie das Projekt ablaufen soll.

Krautreporter from Christian Jakubetz on Vimeo.

Universalcode 2 – wie wir wurden, was wir sind

Hinter den Veränderungen durch die Digitalisierung steckt mehr. Der Berufsstand des Journalisten hat erheblich gelitten. Noch vor 20 Jahren galt es als eine gute Idee, Journalist zu werden. Die Arbeitsplätze galten als sicher, waren gut bezahlt und genossen  ein gewisses Renomée. Davon ist heute nicht mehr viel übrig geblieben. Festanstellungen und gute Gehälter sind für viele junge Journalisten zu einem unerreichbaren Traum geworden. Aber was wird aus dem Journalismus, wenn er sich nicht mehr finanzieren und produzieren lässt?

Das Projekt mit dem Arbeitstitel “Universalcode 2” gibt Antworten. Im Kern auf zwei Fragen:

  • Wie konnte es soweit kommen, dass der Journalismus jetzt da ist, wo er ist?
  • Wie kommen wir aus dieser Lage wieder heraus?

Genauer beschrieben: Der geschichtliche Bogen soll aufzeigen, wie sich der Journalismus in den letzten drei Jahrzehnten entwickelt hat. Er soll zeigen, warum es zu einfach ist, nur das Internet und die vermeintliche Kostenlos-Mentalität im Netz für die Probleme verantwortlich zu machen. Und er soll belegen, wie sehr sich die Anforderungen an Medien und Journalismus in den letzten Jahrzehnten verändert haben. Weswegen es nicht reicht, einfach so weiterzumachen wie bisher – nur eben digital.

Das Projekt heißt bewusst “Projekt” – weil es das vorleben will, was es inhaltlich aussagen will: Journalismus wird mehr und mehr das Erzählen guter Geschichten über etliche Plattformen hinweg. Deswegen wird “Universalcode 2” auch ein Projekt, dessen Genese und auch abschließende Inhalte dort präsent sein werden, wo sie am besten aufgehoben sind. Die Endprodukte sind ein Buch, eine laufend ergänzte Webseite und dazu zahlreiche begleitende Videos.

Das Buch

Wer heute in den Journalismus will, macht das nicht wegen, sondern trotz der Rahmenbedingungen. Speziell freie Journalisten arbeiten zu Konditionen, bei denen es schwer wird, tatsächlich eine ganze Familie ernähren zu können. Der unbefristete Redakteursvertrag ist de facto ausgestorben, dazu müssen sich junge Journalisten darüber im Klaren sein, in einer Branche zu arbeiten, deren Zukunft mit enorm vielen Fragezeichen versehen ist.

Angesichts dieser Entwicklung stellen sich einige Fragen und Notwendigkeiten. Die erste ist ebenso simpel wie entscheidend: Wie konnte das passieren? Geht man dieser Frage nach, stellt man schnell fest, dass die weit verbreitete Auffassung, das größte Problem von Journalismus und Medien sei das Internet, viel zu kurz greift. Die Auflage der deutschen Tageszeitungen beispielsweise geht bereits seit Mitte der 80er Jahre zurück, lässt man die kurze Sonderkonjunktur Anfang der 90er Jahre im Zuge der deutschen Wiedervereinigung außen vor. Wenn also Tageszeitungen schon seit Mitte der 80er Jahre im Sinkflug begriffen sind, ist es dann nicht absurd, das Netz zum alleinigen Grund einer wie auch immer gearteten Zeitungskrise zu machen? Und wie konnte es passieren, dass der Journalistenberuf zu einem derartigen ökonomischen Risiko geworden ist, wie er das jetzt ist? Kurz gesagt: Bevor man sich an den Versuch der Beantwortung von Zukunftsfragen macht, ist es hilfreich, erst einmal die Vergangenheit aufzuarbeiten.

Der zweite Teil des Buchs ist in seiner grundsätzlichen Fragestellung noch einfacher zusammenzufassen: Wie soll das alles weitergehen? Die Debatten der letzten Jahre beschäftigen sich zu sehr mit gegenseitigen Schuldzuweisungen (digitaler Graben, „Print vs. Online“ etc.) und mit den Feststellungen, was möglicherweise alles nicht funktioniert als mit konstruktiven Lösungen. Der zweite Teil soll also Lösungen aufzeigen. Solche, die andernorts schon funktionieren. Oder in kleinen Nischen. Oder vielleicht auch noch gar nicht, aber möglicherweise demnächst. Der zweite Teil dieses Buchs soll aufzeigen, dass es Perspektiven gibt, dass Journalismus eine (gute) Zukunft hat und dass das mögliche Ende bisheriger Geschäftsmodelle keineswegs das Ende der Zunft bedeutet. Zu Wort kommen Ökonomen ebenso wie Journalisten und Medienwissenschaftler.

Autoren und Themen

Noch nicht im Detail festgelegt. Mit dem einen oder anderen aus der ersten Universalcode-Truppe habe ich schon gesprochen. Aber nachdem auch dieses Projekt viel mit der Crowd zu tun haben soll: Ich bin natürlich sowohl für neue Autoren als auch für gute Themenvorschläge offen (wer das nicht hier machen will: cjakubetz (ät)gmail (dot) com). Ob der Umfang wieder gleich 600 Seiten haben wird, weiß ich noch nicht. Aber wie das so ist bei Projekten mit verschiedenen Autoren: Eine gewisse Größenordnung ist da ja schnell erreicht.

Idealerweise ist das Buch bis Ende des Jahres fertig. Die realistische Version lautet indes: Frühjahr 2015.

Was die Crowd tun kann

Klar, finanzieren. Alles weitere steht hier im Krautreporter-Projekt. Es startet heute und läuft dann genau vier Wochen. Aber auch anderes hilft: beispielsweise, das Projekt bekanntzumachen. Mit den üblichen Dingen, die ihr ja alle kennt: retweeten, liken,teilen.

Foto:CIS/pixelio.de

Gratis schreiben als kleiner Trost…

Darf ein Journalist, der aus und über Russland berichtet, gleichzeitig auch für ein Magazin schreiben, das vom Kreml finanziert wird? Oder aber, einfacher gesagt: Darf ein Journalist eine wie auch immer verklausulierte PR machen? Nein, haben die Kollegen von „Zeit Online“ gesagt – und deshalb einen freien Autoren aus dem Team genommen. Auch die grundsätzliche Frage nach Journalisten, die PR-Verdächtiges machen, wird im Regelfall mit „nein“ beantwortet. Weil es eben zwei Dinge sind, die nicht zusammengehören: Journalismus auf der einen, PR auf der anderen Seite. Wer diese von Haus unterschiedlichen Interessen miteinander verquickt, kommt in einen kaum aufzulösenden Interessenkonflikt.

So weit, so gut, so richtig. Und trotzdem bleibt ein schales Gefühl zurück. Weil es zwar wohlfeil ist, von Journalisten die Einhaltung von Spielregeln zu verlangen, gleichzeitig aber der Markt gerade für freie Journalisten einer ist, den man sich erst mal leisten können muss. Wer nicht gerade zu den Bekannteren der Branche gehört, kann sich auch bei größeren und bekannteren Unternehmen nur dann über Wasser halten, wenn er wirklich gut ist. Und eine Redaktion als Abnehmer hat, die es gut mit ihm meint.

Ein paar einfache Beispiele: Bei „Zeit Online“ hat der betreffende Kollege für einen Text über 5000 Zeichen 150 Euro bekommen. Das ist, gerade bei Onlinemedien, kein schlechtes Honorar, es dürfte bei Webseiten dieser Größenordnung in etwa im Durchschnitt liegen. Nachdem jeder anders arbeitet und auch jedes Thema anders ist, ist es schlechterdings unmöglich, daraus einen Stundensatz abzuleiten. Wenn man aber weiß, dass ein guter Text Recherche und/oder Ortstermine voraussetzt und 5000+ Zeichen ja auch erstmal geschrieben werden wollen, kommt man zumindest schnell darauf, dass zum einen der Stundensatz nicht weltbewegend sein wird. Und dass man zum anderen nicht allzu viele solcher Texte pro Tag produzieren kann.

Setzt man also voraus, dass jemand einmal am Tag ein solches Stück nicht nur verfasst, sondern es tatsächlich auch unterbringt und dass er dann dafür tatsächlich 150 Euro bekommt (es gibt Redaktionen, die für einen solchen Text erheblich weniger bezahlen), dann ergibt sich folgende Rechnung: bei rund 20 Arbeitstagen im Monat 3000,- Euro. Brutto. Ja, davon kann man leben, aber sobald man in einer Großstadt wie Hamburg oder München lebt und wenn man dann womöglich noch eine kleine Familie durchbringen muss, dann wird es eng, sehr eng. Und man ahnt: Jeden Tag ein solches Stück produzieren und es verkauft kriegen, ist jetzt nicht gerade eine sehr optimistische Annahme.

Dabei sind diese 3000,- Euro nicht mal sonderlich optimistisch.  Im Gegenteil: Statistisch gesehen liegt man damit noch über dem Schnitt, der meistens mit rund 2200,- Euro monatlich angegeben wird. „Arm, aber verblüffend glücklich“, titelte „Spiegel Online“ zum Thema. Der Deutsche Journalistenverband ist bei einer Umfrage 2013 auf eine noch dramatischere Zahl gekommen: Demnach verdienen freie Journalisten und Fotografen in Deutschland im Monat gerade mal 1600,- Euro.

Und dann kommen ja auch noch andere Dinge hinzu, solche, die in Umfragen meistens gar nicht abgefragt werden. Dass freie Journalisten nach Rechnungsstellung auch halbwegs zügig an ihr Geld kommen, ist auch nach meiner eigenen Erfahrungen eher die Ausnahme denn die Regel. Vier bis sechs Wochen bis zur Überweisung sind gar nicht mal so selten, es kann auch mal länger dauern. Was womöglich auch mit der Tatsache zu tun hat, dass Texte offenkundig etwas sind, was selbst in den Augen der Branche erheblich an Wert verloren hat. Kommende Woche beispielsweise hätte ich auf einer Crossmedia-Konferenz in Magdeburg sprechen sollen. Teile der Veranstaltung, darunter meiner, sind sehr kurzfristig abgesagt worden.

Als „Trost“ bot man mir an, einen Text, den ich für den Konferenzband geschrieben hatte (deutlich über 10.000 Zeichen) „trotzdem“ dort aufzunehmen. Kann man sich nicht ausdenken, sowas: Man schreibt ohnehin kostenlos einen Text für ein Buch – und darf es als „Trost“ werten, wenn der kostenlose Text abgedruckt wird. Das ist dieselbe elende Argumentation, wie sie auch die „Huffington Post“ und andere betreiben: Ist doch tolle Werbung für Sie, wenn Sie bei uns publizieren dürfen. Ich habe auf den Abdruck in dem Magdeburger Konferenzband dann dankend verzichtet.

Bevor übrigens jemand denkt, das sei nur ein spezifisches Problem für textlastige Journalisten – bei „Vocer“ haben unlängst vier freie TV-Journalisten aus ihrem Alltag erzählt. Das klang auch nicht immer fröhlich.

Ich kenne natürlich die Probleme der Branche, ich weiß, dass natürlich, wie Jochen Wegener es so schön formulierte, jeder Chefredakteur gerne höhere Honorare bezahlen würde. Ich weiß aber auch: Solange es diese finanzielle Diskrepanz zwischen PR und Journalismus gibt, wird es schwer werden, die wirklich guten Köpfe im Journalismus zu halten. Wenn ich, wie jedes Semester, „meine“ Studenten an der Uni Passau frage, ob sie PR oder Journalismus machen wollen, fallen die meisten Antworten stereotyp aus: Wollen würden wir lieber in den Journalismus, realistischer  ist die PR. Böse bin ich niemandem für diese Antwort: Nicht jeder eignet sich dazu, beim Armsein auch glücklich zu sein.

Zumal der Journalismus in dieser Hinsicht eigenartig ist: Immer noch gilt es in unserem Beruf als irgendwie anrüchig, viel Geld zu verdienen. Immer noch erwartet man wie selbstverständlich, dass Journalisten auch bei miserabler Bezahlung volles Berufsethos entwickeln. Und es stimmt ja auch, wir produzieren keinen Kaugummi und keine Autos, hinter unserem Job sollte mehr liegen als das Abreißen von acht Arbeitsstunden pro Tag.

Es gäbe also eine relativ einfache Lösung, wie wir den Interessenkonflikt zwischen PR und Journalismus lösen könnte: Bezahlt Journalisten besser! Vom Ethos haben wir in dieser Branche ohnehin ausreichend viel.

(Foto auf dieser Seite: CIS/pixelio.de)

Echtzeit-Nichts

Es sind gerade goldene Zeiten für Nachrichten-Journalisten. Und für Menschen, die sich selbst als News-Junkies bezeichnen, obwohl dieser Begriff alleine schon verräterisch ist. In Asien sucht man nach einem mysteriös verschwundenen Flugzeug, in der Ukraine eine Lösung für einen schwelenden Konflikt und in München nach ein paar verschwundenen Steuermillionen und einem Urteil über Uli Hoeneß.

Und natürlich ist das wieder die hohe Zeit für Newsticker und Live-Blogs, für Tweets und alles andere, was inzwischen unter dem schönen Begriff „Echtzeit-Journalismus“ zusammengefasst wird. Das Dumme daran ist nur: An diesem Begriff stimmt nur der erste Teil. Mit Journalismus und mit Information haben die Fetzen, die man den ganzen Tag auf den großen deutschen Nachrichtenseiten so hingeworfen bekommt, nicht mehr sehr viel zu tun. Um genauer zu sein: eigentlich nichts.

Das wäre womöglich gar nicht so schlimm, wenn es nicht genau diese Online-Medien wären, die damit eine andere, zunehmend unschönere Seite im Netz befördern: die Neigung zu (vor)schnellem Urteil, ohne irgendetwas wirklich zu wissen, geschweige denn, es beurteilen zu können. Der fatale Hang zu dem, was inzwischen im allgemeinen Sprachgebrauch beschönigend Shitstorm genannt wird. Dabei handelt es sich dabei in den meisten Fällen nicht mehr um ernsthafte Debatten, sondern um das, was der Begriff impliziert.

Was soll auch rauskommen außer Shitstorms und vorschnelle Urteile, wenn beispielsweise „Spiegel Online“ die User dazu auffordert, etwas zu tun, was noch nicht mal ein Gericht kann? Nach eineinhalb Prozesstagen nämlich stellt „Spiegel Online“ ein Voting zur Debatte, das mit Journalismus nichts und stattdessen sehr viel mit wildem Spekulieren ohne jegliche Grundlage zu tun hat:

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Gute Frage – an alle Küchenpsychologen und Schlaumeier, von denen sich zum Stand dieses Screenshots  8398 sicher waren: Logisch, Hoeneß wollte alles nur verschleiern. Wenn vox populi dann abgestimmt hat und angesichts der suggerierten simplen Lösungen auch nur simple Antworten rauskommen können, ist die Basis gelegt für den nächsten Shitstorm, für die nächste Empörungswelle, die in den unendlichen digitalen Weiten exakt so lange anhält, bis der nächste Aufreger kommt. Mit ein bisschen Glück also: ein paar Stunden.

Auf welcher Grundlage man diese komplexe Frage nach den Hoeneß-Motiven beantworten soll, erklärt „Spiegel Online“ dann mal lieber nicht. Es ist ja auch „mühselig“, all diesen schwierigen Details zu folgen. Und mal ehrlich, soll man sich jetzt wirklich durch 70.000 Seiten Material arbeiten, die eine Schweizer Bank zur Verfügung gestellt hat, wenn es doch auch viel einfacher geht und wenn man mit einem Voting schneller zu einem Urteil kommen kann? Da ist es  wesentlich amüsanter, wenn man unmittelbar nach der Feststellung, wie mühselig das alles ist, einen Tweet zitieren kann, wonach ein Zuschauer Ärger mit der Polizei bekommen hat und vermutlich seinen Ausweis abgeben muss.

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Ansonsten lässt sich das, was dort (und nicht nur dort) getickert und gebloggt wird, mit einem Satz zusammenfassen: Nichts genaues weiß man nicht. Wie auch, wenn der Prozess eineinhalb Tage alt ist, ständig neue Informationen und Sachverhalte auftauchen und man auch als Laie schon seit dem ersten Tag ahnt, dass es mit den ursprünglich angesetzten vier Prozesstagen wohl nicht getan sein wird? Wie auch, wenn wir plötzlich über das rund Sechsfache der ursprünglich zu verhandelnden Betrags reden und über eine ganze Menge zusätzlicher Sachverhalte zudem? Das aber ist in der Systematik des Echtzeit-Journalismus nicht vorgesehen, weswegen der Ticker irgendwann mal beginnt, windelweich zu werden. Auszüge gefällig?

 

  • Es wird vermutlich nicht zu einer Urteilsverkündung am Donnerstag kommen.
  •  Es sei durchaus davon auszugehen, dass weitere Termine erforderlich sein werden.
  • Rupert Stadler, Audi-Chef und Stellvertreter von Hoeneß im Bayern-Aufsichtsrat, will sich weiterhin nicht zuZukunft von Hoeneß äußern.
  • Dass die kürzlich von Hoeneß überreichten Daten schon mehr als ein Jahr alt sind, war offenbar nicht ohne weiteres ersichtlich.

(Fettungen von mir)

Merken Sie was? Vermutlich muss man davon ausgehen, dass sich jemand offenbar zur Zukunft nicht äußern will. Das ist die gefühlte Quintessenz des sogenannten Echtzeit-Journalismus von heute nachmittag. Nichts genaues wissen, aber das sehr wortreich in rasanter Taktung weitergeben und als Interaktions-Attrappe die User fragen: Und, was sagt ihr dazu?

Nein, ich bin kein Kultur-Pessimist. Trotzdem glaube ich, dass eine solche Form des „Journalismus“ Menschen weder besser an den Geschehnissen beteiligt, noch dass dadurch irgendjemand klüger wird. Im Gegenteil, das ist eine Form von gefährlicher Information: Irgendjemand, der heute den ganzen Tag an diesem Ticker hing, ging mit Sicherheit mit dem Gefühl nach Hause, jetzt mehr zu wissen als heute vormittag. Dabei weiß er nach einem solchen Rumgetickere nichts, außer, dass heute der Hoeneß-Prozesss fortgesetzt wurde.

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Man mag diese eigenartige Form von „Information“ für ein Phänomen des Echtzeit-Journalismus halten. Tatsächlich sind diese bemühten Ticker und Liveblogs nichts anderes als die Quintessenz des (verkehrten) Wegs, auf den sich der Online-Journalismus in Deutschland begeben hat. Ein Weg, der hauptsächlich und immer noch wie seit vielen Jahren auf die vermeintlichen Stärken des Netzes setzt. Auf die Schnelligkeit, auf die Möglichkeit, vor jedem und allem anderen irgendwas zu melden. Ich fürchte, in vielen Redaktionen geht man immer noch davon aus, dass Nutzer im Netz nicht in der Lage und nicht willens sind, sich auf längere, erklärende und anspruchsvolle Stücke einzulassen. Das würde zwar diametral dem Erfolg beispielsweise von dem generell immer sehr ausgeruhten „Zeit Online“ widersprechen, aber offensichtlich ist das common sense bei vielen großen Nachrichtenseiten: Hauptsache schnell, erklären kann man dann ja immer noch genug. Dabei begibt man sich lediglich in ein nicht zu gewinnendes Rattenrennen, in dem die Klickzahlen zählen und eine Marke wie der „Spiegel“ sich sukzessive selbst ruiniert (bei „Focus Online“, wo heute zweitweise drei Ticker gleichzeitig liefen, existiert wenigstens kein Name mehr, den man noch ruinieren könnte).

Mich erstaunt immer wieder diese Mutlosigkeit gerade in digitalen Redaktionen. Diese Mutlosigkeit, mit der darauf verwiesen wird, dass der User es so wolle und dass man sich als potentieller Kostenverursacher auch irgendwie rechtfertigen bzw. finanzieren müsse. Das mag vordergründig nachvollziehbar sein, aber diese Argumentation führt in die Sackgasse. Weil inzwischen deutsche Nachrichtenseiten ziemlich oft klassische me-too-Angebote sind, die weitgehend das Gleiche machen und um dieselbe Klientel buhlen. Dabei gibt es einen Markt für anspruchsvollen, ordentlichen Online-Journalismus. Den machen dann dummerweise immer nur die, auf die wir dann auf irgendwelchen Panels verweisen, weil sie so vorbildlich sind.

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Letzter Gedanke am Rande noch: Beim „Tagesanzeiger“ in Zürich habe ich heute dieses Stück über Nordkorea gefunden. Kann mir jemand aus dem Stand drei deutsche Redaktionen nennen, die es in dieser Form und in diesem Umfang und derart prominent platziert ebenfalls gebracht hätten?

Das Aus der AZ

Die Abendzeitung in München hat einen Insolvenzantrag gestellt – und selten war ein solcher Antrag eine geringere Überraschung als in diesem Fall. Das ist, vorweg genommen, eine sehr traurige Geschichte. Nicht nur wegen der Kollegen dort, die vor allem in den letzten Jahren einen guten Job unter ausgesprochen schwierigen Bedingungen gemacht haben. Sondern auch, weil die AZ nicht einfach nur eine Zeitung ist. Die Abendzeitung, das war und ist auch immer noch ein Stückchen Münchner Lebensgefühl. Wer jemals „Kir Royal“ gesehen hat, weiß was ich meine.

Die Insolvenz der AZ ist aber – leider- auch eine Geschichte, die einiges über die Tageszeitungs-Branche, ihre jüngste Vergangenheit und ihre Zukunft aussagt. Sie ist ein ungewolltes role model und ein Beleg dafür, dass diejenigen, die schon seit etlichen Jahren den Tageszeitungen große Probleme prophezeien, keineswegs die Kassandra-Rufer und Nörgler sind, zu denen sie gerne gemacht werden. Es geht dabei nicht darum, ein „Ich hab´s euch ja schon immer gesagt“ in die Welt zu posaunen. Stattdessen zeigt die traurige Geschichte der AZ, wie groß die strukturellen Probleme der Branche sind, was in den vergangenen Jahren alles versäumt wurde und warum es von Jahr zu Jahr schwieriger wird, das Ruder doch noch herumzureißen.

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Arno Makowsky ist vom „Medium Magazin“ im Jahr 2008 zum „Journalist des Jahres“ gewählt worden. Mit einiger Berechtigung. Als Makowsky sein Amt als neuer Chefredakteur antrat, fand er eine Zeitung vor, die inhaltlich nur noch ein Trümmerhaufen war. Makowskys Vorgänger in der Chefredaktion hatten konsequent alle Trends verpasst, die für eine lokale Tageszeitung relevant gewesen wären. Die AZ wollte zu dieser Zeit irgendwie ganz groß sein, keine kleinen, miefigen Münchner Themen fahren, sondern in der Liga der überregionalen Blätter mitspielen. Im Netz passierte zu dieser Zeit ungefähr gar nichts. Was die AZ im Jahr 2008 in der Vor-Makowsky-Ära als Webseite bezeichnete, war ein schlechter Treppenwitz. Und nicht nur das: Es gab nicht nur keine Idee, wie man mit digitalen Medien umgehen wollte – ihre Bedeutung wurde innerhalb des Verlags und (man muss das leider so deutlich sagen) auch innerhalb der Redaktion mehr oder minder negiert. Mit den üblichen Argumenten: Mit diesem Internet verdient man kein Geld, unser Kerngeschäft ist die Zeitung und das Netz nur ein Schnorrermedium.  Was im Übrigen so ungewöhnlich nicht ist, es gibt selbst heute, im Jahr 2014, noch ausgewachsene FAZ-Redakteure, die diese Meinung vertreten.

Im Fall der AZ ist diese Verweigerungshaltung allerdings noch grotesker gewesen. Ich erinnere mich, dass ich dort vor zwei Jahren  eingeladen war und mir ein nicht ganz unbedeutender Kollege der Redaktion nach meinem Vortrag sagte, das sei alles Unfug: Geld verdiene man, indem man gute Geschichten finde, sie aufschreibe und dann am nächsten Tag in der Zeitung verkaufe. Nicht mal der Einwand des Geschäftsführers, dass man doch schon lange mit der Zeitung gar kein Geld mehr verdiene, konnte ihn in dieser Auffassung schwächen.

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Im Fall der AZ gibt es nichts zu deuten und keinen Interpretationsspielraum: Das Blatt hat innerhalb von zehn Jahren 70 Millionen Euro Verluste eingefahren, davon alleine im vergangenen Jahr 10 Millionen. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht war die Abendzeitung schon lange ein jeden Abend in den stummen Verkäufern auftauchender Zombie. Wären nicht die lange Tradition gewesen und die Tatsache, dass sich die Verlegerfamilie die AZ als Liebhaberei leisteten, das Aus hätte nüchtern betrachtet schon viel früher kommen müssen. Wer zehn Jahre horrende Verluste einfährt und keinerlei Perspektive auf eine Trendwende hat, ist wirtschaftlich gesehen mausetot.

Dabei hat die Redaktion in den vergangenen Jahren einiges richtig gemacht. Das Blatt wurde konsequent lokaler, die Themen München, Sport und das traditionell gute Feuilleton dominierten, die Themen der großen, weiten Welt wurden nur noch pflichtschuldig abgehakt. Im Netz baute die AZ eine zumindest akzeptable Präsenz auf und sie war eine der ersten Redaktionen, die zumindest teilweise auch die Möglichkeiten von sozialen Netzwerken für sich entdeckte.

Mit ein paar Einschränkungen natürlich: 2009 wurde die Redaktion quasi halbiert, Arno Makowsky musste 40 Leute vor die Tür setzen. Ein tiefer Einschnitt, der im Nachhinein aufzeigt, wie schwierig die Lage für Tageszeitungen geworden ist: Wenn man erstmal anfangen muss, an Personal und Papier zu sparen, dann wird es von Tag zu Tag schwieriger, ein vernünftiges Blatt zu machen. Von Investitionen in die digitale Zukunft ganz zu schweigen.

Und so fingen sie dann an, Löcher zu stopfen. Die AZ war fortan ein wandelndes Provisorium, vergleichbar in etwa mit einer Fußballmannschaft, die ab der 60. Minute eines Spiels nur noch mit acht Mann weitermachen darf. Da kann der Rest der Truppe noch so viel rennen und ackern, am Ende wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Einsicht in die Aussichtslosigkeit stehen. Um ehrlich und ganz persönlich zu sein: Im Stillen habe ich immer die Ausdauer bewundert, wie Kollegen wie Arno Makowsky, Gunnar Jans, Filippo Cataldo oder auch der Online-Chef Stephan Kabosch weiter und weiter gemacht haben. Obwohl ihnen vermutlich klar war, dass sie einen mittelfristig aussichtslosen Kampf führen. Was ich als Außenstehender immer wieder mitbekommen habe, war das: Wir würden ja gerne, aber wann sollen wir das machen? Das ist ein Argument, bei dem ich normalerweise Spontanausschlag bekomme. In diesem Fall aber war es nachvollziehbar wie selten zuvor. Eine halbierte Redaktion, etliche neue, digitale Zusatzaufgaben, dazu der traditionell ziemlich harte Münchner Zeitungsmarkt mit drei Boulevard- und zwei Kaufzeitungen. Und dann eben doch: dieses Internet mit seiner unfassbaren Menge an Informationen, gegen die 30 gedruckte Seiten nur ein schlechter Witz sind.

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Ganz sicher: Die AZ hat zu spät reagiert, viel zu spät. Das kann man der jetzigen Redaktion  nicht mehr zum Vorwurf machen. Wenn man erst im Jahr 2008 erkennt, dass es da noch sowas wie ein Internet gibt, dann muss man aber einem früheren Management und einer Ex-Chefredaktion angesichts seit Jahren sinkender Auflagen und Verlusten in Millionenhöhe schlichtweg Missmanagement und krasses Versagen vorwerfen. Die AZ ist schon vor Jahren mit Vollgas auf eine Mauer zugerast. Und um auch das klar zu sagen und um mir den Vorwurf der Schlaumeierei zu ersparen: Nein, ich hätte an der Stelle von Arno Makowsky und seinen Kollegen auch nicht gewusst, wie man den Zusammenstoß mit dieser Mauer noch verhindern kann.

Ein Menetekel ist ihre Insolvenz trotzdem. Weil es in Deutschland noch eine ganze Reihe anderer Blätter gibt, die eine AZ im Kleinen sind. Die über viele Jahre hinweg schlichtweg abgestritten haben, dass die Zukunft einer Tageszeitung weiß Gott wo liegen kann, aber ganz sicher nicht in dem Beharren darauf, dass es gedrucktes Papier schon immer gab und dass man doch nicht einfach seine Inhalte im Netz verschleudert. Vor allem letzteres Argument sollte nach der AZ-Insolvenz vom Tisch sein. Wenn das bisherige Geschäftsmodell langsam an seine Grenzen kommt, wird es Zeit, sich ein Neues zu suchen. Selbst dann, wenn man das alte Modell doch so schön fand.

Und nochmal: Die AZ-Insolvenz ist kein Anlass für Häme. Ich werde den Eindruck nicht los, dass sich viele Print-Leute inzwischen in einer argumentativen Wagenburg verschanzt haben und wahllos auf jeden schießen, der ihnen wohlmeinend empfiehlt, diese Wagenburg doch mal zu verlassen. Persönlich würde ich es den Kollegen in der AZ natürlich wünschen, dass es irgendwie weitergeht. Nüchtern betrachtet muss man aber sehen: Selbst wenn es – beispielsweise durch eine Fusion bzw. Übernahme durch die „tz“ (Ippen-Gruppe) – irgendwie weiterginge, die AZ, wie wir sie kennen, ist mit dem heutigen Tag gestorben.

Für die Zurückgebliebenen sollte das ein Anlass sein, nochmal genau darüber nachzudenken, wer hier eigentlich die Bedrohung ist: die bösen Print-Kritiker oder vielleicht doch sie selbst.

(Disclosure: Mit der AZ München habe ich in den vergangenen Jahren immer wieder zu tun gehabt. Ich blogge zudem für die AZ. Mit vielen Menschen dort verbindet mich ein freundschaftlich-kollegiales Verhältnis)

Foto: Marvin Siefke/Pixelio.de

Zeitungsboykott!

Schaltet die Smartphones ab und werft die Kreditkarten weg! Was Hans Magnus Enzensberger in der FAZ an Ratschlägen für ein besseres Leben im digitalen Zeitalter gibt, ist nicht nur eine publizistische Bankrotterklärung. Es offenbart auch, dass es in diesem Land eine erstaunliche Neigung gibt, radikal gegen alles Digitale zu sein.

Hans Magnus Enzensberger hat die Lösung unserer Digitalprobleme gefunden. In der FAZ gab er zehnTipps, die sich auf einen Punkt bringen lassen: Totalverweigerung. Smartphones abschaffen, das Netz meiden, wo es geht, keine Kreditkarten mehr verwenden. Kurz gesagt: Alles, was in irgendeiner Weise Daten und Spuren hinterlässt, von der persönlichen Agenda nehmen und schon ist alles gut. Das lässt sich ganz prima auch auf alle anderen potentiellen Probleme des Lebens anwenden: nicht mehr Auto fahren – und schon gibt es keine Verkehrsunfälle und keine Luftverschmutzung mehr. Nix mehr essen, das wäre das Ende aller Lebensmittelskandale und auch gleich noch aller Figurprobleme. Wenn man dann noch aufhören würde, Zeitungen zu drucken, würde das dem Baumbestand gut tun und somit irgendwann auch mal das Waldsterben verlangsamen, falls es das überhaupt noch gibt.

Man könnte also, kurz gesagt, den Enzensberger-Text als Nonsens abtun. Weil er keine wirklich ernsthaften Alternativen bietet und weil er sich erstaunlich hartnäckig weigert, sich mit den unbestritten vorhandenen problematischen Seiten der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Trotzdem hat der Text eine andere Dimension: Er ist ein Beleg dafür, wie sehr wir im Lande D. eine erstaunliche Neigung dazu haben, radikal gegen neue, digitale Technologien zu sein. Und wie sehr es an der Differenzierung fehlt. Neue Technologien, digitale zumal, die machen bei uns immer gleich dement, sorgen für die Verdummung, für die Versklavung und nebenbei auch noch für einen totalitären Staat.

Das lässt außer Acht, dass es keine Technologie gibt, die von Grund aus gut oder böse ist. Jede Technologie, digitale zudem, kann in beide Richtungen ausschlagen. Natürlich ist es beispielsweise unbestritten, dass Daten in den Händen von Geheimdiensten eine potentielle Bedrohung sind. Niemand, nicht mal Enzensberger, wird allerdings auf der anderen Seite bestreiten können, dass sich aus großen Datensätzen auch ausgesprochen viel Gutes machen lässt. Natürlich ist Google eine potentielle Datenkrake. Auf der anderen Seite ist Google aber eben auch ein hoch innovatives Unternehmen, das an etlichen Dingen forscht, die die Welt erheblich besser machen könnten. Der “Spiegel” hat das in seiner aktuellen Titelgeschichte ausführlich beschrieben.

Man muss das ja nicht gleich von Enzensberger erwarten, aber womöglich von Menschen, deren beschäftigung mit dem Thema weiter geht, als es einfach nur für eine Bedrohung des Weltfriedends zu halten: Die großen Themen, um die es in den nächsten Jahren der Digitalisierung gehen wird, sind nicht die, die sich darum drehen, die Welt wieder in den analogen Zustand zurückzuversetzen. Die Frage ist eher: Wie lässt sich digitale Technologie beherrschen? Welche Regeln gelten im Umgang mit ihr?

Und bevor wir soweit gehen, wäre es eine Idee, die Rückstände aufzuholen, die es in Deutschland infrastrukturell immer noch gibt. Global gesehen, ist Deutschland immer noch auf einem Stand knapp überhalb eines digitalen Entwicklungslands. Es gibt zwar immer wieder mal ein paar Ankündigungen in Politik und Wirtschaft, das Netz endlich mal ein bisschen ernster nehmen und zudem für einen Ausbau der Netze sorgen zu wollen. Tatsächlich dümpeln netzpolitische und digitalwirtschaftsliche Themen irgendwo rum, ohne dass sie mit sonderlichem Nachdruck verfolgt werden. Vom neuen Digitalminister Dobrindt beispielsweise hat man noch nicht sehr viel mehr gehört, als dass er vereidigt wurde. Auf der Agenda der GroKo haben sich digitale Themen bisher ebenfalls nicht gefunden.

Und auch die deutsche Publizistik tut sich bisher nicht gerade mit differenzierten Beiträgen hervor. Solange jedenfalls das FAZ-Feuilleton nichts besseres weiß, als die Totalverweigerung als Lösung aller Dinge zu propagieren, sollte man sich dort nicht über mangelnde Digitalkompetenz einer Gesellschaft beklagen.

(Foto auf dieser Seite: Marvin Siefke/pixelio.de)

Digital-Diät

Es begann mit „Foursquare“. Irgendwann öffnete sich mal wieder ein Fenster auf dem Smartphone, eine Push-Mitteilung erschien. Irgendjemand war irgendwo, und er schob sich damit in der Punktewertung wieder ein Stück nach vorne. In dem Moment beschloss ich, „Foursquare“ vom Handy zu löschen. Weil es mir so unsagbar lächerlich vorkam, was ich und andere da taten. Wir checkten an allen möglichen und unmöglichen Orten ein, ab und an hinterließen wir Tipps, was man wo machen kann. Und dafür bekamen wir Punkte, eine Art Hitparade – wer war am meisten unterwegs? Mehr digitales Posertum bei gleichzeitig kaum vorhandenem Nutzwert geht nicht.

„Foursquare“ war also der Auslöser, den ganzen digitalen Kram, mit dem ich mich in den letzten Jahren zugeschüttet hat, auf den Prüfstand zu stellen. Was war wirklich nutzwertig oder wenigstens unterhaltsam? Und was war neben dem unangenehmen Posertum zudem noch ein reiner Zeitfresser? Die Frage schien mir schon deshalb angemessen, weil ich auch ganz ohne „Foursquare“ irgendwann mal festgestellt habe, dass das Piepsen und Pfeifen, die Push-Mitteilungen, Nachrichten und sonstige gut gemeinte Einrichtungen anfingen, in das glatte Gegenteil umzuschlagen. Mir ging mehr Zeit verloren als ich sie gewann. Das ständige Piepsen und Pfeifen verführte mich dazu, zwar enorm viel an irgendwelchem Inhalt aufzunehmen. Aber dass ich mich danach schlauer, erleichterter oder wenigstens besser unterhalten fühlte, konnte ich nicht behaupten.

Und dieses Posertum, dieser Posertum! In den virtuellen Welten stellt sich immer gerade jemand zur Schau und ich könnte nicht behaupten, dass das immer nur angenehm ist. In Kombination mit Push-Meldungen und anderen hübschen Applikationen ergibt das dann einen kruden Mix: Die Push-Meldung ploppt auf und teilt mir mit, dass irgendjemand gerade bei McDonalds ist oder ein Foto von sich selbst gepostet hat.

Geht es bei solchen Spielzeugen überhaupt noch um irgendeine sinnvolle Info, eine gute Unterhaltung? Oder führt der digitale Overkill nicht letztlich dazu, dass das ganze Leben daraufhin überprüft wird, ob es auch post-fähig ist? Ich habe mir dann ein paar Timelines und Accounts diverser Menschen angeschaut (und mich selbst natürlich nicht davon ausgenommen), nur um dann festzustellen: Es gibt tatsächlich Menschen, die ihr Leben digitalgerecht zur Schau stellen. Bei denen wird man den Eindruck nicht los, dass sie ihren Tagesablauf danach richten, ob er auch ausreichend viele Posts bei Facebook, Check-In´s bei Foursquare und Retweets bei Twitter abwirft.

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Nachdem ich gerade so schön in Fahrt war, „Foursquare“ löschte, die Push-Benachrichtigungen deaktivierte und zudem zu dem Schluss kam, nur noch zweimal am Tag Mails zu checken bzw. zu beantworten und bei Messengern nur noch zu reagieren, wenn meine Töchter am anderen Ende sind (manche Zwänge sind einfach stärker, vor allem wenn sie 14 und 11 sind), kam dann auch mal mein Nachrichtenkomsum unter den Prüfstand. Ganz gezielt. Ich meine, ich habe nie zu denen gehört, die sich als News-Junkie bezeichnen. Alleine der Begriff schon: Ein Junkie zu sein, das ist ja nicht gerade etwas Gesundes. Und süchtig nach News? Och nö.

Trotzdem: So ein Smartphone, ein Tablet, ein dauerhafter Netz-Zugang, der verführt zum News-Konsum ungefähr so wie einen Alkoholiker zum Trinken, wenn immer frischer Nachschub im Kühlschrank steht. Aber weiß man wirklich mehr, wenn man sich mit einer Neuigkeiten-Attrappe beschäftigt? Nach einer Woche bewusstem Entzug (einmal morgens, einmal abends) dämmerte mir das, was mir bei etwas Nachdenken schon vorher klar sein hätte können: An den allermeisten Tagen entgeht einem nichts, sogar auf die daueraufgeregten „Eilmeldungen“ und „Liveticker“ kann man ganz gut verzichten. Was im Übrigen zwei interessante Effekte mit sich bringt. Der eine: Man kann sehr viel klarer denken und sich auf Dinge konzentrieren, wenn die Birne frei ist und nicht ständig irgendwelche Häppchen hingeworfen bekommt, mit denen sie sich beschäftigen soll. Das ist wenig überraschend – im Gegensatz zu der zweiten Erkenntnis: Diese ewige Daueraufgeregtheit im Netz hat auch damit zu tun, dass man nicht nur immer schneller Info-Häppchen zu verarbeiten hat. Sondern auch damit, dass es sich sehr viel schneller und aufgeregter kommentiert, wenn man erst kommentiert und dann denkt. Dieser etwas unschönen Reihenfolge leistet aber ein Medium Vorschub, bei dem immer irgendetwas passiert, weil irgendetwas passieren muss. Und dieses Irgendetwas muss dann sofort kommentiert werden. Wenn man das alles mit auch nur einem kleinen bisschen Distanz liest und auch mit den Kommentaren wartet, bis sich die erste helle Aufregung wieder gelegt hat, dann bleibt für die ganze Aufgeregtheit ein ebenso spöttisches Lächeln übrig wie für die digitalen Dauer-Poser und ihr ständiges Heischen um Aufmerksamkeit. Jeder könne mal für 15 Minuten ein Star sein, meinte Warhol. Im Netz gibt es Menschen, denen reichen auch zwei Minuten und ein paar Likes.

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Ich glaube immer noch, dass das Netz eine großartige Erfindung ist. Dass es gerade für Journalisten wunderbare Optionen bietet. Aber genauso ahne ich inzwischen, dass wir deswegen noch lange nicht bei jedem Auswuchs, bei jedem Nonsens mitmachen müssen.  Es ist wie bei jeder Technologie: Sie ist erst mal weder schlecht noch gut, es kommt immer darauf an, was man daraus macht. In meinem Fall: „Foursquare“ ist weg und kommt nie wieder, bei Mails an mich müssen Sie gegebenenfalls mit etwas längeren Reaktionszeiten rechnen und mein Smartphone ist am Abend und meistens auch am Wochenende ausgeschaltet. Was Sie über mich wissen dürfen, finden Sie irgendwo im Netz, alles andere geht Sie nichts an, sorry for that.

Und für meine Töchter habe ich jetzt auch eine Lösung gefunden: Immer, wenn Sie mich via Messenger anpiepsen, dann antworte ich nicht.

Sondern rufe sie an.