Das neue Buch (ohne Titel)

2016 wird mein neues Buch über Journalismus erscheinen. Es ist keine richtige Neuauflage von „Crossmedia“ und einen guten Titel hat es auch noch nicht. Zeit, mal wieder die verehrte Community zu Rate zu ziehen…

Es ist ziemlich hilfreich, wenn man sich über einen Buch-Titel intensiv Gedanken macht. Weil man beim Sinnieren über den Titel zwangsweise auch mit der Frage konfrontiert wird, welchen Inhalt das Buch eigentlich genau haben soll.

Dass das Buch nicht „Crossmedia“ heißen wird, stand schnell fest. Weil „Crossmedia“ ein Begriff aus lang vergangenen Tagen ist. Und weil das Buch bestenfalls in Fragmenten auf „Crossmedia“ basieren, aber keine echte Neuauflage sein wird. Dazu ist zu vieles passiert in den letzten Jahren. Betrachten Sie es also als ein komplett neues Buch, bei denen Ihnen höchstens dann das eine oder andere etwas bekannt vorkommen könnte, wenn Sie „Crossmedia“ sehr gründlich gelesen und in Erinnerung haben.

Aber wie soll es dann heißen? Eine Zeit lang dachte ich an „Digitaler Journalismus“. Aber erstens mag ich den Begriff nicht sonderlich, weil es dann ja auch eine Art „analogen Journalismus“ geben müsste. Davon abgesehen glaube ich fest daran, dass jeder Journalismus inzwischen digital ist, zumindest potentiell. „Crossmedia“ ist es aus genannten Gründen auch nicht und „Onlinejournalismus“ würde auf die völlig falsche Spur führen.

Davon abgesehen: Ich will keinen Titel, der nach Leitz-Aktenordner klingt. Wo stand nochmal der „Digitale Journalismus“, Frau Müller? Gleich neben „Recherche“ und „Reportage“, Chef.

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Die Ausrichtung des Buches ist diesmal eine andere. „Crossmedia“ war am ehesten noch das, was man leicht antiquiert ein „Lehrbuch“ nennt. Die Zeiten solcher Lehrbücher sind allerdings ziemlich vorbei. Beim Thema „Digitaler Journalismus“ sowieso. Lehren im klassischen Sinne kann man da vergleichsweise wenig, weil nahezu jedes Thema zwangsweise auch mit Einschätzungen und Spekulationen darüber zu tun hat, wie es wohl weitergehen könnte mit diesem digitalen Journalismus.

Die Halbwertszeit von vielen Themen ist zudem überschaubar. Ich habe beim Schreiben immer wieder Texte aus „Crossmedia“ gelesen und dabei regelmäßig wahlweise leicht gekichert bis laut gelacht. Zum gemeinsamen Amüsement, aber auch um zu belegen, wie schnell sich die Zeiten ändern, poste ich in den nächsten Wochen immer wieder mal besonders lustige Auszüge aus dem Buch. Als kleiner Appetizer schon mal der hier:

Eigene, wirklich originäre Darstellungsformen im Online-Journalismus gibt es noch so gut wie gar nicht, die allermeisten machen das, was sie ohnedies schon können – nur eben auf einem Computerbildschirm. Nicht umsonst entstand in den Anfangsjahren des Online-Journalismus so ein abstruser Begriff wie »Internetzeitung«. Der per se ziemlich unsinnig, trotzdem aber insofern nachvollziehbar war, als dass es keine wirklich gute Alternative zu ihm gab. »Online-Angebot«, wie man heute zu sagen pflegt, trifft die Sache schon erheblich besser, weil damit charakterisiert wird, dass in einem nicht-linearen Medium tatsächlich nur Angebote gemacht werden. Ein Teil der Aktivität, der Selektion und der Gewichtung wird dem User überlassen.

(Doch, ich habe das wirklich so geschrieben. War allerdings auch 2007.)

Das neue, immer noch titellose Buch soll deshalb beides sein: eine Art „Gebrauchsanleitung“, ein Handbuch, in dem man schnell mal etwas nachschlagen kann auf der einen Seite. Auf der anderen Seite aber auch eine Art Jahrbuch, das in Titel und Ausrichtung signalisiert, dass es eine begrenzte Halbwertszeit hat, gleichzeitig aber auch fortgeschrieben wird. So eine Art „Agenda 2020“ halt, wobei leider seit Herrn Schröder der Begriff „Agenda“  ziemlich abgenutzt ist. Zu einer solchen Agenda gehören dann eben auch grundsätzliche Einschätzungen, Überblicke über die wichtigsten zu erwartenden Entwicklungen und gelegentlich auch mal so etwas wie völlig haltlose Meinungsstücke.

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Ein paar Dinge werden anders sein als bei „Universalcode“. Erster entscheidender Unterschied: Ich schreibe diesmal alleine, bestenfalls lade ich mir einen oder zwei Gastautoren dazu. Das hat vor allem damit zu tun, dass zum einen knapp 20 Autoren enorm schwierig zu koordinieren sind und es – zugegeben – bei „Universalcode“ auch nicht gerade mein Lieblings-Job war, knapp 500 Seiten Fremdtexte zu lesen. Zum anderen sind viele der damaligen Co-Autoren inzwischen so sehr in ihre eigenen und aufwändigen Projekte eingebunden, dass es vermutlich kaum machbar wäre, sie alle wieder unter einen Hut zu bekommen.

Davon abgesehen wird das neue Buch auch nicht so ein ausführlicher Schinken wie „Universalcode“ werden. Rund 600 Seiten sind zwar mal eine ganz hübsche Fingerübung, aber ob man Bücher dieses Formats wirklich braucht, sei dahin gestellt. Ganz davon abgesehen, dass das ja auch eine Kostenfrage ist. „Universalcode“ war ein Non-Profit-Projekt und ging halt deshalb für vergleichsweise günstige 29,90 Euro.

Trotzdem: Ich freue mich natürlich, wenn es wieder so viel Anregungen wie möglich aus der Community gibt. Das war letztlich ein entscheidender Grund dafür,  warum „Universalcode“ ein wirklich sehr, sehr schönes Projekt geworden ist.  Diesmal muss übrigens niemand in Vorleistung gehen und irgendwas bestellen oder crowdfunden: Das Buch kommt so oder so, ob es euch passt oder nicht. Trotzdem: Je mehr Community, Debatten, Kritik, Anregungen und vielleicht auch gerne mal eine lobende Bestätigung – umso besser. In den kommenden Wochen gibt es hier deswegen auch immer mal wieder Statusberichte und erste Text-Auszüge aus dem neuen Epos.

Und es bekommt ein neues Cover. Für das „Crossmedia“-Cover schäme ich mich heute noch.

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Wann? Der Plan ist: Sommer 2016. Im UVK. Und jetzt wird weitergeschrieben.