Wo seid ihr, Mobiles?

Die ganze Medien-Welt redet über das Thema „Mobile“. Dabei wäre machen statt reden viel besser. Machen aber nicht viele. Weil sich immer noch erstaunlich wenige in der Praxis mit dem Thema auseinandersetzen.

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(Foto: BR)

Vermutlich habe ich auf meinen diversen Plattformen in jüngster Zeit über kaum so ein Thema so viel geschrieben wie über das Thema „Mobile“. Das ist nicht verwunderlich und auch keine überragend ungewöhnlich Erkenntnis, wenn man sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Man braucht ja schließlich nur mal seinen Blick vom eigenen Smartphone wegbewegen und sich die nähere Umgebung anschauen. Die Chancen stehen gut, dass dort irgendwo jemand mit einem Smartphone (oder auch einem Tablet) in der Hand auftaucht. Ich könnte das jetzt mit ganzen Zahlenkolonnen untermauern, aber ich vermute, ich würde Sie damit nur langweilen…

Es gibt also, das bestreitet ungefähr niemand mehr, eine Art von Mediennutzung und Journalismus, wie wir sie in dieser Form bisher nicht hatten. Das Smartphone ist insbesondere in den letzten zwei Jahren zu einem Gerät geworden, das mittlerweile genauso wichtig ist wie der Fernseher. Es ist das Gerät, mit dem wir potentiell  demnächst dann mal fast alle erreichen können, noch dazu in der Kombination mit sozialen Netzwerken und/oder Bewegtbild.

Ein Paradies für (angehende) Journalisten also, oder? Und eines für Aus- und Weiterbildungsbetriebe und Universitäten und Fachhochschulen zudem, dürfte man meinen. Das Dumme ist nur: Das ist es nicht. Gemessen an der Bedeutung des Themas gibt es immer noch verblüffend wenige Journalisten und Reporter, die sich nicht nur theoretisch mit dem Thema auseinandersetzen, sondern auch in der Praxis damit arbeiten. Es gibt wenige Ausbildungseinrichtungen und Volontariate, die dem Thema mehr als bestenfalls einen kleinen Schwenk widmen – und an Universitäten und Hochschulen findet das Thema meistens nur statt, wenn sich ein Dozent des Themas erbarmt (es gibt stattdessen auch Medien-Professoren, die von dem Thema gelinde gesagt nicht den Hauch einer Ahnung haben. Ahnungslose Chefredakteure allerdings leider auch).

Das ist wenigstens erstaunlich, angesichts der vielen Chancen, die ein rasant wachsender Markt bietet. Und es ist – mal wieder – bezeichnend für das, wie Journalisten in dieser digitalen Welt überleben können: mit einer gesunden Neigung zur Autodidaktik. Bringt es euch bei, liebe Leute -und wartet nicht, bis es ein anderer tut!

Könnte nämlich sein, dass ihr da vergeblich wartet.

Als es noch DSL 1000 gab…

Wenn man ein Buch überarbeitet, das die Grundlage für ein neues Buch werden soll – dann stößt man auf echte Perlen. Vor allem dann, wenn es das eigene Buch ist, wenn es schon ein paar Jahre alt ist und wenn es sich um digitale Medien dreht…

Im Jahr 2007 also schrieb ich im Buch „Crossmedia“ das Folgende, wobei ich dringend um Beachtung meiner durchaus prophetischen Fähigkeiten bitte:

Ähnlich verhält es sich mit allen anderen Darstellungsformen, die im weitesten Sinne unter der Kategorie Multimedia einzuordnen sind. Audios, Animationen, inzwischen bei Bedarf auch hochauflösende Fotos – die Bandbreite macht vieles möglich, was früher mit dem Hinweis auf lange Ladezeiten und hohe Kosten für die User abgelehnt wurde. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt dabei natürlich auch die Tatsache, dass sich Flatrates für Online-Zugänge inzwischen weitgehend durchgesetzt haben und sich die Frage danach, ob die Ladezeiten für Nutzer überhaupt zumutbar sind, weitgehend erledigt hat. Inzwischen sind Schmalband-Zugänge ins Internet eher die Ausnahme geworden. Die Entwicklung ist eindeutig: Studien sagen voraus, dass im Jahr 2015 die Geschwindigkeit, die wir als DSL 1000 noch unlängst als Einstieg in das Breitbandzeitalter gefeiert haben, als langsam gelten wird. Man kann also getrost davon ausgehen, dass die Zugangsgeschwindigkeiten rasant steigen und damit in ebensolcher Rasanz die Multimedialität im Netz vorantreiben werden.

Jaha, DSL 1000. Das gab es wirklich mal, liebe jüngere Leser. Und es hat uns auch nicht geschadet. Obwohl, eigentlich dann wieder doch.

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Es ist also bis zu einem gewissen Grad ein ziemlicher Spaß,  dieses neue Buch mit dem Titel „Universalcode 2020“ zu schreiben. Man merkt dabei aber eben auch, in welch wahnwitzigem Tempo sich die Dinge verändert haben (und wie sie es immer noch tun). Ursprünglich wollte ich ja nur eine Aktualisierung von „Crossmedia“ machen, aber nach der Lektüre von ein paar Seiten habe ich festgestellt, dass das alles schneller geht, wenn ich (fast) alles neu schreibe. Und nachdem der gute, alte „Universalcode“ ja auch eine kleine Aktualisierung gebrauchen könnte, lag es nahe, beide Projekte zusammenzuwerfen.

Und noch etwas ändert sich ein bisschen: Der Fokus beider Bücher lag bisher eindeutig auf Journalismus. Inzwischen denke ich, dass das absurd ist, weil es alle Menschen ausschließt, die noch was anderes machen als Journalismus. Soll es ja geben. Die Aspekte der Digitalisierung, um die es auch mal ganz grundsätzlich gehen wird, sind zu viele und zu allgemeingültig, als dass man sie nur generell auf Journalisten beziehen sollte.

Und noch ein Unterschied zum „Universalcode“: 600 Seiten waren damals irgendwie auch ein Statement. Aber eines, dass auch den Nachteil hat, dass man es nicht mal eben updaten kann. Der „Universalcode 2020“ wird deshalb dünner, maximal 300 statt 600 Seiten. Wie es der Titel signalisiert: dafür lieber öfter aktualisieren. Der aktuelle Horizont reicht bis 2020. Alles, was darüber hinausgeht, wäre vermessen.

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Beim Verlag glauben sie übrigens, dass das Buch im Juni erscheinen wird. Ich lasse sie einfach mal in dem Glauben…

Es stand heute in WhatsApp…

Da haben wir uns kaum daran gewöhnt, dass „Social Media“ zu den Standards der digitalen Kommunikation gehört  – da biegt schon wieder die nächste Trendänderung um die Ecke: „Messenger“ werden die neuen Netzwerke.

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Bevor es mir jemand vorhält, ich weiß natürlich, dass ich hier vor gar nicht allzu langer Zeit mal geschrieben habe, „Snapchat“ nicht sonderlich zu mögen. Aber nur weil ich es persönlich nicht so mag, ändert das nichts daran, dass ich die Potentiale solcher Plattformen schon durchaus sehe. Diese Potentiale sind so gewaltig, dass es im Nachhinein als eine ziemlich schlaue Entscheidung des Zuckerberg-Imperiums erscheint, „WhatsApp“ zu kaufen und zugleich den eigenen Facebook-Messenger ziemlich brachial und nicht immer mit den schönsten Methoden in den Markt zu drücken. Schon alleine wegen der Nutzerzahlen: „WhatsApp“ bringt es inzwischen auf eine Milliarde, der „Facebook-Messenger“ auf ebenso stolze 800 Millionen (nebenbei bemerkt ist es natürlich eher unschön, wenn fast 2 Milliarden Menschen einen ganz beträchtlichen Teil ihrer digitalen Kommunikation im Imperium des Mark Z. erledigen).

Aber es sind natürlich nicht nur die nackten Zahlen, wegen derer man das Messenger zu einem der großen Themen der digitalen Kommunikation machen muss. Vielmehr sind sie inzwischen zu Tools geworden, die weitaus mehr sind als der kostenlose SMS-Ersatz, den man anfangs in ihnen sah. Stattdessen werden sie allmählich zur zentralen Kommunikations-Zentrale auf dem zentralen Kommunikations-Gerät aller, nämlich dem Smartphone. Wenn man also so will, dann komprimieren Messenger noch einmal alles, was bisher schon erstaunlich komprimiert war. Wer einen Messenger nutzt, der braucht nichts anderes mehr. Zumindest theoretisch.

Die Smartphone-Geschichte wiederholt sich

Es wiederholt sich also gerade das, was wir beim Smartphone schon beobachten konnten: die Verdichtung einer sehr komplexen Angelegenheit auf einem einzigen Gerät. Was möglich gemacht wird durch das Thema schlechthin, das die Digitalisierung seit Anbeginn bestimmt: Konvergenz. Der Messenger kann alles sein, vom Nachrichten-Versender bis hin zur Unterhaltungsmaschine, die Videos, Fotos und Audios abspielt. Ein eigenes Internet in klein, sozusagen.

Die Messenger haben aber auch noch einen weiteren Vorteil, zumindest potentiell: Er gibt den Nutzern theoretisch wieder ein Stück Privatheit zurück. Man kann Dinge, die man in den sozialen Netzen auch schon getan hat, genauso gut im Messenger machen, muss aber nicht befürchten, dass gefühlte 100 Jahre später der Personalchef der Firma, bei der man sich gerade beworben hatte, über dieses eine, etwas ungünstige Foto stolpert. Das ist ein Aspekt, der gerade bei einem sehr jungen Publikum eine große Rolle spielt. Nicht umsonst besteht der Reiz von „Snapchat“ ja gerade darin, dass man weitaus weniger sichtbare Spuren in der digitalen Welt hinterlässt.

Was natürlich für uns Medienmenschen auch bedeutet:  So wie wir irgendwann mal alle auf das Smartphone mussten, so müssen wir jetzt auf die Messenger.  Das wird genauso wenig mit „Copy and Paste“ bestehender Inhalte funktionieren, wie es schon nicht funktioniert hat, Inhalte aus Zeitung oder Fernsehen einfach auch im Netz bereitzustellen. Und natürlich ist es – mal wieder – viel zu früh, um schon jetzt präzise sagen zu können, was bei Messenger geht und was nicht.

Ein paar Dinge lassen sich aber schon jetzt festhalten:

  • Die meisten Beispiele zeigen bisher: Nutzer wollen in ihren Messengern kein dauerndes Grundrauschen und wollen auch nicht jede Meldung aus jedem Ressort geliefert bekommen. Stattdessen funktioniert insbesondere „WhatsApp“ bisher am besten, wenn man den Dienst mit aktuellen Anlässen, Live-Events oder auch besonderen Projekten verknüpft.
  • Mehr als alle anderen Kanäle bisher haben Messenger mit User-Interaktion zu tun. Das geht bis zur 1:1-Kommunikation. Nicht immer einfach und manchmal sehr zeit- und personalaufwändig. Trotzdem aber unverzichtbar. Wer Messenger als eine Art RSS2.0 betrachtet, fliegt genauso schnell aus den Adressbüchern der User wie er reingekommen ist.
  • Das Publikum ist jung. Manchmal sogar: sehr jung. Und: Dieses junge Publikum bewegt sich gerade von den konventionellen  Netzwerken ein wenig weg. Will man also ernsthaft an ein jüngeres Publikum, sind Messenger-Dienste unverzichtbar.
  • Messenger werden zunehmend multimedial. Kurze Videos, Audios, Fotos gehören heute zum journalistischem Standard, auch wenn der Versand leider immer noch sehr umständlich ist. „WhatsApp“ beispielsweise gestattet nach wie vor den gleichzeitigen Versand von 10 Videos. Man kann sich also leicht ausrechnen, dass es bisher noch unmöglich ist, bei einem Abonnentenkreis von mehreren tausend alle Nutzer halbwegs gleichzeitig mit einem Video zu versorgen. Vom Arbeitsaufwand mal ganz abgesehen…

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Lesetipps zum Thema:

Konrad Weber: Weshalb wir beim SRF WhatsApp einsetzen

Lena Alt: Wer sind die WhatsApp-User eigentlich?

Andreas Rickmann: Wie Publisher WhatsApp nutzen

Universalcode #2020

Die Frage taucht immer wieder auf: Ist es überhaupt noch sinnvoll, wenn man als Journalist in die „alten“ Medien gehen will? Wenn alles digital und online ist, welche Zukunft haben dann TV, Radio und Zeitung? Ein paar Fragen, die der „Universalcode2020“ zu beantworten versucht. Ab Sommer 2016. Als Buch.

Auf diese Frage nach der Zukunft bekommt man naturgemäß unterschiedliche Antworten. Was vor allem damit zu tun hat, dass es für nahezu jede Theorie auch das passende Zahlenmaterial gibt. Während also überzeugte Digital-Apologeten darauf verweisen, dass das Netz weiterhin exorbitant wächst und beispielsweise Tageszeitungen mittlerweile einen Generationen-Abriss verzeichnen müssen, zeigen Vertreter der anderen Seite gerne mal auf eine Statistik, die belegt, dass Fernsehen nach wie vor das beliebteste und am meisten genutzte Medium in Deutschland ist (wenn nicht alles täuscht, wird sich daran so schnell auch nichts ändern).

Ein eklatanter Widerspruch? Nur auf den ersten Blick. Tatsächlich aber passen diese beiden Aussagen zusammen und umschreiben die Entwicklung in der Branche ziemlich präzise. Denn immer noch haben wir es in Deutschland mit einem tiefen Graben zu tun, der die Gesellschaft trennt in „Digital Souveräne“ und der Rest, wie es die Initiative D21 in ihren jährlichen Berichten umschreibt. Das bedeutet, dass es auf der einen Seite ein vergleichsweise junges Publikum gibt, für die der Umgang mit digitalen Geräten und Medien eine Selbstverständlichkeit ist. Auf der anderen Seite des Grabens stehen – immer noch – all jene, die sich zwar an die Nutzung von Mails und Amazon gewöhnt haben, ihre Medien aber immer bevorzugt auf konventionellem Weg nutzen.

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Betrachtet man beide Seiten dieses bestehenden digitalen Grabens, dann wird klar, warum beide Aussagen richtig sind. Immer noch schauen Menschen im Schnitt über drei Stunden pro Tag fern, immer noch läuft das Radio über den Tag verteilt fast genauso lang. Und selbst von Tageszeitungen, die den digitalen Wandel sicher am stärksten spüren, werden Tag für Tag immer noch fast 17 Millionen Exemplare verkauft (Stand: Anfang 2016).

Das alles ist eine ganze Menge für Medien, die seit Jahren regelmäßig für tot erklärt werden. Der Untergang der alten Medien fällt also aus, zumindest noch für eine Zeit lang. Allerdings, ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht: Auch wenn die Zahlen Horrorszenarien nicht hergeben, zumindest bei den Zeitungen spricht dennoch einiges dafür, dass sich die Situation deutlich verschlechtern wird (zumindest dann, wenn wir unter „Zeitung“ ausschließlich etwas Gedrucktes verstehen). Denn tatsächlich sinken die Auflagen der Blätter seit rund 20 Jahren ohne Unterbrechung. Nicht dramatisch, in Deutschland liegt der Auflagenrückgang seit Jahren stabil irgendwo zwischen einem und zwei Prozent.

Es gibt allerdings einige Indikatoren, die eindeutig darauf hinweisen, dass sich das ändern wird.

Erstens: Die Blätter vergreisen zunehmend, sowohl was ihr Publikum als auch ihre Redaktionen angeht. Auch wenn die einzelnen Statistiken zu unterschiedlichen Resultaten kommen, unbestritten ist, dass für das Publikum unterhalb der 30 die Tageszeitung zunehmend unbedeutend wird. Und dass eine Generation, die mit Smartphones, Laptops, Tablets und sozialen Netzwerken sozialisiert worden ist, plötzlich wieder zur Zeitung greift, darf man ausschließen.

Zweitens: Gerade in den urbanen Regionen Deutschlands zeigt sich schon sehr deutlich, wohin die Reise geht. Man muss dafür nicht mal den extrem harten Zeitungsmarkt in Berlin als Beispiel bemühen; generell zeigt sich: In ländlichen Regionen ist die Treue zur Zeitung noch spürbar höher, in den Städten erodiert sie. Man kann daraus verschiedene Rückschlüsse ableiten, aber einer hat sicher Bestand: Je ausgebauter digitale Strukturen sind, desto mehr werden sie von den Menschen genutzt.

Und drittens: Journalismus, Medien und Kommunikation, das wird von den Digital Natives“ inzwischen als eine Art multimediale Masse wahrgenommen. Die Logik, nach der wir in unserer Medien-Blase Medien verstehen, greift dort nicht mehr. Die Frage, ob etwas Print ist oder nicht, die stellt sich dort nicht. Die Trennschärfe existiert im Netz schon gleich dreimal nicht. Print im Netz, TV im Netz? So denkt der User 2016 nicht mehr. Der sucht nach Angeboten, Informationen und Unterhaltung. Nicht mehr, nicht weniger.

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Wie geht man mit dieser Entwicklung um? Wie wird sie weitergehen? Was muss man dafür können und was nicht? Seit „Crossmedia“ (1. Auflage immerhin schon fast 8 Jahre alt) und „Universalcode“ (inzwischen auch beinahe 4 Jahre) hat sich zu viel getan, als dass man einfach nur ein kleines Update dieser Bücher machen könnte. Deswegen mache ich gerade fast alles neu. Und erfreulicherweise ist mit diesen ganzen Überlegungen auch die Suche nach einem Titel zu Ende gegangen: „Universalcode2020“ tritt die ganze Sache ziemlich gut, finde ich. Vor allem deswegen, weil der Titel auch signalisiert, dass mir natürlich bewusst ist, ein Buch zu diesem Thema nicht mit einem längeren Haltbarkeitsdatum versehen zu können. 2020 – und danach schauen wir mal, wie die Welt dann aussieht.

Das Buch soll de facto zwei Teile haben. Einen, der die wichtigsten Trends und Entwicklungen zusammenfasst, der analysiert, der erklärt. Ich glaube, es ist wichtig zu verstehen, warum wir das machen, was wir gerade machen. Der zweite Teil ist dann: Handwerk. Pures Handwerk. Er basiert natürlich auf dem, was damals in „Crossmedia“ stand. Davon verwendbar ist allerdings wirklich fast nur noch die Grundstruktur. Inhaltlich benutze ich dabei gerade am häufigsten die Delete-Taste.

Wann? Ich befürchte, dass der ursprüngliche Plan mit dem Sommer 2016 eng werden könnte. Weil das gute Stück nun doch mehr Umfang haben wird als ich eigentlich dachte. Auf der anderen Seite ist das ja auch ein ganz schöner Antrieb und wenn man morgens regelmäßig eine Stunde eher aufsteht und zum Schreiben nutzt…stay tuned, mehr demnächst!

Die Xtra-Lektionen: Print für Liebhaber

„Xtra“ ist endgültig Vergangenheit. Man muss dem Kölner Projekt keineswegs nachtrauern. Aber ein paar Lektionen für die Zukunft mitnehmen. Hier die drei wichtigsten.

Vermutlich hat es in der jüngeren deutschen Mediengeschichte kaum ein Projekt gegeben, das schon vor seinem Start eine solche Mischung aus Spott, Verrissen und ungläubigem Meinen-die-das-Ernst-Staunen ausgelöst hat: Mit einer Zeitung auf und für den Boulevard, einer Art gedrucktem Internet, wollte der DMS-Verlag in Köln die Generation der digitalen Ureinwohner davon überzeugen, wie geil doch so eine Zeitung ist. Es kam wie es kommen musste: Die meisten aus der Zielgruppe fanden „Xtra“ nicht mal im Ansatz geil. Weswegen man erst nach kurzer Zeit das gedruckte Ding zu einem Online-Portal umwidmete, eher man auch dieses in den Weihnachtsfeiertagen zu Grabe trug.

Man kann daraus ein paar Lektionen mitnehmen. Die sind zwar nicht alle angenehm und leider manchmal auch absolut. Aber trotzdem: Was man aus dem Xtra-Debakel mitnehmen kann, sagt sehr viel über die Medien im Jahr 2016 aus.

1. Was nicht aufs Smartphone passt, existiert nicht

Der ursprüngliche Gedanke bei DuMont war so naiv, dass er fast schon wieder rührend ist: Wenn man dieser digitalen Generation ihr Internet einfach ausdruckt und sowohl eine Optik als auch eine Ansprache wählt, die irgendwie nach Netz klingt, dann greift diese Generation beglückt zum Papier und wird mit späterem Alter dann doch wieder zum Zeitungsleser.

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(Foto: MDS)

Die Kölner Digital Natives haben – vermutlich stellvertretend für alle anderen – eine ebenso einfache wie deutliche Antwort gegeben: Vergesst es! Mit dem Nachsatz: Weil wir kein Papier wollen. Natürlich kann man auch das, was sie da in Köln an Inhalten gedruckt haben, ziemlich hanebüchen finden. Aber noch wichtiger ist tatsächlich das „Endgerät“: Die Medienkonsumenten der Gegenwart und vor allem der Zukunft sind nur noch mit Inhalten zu erreichen, die potentiell auch auf das Smartphone passen. Mobile Webseiten, Apps, soziale Netzwerke. Was nicht bedeutet, dass sie nicht auch andere Geräte und Kanäle nutzen. Der Gradmesser von allem bleibt trotzdem das Smartphone.

Was also nicht aufs Smartphone passt, existiert in deren Wahrnehmung nicht. Papier? Braucht kein Mensch.

2. Man kann das Internet nicht drucken

Es ist ja dann doch immer wieder erstaunlich, wie oft man selbst banalste Dinge wiederholen muss, wenn es um Darstellungsformen im Journalismus geht. Eine davon: Digitaler Journalismus (nennen wir das einfach mal so) ist eine eigene Kunstform geworden, die längst über die Reproduktion von Text, Fotos, Audios und Videos hinausgeht. Umgekehrt gilt auch: Man kann digitalen Journalismus nicht auf einer analogen Plattform machen. Macht also bitte klassische Zeitung und klassisches Fernsehen da, wo der Nutzer klassische Zeitung und klassisches Fernsehen als das Medium seiner Wahl nutzt. Und macht multimedialen Journalismus da, wo Multimedia drauf steht.

Man kann das Internet nicht drucken. Ebensowenig übrigens, wie man es senden kann.

3. Nischen sind der neue Nutzerluxus

Ist es aber auf der anderen Seite nicht eine halbwegs grauenvolle Vorstellung, künftig nur noch für Smartphones zu produzieren und dort auch zu konsumieren? Ist es. Vor allem ist es  zu kurz und absolut gedacht, wenn man glaubt, man könnte im Zeitalter der überbordenden Medienangebote ernsthaft behaupten, Medienkonsum finde nur noch auf einem einzigen Gerät statt. Dafür sind die Angebote zu umfangreich und die Nutzer auch viel zu unterschiedlich. Den einen Nutzer gibt es also gar nicht. Bestenfalls eine Mehrheit. Und das ist die, die wir jetzt und vor allem in Zukunft in der Nähe von digitalen und mobilen Endgeräten verorten.

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Man kann das aber auch ganz anders machen. Ich habe bei mir selbst festgestellt, dass ich nach wie vor dicke Bücher liebe und Monatstitel, vor allem so glänzende wie „Brand eins“ oder die „11Freunde“ immer noch am liebsten als Papier vor mir habe. Obwohl ich das alles natürlich günstiger und einfacher in meinen diversen Digital-Geräten haben könnte. Will ich aber nicht. Gelegentlich gehören Sachen wie gedrucktes Papier oder eine aufwändig gestaltete CD-Box zu den Dingen, die ich mir gerne als eine Art Nischen-Luxus leiste.

Wie wir überhaupt über den Umgang mit Nischen einiges aus der Musikindustrie lernen können: Die gute, alte Vinyl-Schallplatte führt inzwischen auch ein ganz komfortables Dasein in der Nische. Fernab der Stückzahlen früherer Tage, aber auskömmlich finanziert von einer kleinen, aber ebenso kauffreudigen wie kaufkräftigen Gruppe von Menschen, denen ihre „Schallplatte“ so wichtig ist, dass sie dafür ordentlich viel Geld ausgeben, obwohl jeder gute Streamingdienst nur den Bruchteil kosten würde. Es ist eben nicht nur eine Frage der Ratio, wie man mit Medien umgeht.

4. Man ist nicht hip, wenn man mit Gewalt hip sein will.

Ist so.

Zusammengefasst: Analoge Medien sind den digitalen schon rein technisch so unterlegen, dass sie nur dann noch zum Zuge kommen, wenn sich ein Nutzer – aus welchen Gründen auch immer – ganz gezielt dafür entscheidet, dieses analoge Medium zu nutzen. Stand heute dürften das immer weniger werden, was aber kein Drama sein muss.

Worauf kommt es also an? Medien für Kanäle zu machen, die dort von Nutzern ganz gezielt gewählt werden. Dazu muss man übrigens seine Nutzer und auch die Schwächen und Stärken eines Kanals ziemlich gut kennen.

Dass die Tageszeitung kein Internet ist, hätte man allerdings auch schon vorher wissen können…