Archive for November, 2005
bunte trümmer
nach einem tag in der beta-version 500.000 fahrzeuge an bestand alleine bei den kfz-anzeigen. alle fünf stunden kommen 10.000 dazu.
google base wird aus den anzeigenmärkten (nicht nur) der deutschen tageszeitungen ziemlich schnell eine bunte trümmerlandschaft machen.
wie werde ich online-affin?
wenn man vom thema neue medien nicht wirklich was versteht, man aber dennoch unbedingt was zum thema sagen möchte und irgendwie verdeutlichen möchte, wie man zeitungen/zeitschriften retten könnte, sagt man am besten sätze wie diesen:
Jünger, online-affiner und vertriebsstärker
fordert zumindest ein herr seikel, der irgendwie beim zeitschriftenverlegerverband was ist und mit diesem resumee, wie zeitschriften künftig sein müssten, ein großes wort gelassen ausgesprochen.
online-affiner. mensch, dass da noch keiner draufkam. ich hab zwar keine ahnung, wie eine online-affine zeitschrift aussieht, aber es klingt in jedem fall so, als wäre es zukunftsorientiert.
gesucht: ein textchef
holla, da schau an: was bei großen und guten zeitungen standard ist, hält jetzt auch einzug in die online-welt. angesichts der qualität mancher texte: nachahmenswert.
äolische vögel
Frage an John Lennon: „Haben Sie denn in „It Won’t Be Long“ äolische Kadenzen verwendet?
John Lennon: „Ich hab bis zum heutigen Tage keine Ahnung, was das ist. Für mich klingt das nach exotischen Vögeln.“
wunderbare geschichte über die bizarren auswüchse von musikjournalisten. gefunden in der – selbstredend exzellenten – serie “durch die woche mit john lennon” in der online-ausgabe der zeit.
alle jahre wieder
habe gerade zum ersten, zweiten, dritten, vierten, fünften, sechsten mal für heute in einer meldung (egal, ob agentur oder zeitung) bei einer geschichte über ein weihnachtsthema einen höchst!originellen! einstiegssatz! gelesen:
alle jahre wieder.
leiden auf hohem niveau
wohin ich schaue, seit tagen lese ich nur noch ein thema: krise auf dem amerikanischen zeitungsmarkt, drastische auflagenverluste, rückgänge im anzeigengeschäft, jetzt auch noch heftige attacken auf das kleinanzeigengeschäft durch google, ebay, craiglist und freunde.
und dann lese ich, durchaus erstaunt, das was dpa heute über den ticker schickt:
Mit verblüffender Gelassenheit hat die Zeitungsbranche in den USA auf den größten Einbruch der Auflagen seit 14 Jahren reagiert. Dem US-Zeitungsverband NAA zufolge sank die Zahl der vertriebenen Zeitungen binnen eines Jahres werktags um 2,6 Prozent, Sonntags sogar um 3,1 Prozent. “Ein scheinbar dramatischer Einbruch, aber im Grunde nur Ausdruck eines Strukturwandels“, meint NAA-Geschäftsführer Brian Steffens. Denn die meisten US-Verlage verdienen zunehmend auch Geld mit ihren Web-Seiten, mit Gratiszeitungen oder anderen Aktivitäten – auch deshalb sind in den USA Zeitungen nach wie vor Goldgruben für ihre Besitzer.
wenn wir mal das angebliche gutes-geld-verdienen mit webseiten beiseite oder zumindest einfach mal so stehen lassen, dann gibt es noch einen entscheidenden anderen grund, warum die verleger in den usa noch nicht in zähneklappern ausbrechen: mit umsatzrenditen von 20 prozent bewegen sie sch in einem bereich, von dem beispielsweise deutsche kollegen nur träumen können. das ist zwar noch lange kein grund, diesem treiben tatenlos zuzusehen, immerhin aber lässt sich mit solchen traumhaften renditen im hintergrund ein strukturwandel leichter bewältigen, als mit den eher dünnen margen, die im deutschen zeitungsgeschäft erzielt werden. anders gesagt: amerikanische verlage stehen tendenziell vor dem luxusproblem, dass die ihren investoren zu wenig marge abwerfen. deutsche verlage stehen vor dem problem, dass ein drittel von ihnen inzwischen als existenziell gefährdet gelten, da reden wir margen gar nicht mehr.
und auch die eingangs zitierte erkenntnis, dass wir einen elementaren strukturwandel hat sich hierzulande nicht überall durchgesetzt. zumindest, solange der zeitungsverlegerverband gönnerhaft mitteilen lässt, dass im web inzwischen auch ernstzunehmender journalismus stattfindet, lässt das nicht auf wirklichen erkenntnisgewinn schließen.
blogs als pr-instrument
heute in würzburg, gastvorlesung an der dortigen fh. irgendwann tauchte seitens der studenten die frage auf, ob man blogs nicht auch als pr-instrument einsetzen könnte. bei dem thema hab ich unbehagen – ich sehe eine darstellungsform wie blogs nicht sehr gerne in der nähe von kommerz, werbung und pr.
aber vermutlich, wie ich meinen heutigen newslettern so entnehme, ist das nicht zu vermeiden.
ps: im fernsehen jodelt gerade isar-indianer willy michl. ich frage mich seit zwei jahrezehnten, ob der uns nicht einfach alle auf den arm nimmt. egal: ich muss ins bett. willy michl ertrage ich nicht.
wissen, grau in grau
die frage tauchte letzte woche an der djs auf: eine schülerin soll sich für ihre diplomarbeit mit der frage befassen, ob die sueddeutsche zeitung für die multimedia-erweiterung ihres wissen-hefts multimediale elemente verwendet – und wenn ja, welche und wie und warum?
nachdem ich ja niemanden vorverurteilen will und die frage ad hoc nicht beantworten konnte – was liegt näher, als einfach mal nachzuschauen? die frage ist schnell beantwortet: keine elemente, kein multimedia, kein gar nix. eine trockene, öde und langweilige präsentation von bereits geprintetem material, das wars. und wieder mal stehe ich vor der frage, welcher markenstrategie es eigentlich folgen soll, wenn man auf der einen seite mit einem orpulent aufgemachten, gut recherchiertem und verständlich geschriebenem wissensmagazin auf den markt geht, dies in neudeutsch eine gelungene extension nennt – und die “extension”, bei der sich angesichts des themas eine multimediale aufbereitung anbietet, derart verkümmern lässt. der marke “süddeutsche” tut man damit jedenfalls keinen sehr großen gefallen.
wie man ein wissensthema richtig gut aufbereitet,zeigt das zdf in einer grandos guten multimedia-geschichte zur dresdner frauenkirche. wobei man den sz- und vielen anderen online-kollegen aus zeitungsredaktionen zugute halten sollte, dass sie mit dem geld, dass das zdf für eine solche produktion ausgibt, vermutlich ein ganzes jahr lang budgetieren müssen.
dialog mit minga.de
that´s entertainment: kollege fabian mohr in einer vermutlich unfreiwillig komischen konversation mit minga.de. immerhin sind sie ehrlich dort: man hoffe doch sehr, dass man eines tages geld für das lancieren von pr-storys erhalten würde, gibt man dort unverblümt zu. am ende der debatte taucht die frage auf, ob es sich bei minga.de überhaupt um ein “nachrichten-blog” handle. man sollte, finde ich, einen schritt weiter gehen: ist das überhaupt ein blog – nur weils drauf steht? und noch so ein gedanke: warum eigentlich soll man eine klassische form des publizierens – nämlich nachrichten, soweit da bei minga.de überhaupt die rede davon sein kann – in eine form gießen, die dafür ganz und gar nicht geeignet ist?
google may rule
was ich immer wieder interessant finde: wenn in der deutschen zeitungslandschaft über gerade mal eben wegbrechechende geschäftsfelder wie bspw. anzeigen gesprochen wird, dann entsteeht bei mir oft der eindruck, als wenn sich die diskutanten in zwei lager spalter würden:
die einen reden in erster linie einer strategie das wort, die von einem konkurrenzkampf untereinander ausgeht und setzen das auch entsprechend um. wer´s nicht glaubt, muss nur mal mit einem durchschnittlichen anzeigenvertreter einer durchschnittlichen tageszeitung über rabatte verhandeln. da sind preisnachlässe drin, dass es bei den effektiv gezahlten millimeterpreisen jedem verleger die tränen in die augen treibt. man könnte das auch selbstbetrug nennen: die anzeigenseiten sind zwar wieder etwas voller, aber in diesem kontext überhaupt noch von rendite zu reden, ist ein kleines bisschen euphemistisch.
die anderen (no names, please) sehen das schlichter: nachdem die zeitungen 2004 wieder ein umsatzniveau von 1995 erreicht haben, wird die krise hiermit für beendet erklärt.
als übrigens springerchef döpfner bei der übernahme von prosiebensat1 meinte, er sehe seinen künftigen hauptkonkurrenten eher in google und yahoo als in bertelsmann/rtl, haben ihn ein paar leise lächelnd für bescheuert erklärt.
für all die und natürlich alle anderen – kleiner lesetipp aus der nyt-beilage in der montags-sz: “google may rule world of advertising”.