Archiv für Dezember 2005


damals und heute

11. Dezember 2005 - 10:47 Uhr

aufmacher in der tagesschau am 9.dezember 1980:

der weltberühmte musiker und mitbegründer der beatles, john lennon, ist heute in new york ermordet worden. doch zunächst zur herbsttagung der nato…”

aufmacher in den nachrichten von b5 aktuell, am 9. dezember 2005:

“bundestrainer jürgen klinsmann und bundeskanzlerin angela merkel haben sich nach der auslosung optimistisch zu den chancen der deutschen nationalmannschaft bei der wm geäußert.”

irgendwie haben sich ein paar gewichte verschoben in den letzten 25 jahren.

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the last presses

8. Dezember 2005 - 0:21 Uhr

zwei überaus lesenswerte beiträge zum vermutlich spannendsten thema 2006: print vs. online. thomas knüwer bespricht in seinem blog ein radikal-posting von jeff jarvis, der “the last presses” herannahen sieht. beide mit guten argumenten, so dass ich in dieser frage immer noch ziemlich zerrissen bin.

wenn ich mal die ganzen debatten über potenzielle business-modelle aussen vor lasse und die sache aus journalistischer sicht heraus betrachte, dann komme ich immer wieder zu dem ergebnis, dass diese debatte bei denen, die sie eigentlich führen müssten, noch nicht wirklich angekommen ist: nämlich bei den journalisten der über 300 tageszeitungen in deutschland. ich lege meine hand dafür ins feuer, dass die frage, wie sich tageszeitungen künftig journalistisch aufstellen müssten, in 90 prozent der redaktionen noch gar nicht geführt wird. ich bin immer wieder erstaunt, wenn sich die online-kenntnisse selbst von chefredakteuren und ressortleitern nicht gerade kleiner blätter auf google beschränken (und damit meine ich lediglich die konventionelle suche).

dementsprechend kann ich in den inhalten der meisten zeitungen noch keine wirkliche veränderung feststellen. nur ein banales beispiel: wenn morgen die meisten tageszeitungen im sport wieder mit dem verweis erscheinen, die spiele der champions league seien “bis redaktionsschluss noch nicht beendet” gewesen, dann signalisieren sie – aus alter gewohnheit, weil man das schon seit den 60er jahren so macht – unfreiwillig, dass sie weder in der lage noch gewillt sind, den kampf mit dem schnelleren elektronischen medium aufzunehmen. wenn sie gleichwohl sich nicht bemühen, ihre inhalte so umzustellen, dass sie mit analysen, hintergründen und kommentaren ein relevantes adäquat  zur mangelnden aktualität bieten, wird ihre bedeutung und letztendlich auch ihre ökonomische basis künftig gen null tendieren (was womöglich auch damit zusammenhängt, dass die meisten journalisten sich aus alter attidüde heraus immer noch weigern, sich mit ökonomischen zusammenhängen auseinanderzusetzen).

in dem zusammenhang erstaunen mich auch immer wieder regionalzeitungen. kein mensch liest die wegen ihres mantelteils, wegen ihrer politik- oder wirtschaftsseiten. ihr usp (um schönstes neudeutsch zu verwenden) ist das lokale. und das lassen die allermeisten wunderbar verkümmern. warum versucht sich eigentlich keiner mal mit einer radikal lokalen zeitung? das könnte ein weg sein. das feuilleton des, sagen wir, remscheider general-anzeigers ist publizistisch kaum so relevant, als dass man es derart prominent pflegen müsste, wie es die generalanzeiger dieser republik so tun. das können die sz und die faz – und die wiederum liest man ja nicht wegen ihrer herausragenden lokalen kompetenz.

wobei mir dies ein kernproblem aller lokalen medien zu sein scheint – offenbar betrachten die ihre beschränkung auf ein lokales publikum als makel. wie sonst wäre es erklärbar, dass selbst in den flensburger nachrichten der leitartikler mit seiner meinung zur regierungsbildung im irak intern höheres ansehen geniesst als der schwarzbrot-journalist, der mit seinen stadtratsberichten den lokalteil füllt? und wie sonst erklärt es sich, dass selbst ein lokaler klein-sender wie muenchen.tv politische gesprächsrunden sendet, in denen man der frage nachgeht, wie die ersten auftritte der neuen kanzlerin zu bewerten seien?

insofern sehe ich für die kommenden jahre weniger die großen blätter gefährdet als vielmehr die generalanzeiger, glocken und heimatnachrichten. auf dauer wird es nicht genügen, einen letztendlich zweitklassigen überregionalen teil mit lokalteilen zu garnieren, in denen hausfrauen und pensionierte oberstudienräte “berichte” schreiben, die außer ihnen selber keiner liest.  und nur mal so am rande, im wissen, dass es hypothetisch ist: sollten nicht in den lokalredaktionen die top-journalisten einer regionalzeitung sitzen? stattdessen werden diejenigen, die nach 10 oder 15 jahren immer noch im lokalen sitzen belächelt – von denen, die hauptamtlich agenturen redigieren.

und was crossmediale modelle (wieder so ein unwort) angeht: ich fürchte, die große graue masse der deutschen tageszeitungen hinkt entwicklungen um jahre hinterher. der denkansatz ist immer noch: was die anzeige in der zeitung, das ist der banner auf der website. platz gegen geld. viel platz gegen viel geld, wenig platz gegen wenig geld. währenddessen schwingt sich google zum weltweit größten anzeigenverkäufer auf. und braucht dafür nicht mal ne anzeigenabteilung.

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ratet mal…

6. Dezember 2005 - 22:51 Uhr

…aus welcher glorreichen publikation dieser bildtext unter einem foto von britney spears und einer riesenschlange stammt:

“scharfe biester. britney kuschelt mit einer riesenschlange”.

na, rausgefunden? die üblichen verdächtigen im visier, bild, praline, russenschlampen.de?

nö. das war der online-ableger des ehemaligen sturmgeschützes der demokratie. ob der cvd immer noch sabbert, ist mir leider nicht bekannt. 

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fernsehen wird mobil…

6. Dezember 2005 - 22:41 Uhr

…und apple resp.i-tunes mischt mal wieder fleißig mit. bin in dem zusammenhang gespannt, wann der i-pod mit einem empfangsteil ausgerüstet wird. wäre ja nur konsequent.

ein thema (zukunfts-fernsehen, nicht i-pod), mit dem ich mich in nächster zeit mal wieder intensiver beschftigen werde – und worauf ich mich sehr freue, nebenbei bemerkt. 

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nivellierte untergänge

5. Dezember 2005 - 21:39 Uhr

der satz ist leider nicht von mir, sondern vonnem alten kumpel, der mit medien eigentlich gar nix am hut hat (stammt aus ner aktuellen rummailerei zum thema “zeitungen” und ist definitiv zu gut, um ihn nicht öffentlich zu machen):

mehr als die geschwindigkeit des untergangs lässt sich meiner meinung nach nicht mehr nivellieren.

so ist das wohl. shit happens.

in dem zusammenhang heute davon gelesen, dass das rumexperimentieren mit einer art zeitungsähnlicher folie, die quasi wireless sich aktualisiert, also so ne art tragbares super-e-paper, schon ziemlich weit gediehen ist und man sowas bald zur marktreife führen will. die reaktionen der verlage sollen aber gemässigt sein, ist ja schließlich nicht ihr kerngeschäft, ein quasi-elektronisches medium zu betreiben. zeugt allerdings nach meinem geschmack von eingeschränkter lernfähigkeit – das business, um das es künftig geht, sind inhalte, nicht zwingend deren plattformen.

jedes jahr verlieren die deutschen tageszeitungen statistisch gesehen auflage in der höhe einer faz. wundert mich, wie man angesichts dessen immer noch verhältnismäßig entspannt und wählerisch sein kann.

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unabdingbares lebenslanges lernen blubbblubbblubb…

2. Dezember 2005 - 13:18 Uhr

aber ja doch, ich beteilige mich herzlich gerne an jeder debatte über den zustand des journalismus und unserer medialer zukunft. darüber, auf welchen plattformen wir künftig welche hochkarätigen inhalte verbreiten werden, wieviele abermillionen wir damit verdienen und wie man künftig sogar das kongolesische staatsfernsehen simultan übersetzt im 4:3-format hdtv-auflösend aufs handy bekommt. sicher doch.

nach erzwungenem längerem sitzen vor einem klassischen nachrichtenticker in den letzten tagen beteilige ich mich allerdings jetzt auch wieder jederzeit an einer debatte über essentials. eine debatte, von der ich nicht dachte, dass sie zu führen sie. ist sie aber. zwei auszüge aus dem fundus des heutigen vormittags:

Lebenlanges Lernen bleibt eine unabdingbare Voraussetzung für…

Wer nicht vom Zug abgehängt werden will…

…und immer noch ganz weit vorne in der blubb-blubb-phrasencharts der klassiker:

Alle Jahre wieder…

das nur als realitätsabgleich, wenn es demnächst wieder um web 2.0 und ähnliches geht. möglicherweise sollte man davor erst mal wieder solides journalistisches handwerk vermitteln. könnte helfen, um leser und zuschauer zu tode zu langweiligen.

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nach google auch microsoft

1. Dezember 2005 - 1:25 Uhr

musste ja kommen: nach google arbeitet jetzt auch microsoft an einer plattform für einen kostenlosen kleinanzeigenmarkt. die aussichten für tageszeitungen werden dadurch nicht rosiger. im würgegriff von zwei kraken, meine güte. nicht schön.

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nachtrag zur kloake

1. Dezember 2005 - 1:20 Uhr

zur “wird sie geköpft?”-schlagzeile nennt die “zeit” heute die bild das “zentralorgan des moralischen analphabetismus” und fordert: “schluss mit diesen schweinephantasien”.

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