Archive for März, 2006
Ziemlich amüsierend…
…wenn ein durchaus sehr lesenswerter Artikel über das Thema Blogs ausgerechnet in der FAZ erscheint und wenn er ausgerechnet von einer Ehemaligen aus der DJS geschrieben wird. Und ausgerechnet von einer aus der Klasse, die damals dem Thema Blogs ausgesprochen, überaus und generell sehr skeptisch gegenüberstand. Schon wieder dieses Columbus-Gefühl, momentan kann ich davon gar nicht genug bekommen.
Ein Menetekel
Die Profitmargen von Zeitungsunternehmen stehen in einer Branche, die von sinkenden Auflagen und Werbeumsätzen, einer überalterten Leserschaft, steigenden Druckkosten sowie von der scharfen Konkurrenz digitaler Medien bedrängt ist, immer stärker unter Druck - was die Kollegen der FAZ hier schreiben, dreht sich zwar nicht primär über den deutschen, sondern den amerikanischen Medienmarkt. Aber würde man dies nicht dazuschreiben, es würde eh niemand merken.
Hintergrund ist eine ausführliche Geschichte über die Großfusion auf dem US-Zeitungsmarkt, die man bei der FAZ vermutlich us sehr gutem Grund als Menetekel bezeichnet.
DJS, nächster Teil
Heute abend erste Vorbesprechung mit der 41 B der DJS, nächste Woche geht´s dann wieder in die Vollen. Was mir auffällt: Noch nie war ich so schlecht auf eine Klasse vorbereitet. Nicht, dass ich mich nicht gekümmert hätte. Der Grund ist ein anderer: Jedesmal, wenn ich mir einen thematischen Schwerpunkt für die Woche ausgedacht habe, kommt ein anderes Thema des Wegs, von dem ich mir denke: Das ist es aber!
Was zur Folge hat, dass ich bis heute völlig unentschlossen bin. Ursprünglich wollte ich diese Woche ja mal unter das Vorzeichen “Digital vs. Analog, Print vs. Online” stellen. Dann fand ich es sinnvoller, dass wir uns diesmal intensiv mit Citizen Media befassen und mit den Auswirkungen der vereinfachten und verbilligten Medienproduktion auf den klassischen Journalismus. Aktuell denke ich aus gegebenem Anlass wieder vermehrt über das Thema Bewegtbild und multimediale Produktion nach. Und vermutlich wird´s dann eh wieder ganz anders werden als geplant.
Wie auch immer, zumindest eines ist mir in jetzt doch drei Jahren an dieser Schule noch nie passiert: dass ich zweimal das gleiche Programm gemacht hätte. Es gibt Tage, an denen ich die Kollegen aus den “klassischen” Fächern beneide.
Spam
In eigener Sache: Falls irgendjemand in den letzten beiden Tagen etwas kommentiert hat und sich wundert, warum nichts erscheint – ich habe soeben eine Kommentar-Massenlöschung veranstaltet. 169 Kommentare als Spam markiert – und weg. Keine Lust, ehrlich gesagt, 169 Schrott-Mails daraufhin durchzusehen, ob nicht doch vielleicht ein vernünftiger Kommentar dabei war. Ab demnächst gibt´s hier ne Schutzfunktion für die Kommentare, dann kommt das nicht mehr vor.
Eine biblische Plage, diese Spammer.
Nachtrag: Seit vorhin ist die Kommentarfunktion mit einem Sicherheitscode geblockt. Soll keine Schikane sein, aber die Spam-Robots haben zwischenzeitlich so viel Arbeit gemacht, dass ich in der Zeit auch gut und gerne einen halbwegs vernünftigen Beitrag hätte schreibn können.
Wenn die NYT zumacht…
…und zwar im Jahr 2014 – das gibts jetzt auch auf Deutsch. Sollte man sich ansehen.
Ein verrosteter Gebrauchtwagen
Unabhängig davon, ob Schweini nun hat oder doch nicht – interessant an dieser Geschichte ist, wie wenig sich etablierte Medien immer noch auf ihre Online-Ausgaben konzentrieren, obwohl die doch alle Möglichkeiten bieten würden, aktuell auf Geschehnisse einzusteigen und damit die technischen Vorteile elektronischer Medien zumindest partiell auszugleichen.
Beispiel Süddeutsche: Gestern abend bis heute früh stand nur eine kurze Agenturmeldung online, nach der Hoeneß eine Millionenklage gegen den Bericht ankündigt und der befragte Staatsanwalt dementiert, es sei zu Verhören der Spieler gekommen. Insofern war ich dann doch erstaunt, als ich am Vormittag der gedruckten SZ entnahm, dass man gestern anscheinend sofort nach bekannt werden der tz-Vorabmeldung aktiv wurde. Im Blatt jedenfalls findet sich als Sport-Aufmacher eine offensichtlich gründlich und aufwendig recherchierte Geschichte.
Das ist natürlich in keiner Weise zu kritisieren, zeigt aber sehr wohl den Stellenwert, den das Haus den Ausgaben zubilligt: Print macht eine große, gute Geschichte. Online wird mit dem Agenturkrempel abgetan. Vollends bizarr wir das Ganze allerdings dann, wenn man versucht, diese selbst gewählte Bewertung des Stellenwerts als Beleg dafür anzuführen, dass das Kerngeschäft eben die Zeitung bleibe. Wer seine Plattformen derart einseitig bestückt, der darf sich nicht darüber wundern, wenn zwar die Zeitung weiter als hochwertiges journalistisches Produkt wahrgenommen wird, sueddeutsche.de aber dafür keine nennenswerte Beachtung in der Öffentlichkeit findet. Hätte man gestern abend einen ähnlichen Aufwand für die Online-Ausgabe betrieben, der Server hätte geraucht. Schließlich war dieses Thema ein ziemlicher Hammer – da hätte man gerne schon am Abend ein bisschen mehr gewusst.
Dummerweise wird genau so gerne argumentiert: dass Online in seiner Bedeutung nicht vergleichbar sei, weil es wenig Umsatz bringe und von den Lesern nur als nettes Anhängsel begriffen werde. Das ist in etwas so, als wenn sich ein Gebrauchtwagenhändler, der bisher nur Mercedes vertrieb, einen verbeulten und verrosteten BMW auf den Hof stellt und dann, wenn sich der BMW nicht verkauft, daraus den Rückschluss zieht, er habe es ja schon immer gewusst, dass sich BMW schlecht verkaufe…
Die Süddeutsche war da übrigens gestern kein Einzelfall. An solchen Tagen und bei solchen Themen zeigt sich überdeutlich, dass de facto kaum eine Online-Redaktion in Deutschland personell so ausgestattet ist, dass sie mit eigenen Krisenreaktionskräften auf Dinge einsteigen kann, die außerhalb des gängigen Cut&Paste von Agenturstoff liegen.
Und so habe ich gestern abend das antiquierteste Medium genutzt, dass man sich vorstellen kann: den 20 Jahre alten und seit Gründung nicht mehr modifizierten Teletext. Die waren kein Deut besser – aber auch nicht schlechter.
Das wird spannend…
…laut GMX (!!!) berichtet die tz, unter den Verdächtigen des neuen Wettskandals sei auch Bastian Schweinsteiger. Ein ziemlicher Knüller. Merkwürdig nur: Sonst taucht diese Meldung nirgends auf, nicht mal auf den Webseiten der tz selber. Und auch nicht bei den anderen großen Nachrichtenangeboten. Auch im Radio, im TV – keiner meldet was. Sperrfrist nicht eingehalten, Falschmeldung?
Oder einfach alle im Tiefschlaf?
Nachtrag: Die Geschichte scheint einiges nicht ganz geheuer zu sein, jedenfalls wäre das eine Erklärung dafür, warum immer noch niemand die Story ernsthaft vermeldet. dpa hat die Sache jedenfalls aufgegriffen, hat Herrn Hoeneß erreicht und auch Schweinsteiger – und die wiederum lassen vermuten, dass auf den Hausjustitiar der tz demnächst einige Arbeit zukommt: “Bayern-Manager Uli Hoeneß hat empört auf einen «tz»-Bericht reagiert, wonach Nationalspieler Bastian Schweinsteiger in den jüngsten Fußball-Wettskandal verwickelt sein soll. Das laufe auf eine Millionenklage gegen die Zeitung hinaus, sagte Hoeneß dem «Tagesspiegel». Schweinsteiger habe dem FC Bayern erklärt, er «habe nie in seinem Leben auch nur einen Euro auf ein Spiel gesetzt». Die Staatsanwaltschaft habe dem FC Bayern München erklärt, dass es Anschuldigungen gebe, die zurzeit absolut nicht überprüfbar seien.”
Nachtrag 2: n-tv schreibt inzwischen unverblümt von einer “Wettskandal-Ente” und auch der mit der Sache befasste Staatsanwalt dementiert die Geschichte ziemlich energisch. Ich möchte jetzt gerade nicht der tz-Mensch sein, der die Geschichte verantworten muss. Er hat hoffentlich wirklich gut recherchiert.
Nachtrag 3: Die Geschichte selbst ist dünn, allerdings sind inzwischen auch ZDF und Bild drauf eingestiegen. Laut BR bleibt die tz bei ihrer Darstellung, obwohl ich bei Uli Hoeneß gestern abend die Befrüchtung hatte, ihm würde gleich der Kopf platzen. Rummenigge wirkte auch angefressen. Meine Deutung: Einer von beiden Seiten wird demnächst ein ganz fürchterliches Problem haben.
Feigenblätter
Die “Süddeutsche” bezeichnet heute den Grimmepreis für Stromberg als hochverdient – aber eben auch als “Feigenblatt”, das sich eine überalterte, öffentlich-rechtlich-fixierte Jury mit Tunnelblick gegönnt hat, damit es nicht zu sehr auffällt, dass Private bei Grimme quasi lebenslang stigmatisiert sind. Man dürfe gespannt sein, so die SZ weiter, ob sich der wunderbare Christoph Maria Herbst bei der Preisverleihung zu diesem Thema äußern werde.
Ich muss vermutlich nicht hinzufügen, dass mir die SZ aus der Seele gesprochen hat.
Wegen der Motzerei…
…des Kollegen Mohr hat sich Spiegel Online dazu entschlossen, die Videos nicht mehr mit Grönemeyer-Instrumentals zu hinterlegen, sondern gleich auf Töne jedweder Natur zu verzichten. Und ob es für diesen Beitrag überhaupt ein Video gebraucht hätte, sei dahingestellt. Der Mehrwert erschließt sich mir noch nicht so ganz.
Nun ja – wenigstens sind sie jetzt alle voll des guten Willens und irgendwie lernen wir ja alle noch, wenn´s um Bewegtbild im Netz geht.
Bilder für Geld
Das Bild bewegt das Netz, immer mehr: Unverkennbar ist, wie das Web immer mehr zur Alternativglotze wird. Kaum jemand, der seine bewegten Bilder nicht zur Verfügung stellt.
Bei CNN macht man das mit einer cleveren Doppelstrategie. Eine Reihe werbebelasteter Videos gibts for free, den ganzen Livestream werbefrei und mit einigen Zusatzfeatures im Abo für 2,95 Dollar im Monat. Gerade für junges und zahlungskräftiges Publikum, das nicht mehr zwingend die Riesenfernsehapparatur im Wohnzimmer stehen hat, eine echte Alternative.
Was mich wundert: In den USA und in England gehen die TV-Sender ziemlich offensiv mit diesem Thema an. Vielleicht nicht gerade mit einem Hooray auf den Lippen, aber immerhin aus einer gewissen Einsicht heraus. Das fehlt mir bei den Einheimischen fast völlig.