Archive for April, 2006
Times Reader
Nachtrag zum Zeitungsthema, diesmal mehr aus technischer Sicht: Mit dem Times-Reader soll demnächst ein neues und vor allem multimediales Tool zum Zeitungslesen kommen, das dann doch die Totgeburt E-Paper ablösen könnte.
Aber: Ist dann das alles überhaupt noch “Zeitung” im klassischen Sinne, wenn man dieses Tool richtig nutzt? Ist das nicht vielmehr richtig multimedialer Journalismus? Und sollte man dafür nicht langsam mal Journalisten ranziehen, die sowas auch können? Es ginge ja, wen so etwas kommt (und irgend etwas in der Richtung wird kommen) um ein grundlegend verändertes Verständnis von Medienproduktion. Und das muss in den Köpfen entstehen, nicht in irgendwelchen Readern.
Radio Gaga
Wenn man sich gerade mal nicht in München, Köln oder Berlin aufhält und man mit dem Auto unterwegs ist und man dabei Radio hören will, ist das schwierig. Da gibt´s nämlich nicht so viel auf dem flachen Land. Und unter dem wenigen, was es gibt, dominiert der Dudelfunk. Also scannt man mal, was es so gibt, will gerade weiterschalten, weil man die Stimme und dazugehörige Dumpfgeplapper schon mal auf Antenne Bayern gehört hat und bleibt dann irritiert hängen, weil das Display groß und fett “Bayern 3″ anzeigt.
Hat Bayern 3 also mal wieder – zum wievielten Mal eigentlich – eine Stimme von Antenne gekauft, mutiert weiter fröhlich zum schlechten Abbild eines privaten Almdudlers. Was Inhalte und Musik angeht, gibt´s eh schon lange keinen nennenswerten Unterschied. Und wie schon bei vielen Fernsehveranstaltungen fragt man sich auch beim Radio: Wofür, Teufel noch mal, wird öffentlich-rechtlicher Rundfunk finanziert, wenn unter dem Strich das rauskommt, was Private schon seit Jahren machen?
Im Trüben gezwiebelfischt?
Teile der Zwiebelfisch-Kolumne geklaut? Unschön. Vor allem, weil Spiegel Online da ohnehin etwas unter verschärfter Beobachtung steht.
G!E!Z!
One year ago, ein Jahr wie eine Ewigkeit…
…ist es jetzt her, seit ich ein wenig mit der GEZ im Clinch liege. Jetzt hat sie sich endlich nach langer Zeit wieder gemeldet und folgendes mitteilen lassen:
1.) Achso. Sie haben nur einen Fernseher und ein Radio. Nagut. Wir sind so großzügig, dass Sie dann auch nur einmal Gebühren zahlen müssen. Allerdings müssen Sie uns dazu schriftlich bestätigen, dass Sie nur einen Fernseher und ein Radio haben.
2.) Schildern Sie uns bitte detailliert, wie wir uns das vorzustellen haben. Nutzen Sie die Geräte tagsüber in den Geschäftsräumen und schließen Sie abends in den Privaträumen wieder an?
3.) Hüstel. Uns liegt keine Anmeldung für ein Autoradio vor. Wir wollen Ihnen ja nix unterstellen, aber…hüstel.
Jaha…und das alles ist jetzt kein Witz. So erarbeiten sich rund 1000 Mitarbeiter ihr Gehalt. Und Vater Staat macht sich Gedanken darüber, ob ich abends meinen Fernseher aus dem Büro rausschleppe und ihn dann im Wohnzimmer wieder anschließe. Ein großerBeitrag zur Förderung der Zahlungsmoral bei Rundfunkgebühren.
…life is not what it seems.
Nach der Kirche, Teil 2
Nein, ich bin gestern nicht schlauer aus der Kirche herausgekommen, als ich hineingegangen bin. Über die Gründe zu sinnieren, war mir gestern erst zu mühselig – und heute habe ich dann ohnehin eine interessante Geschichte gelesen, die mir das fehlende Erweckungserlebnis doch noch ersetzt hat…
In Aschaffenburg haben gestern die bayerischen Zeitungsverleger getagt und wie das halt so ist bei solchen Verbandsgeschichten, wurde das große Wehklagen angestimmt auf die Lage im allgemeinen und die Politik im besonderen. Die nämlich, so meinte der bayerische Oberverleger Dr. B., erschwere insbesondere Regionalblättern den Weg zu neuen Märkten und Geschäftsmodellen, weil man sie partout keine größeren Anteile an elektronischen Medien halten lassen will. Dass der Herr Dr. B. mit seiner Verlagsgruppe fast die Hälfte Niederbayerns und Teile der Oberpfalz publizistisch monopolartig dominiert und Tageszeitungen und Wochenblätter rausbringt und beim Radio auch noch fleißig mitmischt und natürlich auch Internet macht und somit der einzig wirklich relevante Meinungsmacher der Gegend ist, hat er nicht dazu gesagt. Jedenfalls hätte er gerne noch mehr Radio und noch mehr Fernsehen und noch mehr Internet…
Bei dem Satz konnte ich mir dann ein Grinsen nicht mehr verbeißen. Da nämlich, verehrter Herr Doktor, liegen wir dann doch ein bisserl falsch. Dass nämlich auf einmal ganz andere, finstere, riesenhafte Gestalten vor des Herrn Verlegers Tür stehen und ihm das jahrzehntelang sicher geglaubte Monopolgeschäft etwas abspenstig machen, das kann kann man nun wirklich nicht der Politik zum Vorwurf machen, da müssen wir uns schon ans eigene Näschen fassen. Dass die Poltik irgendwas damit zu tun haben könnte, dass Google die Anzeigenmärkte der Zeitungen ein bissel ramponiert, wäre mir neu. Und hallo, hatten insbesondere die Zeitungen nicht über Jahre hinweg Zeit, sich auf das Thema einzustellen? Das larmoyante Gejammer und der Ruf nach der ordnenden politischen Hand zeigen mir jedenfalls, dass ein beträchtlicher Teil der Verlage immer noch nicht verstanden hat, woru es eigentlich geht.
Amüsiert hab ich mich in den Zusammenhang über den von Herrn Dr.B. gebrauchten Begriff des Premium-Mediums, den er generös an die Blätter in toto und seines im speziellen verteilt hat. Das ist eine gute Sache, so ein Lob, weil es jede Diskussion, ob sich nicht der Journalismus in der typischen deutschen Tageszeitung ziemlich am Boden befindet, sofort erschlägt. Man muss dann auch nicht darüber reden, dass bspw. die Zeitungen des Herrn Dr. B. (und einige andere auch) Honorarsätze bezahlen, mit denen ein freier Journalist knapp über Hartz4-Level leben kann, wenn er auf diese Honorare blöderweise angewiesen sein sollte. Das Produkt, das sich mit solchen finanziellen Kraftakten von darob hochmotivierten und qualitativ an der Spitze stehenden Journalisten gemacht wird, verdient sich ganz sicher die Bezeichnung Premium. Und ganz ohne Zweifel lesen die Leute die Zeitung(en) aus purer Begeisterung, nicht etwa deswegen, weil´s häufig auf dem flachen Land einfach nichts anderes gibt.
Und reden wir doch mal von den Online-Angeboten, die man gerne noch weiter ausbauen würde, obschon die Politik dies ja bekanntermaßen verhindern will. Obwohl – reden wir lieber nicht drüber…
Man kann das also schon gut verstehen, dass Verlage, die in Bayern großteils de-facto-Monopolisten sind, gerne noch mehr Monopol hätten. Stoiber, Huber & Freunde, marsch,marsch, mehr Macht den Verlagen.
Achja, Kommando doch nochmal zurück: Ein bisschen schlauer bin ich dann gestern abend doch aus der Kirche gekommen. Im beschaulichen Vorarlberg nämlich gibts die kleinen “Vorarlberger Nachrichten”, deren Chefredakteur gestern ein paar Einblicke in das multimediale Konzept des Hauses gewährt hat. Mit sinnvollen crossmedialen Integrationen und Strategien, mit einem selbstverständlichen, souveränen und intelligenten Umgang mit neuen Medien, der eher die Chancen als die Risiken sieht. Keine Sekunde Wehklagen, kein bisschen Larmoyanz.
Vor der nächsten Verbandssitzung sollten Sie den Herrn Dr. Ortner vielleicht mal anrufen, verehrten Herr bayerischer Oberverleger.
Nach der Kirche
Wenn man aus der Kirche rauskommt, ist man hinterher schlauer, sagt man bei uns in Bayern. Insofern bin ich sehr darauf gespannt, ob es bei dieser Veranstaltung heute abend, bei der ich im SZ-Forum ein wenig mitdiskutieren darf, tatsächlich neue Erkenntnisse geben wird oder ob sich die Epigonen alter und neuer Medien einfach nur wieder belauernd gegenüberstehen und die altbekannten Argumente austauschen.
Mich beeindruckt diese scharfe Trennlinie, die es da offenbar gibt, immer noch zutiefst. Gelegentlich kommt man sich da als bekanntermaßen überzeugter Verfechter einer neuen Medienökonomie so vor, als trage man kleine Hörnchen auf dem Kopf.
Selbst-Dreher
Eine Meldung aus dem Kress, die zwar richtig und gleichzeitg aber doch wieder falsch ist:
Selbst-Gedrehtes
gibt es auf www.myvideo.de zu bestaunen. Unter der Adresse ist eine sogenannte Video-Community an den Start gegangen. Das Prinzip: Wer einen selbst gedrehten Video-Clip besitzt, kann diesen anderen Nutzern präsentieren. Derzeit listet “MyVideo.de” rund 5.000 Filme auf. Die Zahl soll binnen zwei Monaten auf eine Mio anschwillen. Hinter der Site, die sich durch Werbeeinblendungen finanzieren will, steht das Unternehmen Videocamp. Zuständige Mediaagentur ist Magic Internet, Berlin.
Richtig: Das Portal gibt´s jetzt.
Nicht wirklich richtig: Die Meldung suggeriert, als wäre das was Neues. Tatsächlich begibt sich MyVideo in Konkurrenz zu einigen anderen (auch im deutschsprachigen Raum), die bereits auf diese Idee gekommen sind. Spannendste Frage deshalb: Dass es ein Potenzial für so etwas gibt, ist spätestens seit YouTube unbestritten. Die Frage ist: Wie groß und wie nachhaltig ist es?
Quotenbeschränkung für Talkshows
Man sollte ernsthaft drüber nachdenken, ob man Polit-Talkshows nicht in die 3. Programme auslagert und ihnen eine maximale Quotenbeschränkung auferlegt. Grade läuft die Münchner Runde im BR. Die muss man zwar nicht als die Wiedergeburt des politischen Gesprächs feiern, aber merkwürdigerweise sind sogar Stoiber und Frau Roth deutlich unaufgeregter als in der Massenzucht Christiansen. Zumeist lassen sich die Protaganisten ausreden und gelegentlich hört man sogar Argumente. Man muss die nicht zwingend teilen, aber wenigstens sind es Argumente. Kann man vom Sonntags-Schaulaufen in Berlin bei Frau C. ja nicht unbedingt behaupten.
Springer goes online
Nachdem die Nummer mit dem Fernsehkonzern nicht so ganz hingehauen hat, macht Springer jetzt das zunächst Naheliegende: Man baut seine Multiemedia-Aktivitäten aus und will als erstes mal “Welt online” zur “führenden deutschen Nachrichtenseite” machen. Ambitioniertes Unterfangen, die “Welt” steht ja schon im Tageszeitungsmarkt nicht eben als Marktführer da.
Bewerkstelligen soll´s die personelle Wunderwaffe Keese, wobei mir noch nicht wirklich klar ist, was der von Online versteht. Das scheint bei Springer aber niemanden so richtig zu stören – in der neuen Multimediatruppe ist kein einziger ausgewiesener Onliner dabei. Man wird sich schwer tun, das steht fest. Ein paar Printer ins Web zu verfrachten, das kann schon gutgehen. Muss es aber nicht.
Was mich besonders wundert: Es gibt inzwischen, im Gegensatz zu 1997, ein paar echte onlinejournalistische Schwergewichte. Und von denen holt sich Springer bei einer solchen Aktion niemanden ins Boot?
Wäre dann Briefeschreiber FJ Wagner im Erfolgsfall Chefredakteur von SAT 1 geworden?
Mash-Up Two The Surface
Jajajajaja!