Archive for Juni, 2006
Ruhrpott goes online
Die WAZ soll Konkurrenz bekommen. Und zwar von einer “Zeitung”, die nur online erscheint und die vom journalstischen Handling auch genauso gehandhabt wird. Sprich: Keine dauernden Aktualisierungen, sondern einmal publishen am Tag. Leuchtet mir noch nicht ganz ein, warum man die größte Stärke des Mediums freiwillig aus der Hand geben will, aber gut. Ansonsten finde ich den Gedanken eines lokaljournalistisch geprägten Online-Angebots nach wie vor richtig und interessant.
Währenddessen ist die WAZ nicht inaktiv, will einen eigenen Online-Chefredakteur einstellen (merkwürdig genug, dass es das bisher nicht gab…wer macht da eigentlich die Inhalte?). Und außerdem will man für alle insgesamt (ich glaube) 28 Lokalausgaben eigene Blogger definieren. Komische Krankheit. Sobald etablierte Medien zum Bloggen gehen, holen sie zu einer Art atomaren Erstschlag aus. Unter 15 Blogs tut´s anscheinend keiner, eine Nummer kleiner haben sie es nicht.
Dafür wär man ja schon dankbar für ein einziges gutes Redaktionsblog, Reicht vollkommen.
In eigener Sache (mal wieder)
Zwei Termine in nächster Zeit, bei denen ich mich freuen würde, den einen oder anderen Leser dieses Blogs zu sehen (bitte ggf. einfach melden): am 29. Juni bei einem Symposium an der FH Augsburg zum Thema “Citizen Media” und am 11. Juli dann bei dieser Geschichte in Nürnberg.
Selbstmord…
…zumindest in finanzieller Hinsicht, sei “Triple Play”. Hat Forrester Research ausgerechnet. Und vielleicht wird dieses Thema jetzt dann auch wieder mit der gebotenen Sachlichkeit behandelt.
Fußball bizarr
Man muss ja auch mal über die WM hinausdenken – und da sieht es momentan wirklich krude aus: Allem Anschein nach werde ich ab August keine Bundesliga-Livespiele mehr sehen können, selbst wenn ich dafür viel Geld ausgeben würde.
Gut gemacht, DFL, Premiere, Telekom, Arena.
16 Jahre nach Abschluss meines ersten Premiere-Abos auf einmal wieder fußballmäßig auf dem Stand der späten 80er zu sein: Das ist…bizarr.
Videos
Note to myself: Ohne ein anständiges Videosortiment kommen Anbieter von General-Interest-Nachrichtenseiten nicht mehr aus. Was bedeutet, dass Onlineangebote Fernsehen auf ihrem Kerngebiet attackieren, wie umgekehrt Fernsehsender ebenfalls auf andere, multimediale Spielarten ausweichen werden (müssen).
Machen dann irgendwann mal alle alles??
Nachtrag: Bei Spiegel Online sind inzwischen die ersten Videos bereits mit kurzen Werbespots belegt. Bringt Geld. Irgendwann vermutlich sogar mal sehr viel Geld.
Die Stimmung als solche…
…bei einer großen süddeutschen Zeitung. Mag sein, dass man das so sieht, wenn man bei einer Zeitung arbeitet. Trotzdem ist mir soviel Defätismus suspekt, vor allem, wenn ihn ein erfahrener Kollege an junge Leute weitergibt. Wundert mich langsam nicht mehr, warum ich bei vielen Aus- und Fortbildungsprojekten auf junge Leute stoße, die meinen, ihnen stünden nun 40 Jahre im Steinbruch bevor.
Ich bleibe dabei: Wer ein wenig open minded durchs Leben geht und einige überkommene Vorstellungen von Journalismus über Bord wirft, hat ale Chancen – auf etliche spannende Jahre.
Q: Wie sind die Chancen für einen Außenstehenden, in der SZ einen Artikel unterzubringen?
A: Aus meiner Erfahrung heraus sind diese mittlerweile ausgesprochen gering. Ungefragt eingeschickte Manuskripte Außenstehender werden so gut wie nie veröffentlicht. Eine Zeitung wie die Süddeutsche wird sich immer Autoren suchen, die sie kennt. Schlichtweg aus Gründen der Absicherung. Aber selbst der Zeitung bekannte freie Autoren tun sich schwer. Die noch immer nicht ganz überwundene Krise der Tageszeitungen hat Spuren hinterlassen.
Q: Welche?
A: In allen großen Tageszeitungen wurden Redakteure entlassen, die sich nun als Freie ihr Geld verdienen müssen. Darunter finden sich selbst ehemalige Ressortleiter. Diese erfahrenen Leute nehmen jenen Freien die Butter vom Brot, die noch nie irgendwo als Redakteure gearbeitet haben. Außerdem: Viele Redaktionen können gar keine Freien mehr beschäftigen, weil ihre Etats drastisch gekürzt worden sind. Folglich greifen die nur noch im äußersten Notfall auf Freie zurück.
Q: Wie wird man freier Mitarbeiter bei der SZ?
A: Meist über ein Praktikum in einer unserer Redaktionen. Oder über ein Volontariat. Vielfach werden nämlich Volontäre auch in großen Häusern nicht mehr gleich als Redakteure übernommen. Sie bekommen im besten Fall erst einmal einen Pauschalistenvertrag. Als ich in diesem Beruf angefangen habe, war das sehr viel einfacher. Ich bekam ziemlich bald nach Abschluss der Münchner Journalistenschule einen Redakteursvertrag.
Q: Haben Sie zum Schluss noch einen Tipp für Nachwuchsjournalisten zum Berufseinstieg?
A: Ich würde jedem davon abraten, diesen Beruf zu ergreifen.
Q: Wie bitte?
A: Die Berufssituation ist für Neueinsteiger inzwischen gnadenlos. Es ist schlimm, wie sich junge Leute derzeit ausbeuten lassen müssen und ausbeuten lassen. Alles in der Hoffnung, dadurch irgendwann doch noch einen Redakteursvertrag in die Hand zu bekommen. Zudem: Der Beruf bietet wenig Aufstiegsmöglichkeiten, und auf Verlegerseite gibt es unverhohlene Bestrebungen, die Gehälter immer mehr zu kürzen. Wem das nicht passt, der kann ja gehen. Es stehen Hunderte da, die den Job sofort übernehmen würden.
Q: Das klingt ziemlich verbittert.
A: Der Beruf des Journalisten ist – zumindest für die meisten – nicht unbedingt jener Traumberuf, den sich Berufseinsteiger erhoffen.
Geld für Blogs
Gutes Geld für gute Autoren resp. Blogger: gutes Projekt der “Süddeutschen”, resp. von jetzt.de. Um etliches spannender und vielversprechender als der 37. Aufguss sturzlangweiliger Redaktionsblogs, die eh kein Mensch lesen will. Einziger kleiner Wermutstropfen: Altersbeschränkung auf 35. So, als ob 36-Jährige plötzlich rapide altertenh und nicht mehr schreiben könnten.
Spielt Ballack?
Man sollte Nachrichten in den kommenden vier Wochen vermutlich mit Vorsicht genießen. Aufmacher heute: Ob Ballack spielen kann oder nicht, wird sich kurzfristig entscheiden. Beckenbauer WARNT!! Man solle Ballack nur spielen lassen, wenn er auch wirklich fit sei. Bundestrainer Klinsmann gibt heute nachmittag die Aufstellung bekannt. (alles bei B5 aktuell, heute morgen, 10 Uhr.)
Flashback: Nach dem WM-Finale 74 blendeten sich die TV-Sender 10 Minuten später aus und brachten am Abend, Stunden später, nochmal eine Zusammenfassung vom Tage.
Aber gut, wer bin ich, mich darüber zu beschweren…Blog-Frequenz wird runtergefahren. Zeit, dass sich was dreht!
RadioVideoPodcast
Spätestens jetzt, wo Frau Merkel einen eigenen Podcast pflegt und sogar auf den bayerischen Lokalradiotagen dieses Thema als eines von echter Relevanz erkannt wird, muss man anerkennen, dass es sich jetzt nicht mehr um einen Modehype handelt, sondern um ein Musthave bei allen, die in irgendeiner Weise elektronisch publizieren können (und wer kann das mittlerweile eigentlich nicht?).
Insofern wird dieses Thema in diesem Blog in nächster Zeit vermutlich nicht mehr so rasend oft vorkommen.
WM-Reporter
Gestern den Kollegen im improvisierten WM-Studio bei Center-TV zugeschaut. Extrem charmantes Ding: Kameras an Kölner verteilt, die jetzt als WM-Reporter in der Stadt unterwegs sind und ihre gedrehten Dinger dann beim Sender abgeben. Gestern zu Gast ein 13jähriger, der bei der Ankunft der Elfenbeinküste dabei war. Als Drogba kam, haben den Burschen ein wenig die Hände vor Aufregung gezittert. Natürlich hatte der Film handwerkliche Schwächen, aber dafür war er tausendmal authentischer als jede MAZ. Und er war so wunderbar stolz, der Bursche, als er gestern im Studio saß und berichtete, wie das so war mit den Kickern von der Elfenbeinküste. Wer´s sehen will, wie die Kölner zu WM-Reportern werden: www.center.tv streamt das Kölner Programm 24 Stunden lang live (Und natürlich darf der Hinweis nicht fehlen, dass ich bei AZ Media, dem “Mutterunternehmen” von Center TV,arbeite).