Archive for Juli, 2006
Und dass jetzt auch…
…AOL ein eigenes Videoportal eröffnen wird, ist eigentlich nur noch eine Randnotiz wert, weil inzwischen Videos zum guten Ton gehören.
Videos
Vom Warentest bis hin zu Yogaübungen, Focus online bietet inzwischen eine ganze Reihe eigenproduzierter Videos an. Konsequenter Gedanke vor allem angesichts dessen, dass Focus mit dem eigenen Fernsehmagazin ja auch eine bewegtbildorientierte Strategie fährt. Und nur der Reuters-Feed alleine bringt´s ja auch nicht – das ist in etwa so originell wie dpa-Nachrichten auf einer Seite.
Und immerhin: Yogaübungen fürs Büro sind thematisch naheliegend für ein Blatt, das sich in erster Linie durch Nutzwert- und Best-of-Geschichten definiert.
Man muss, es sei wieder mal festgestellt, sich nicht mehr zum Fernseher bewegen, um fernzusehen.
Online-Werbung
Manche Werbung wirkt, Online-Werbung wächst: 63,9 Prozent im ersten Halbjahr 2006. Zugegeben, von einem niedrigen Niveau kommend; in den Gesamtausgaben inzwischen aber schon vor der Gattung der Fachzeitschriften. Überflüssig zu sagen, dass kein anderes Genre derart atemberaubende Zahlen vorweisen kann.
Und wieder mal verstehe ich all jene Medienhäuser nicht, die zwar Online-Plattformen da stehen haben; sie aber schlichtweg nicht vermarkten. Da hechelt man lieber noch einem 300-Euro-Spot hinterher als sich auf das zu konzentrieren, was wirklich boomt und gefragt ist. Aber ok, auch die Werbezeitenverkäufer und Anzeigenabteilungen werden es noch lernen. Ist ein bisschen wie Zahnarzt: Je länger man wartet, desto mehr tut es weh. Wenn der Zahn, der faulige, überhaupt noch zu retten ist.
Zeitungskrise, nächster Teil
Der Kölner Verlag M. DuMont Schauberg plant offenbar einen deutlichen Stellenabbau über Abfindungsregelungen. Eine Sprecherin dementierte gegenüber kress zwar die Zahl von 10%, die in Köln die Runde machte. Ein Personalabbau wurde aber bestätigt. (kress.de)
Fortsetzungen garantiert, aus Köln, aus anderen klassischen Medien – ebenfalls. Ganz sicher.
Welcome, Mäxchen
Maxdome ist jetzt also im Netz, endgültig und nach einigermaßen langen Geburtswehen. Und demnächst, was ja nicht mehr als logisch ist, gibt´s den Maxdome aus dem Netz via Settop-Box auch als Maxdome fürs Fernsehen. Ein Schritt mehr bei der Vernetzung zwischen Fernsehen und Online; die Grenzen verschwimmen weiter.
Mich freut´s aus alter Sympathie für dieses Projekt natürlich. Und bevor jemand mit kleinkarierter Kritik anfängt: Man ist damit ein ganzes Stück weiter als die Freunde als Köln und als viele andere Ankündigungsweltmeister auch.
The trend is not your friend…
…wirklich nicht: Rund 1,75 Prozent Auflage haben die deutschen Tageszeitungen im zweiten Quartal 2006 verloren (im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum). Und ziemlich gleichzeitig dazu beklagen sich die Dickschiffe unter den deutschen Zeitschriften ebenfalls über massive Leserverluste.
Und wiederum parallel dazu erhalte ich die Einladung zu einem Projekt, bei dem es an einer Uni um die Tageszeitung der Zukunft gehen soll, mit dem freundlichen Verweis des Lehrstuhls, die Studenten würden so gut wie keine Zeitungen mehr in die Hand nehmen.
Man wird viel über Konzepte der Zukunft nachdenken müssen bei den gedruckten Zeitungen.
Schießen Sie Poldi ab!
Was wirklich nervt: die ganzen Aufrufe insbesondere der Boulevard-Blätter, irgendwelche Promis beim Urlauben abzuschießen. Null Erkenntniswert, subventioniertes Paparazzitum, schlechte Bilder zu irrelevanten Themen. Und das alles unter dem Deckmantel von Citizen Media, womit selbstverständlich Urlauber in kurzen Hosen, Tennissocken und Sandalen an den Füßen, die auf Malle Prinz Poldi abschießen, nicht das Geringste zu tun haben.
Ausbildung, crossmedial
Die Tage mal in einem Seminarangebot zur multimedialen Ausbildung von Journalisten gelesen:
1. Einführung in Photoshop
2. Einführung in HTML
Das sollten wirklich mal multimediale Profis werden, die so ausgebildet werden.
Werbung, erschlichen oder nicht…
…passt nicht wirklich in Blogs, schreibt die Süddeutsche. Wohl wahr. Authenzität und Werbung vertragen sich vermutlich nur in sehr wenigen Ausnahmefällen. Und große Redaktionen und Blogs, das verträgt sich auch nicht wirklich. Man muss ja nicht gleich so weit gehen wie Don Alphonso, der einen Award für die missratensten Journalistenblogs auslobt, aber im Kern ist was Wahres dran. Von Harald Schmidt stammt die Zote, wenn die ganzen Sender-Redaktionen plötzlich anfingen zu bloggen, dann seien diese Blogs alles Mögliche, nur eines nicht: cool.
Deswegen bekommt die aktuelle DJS-Klasse auch eine leicht veränderte Aussage zum Blog-Thema verpasst: Während ich die letzten zwei, drei Klassen mit sanfter Gewalt zu einer Armada von Bloggern machen wollte, emopfehle ich jetzt nur noch Blog-Watching als Arbeit, Blog-Lesen als Vergnügen und alles andere wie beispielsweise Blogs schreiben nur dann, wenn man wirklich ausgeprägt Lust drauf hat.
Nirgends steht, dass Journalisten bloggen müssen.
Zeitschriften
Wenn Spiegel, Stern und Focus schon nicht viel miteinander gemein haben, dann doch wenigstens dies: Das Trio verliert konstant an Auflage und an Anzeigenseiten; ein Trend, der kaum aufzuhalten ist. Verglichen mit dem Boomjahr 2000 haben sich die Aufkommen der Anzeigenseiten teilweise halbiert, man kann sich vorstellen, welche Löcher das reißt. Und dabei kann man nicht einmal den sonst meistens angebrachten Tipp geben, sich um ein vernünftiges Onlineangebot zu kümmern. Alle drei haben mehr oder minder ansehnliche Onlineauftritte; alle drei fahren mit dem zusätzlichen Fernsehformat eine trimediale Strategie.
Trotzdem setzen alle drei inzwischen vermehrt auf Online. Die inhaltliche Aufrüstung fällt ins Auge; die personelle zudem. Bei allen dreien sind inzwischen etablierte ehemalige Journalisten aus dem Heft am Steuer, dazu kommt, dass sich die personellen Neuzugänge auch dadurch auszeichnen, dass es sich zumeist um ausweislich gute Journalisten handelt. Das war (und ist) nicht selbstverständlich; es gab und gibt immer noch Häuser, in denen sich jemand, der in die Abteilung Online versetzt wurde, fragen lassen musste, was um Himmels willen er denn angestellt habe. Inzwischen – die drei Magazine belegen es – dreht sich der Trend. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass es in ein paar Jahren ganz normal sein wird, wenn die Medienhäuser ihre Besten an die Spitze der Multimedia-Redaktionen setzen.