Archive for August, 2006
Das Schweigen der Macher
Über Umwege entdeckt und seitdem eines der favorisierten Medienblogs: im Mediendschungel, vorlaut und ganz furchtbar gemein und natürlich völlig unobjektiv. “Alle haben Angst vor mir” ist eine Interviewreihe, bei der man sich wünscht, niemals als Interviewpartner ausgewählt zu werden. Frau Lyssa, frisch ernanntes Online-Fräuleinwunder der WAZ, machte da schon nicht gerade Bella Figura, und noch schöner wird dann das beredte Schweigen von jemanden, der sonst eigentlich zu allem und jedem irgendwas zu sagen hat, womit nicht gesagt ist, dass das, was er sagt, dann auch irgendeinen Sinn macht.
Deswegen: Das nicht gegebene Interview von Klaus Madzia, unbedingt lesen.
Man nenne sich Guru…
…arbeite mit einem Blogger zusammen und wärme uralte Kamellen auf.
Man klebe dann das Label Web 2.0 drauf und hype das Ganze ein bisschen und auf einmal nennen wir das ein “spannendes mediales Experiment”. Ungeachtet dessen, dass es sowas in anderen Formen in der Medienallee in Unterföhring schon vor etlichen Jahren gab. Und abgesehen davon, dass ich sowas in diesem Jahr auf einem anderen Blog während der Fußball-WM – zugegeben eher etwas zufällig, aber dafür mit den Leuten mit dem größten Sachverstand auf diesem Planeten – aus einem Hotelzimmer in Köln heraus praktiziert habe. Sowas nannten wir damals spaßeshalber Liveblog und es waren die geilsten und lustigsten Fußballabende, die ich jemals alleine verbracht habe. Allein war ich da ja nur im übertragenen Sinn.
Mir wär allerdings nicht der Gedanke gekommen zu behaupten, ich würde gerade ein völlig neuartiges spannendes mediales Experiment wagen. Nun gut, all diejenigen, die ihr im Juni dabei wart – ihr wart Pioniere! Helden!
Ein kleines bisschen Horrorshow…
…in Köln. RTL will, kurz gesagt, weniger zahlen, länger arbeiten lassen, Leute entlassen. Frau S. ist so freundlich, das wenigstens nicht mal zu dementieren, wobei man weiß, dass derart freundlich verpackte Ankündigungen in der Realität dann doch immer ein weniger heftiger ausfallen. Zumal man bei solchen Debatten gerne auch vergisst, was solche rigiden Spargeschichten für alle anderen bedeuten, die am Tropf der Freunde aus der Aachener Straße hängen.
Ein bisschen dauert´s noch…
Das 43-Zuschauer-Fernsehen der Telekom lässt irgendwie noch ein bissel auf sich warten, was insofern nicht weiter schlimm ist, weil es ja nur 43 – nungut, nennen wir es die Gnade der nicht messbaren Quote.
In jedem Fall beschleicht mich allerdings das Gefühl, dass sich selten zwei große Unternehmen (ok: ein großes und ein mittelgroßes, das aber immerhin mal Beinahe-Monopolist war) so peinlich in der Öffentlichkeit präsentiert wie diese beiden.
Premiere heißt jetzt Arena
Ein paar verspätete Eindrücke vom Arena-Start am Samstag:
1.) Der Unterschied ist nicht wirklich sichtbar. Das wird man auf Seiten von Arena möglicherweise als Lob begreifen, kann aber auch so gelesen werden, dass denen nichts wirklich Neues eingefallen ist. Kein Wunder, in der neuen Verpackung steckt ja auch weitgehend das alte Team.
2.) Liebe gut gebriefte Moderatoren, wir hatten es dann nach der 17. Wiederholung doch auch schon kapiert, dass Arena ganz neu und ganz toll ist und dass man das mit ein bisschen Glück auch abonnieren kann und dass es jetzt auch im Internet…
3.) Liebe gut gebriefte Moderatoren, natürlich dürft Ihr ein teuer eingekauftes Produkt nicht kaputtreden, aber ein paar Anmerkungen wirkten dann doch etrwas albern, vor allem, wenn man die Tatsache, dass der Ball in einem Spiel zwischen Cottbus und Gladbach ein bisschen lief, als Beleg dazu verwenden wollte, man sehe hier jetzt gerade ein richtig tolles Spiel.
4.) Günter Koch wirkt großartig im Radio. Und als völlig unobjektive Stimme Frankens. Im Fernsehen wirkt er merkwürdig gebremst und als bemüht neutraler Kommentator, der versucht, seine Liebe zum Club nicht zu offenkundig werden zu lassen, irgendwie deplatziert. Abgesehen davon, dass man in der vibrierenden Stimme doch raushörte, wie sehr er sich über den Club freute. Das ist auch ok – wenn man das im BR macht. Und irgendjemand sollte ihm sagen, dass Fernsehen den großen Vorteil hat, dass man sieht, was da passiert. Muss nicht auch noch dauernd erklärt werden – soll heißen, Klappe halten ist gelegentlich…achwas: Koch zurück zum BR und alle sind glücklich!
Die Zahl des Tages
43.
Genau 43mal hat die Telekom ihr Angebot verkaufen können, Fußball übers Internet zu schauen. 43mal. Bei einer Einschaltquote von 100 Prozent kommentiert Herr Beckenbauer also künftig für 43 Zuschauer im Netz.
Triple Play, das hat echt Zukunft.
Und mal ehrlich, wer will Fußball von der Telekom? Es ist ja schon unangenehm genug, dass man am Tag des Sendestarts als ein im Herzen Bayerns lebender Blogger leider keine Bundesliga live mehr schauen kann, weil Premiere und Arena ein organisatorisches Desaster ersten Grades abgelegt haben.
Anmerkung: Die Zahl 43 stammt aus Recherchen der SZ. Vielleicht waren es auch nur 42, möglicherweise doch schon 57, who cares.
Mäxchen rüstet auf
Nachdem -siehe auch Kommentare- die Frage im Raum steht, wie sich der P7S1-Maxdome nun schlagen wird auf dem freien Markt: Immerhin hat man jetzt auch Verträge für Lost und Desperate Housewives geschlossen und fährt dabei eine Strategie, für die man die BBC vor Jahresfrist bejubelte. Man kann die neuen Folgen nämlich teilweise auch im Preview vor der Erstausstrahlung im TV sehen. Das revolutioniert noch nicht das Fernsehen, ist aber mal ein echter Paradigmenwechsel zu der bisherigen müden Strategie der Sender, gut abgehangenes Zeug nachträglich ins Netz zu stellen. Dass der Zuschauer sich künftig viel mehr im Netz bedienen wird, sollte ziemlich unbestritten sein. Und dass er ggf. clever genug ist, sich Dinge zu besorgen ohne den ganz legalen Weg zu gehen, frag nach bei der Musikindustrie. Dann lieber den offensiven Weg gehen, frag nach bei iTunes. Lost und Housewives jedenfalls sind schon mal ganz interessante Inhalte, der Reiz von Omis 80. Geburtstag lässt ja irgendwann dann doch mal nach.
Zugegeben, ich habe auch mal eine Zeit an die Zukunft und des Charmes von “Fernsehen” geglaubt, dass sich zeitweise aus den Arbeiten von Halbprofis und Laien speist. Aber meine Augen sind empfindlich und irgendwann hätte ich dann doch gerne wieder Bilder, die nicht verwackelt sind; Texte von jemandem, der halbwegs meine Sprache spricht und Themen, die über “Ich übe mit meiner Luftgitarre vor dem Spiegel” hinausgehen. Für so ein Zeugs gibts inzwischen Portale en masse und mehr, als jeder Markt vertragen kann. Kein Mensch braucht Clipfish. Maxdome vielleicht schon eher.
(Hinweis des Anstands halber: Ich habe an der Erst-Entwicklung von Maxdome vor ein paar Jahren mitgearbeitet, bin insofern also alles andere als neutral).
Das ist ja mal…
…eine richtig faustdicke Überraschung:
Der Bezahl-Kanal Premiere hat im 2. Quartal schlechte Zahlen vorgelegt. Wegen Steuernachzahlungen rutschte das Ergebnis unterm Strich auf -139 Mio Euro ab. Auch operativ erwirtschaftete der Sender ein dickes Minus und die Abo-Zahlen sind weiter rückläufig. (kress.de)
GoogleGrid, reloaded
MySpace und Google tun sich zusammen? Hübsche Aussichten. Aus dem Anlass nochmal der Hinweis auf ein ganz wunderbares Stück, dass es jetzt inzwischen auch als Update bis zum Jahr 2015 gibt. Mit besonderem Gruß an alle DJS-Klassen, denen ich das Stück bisher gezeigt habe.
Bewegtbild-Strategien
Interessant zu beobachten, wie die großen Sender momentan mit dem Thema Bewegtbild im Netz umgehen. Während ProSiebenSat1 Maxdome zur Welt gebracht hat und damit in erster Linie auf eigene Produktionen im Stile von klassischem Hochglanzfernsehen setzt (und schließlich dafür auch Geld haben will), setzt RTL auf den umgekehrten Weg. User-Videos sollen die Leute locken. Und weil ein Imagetransfer vom Privatsender zur lustigen Web2.0-Community selten hinhaut, hat man sich dazu entschlossen, die Marke RTL erst gar nicht wirklich zu kommunizieren und der ganzen Sache den überaus originellen Namen “Clipfish” zu geben. Sieht aus wie, natürlich, YouTube, und soll letztendlich auch nichts anderes sein.
Dass ich die Maxdome-Variante präeriere, liegt natürlich aus mehreren Gründen auf der Hand, allerdings spricht auch so einiges gegen die Clipfish-Geschichte. Zum einen ist es bei einem geschätzten Marktanteil von 6o Prozent von YouTube und den anderen Konkurrenten (alles voran Google) ein ziemlich gewagtes Markteintritts-Unterfangen. Zum anderen nimmt kein Mensch RTL die lustige Videocommunity ab. Und drittens und letztens ist der siebzehnte YouTube-Klon langsam nicht mehr originell. Ich kenne Leute, die grübeln immer noch darüber, wie man sich die YouTube-Geschichte zunutze machen könnte. Dabei ist der Zug nun wirklich abgefahren.
Morgen reden wir schon wieder von ganz was anderem.