Archive for November, 2006
Nachlese…
…zum MediaCoffee in München von gestern abend gibt´s hier als Blog und da auch als Podcast. Aus meiner subjektiven Sicht am interessantesten: Rainer Tief vom BR, der vieles sagte, was überaus einleuchtend klang. Eine These, dass man bspw. mit Podcasts des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ja quasi nur den Leuten zurückgebe resp. in einer weiteren Form zur Verfügung stelle, was sie ohnehin schon via Gebühren bezahlt haben, fand ich interessant und einigermaßen wohltuend zugleich. Persönliche Stimmungslage nach dem Abend: Web 2.0 ist häufig Web 1.0, nur dass zu Zeiten von Einsnull die Zeit und die Technik von Einsnull noch nicht reif waren für Zweinull.
Warnung vor dem Feuerfuchs
Ich bin kein ITler, stehe aber mit diesem Problem anscheinend nicht alleine da: Firefox 2.0 ist leider ziemlich buggy. Hohe Absturzgefahr, vor allem beim tabbed browsing. Sehr hübsch ist zwar die Funktion, die alte Sitzung vor dem Absturz wiederherzustellen, aber erstens wäre es mir lieber, er würde einfach nicht so oft abstürzen, zweitens ist es zumindest meine Wahrnehmung, dass er nach einer wiederhergestellten Sitzung umso instabiler läuft. Langsam noch zudem, wie der IE in schlimmsten Zeiten. Mit dem Upgrade also besser noch warten, bis die übelsten Bugs draußen sind – schließlich ist und bleibt er letztendlich doch der bessere Browser.
OnRuhr
Spannend: In drei Tagen startet OnRuhr, ein lokales Online(Zeitungs-)Projekt, wobei ich ja persönlich mit dem Begriff einer “Online-Zeitung” nicht so richtig was anfangen kann. Dass diese Geschichte ausgerechnet im Kerngebiet der WAZ stattfindet, die wiederum inzwischen selber das Thema Multimedia monstranzartig vor sich herträgt, macht die Angelegenheit umso interessanter.
Bilder, bunt, bewegt, billig
Ich würde gerne mal wieder eine Wette anbieten. Diesmal darauf, dass esin fünf Jahren keine halbwegs ernstzunehmende, journalistisch geprägte Seite im Web mehr geben wird, die ohne ein mehr oder minder orpulentes Bewegtbildangebot auskommt. Das Fernsehen hat spätestens in diesem Jahr sein Monopol aufs Fernsehen verloren. Bewegtes Bild ist inzwischen (fast) immer und (fast) überall zu haben – und es wird mehr und mehr eine Selbstverstndlichkeit werden, es on demand und mobil zu nutzen. Selbst wenn das Handy-TV-Konsortium derzeit etwas bröckelt und ich das bewegte Bild auf dem Handy an der Bushaltestelle eher für eine Nische halte; die Bilder werden bewegter, billiger, besser.
Indes, und das wird die Kunst des Journalisten der Zukunft sein: Der Content muss noch mehr als bisher im richtigen Kontext stehen. Es ist ein fataler Trugschluss zu glauben, dass Zuseher etwas, was sie im Web goutieren, auch im Fernsehen akzeptieren. Konkret: Man mag wackelnde, ruckelnde Filmchen bei YouTube witzig finden – aber in dem Moment, in dem der Zuschauer vor die 80cm-Flachbildschirm-Diagonale im Wohnzimmer wechselt, will er auch den adäquaten Inhalt für den Hightech-Screen. Ruckelfilmchen aus dem UMTS-Handy wird er schnell rauswerfen aus dem Heimkino. Und noch ein Trugschluss: Wenn User es akzeptieren, dass Bilder und Material von Amateuren durchaus charmante Schwächen aufweisen, so werden sie nicht gleichzeitig gewillt sein, dem professionellen Journalismus billigeres und fehlerhaftes Arbeiten durchgehen zu lassen. Im Gegenteil: Der Bedarf an hochwertigem Journalismus dürfte in den kommenden Jahren eher noch größer werden, all den Andere-arbeiten-lassen-Epigonen zum Trotz.
Und übrigens…
…muss ein ständiger Umbau eines Unternehmens und eine stetige Änderung von Strategien nicht zwingend ein Beleg für besondere Flexibilität sein. Manchmal ist das auch nur ein Anzeichen völliger Ahnungslosigkeit.
Eine Form der Heuchelei
Die Journaille diskutiert gerade eben den Dresdner Dachschaden. Man erregt sich über die Unfähigkeit der Justiz, bemitleidet die “arme, arme Stephanie”, fordert rollende Köpfe und einen deutlich härteren Umgang mit dem Täter, diskutiert live im Studio über den möglichen Fortgang des Tages (“Wird er springen?” – “Ich glaube nicht”) und echauffiert sich darüber, dass dieser Psychopath dank der Schlamperei im System jetzt auch noch eine Bühne hat, auf der er “uns alle auslacht” – und stellt nicht einmal die Frage…
…wer dem Typen diese Bühne überhaupt zur Verfügung gestellt hat, völlig kostenlos, live zur Primetime und auf den Titelseiten?
Zeitung macht IP-Lokalfernsehen
Interessante Multimedia-Konstellation unterm Dom: Der Kölner Stadtanzeiger als Zeitung und Platzhirsch vor Ort macht jetzt auch lokales Fernsehen, ohne dafür den Fernseher bemühen zu müssen. Auf KSTA.TV gibt es ab sofort diverse eigenproduzierte lokale Formate, zusätzlich zu den bisher eingekauften überregionalen Videos. Auf wen das zielt, ist klar. Und dass man den lokalen Mitbewerber auf Fernsehebene mit einem ählich gearteten Format rund um den 1. FC Köln zu bedrängen versucht, lässt ebenfalls Rückschlüsse zu. Man darf gespannt sein.
Dringend gesucht: Junge mollige Girls
Echt wahr, das Web ist manchmal gnadenlos. So unglaublich gnadenlos. Vor allem dann, wenn man nicht richtig damit umgehen kann.
Mediacoffee in München
Panel in München mit anschließendem kleinen Branchentreff, ich darfs moderieren und freu mich, wenn ich jemanden aus der verehrten Leserschaft dort treffe bzw, auch real kennen lerne. Weitere Infos und Anmeldungen hier.
Bei der ARD werben Sie in der ersten Reihe
Der definitiv lustigste Laden im Kreieren von, nennen wir es: Rechtfertigungen, ist die ARD. Die lässt sich nämlich 444 hochwertige Jacken in einem Gegenwert von rund 100.000 Euro schenken und deklariert das dann als “Produktionshilfe” (oder so) und lässt ihre Leute mit dem gut sichtbaren Logo des Herstellers auf Sendung gehen und ist dennoch felsenfest der Meinung, sich hier keineswegs der Schleichwerbung schuldig gemacht zu haben (weswegen ja auch bald die Gebühren wieder steigen). Schließlich ist ja niemand gezwungen worden, die Jacken dann auch zu tragen, sagen sie bei der ARD.
Kann man seine Gebühren irgendwie auch einbehalten, weiß das jemand?