Archive for Dezember, 2006
Meine Medien
Gestern abend: “Wut” auf DVD, die ich mir aus meinem Online-Videorekorder selbst gebrannt habe. Heute morgen: Nachrichten auf dem iPod. Vorhin: CD gekauft über iTunes (Charlotte Gainsbourg, sehr empfehlenswert übrigens, wenn das jemanden interessiert). Dazwischen ein paar Telefonate über Skype. Danach Video-News von ABC geschaut und den Videopodcast der Kanzlerin (nicht sehr empfehlenswert, wenn das jemanden interessiert).
Jetzt eben entdeckt: Beatles-A-Rama, ein Webradio, dass es u.a. auch über iTunes zu empfangen gibt. Für jemanden wie mich so wie 365 Tage Weihnachten am Stück. Die spielen 24 Stunden nur Beatles und Artverwandtes. Gerade laufen die Twickenham Sessions, die sogar ein Hardcore-Fan wie ich bisher nur vom Lesen kannte (die Version von One After 909 klingt übrigens nach viel Alkohol und womöglich sogar Verbotenem, wenn das jemandem interessiert. Und dass Banamarama mal “Help” gecoveret hatten, hatte ich auch irgendwie bewusst verdrängt). Das alles geht – über einen handelsüblichen Laptop mit DSL-Anschluss. Gut, ab und an verwechsle ich noch den neuen iPod-Shuffle mit der neuen iPod-Fernbedienung, wiel sie sich so verdammt ähnlich sehen, trotzdem weiß ich beim besten Willen nicht mehr, wie das eigentlich früher war in der analogen Welt.
Nicht mehr erinnerlich: Wann ich das letzte Mal linear fern gesehen oder Radio gehört habe. Merkwürdigerweise mag ich immer noch meine Tageszeitung, aber ich lese die Süddeutsche heute ganz anders als früher. Das, was einfach nur das Geschehen des Tages zuvor wiedergibt, interessiert mich nicht (mehr). Was ich nach wie vor mag: Streiflicht, Seite 3, Kommentare, Reportagen et al. Alles andere – total digital. Was ein schlauer Mensch übrigens schon vor zehn Jahren prophezeit hatte und dafür weitgehend belächelt wurde…
Radio goes Web
Auch das gute, alte Radio geht jetzt vermehrt ins Netz, wohin auch sonst? Und warum sollte die Entwicklung beim Radio eine andere sein als beim TV? Die Sparte lockt und die Hörer nehmen sich das, was sie möchten. Harte Zeiten für die großen Wundertüten, die für jeden etwas bieten wollen, wenn gleichzeitig der Individualist seinen Siegeszug antritt. Podcasts und digitale Spartenkanäle – das ist die Zukunft.
Die Meldung zum Eintrag aus kress.de:
Aufrüsten für die digitale Zukunft
wollen die vier landesweiten Privatradiosender Antenne Bayern, radio ffn, Hit-Radio Antenne (beide Niedersachsen) und Radio FFH (Hessen). Der Viererbund startet zum Beginn des neuen Jahres knapp ein Dutzend neue Internet-Radioprogramme, die später auch auf digitalen Frequenzen (Digitalradio DAB/DMB oder Handy-TV DVB-H) laufen sollen. Spätestens im zweiten Quartal 2007 sollen die die neuen Digital-Ableger auf den Internet-Seiten der beteiligten Sender als “BIG 4-Digital” und unter dem Namen der jeweiligen Radiostation komplett zu empfangen sein.
OE24
Schon vor einigen Monaten auf Wiedervorlage gelegt und inzwischen im Zuge eines anderen Projektes aus persönlichem Interesse wieder hervorgekramt: oe24, der Online-Ablegenr der mit großem Ballyhoo gestarteten Tageszeitung “Österreich”. Was soll man dazu noch sagen? Erstaunlich jedenfalls, dass es immer noch Leute gibt, die die Fehler aus dem Jahr 2001 heute wieder begehen. Das Portal ist schwer, saulangsam, unstrukturiert, bunt, aufgebläht, optisch und technisch irgendwo rund um 2000 angesiedelt. Dafür, dass man eigentlich ganz was Neues, Großes schaffen wollte (zumindest bei der Zeitung), ist die Online-Ausgabe nach einem Vierteljahr eine herbe Enttäuschung. Ich hatte um einiges mehr erwartet. Raus aus den Bookmarks. Gehen Sie weiter, hier gibts nichts mehr zu sehen, wirklich nicht.
Videos bei Zeitungen
Dass Videos online eine zunehmend große Rolle spielen, ist inzwischen common sense; dass das bewegte Bild auch ein Stilmittel für Webseiten von Medienhäusern ist, die mit Fernsehen im konventionellen Sinne gar nichts zu tun haben, auch.
Trotzdem war ich ziemlich erstaunt, als ich diese gründlich recherchierte und überaus lesenswerte Zusammenfassung zum Thema bei onlinejournalismus.de gefunden habe – vermutlich wäre es zeitsparender gewesen, einfach nur aufzulisten, wer inzwischen eigentlich kein Bewegtbild anbietet. Mein Eindruck bleibt, dass die Verlage keineswegs irgendwelche Kooperationen mit TV-Unternehmen brauchen, um dieses Thema für sich zu besetzen und somit durchaus eine probate Alternative zum konventionellen Lokalfernsehen bieten. Allerdings bleibt auch der Eindruck, dass die reine Masse mit Klasse noch lange nicht gleichzusetzen ist, wobei es sich generell trefflich darüber streiten lässt, wie das so ist mit der Qualität im Lokalen…
Relaunch bei der SZ
Unspektakulär, aber im Vergleich zu vorher ein echter Quantensprung: Der Relaunch von sueddeutsche.de lässt die Hoffnung keimen, endlich ein passendes Adäquat zur Zeitung auch im Netz zu finden. Sollte man im Auge behalten. Schließlich ist zwischen dem Bild-Verschnitt Spiegel Online und der turbotrockenen FAZ noch reichlich Platz für eine Neupositionierung.
Minga – oder: Was echt noch fehlte
Da schau her: Mein Lieblingsprojekt Minga.de, das erste deutsche lokale Nachrichtenblog (“weil so was unserer Meinung nach bisher fehlte”), das sogar irgendwann mal die erste deutsche Blogpraktikantin beschäftigte, hat ein klitzekleines bisschen die Strategie geändert und ist jetzt, ganz was neues, ein kostenloses Schwarzes Brett, weil, man wäre ja kaum drauf gekommen, sowas “unserer Meinung nach bisher fehlte”.
Dieter, gefesselt und geschädigt
Es ist schwer genug, einen Raubüberfall zu verarbeiten – nun ist Dieter Bohlens Heilungsprozess auch noch durch eine Werbekampagne bedroht: In einem RTL-Spot ist der Produzent laut “Bild” gefesselt zu sehen. Ein dummer Zufall, der einem Experten zufolge Bohlens Psyche schaden könnte…
Gefunden bei SPON, Sonntag mittag, prominent platziert an 5. Position der Seite. Man muss irgendwie befürchten, dass die das auch noch ernst meinen.
Person of the year: You!
The Venice Projekt
Noch ein Schritt vom Fernsehen ins Web: The Venice Project soll das Beste aus beiden Welten miteinander verbinden. Zwar ist das Projekt derzeit etwas außerhalb des Zeitrahmens, immerhin aber gibt es jetzt eine Beta-Version, die partiell zum Testen freigegeben wird. Kurz gesagt: IP-basiertes Fernsehen auf der Grundlage einer peer-to-peer-Technik, bei der der User noch mehr Programmdirektor wird als bei den bisherigen Bewegtbildportalen. Und: Amateurvideos im Stile von YouTube spielen bei der Konzeptionierung offenbar keine Rolle, vielmehr sollen die großen Sender gezielt zum mitmachen bewegt werden. Für mich zumindest das erste Mal ein Projekt, bei dem das Fernsehen der Zukubft greifbare Gestalt annimmt.
Videos mobil
Vor ein paar Jahren mal, noch zu Zeiten der großen Visionen, Ideen und anschließenden Pleiten, hatte ich ein Gespräch mit einer Firma aus Israel, die technische Plattformen für die Wiedergabe von Videos auf mobilen Geräten entwickelte. Sie hatten die Technik, ich sollte die Idee für potenzielle Inhalte liefern. Spontan hatte ich erst mal das Bild vor Augen, wie in den Südkurven der Bundesliga-Arenen am letzten Spieltag der Saison 2011/12 die Leute nicht mehr gebannt am Kofferradio den Ergebnissen aus den anderen Stadien lauschen, sondern auf ihren Multimedia-Playern live die jeweils frisch gefallenen Tore als Bewegtbild sehen. Nur mal so als Gedanke, damals.
Inzwischen rückt das Zuschauen auf kleinen und kleinsten Bildschirmen näher – bei uns noch nicht so sehr, in Amerika dagegen inzwischen auch journalistischer Alltag. MSNBC.com bietet nunmehr als Beta-Version Mobile-News von NBC an, die sich in erstaunlicher Selbstbescheidung “Video Headlines” nennen, tatsächlich aber so wie “richtiges” Fernsehen ausschauen – und demenstprechend professionell gemacht sind.
Wie man übrigens für kleine und Kleinst-Screens dreht, lässt sich hier nachlesen. (Bevor jemand investigativ recherchiert und danach publiziert: JA, das ist Eigenwerbung. Absichtlich sogar.)