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Anmerkungen eines Medienmenschen

Archive for Januar, 2007

Er sagte, es brenne…

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Kleine Stilkunde, auch wenn ich für Sprachgeneräle aller Art nur wenig übrig habe: Ein Satz wie der eben im Newspodcast der Netzeitung gehörte:

“Spieler X kündigte an, heute abend brenne die Halle…”

wirkt drollig. Schon klar, diese Sache mit dem Konjunktiv, aber in solchen Fällen entweder O-Ton – oder ein Zitat, dass so seriös ist, wie es Nachrichtensprache im Konjunktiv verträgt.

Wir geben zurück an W. Schneider. 

Written by cjakubetz

Januar 30th, 2007 at 8:47 pm

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Lokales

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Im Grunde sind sich alle einig: Das Lokale braucht mehr journalistisches Profil, mehr Kompetenz, bessere Visualisierung, lesernähere Themen und Konzepte, weniger unredigiertes Abdrucken bzw. Senden von PR und Pressemitteilungen – alles das eben, was den “richtigen” Journalismus auch ausmacht. Insofern war der Beitrag des Medienmagazins von B5 am Sonntag schon durchaus treffend; streiten wird sich um die Kernaussagen niemand.

Sie haben nur ein Problem: Sie sind deshalb unstrittig, weil sie der Ursache nicht auf den Grund gehen. Die Analyse ist ungefähr so, als wenn jemand sagt, er sei grundsätzlich für den Weltfrieden. Applaus von allen Seiten, für den Weltfrieden ist schließlich jeder (naja: fast jeder).

Es gibt nichts einfacheres und wohlfeileres, als über die Kollegen im Lokalen herzufallen. Man vergisst dabei nur gerne, dass kaum jemand unter derart unmöglichen Bedingungen arbeiten muss wie kleine und große Lokalredaktionen bei Tageszeitungen (ersetze ggf., auch durch Lokalradio oder Lokal-Fernsehen): Das Personal wird – qualitativ wie quantitativ – häufig so knapp wie möglich gehalten. Fragen Sie mal einen Lokalredakteur, wann er das letzte Mal bei einer Fortbildung war. Und fragen Sie ihn bei der Gelegenheit doch gleich noch nach seinem Archiv, seinen Online-Recherchemöglichkeiten und schließlich ganz am Rande noch nach den Qualitäten seiner freien Mitarbeiter und seiner Praktikanten.

Oder Sie setzen sich gleich mal für eine Woche in eine solcher Redaktion. Ihr Urteil über die Lokalen fällt danach anders aus, wollen wir wetten?
 

Written by cjakubetz

Januar 30th, 2007 at 8:43 pm

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Online first beim ZDF

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Eine neue TV-Serie, deren Folgen zunächst im Web ausgestrahlt werden und deren alte Episoden vollständig über die Sender-Homepage abgerufen werden können? Diejenigen, die das vor Jahresfrist als Medienmodell der Zukunft angepriesen haben, wurden wahlweise verlacht oder mit der ewigen Verbannung bedroht (ich weiß, wovon ich rede). Inzwischen ist das Realität: Das ZDF wird bei der neuen Serie “KDD-Kriminaldauerdienst” exakt so verfahren. Überhaupt ist das ZDF seit Jahren in Sachen Online und Multimedia immer vorne mit dabei, was insoweit erstaunlich ist, weil dem Sender ja nicht gerade der Ruf der Innovationsmaschine vorauseilt. Dabei sind die guten, alten Mainzelmännchen gerade im Bezug auf Neue Medien sehr viel aufgeschlossener und stringenter als viele derer, die immer nur lautstark behaupten es zu sein.

Written by cjakubetz

Januar 30th, 2007 at 3:24 pm

Geld für Content

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Dass YouTube jetzt für Inhalte auch bezahlen will, freut mich aus mehreren Gründen: zum einen, weil es irgendwo auch ein Eingeständnis dafür ist, dass gute Arbeit eben auch Geld kostet – und zum anderen, weil hoffentlich diese andere-arbeiten-lassen-Attitüde der sausausaubillig-Epigonen damit mal einen Dämpfer bekommt.

Written by cjakubetz

Januar 29th, 2007 at 3:06 pm

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Was Blogger wissen sollten…

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…ohne Worte. (via Stefan Nifggemeier).

Written by cjakubetz

Januar 28th, 2007 at 1:04 pm

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Münstersche Zeitung

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Zu der bereits erwähnten Geschichte der “Münsterschen Zeitung”, die mal eben im Handstreich eine ganze Redaktion feuert und durch junges Billigwillig-Personal ersetzt, gibt´s jetzt auch die ausführliche Version.

Die Herren Lensing (Verleger) und Schumacher (Verlagsleitung) haben mit so was ja Erfahrung. Im Ruhrpott waren Ende 2005 ein paar Redaktionen dran, indem man sie schloss. Und auch an Schumachers früherer Wirkungsstätte ddp ereigneten sich nach Insidererzählungen ziemlich unschöne Dinge.

Ob die Methoden der Herrschaften aufgehen werden? Schumacher zumindest weiß, wie schnell sowas daneben gehen kann. Sein Management-Buyout bei der ddp endete in der Insolvenz der Agentur. 

Written by cjakubetz

Januar 24th, 2007 at 8:54 pm

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Prallsäcke

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Wann ist deutsche Sprache schöne Sprache? Spannende Debatte auf dem Blog von Jan-Eric Peters. Übrigens, Wolf Schneider debattiert auch mit (und beinahe wäre ich versucht gewesen zu sagen: by the way…)

Written by cjakubetz

Januar 23rd, 2007 at 4:41 pm

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Serienkiller Internet

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Das Web als der größte Serienkiller der Mediengeschichte, Zeitungen zuerst, danach kämen Radio und Fernsehen dran. Noch haben Zeitungen ein Zeitfenster, doch das wird sich bald schließen – erstaunlich drastische, dennoch kluge Worte vom Münchner Verleger Dirk Ippen.

Written by cjakubetz

Januar 23rd, 2007 at 12:07 pm

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Manchester

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Damit wir uns nicht falsch verstehen (und das ist mir in letzter Zeit oft passiert): Ich glaube natürlich sehr stark an die Digitalisierung, an multimediale Newsdesks, an crossmediale Produktionen, an bewegtes Bild (vor allem im Netz, weniger im TV). Und Negroponte, auch wenn es hier zum zehnten Mal steht, halte ich für einen der klügsten Köpfe überhaupt. Es wird vieles so kommen wie er sagt.

Ich glaube aber definitiv nicht an Scharlatanerie oder daran, dass man mit einfachsten Mitteln und unter Auslassung jeglichen Qualitätsanspruchs künftig Medien machen kann. Nur weil die Technik plötzlich mehr kann und billiger wird, nur weil die Barrieren zum Erstellen von Medien niedriger geworden sind, gibt es weder Heerscharen von künftigen Nebenbeijournalisten, die billigst Inhalte liefern, für die man nur noch die technische Umgebung stellen muss. Noch wird es möglich sein, alle etablierten Journalisten rauszuschmeißen und ein junges, natürlich outgesourctes Team in eine multimediale Lokalredaktion zu packen, wie man es gerade bei der Münsterschen Zeitung praktiziert hat. Journalismus ist mehr als die Summe der technischen Teile, Journalismus ist nicht die Hülle, sondern der Geist, der in der Hülle drin steckt. Ob die Hülle digital oder analog ist, spielt erst mal nur eine sehr untergeordnete Rolle. Man kann das schon machen, dass man in Manchester-Manier Inhalte entweder von Leuten machen lässt, die ihn eigentlich besser nicht machen sollten, oder man kann eben auch 2000-Euro-Redakteure alles zusammen bedienen lassen, von Print bis online. Kann man – ich kenne nur noch kein Model, wo eine reine Reduzierung aufs digitale Billig-Nomadentum funktioniert hätte. Und es wird auch künftig nicht funktionieren, so zumindest nicht.
 

Ja aber…höre ich da schon Einwände, ja aber, bei der New York Times und anderen macht man das doch auch, dieses Zeug mit den Multimedia-Desks und “online first” und  Citizen Media und all das andere. Stimmt. Aber niemand bei der NYT käme auf den Gedanken, die komplette Redaktion rauszuwerfen und durch digitale Billigarbeiter zu ersetzen. Und niemand wird dort ernsthaft darüber nachdenken, tausende Leser als Reporter einzusetzen.

Kommunikation mit Leser und Zuschauern, das ist etwas grundlegend anderes, als ihnen einfach das Medium komplett zu überlassen und ihnen noch ein ziemlich höhnisches “Machs doch selbst” hinterherzurufen. Man sollte sich deswegen ja nicht gleich wieder die Zeiten der hermetisch abgeriegelten Redaktionsräume zurückwünschen…

Und außerdem bleibt die Frage: Will das ernsthaft eine kritische Masse – dieses selbst Reporter spielen? Das Trauerspiel Readers Edition sagt anderes , und dort hatte man immerhin mal angekündigt, 20 Millionen Menschen zu Reportern machen zu wollen. Aktuell jedenfalls, am Dienstagmorgen, wird die Seite aufgemacht mit einem rund 24 Stunden alten Bericht über die Eröffnung der Barocktage in Berlin vom vergangenen Wochenende; immerhin: eine ziemlich exklusive Themenauswahl.

Der Lackmus-Test kommt, wenn der erste Reiz vorbei ist, wenn man die ersten paar Male die eigenen Texte, Fotos, Filme irgendwo gesehen hat. Danach steigt man wieder aus – oder man macht weiter. Und für diejenigen, die dann ernsthaft weitermachen wollen, stellt sich schnell die Frage: Warum nicht das Ganze professionalisieren, statt Hobbyjournalist zu sein. Und dann sind wir eben doch wieder beim richtigen, echten Journalisten und das ist letztendlich ja auch gut so.

Dieser wiederum wird sich wandeln müssen, er wird Dialoge statt Monologe führen müssen, er wird schneller und flexibler werden müssen. Und er wird – kurios genug – noch professioneller werden müssen. 

Written by cjakubetz

Januar 23rd, 2007 at 11:44 am

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Tote Bäume

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“Klar wird es Zeitungen geben, aber sie werden nicht mehr auf Papier gedruckt sein. Es wird vermutlich ein anderes, elektronisches Trägermedium sein. Dennoch: In zwanzig, dreißig Jahren wird es mehr Journalisten geben als heute, nicht weniger. Die News, die Information wird vermutlich an Wert wachsen, aber nicht das Papier, auf das sie heute noch gedruckt sind. Man will Diskussionen, News-Analysen, Meinung, also die Tiefe der Information, aber nicht mehr das Trägermedium – hergestellt aus toten Bäumen. Denken Sie nur an gedruckte Aktienkurse auf Papierseiten: Das ist heutzutage absurd, wenn es die Kurse in Echtzeit online gibt.”

Prof. Negroponte sagt – wie immer und wie schon vor zehn Jahren (“Total digital”) – überaus kluge Sachen. Das ganze Gespräch über “Total digital – zehn Jahre danach” gibt´s hier. 

Written by cjakubetz

Januar 23rd, 2007 at 9:38 am

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