Archive for Januar 23rd, 2007
Prallsäcke
Wann ist deutsche Sprache schöne Sprache? Spannende Debatte auf dem Blog von Jan-Eric Peters. Übrigens, Wolf Schneider debattiert auch mit (und beinahe wäre ich versucht gewesen zu sagen: by the way…)
Serienkiller Internet
Das Web als der größte Serienkiller der Mediengeschichte, Zeitungen zuerst, danach kämen Radio und Fernsehen dran. Noch haben Zeitungen ein Zeitfenster, doch das wird sich bald schließen – erstaunlich drastische, dennoch kluge Worte vom Münchner Verleger Dirk Ippen.
Manchester
Damit wir uns nicht falsch verstehen (und das ist mir in letzter Zeit oft passiert): Ich glaube natürlich sehr stark an die Digitalisierung, an multimediale Newsdesks, an crossmediale Produktionen, an bewegtes Bild (vor allem im Netz, weniger im TV). Und Negroponte, auch wenn es hier zum zehnten Mal steht, halte ich für einen der klügsten Köpfe überhaupt. Es wird vieles so kommen wie er sagt.
Ich glaube aber definitiv nicht an Scharlatanerie oder daran, dass man mit einfachsten Mitteln und unter Auslassung jeglichen Qualitätsanspruchs künftig Medien machen kann. Nur weil die Technik plötzlich mehr kann und billiger wird, nur weil die Barrieren zum Erstellen von Medien niedriger geworden sind, gibt es weder Heerscharen von künftigen Nebenbeijournalisten, die billigst Inhalte liefern, für die man nur noch die technische Umgebung stellen muss. Noch wird es möglich sein, alle etablierten Journalisten rauszuschmeißen und ein junges, natürlich outgesourctes Team in eine multimediale Lokalredaktion zu packen, wie man es gerade bei der Münsterschen Zeitung praktiziert hat. Journalismus ist mehr als die Summe der technischen Teile, Journalismus ist nicht die Hülle, sondern der Geist, der in der Hülle drin steckt. Ob die Hülle digital oder analog ist, spielt erst mal nur eine sehr untergeordnete Rolle. Man kann das schon machen, dass man in Manchester-Manier Inhalte entweder von Leuten machen lässt, die ihn eigentlich besser nicht machen sollten, oder man kann eben auch 2000-Euro-Redakteure alles zusammen bedienen lassen, von Print bis online. Kann man – ich kenne nur noch kein Model, wo eine reine Reduzierung aufs digitale Billig-Nomadentum funktioniert hätte. Und es wird auch künftig nicht funktionieren, so zumindest nicht.
Ja aber…höre ich da schon Einwände, ja aber, bei der New York Times und anderen macht man das doch auch, dieses Zeug mit den Multimedia-Desks und “online first” und Citizen Media und all das andere. Stimmt. Aber niemand bei der NYT käme auf den Gedanken, die komplette Redaktion rauszuwerfen und durch digitale Billigarbeiter zu ersetzen. Und niemand wird dort ernsthaft darüber nachdenken, tausende Leser als Reporter einzusetzen.
Kommunikation mit Leser und Zuschauern, das ist etwas grundlegend anderes, als ihnen einfach das Medium komplett zu überlassen und ihnen noch ein ziemlich höhnisches “Machs doch selbst” hinterherzurufen. Man sollte sich deswegen ja nicht gleich wieder die Zeiten der hermetisch abgeriegelten Redaktionsräume zurückwünschen…
Und außerdem bleibt die Frage: Will das ernsthaft eine kritische Masse – dieses selbst Reporter spielen? Das Trauerspiel Readers Edition sagt anderes , und dort hatte man immerhin mal angekündigt, 20 Millionen Menschen zu Reportern machen zu wollen. Aktuell jedenfalls, am Dienstagmorgen, wird die Seite aufgemacht mit einem rund 24 Stunden alten Bericht über die Eröffnung der Barocktage in Berlin vom vergangenen Wochenende; immerhin: eine ziemlich exklusive Themenauswahl.
Der Lackmus-Test kommt, wenn der erste Reiz vorbei ist, wenn man die ersten paar Male die eigenen Texte, Fotos, Filme irgendwo gesehen hat. Danach steigt man wieder aus – oder man macht weiter. Und für diejenigen, die dann ernsthaft weitermachen wollen, stellt sich schnell die Frage: Warum nicht das Ganze professionalisieren, statt Hobbyjournalist zu sein. Und dann sind wir eben doch wieder beim richtigen, echten Journalisten und das ist letztendlich ja auch gut so.
Dieser wiederum wird sich wandeln müssen, er wird Dialoge statt Monologe führen müssen, er wird schneller und flexibler werden müssen. Und er wird – kurios genug – noch professioneller werden müssen.
Tote Bäume
“Klar wird es Zeitungen geben, aber sie werden nicht mehr auf Papier gedruckt sein. Es wird vermutlich ein anderes, elektronisches Trägermedium sein. Dennoch: In zwanzig, dreißig Jahren wird es mehr Journalisten geben als heute, nicht weniger. Die News, die Information wird vermutlich an Wert wachsen, aber nicht das Papier, auf das sie heute noch gedruckt sind. Man will Diskussionen, News-Analysen, Meinung, also die Tiefe der Information, aber nicht mehr das Trägermedium – hergestellt aus toten Bäumen. Denken Sie nur an gedruckte Aktienkurse auf Papierseiten: Das ist heutzutage absurd, wenn es die Kurse in Echtzeit online gibt.”
Prof. Negroponte sagt – wie immer und wie schon vor zehn Jahren (“Total digital”) – überaus kluge Sachen. Das ganze Gespräch über “Total digital – zehn Jahre danach” gibt´s hier.