Archive for Januar, 2007
Stinky Stoiber
Wie der BR es schaffte, erst den Rücktritt Stoibers zu vermelden, als dieser noch gar nicht an Rücktritt dachte, um dann, als Stoiber wirklich zurücktrat, sich ein wenig Zeit zu lassen und stattdessen seinen Zuschauern Geschichten über ein Tierchen namens Stinky zu erzählen: eine öffentlich-rechtliche Posse, wunderbar geschildert bei sueddeutsche.de.
Videojournalismus
Nach ein paar Eigenversuchsreihen im Home-Labor mal so eben festgestellt: Videojournalismus hat Zukunft – allerdings mehr außerhalb des Fernsehens und stattdessen im Web. Was man mit einer VJ-Kamera fürs Web produziert, ist aller Ehren wert, kein Mensch braucht fürs Web-Drehen ein EB-Team. Die Schnelligkeit und die Flexibilität sind dafür nicht zu toppen, die Qualität ist für diese Zwecle herausragend. Kamera und Laptop dabei – und schon ist man zu einer vollwertigen, wandelnden TV-Station geworden, die ohne Frequenzen und Lizenzen sendefähig ist. Ziemlich zukunftsträchtig, zumal Videos im Web nicht mehr the next big thing, sondern schon mittendrin am Laufen sind.
Jauchs Absage…
…muss sie ganz schön getroffen haben in der ARD. Anders jedenfalls kann man sich nicht vorstellen, warum sogar gestern abend noch im NDR das dortige Medienmagazin dem guten Mann noch einen ziemlichen Tritt versetzt hat (Tenor: Die ARD sendet auch ohne Jauch weiter) und auch das Medienmagazin des BR (nachzuhören auch als Podcast) intensiv mit diesem Thema beschäftigt. Souverän sieht anders aus. Zumal es irgendwie entlarvend ist, wenn man sich erst für den gelungenen Coup ausgiebig selber feiert und nach dessen Scheitern so tut, als habe man den Deal eh nie machen wollen.
Schicksalstage
Merkwürdig: Hatte mir nicht die versammelte Journaillie in den vergangenen Tagen auf allen erdenklichen Kanälen angekündigt, heute werde ganz sicher das Schicksal des Herrn Stoiber entschieden? Und hatte man mir nicht schon alle erdenklichen künftigen Varianten vorgeführt, wer MP und wer Parteichef würde?
Keine schönen Tage für den politischen Journalismus, wenn man jetzt verkünden muss, dass der ganze Auftrieb der letzten Tage in iner Verschiebung auf den Herbst mündet.
Joost
Aus dem ominösen “Venice Project” ist inzwischen Joost geworden. Sieht aus, wie Fernsehen in Zukunft wohl häufiger aussehen wird. Interaktiv, orpulent, flashbasiert. Läuft in Zukunft bestimmt auch sehr chic auf mobilen Applikationen, Fernsehen für immer und überall und wasmanwill. Hab ich grade das Fernsehen von morgen gesehen? Keine Ahnung, aber zumindest eine schon ziemlich konkrete Ahnung davon. Nur buggy ist es noch ziemlich und ruckeln tut´s auch. Aber sei´s drum, als ich 1998 meine ersten Videos ins Netz stellte, war das besseres Daumenkino im Miniaturformat. So ist das nunmal mit Beta-Versionen.
Joost kommt übrigens – angeblich noch in diesem Jahr. Und wer jetzt immer noch glaubt, ein Fernsehprogramm live zu streamen sei die Spitze des konvergenten, crossmedialen Fernsehens: Hallo, willkommen in 2007!
Der Arbeitsplatz der Zukuft…
…so sieht er aus. Eher heute als morgen. So und nicht anders. Gut hinschauen, Nachwuchsjournalisten. Und ebenfalls gut hinschauen Printverlage, die ihr immer noch meint, man macht Zeitung und wirft dann ein paar Brosamen davon ins Internetz.
Der Neujahrsempfang
Seit ewigen Zeiten gibt der Bayerische Ministerpräsident am ersten Freitag nach dem Dreikönigstag seinen Neujahrsempfang. Zu dem sind immer so um die tausend Leute eingeladen, und ich weiß verbürgt, dass unter den Gästen schon auch mal ein Gebrauchtwagenhändler aus Niederbayern war, der aus ziemlich ulkigen Gründen auf die Gästeliste gerutscht ist, aber das ist eine lange Geschichte und gehört auch nicht so richtig hierher. Jedenfalls, eine so richtig exklusive Geschichte ist dieser Empfang nicht, der Herr Ministerpräsident ist mehrere Stunden mit Händeschütteln beschäftigt und danach ist es eh schon spät.
In diesem Jahr ist das vermeintlich anders, denn in diesem Jahr hat Stoiber seine schärfste Kritikerin Frau Pauli eingeladen und nahezu alles, was Rang und Namen hat, schreibt, Stoiber treffe sich heute mit Frau Pauli und spreche erstmals mit ihr über die Vorgänge der letzten Woche. Dabei wird für viel mehr als einen Händedruck und zwei, drei belanglose Floskeln kaum Gelegenheit bestehen. Wie auch, wenn dutzende Kameras drumrumstehen und heute nur auf DIESEN einen Moment warten werden.
Erstaunlich, dieses unreflektierte Nachplappern. Und wenn wir schon mal gerade beim schlaumicheln sind: Das eigentliche Gespräch Stoiber-Pauli findet kommende Woche statt. Ohne niederbayerische Gebrauchtwagenhändler, übrigens.
Jauch (2)
Interessante Unterschiede in der Wahrnehmung übrigens: Bild, süddeutsche.de, faz.net und Spiegel Online sind der Meinung, dies sei Tagesthema; die FAZ widmet Jauch gar ein Spezial.
N24 berichtet – gar nicht.
Solide: Tagesschau und ZDF. Nüchtern, sachlich, angemessen.
Jauch (I)
Irgendwie läuft in den letzten Monaten bei der ARD so ziemlich alles schief, was schief laufen kann. Dass jetzt auch noch der mit großem Ballyhoo angekündigte Jauch-Deal geplatzt ist, passt ins Bild. Man kann zwar durchaus die Meinung vertreten, dass die ARD damit irgendwie auch ein Problem los sei, wie es Hans-Jürgen Jakobs in der Süddeutschen tut. Fakt ist aber letztendlich, dass diese potenziellen Probleme schon lange bekannt waren und man ergo entweder diesen Deal in dieser Form niemals hätte anleiern dürfen oder ihn jetzt eben durchziehen. Es ist die ARD, die blamiert und als Verlierer dasteht.
Zwischendrin nachgefragt, das wird man ja wohl noch dürfen: Konnte sich irgendeiner eigentlich den netten Rateonkel von RTL als Polittalker am Sonntagabend vorstellen? Alleine diese Frage ist nach meinem Geschmack in der ARD bei diesem Deal viel zu wenig hinterfragt worden.
Immerhin, es gibt auch noch eine Chance bei diesem Possenstück: Plasberg ranlassen, einen richtigen, einen guten Journalisten. Und ein echtes ARD-Gesicht.
iPhone
Was das neueste Zauberding von Apple mit der medialen Zukunft zu tun hat? Eine ganze Menge, denn telefonieren, Musik hören, Videos schauen, diese ganzen Spielereien eben, das können zwar andere auch schon, aber niemand bringt es so schön, so einfach zu bedienen und so einladend unter ein Dach wie das iPhone. So bekommen mobile Medien wirklich Sinn – und ich weiß zum ersten Mal in meinem langen Leben schon zu Beginn eines Jahres, was auf dem Wunschzettel für Weihnachten steht.