JakBlog

Anmerkungen eines Medienmenschen

Archive for März, 2007

Always online and online first (aber nur von Montag bis Freitag)

with 3 comments

Liebe User, bitte beachten Sie, dass wir unseren Videonachrichtenmarkt in wenigen Minuten schließen. Bitte begeben Sie sich jetzt wieder in den normalen HTML-Bereich. Wir danken Ihnen für Ihren Besuch in unserer Videoabteilung und freuen uns, wenn wir Sie am Montag wieder begrüßen können…

Willkommen in der always-online-Welt(.de ). Erst hielt ich es ja eher für unvorstellbar, was Kollege Christoph Maier da schrieb, aber ganz im Ernst, es ist wirklich so: Am Freitag Nachmittag schnüren die Videomacher von Welt Online ihr Ränzlein, sperren das Büro ab und fangen dann so gegen Montag mittag wieder mit der Produktion an. Retro-Feeling pur, fehlt eigentlich aus Konsequenzgründen nur noch eine kleine Ansprache von Kulenkampff und die Nationalhymne und dann ein Testbild.

Stattdessen gibts jetzt einen “Wochenrückblick”, wobei man bei solch einer Idee dann doch wieder merkt, dass es wohl immer noch verstärkt Zeitungs-Macher sind, die hinter der Welt stecken. Ein Wochenrückblick ist möglicherweise ein probates Mittelchen in der Tageszeitung, die quasi am Samstag den Wochenausklang einläutet. In einer always-on-Welt wirkt´s eher lustig, wenn das digitale Sandmännchen jetzt den Wochenrückblick präsentiert. Zugegeben, auch Spiegel und Focus zeigen am Wochenende nur den unmoderierten und zudem identischen Reuters-Feed. Aber lieber doch am Samstag und Sonntag Reuters-Massenware als den individuellen Rückblick.

Ein wenig off-topic, aber weil ich gerade beim Thema Videos und zu faul für einen neuen Beitrag bin: Warum nur kommt mir gerade der “Online-Reporter” von SPON in Ausführung, Titel, Idee und einigem anderen gerade ein bisschen gekl inspiriert von anderen vor?

Written by cjakubetz

März 17th, 2007 at 5:23 pm

Posted in ONLINE/MULTIMEDIA

ZDF.de, Relaunch

with 2 comments

Das ZDF hat seinen Online-Auftritt frisch gestrichen und das sehr elegant gelöst. Man sieht nämlich auf den ersten Blick gar nicht, dass der Auftritt neu ist. Statt irgendwelcher optischer Spielereien hat man viel Energie und Aufwand in die Verbesserungen im Detail gesteckt. Herausgekommen ist ein überaus solider Auftritt, der aktive Zuschauereinbindung noch stärker betont. Gerade die User-Fotos sind übrigens ein schönes Beispiel dafür, dass ein Zusammenspiel zwischen einer Redaktion und dem Konsumenten bemerkenswerte Ergebnisse hervorbringen kann. Mir gefallen beispielsweise die Impressionen aus dem Ruhrpott ausgesprochen gut. Der Wert dieser Inhalte wäre weitaus geringer, wäre man in typischer Zwonull-Manier hergegangen und hätte wahllos alles nebeneinander gestellt. Stattdessen sind die Co-Produktioner aus User-Inhalten und redaktioneller Betreuung ein echter Mehrwert.

Unspektakulär und dennoch extrem gut ist auch weiterhin die Mediathek, deren Bedeutung spätestens ab Sommer, wenn die Hälfte des TV-Programms dort zu sein soll, nochmal enorm an Bedeutung zulegen wird. Es passt übrigens im Bild, dass man in Mainz auch so klug ist, TV-Inhalte schon vor der Ausstrahlung im TV partiell freizugeben (auch wenn man ein wenig darüber schmunzeln kann, dass man beim ZDF von einem Abruf-Video spricht; das klingt in etwa so bemüht wie der aktuelle Vorschlag seiner linguistischen Heiligkeit, dem Sprachgeneral Wolf Schneider, den Laptop fortan Klapprechner zu nennen).

Was mir generell sympathisch ist: ZDF.de enthält deutlich mehr Substanz als Verpackung, der Relaunch lebt von seinen Inhalten und weniger vom Marketing-Geschrei. Gerade in diesem Jahr, in dem die Marktschreier Hochkonjunktur haben und ich auf meiner persönlichen Giftliste von großen Ankündigungen, die mit mageren Ergebnissen und eklatanten Zeitverzögerungen enden, schon satte vier(!) Kandidaten habe, eine ausgesprochen angenehme Erkentnnis.

Well done, Kollegen.

Written by cjakubetz

März 17th, 2007 at 11:38 am

Posted in ONLINE/MULTIMEDIA

Zeitung mit Zukunft

with 4 comments

Auch auf die Gefahr hin, dass das erst einmal wie ein Widerspruch zu vorangegangen Einträgen wirkt: Nach der Lektüre einer wirklich großartigen Seite 3 von Holger Gertz am Freitag, eines wie immer lesenswerten Magazins, einer guten Wochenend-Beilage und einiger anderer kleinen Perlen ist mir wieder klar geworden, warum ich doch letztendlich das Geld für eine Zeitung (in dem Fall die SZ) in die Hand nehme. Von der unbestritten herausragenden Qualität abgesehen ist mir aber auch klar geworden, dass für manche Texte – wie es eben die gestrige Seite – das großformatige Papier immer noch mein Favorit ist. Ich bezweifle, dass ich diese Geschichte auch auf dem Bildschirm zu Ende gelesen hätte, zumal das wie immer großartige sw-Foto von Regina Schmeken eben auch Platz braucht. Mehr als 800×600 Pixel, wenn´s geht (nebenbei: auch im Tabloid-Format einer Zeitung wäre diese Geschichte verschenkt gewesen).

Was ich also gerne hätte von meiner Zeitung ist all das, was ich während meines inzwischen vollständig auf digital umgestellten täglichen Nachrichtenkonsums vernachlässige: Kommentar, Reportage, Analyse, Hintergrund. Das hole ich mir woanders (und, soviel zum Thema Markenloyalität, digital ist es mir völlig egal, ob da Süddeutsche draufsteht oder nicht). Primärquelle für News also digital, den Rest auf Papier, so wird ein Schuh draus. Der Nachrichtenteil der SZ landet schon lange ungelesen im Altpapier.

Written by cjakubetz

März 17th, 2007 at 11:16 am

Posted in PRINT

Der Wettlauf

without comments

“Deutsche Entführungsopfer sollen hingerichtet werden”, brüllt mir meine Heimatzeitung per Aufmacherschlagzeile in der Auslage beim Bäcker entgegen. Heute, am Montagmorgen.

Dass man den Wettlauf um die schnellste und aktuellste Nachricht mit den elektronsichen und digitalen Medien erst gar nicht mehr aufzunehmen braucht, hat man anscheinend immer noch nicht allen Zeitungsmachern gesagt.

Written by cjakubetz

März 12th, 2007 at 10:34 am

Posted in PRINT

Online und seine Qualitäten

without comments

Bauchgefühl – aber das ist ja nicht immer das Schlechteste: Ich werde den Eindruck nicht los, als würden wir beim Thema Online/Multimedia seit Ausbruch des Zwonull-Wahns zu sehr über technische Applikationen und das ganze Partizipationsgedöns reden, als über das, was auch im digitalen Zeitalter immer noch am meisten zählt für den Erfolg eines journalistischen Angebots: Qualität, Kreativität, Originalität. Andersrum gesagt: Wenn – siehe Eintrag unten – Focus Online im Medium Magazin ankündigt, man wolle ernsthaft den Spiegel als unumstrittenen Marktführer attackieren, dann wird das nur über diese tradierten Werte aus der Old School gehen. Inhalt ist es immer noch, der zählt. Und weniger der technische Schnickschnack. Möglicherweise ist es exakt das, was mich an den vielen Ankündigungen und Repositionierungen der letzten Monate stört: Ich habe viele gehört, die völlig neuartiges Communityzwonullmachesensiemit-Web-Zeugs angekündigt haben. Ich habe keinen in Erinnerung, der gesagt hätte, er wolle sich auf journalistische Inhalte und deren Qualität konzentrieren – obwohl einige es wirklich ganz bitter nötig hätten.

Written by cjakubetz

März 11th, 2007 at 4:01 pm

Posted in ONLINE/MULTIMEDIA

Focus Relaunch

without comments

Mit einiger Spannung hatte ich auf den Relaunch von Focus Online gewartet. Immerhin hatte ja erst vor drei Monaten ein gewisser Herr Turi, Peter, im Medium Magazin die Wandlung des Focus so geschildert, als stehe die Neuerfindung des Web im Allgemeinen und des Online-Journalismus im Speziellen ganz nah bevor. Nach dem ersten, zweiten und dritten Blick bleibt erst einmal die Feststellung, dass es ganz so spektakulär dann doch nicht geworden ist. Focus online ist nach dem Relaunch zweifelsohne mehr state of the art als vorher, aber irgendwie lässt mich das Gefühl nicht los, das allermeiste schon mal irgendwo gesehen zu haben. Irgendwo so, als habe man in einem Online-Generator Spiegel Online und Welt Online zusammengeworfen. Vermutlich fände man das alles auch ganz ok, wäre nicht vorher das enorme Ballyhoo gewesen. So aber denkt man sich, ok – und klickt weiter.

Andersrum muss man FOL allerdings definitiv zweierlei zugestehen: erstens um Welten besser zu sein als noch vor zwei, drei Jahren. Und zweitens, dass es immer noch eine ganze Reihe von Online-Seiten bekannter, großer Medienmarken gibt, die in einem weitaus schlechteren Zustand sind. Man ist auf der Höhe der Zeit und macht einen soliden Auftritt. Und das ist ja schon mal was.

Nachtrag: Ein gewisser Herr Turi, Peter, der im Medium-Magazin schon mal vorab den Focus-Relaunch als Jahrhundert-Ereignis ankündigte, würdigt in seinem Blog den jetzt erfolgten Relaunch mit nicht weniger als einem “Whow” und den Chefredakteur Wegner als “Pionier” (Gute Freunde kann niemand trennen…). Als Argument führt Turi übrigens auch auf, Focus liege nunmehr “meilenweit” vor sueddeutsche.de…ähm, das, verehrter Herr Turi, ist ja dann fast schon wieder eine Herabwürdigung, wenn man das noch ausdrücklich betonen muss.

Written by cjakubetz

März 11th, 2007 at 2:09 pm

Posted in ONLINE/MULTIMEDIA

Blog bizarr

without comments

Nachtrag zur Blogger-Eloge und dem Thema Journalisten als Blogger: Hier mein definitives, verbindliches Lieblings…ähmm…Blog.

Written by cjakubetz

März 9th, 2007 at 10:12 pm

Posted in ONLINE/MULTIMEDIA

Weil ich´s gerade sehe…

without comments

…gibt es eigentlich ein Gesetz, das es verbietet, ein öffentlich-rechtliches Politmagazin zu drehen, ohne den SZ-Prantl zu fragen?

Written by cjakubetz

März 8th, 2007 at 11:27 pm

Posted in NUR SO DAHINGESAGT

Blogs

without comments

In dieser Woche kam eine Anfrage der Zeitschrift meines Herzens, ob ich mich zum Thema “Blogs in der/bei der Journalistenausbildung” äußern wolle/könne. Und warum es denn beispielsweise an der DJS kein Blog gebe. Nachdem ich mich zwar gerne zu alles und jedem äußere, aber nicht die DJS bin, sondern dort nur einmal im Quartal Schulleitung und Schüler gleichermaßen quäle, leitete ich die Anfrage weiter und bekam eine lustige Antwort: Ob es denn irgendwo ein Gesetz gebe, das bloggen zur Pflicht gemacht habe?

Wunderbare Antwort – weil sie alles sagt, was es zum Thema zu sagen gibt. Ich “unterrichte” nicht bloggen, weil man es nicht unterrichten kann. Ich denke, für ein gutes Blog muss man Feuer und Leidenschaft mitbringen. Blogs, denen es an beidem fehlt, gehen schnell ein. Weil sie niemand liest und weil der Autor nach kurzer Zeit feststellen wird, dass Bloggen manchmal auch richtig harte Arbeit sein kann (wenn man es denn halbwegs ernst nimmt). Trotzdem ist Bloggen Spaß an der Freud´, man wird jedenfalls nicht reich damit.

Ich ermuntere jeden meiner Schüler und Studenten zu bloggen – wenn er denn wirklich Lust dazu hat. Wenn er keinen Bock hat, soll er es bleiben lassen, es gibt eh genügend davon. Ich treibe niemanden mit der Peitsche zum Bloggen und wenn mich jemand fragt, ob und wie er es angehen soll, sein Blog, sage ich ihm jedesmal: Leg es an, schreib drauflos. Probiers einfach. Aber frag mich um Himmels willen nicht nach Regeln und nach Gebrauchsanweisungen. Die gibt es nicht. Und weil die nicht gibt, ist bloggen bei mir auch kein wirkliches Unterrichtsthema. Man kann über Blogs reden, aber man kann sie nicht am Reißbrett entwerfen.

Allerdings gerate ich regelmäßig in Rage, wenn diese Schwachsinns-Argumente kommen wie bspw. das, in 95 Prozent in Blogs stünde nur Dreck. Oder bestenfalls Belangloses. Das mag sogar richtig sein, allerdings: Wenn ich morgen am Bahnhofs-Kiosk in München vorbeigehe, na, wie hoch wird wohl der Anteil vom Dreck und vom Belanglosen sein? Nur weil zwischen den Sex&Crime-Blättchen auch ne SZ rumliegt, ist nicht das ganze gedruckte Zeug besonders wertvoll (gilt natürlich auch im Umkehrschluss). Genau ist es bei Blogs auch: Was störts mich, wenn 990 Leute Unsinn schreiben? Meine 10 von tausend, die für mich relevant sind, habe ich schon lange in den Bookmarks.

Ich denke, jeder Journalist ist gut beraten, das Thema Blogs im Auge zu haben und sich damit zu beschäftigen. Aber deswegen muss ja nicht gleich wieder ein freudloses Redaktionsblog aufgemacht werden. Es gibt wenige gute und etliche erschütternde Beispiele.

Also, um auf den Ausgangssatz zurückzukommen: Nirgends gibt es ein Gesetz, das Bloggen zur Pflicht macht.

Es gibt aber auch keines, das es verbietet. 

 

 

Written by cjakubetz

März 8th, 2007 at 10:26 pm

Posted in IN EIGENER SACHE

Bewegende Bilder

without comments

Reden wir mal über Bewegtbild im Netz. Nein, ich meine jetzt nicht das soundsovielte Portal mit lustigen Flackerbildchen in Grobkorn-Homevideo-Ästhetik und den amüsanten Senderversuchen, die Wackelbildchen-Community mit ein wenig Bonusmaterial einzufangen (“Jetzt ungeahnten Wahnsinn aus DSDS bei Clipdingsbumms.de sehen!”). Sondern ich rede quasi vom Fernsehen on demand im Netz, wobei mir der unlängst gelesene Satz ausnehmend gut gefällt, wonach Fernsehen gestern war und IPTV noch nicht ist.

Die meisten Seiten, die etwas auf sich geben, “senden” inzwischen dreimal am Tag ganz ansehnliche Nachrichten, wobei es zunächst einmal ziemlich wurscht ist, ob man die sich bei Spiegel, Focus oder der Welt anschaut. Die Feeds sind ziemlich identisch, die Aufsagerinnen sind anders und auffallenderweise gibt sich der Spiegel handwerklich die größte Mühe. Was mich erstaunt ist, wie selbstverständlich man ein solches Angebot inzwischen bei den großen Anbietern erwartet, aber möglicherweise liegt das auch daran, dass mir die lebhaften Diskussionen noch im Ohr klingen, die wir noch vor einigen Jahren auf dem Lerchenberg hatten – nämlich darüber, ob man dieses Interview aus dem Journal nur wirklich unbedingt als Video bringen müsse oder ob es ein Audio nicht genauso tut…Sie wissen schon, diese hundslangen Ladezeiten bei Videos.

Weil wir gerade beim ZDF sind: Dort sehe ich mittelfristig den interessantesten und zukunftsträchtigsten Ansatz beim Umgang mit Bewegtbildmaterial. Da haben alle anderen noch erheblichen Aufholbedarf. Die tagesschau ist schon ganz ok, aber selten richtig aufregend (auf der anderen Seite: War die tagesschau jemals schon mal aufregend?) Interessant: die Entwicklungen bei n-tv, auch diese Interaktions-Geschichte, die leider nur mit Vista oder Decoder läuft, ist es wert, im Auge behalten zu werden (oh Gott…habe ich dieses grammatikalische Monster jetzt gerade echt in die Tastatur gehackt??).

Bei N24 kann man Lotterie spielen. Jeden Tag aufs Neue wird ausgelost, ob und wo und wann es welche Videos wozu gibt. Das ist lustig, aber nicht so ganz zielführend. Und ob sie dann auch gehen, ist wieder was anderes.

Das alles jedenfalls sieht nach dem großen Trend für 2007 aus – was sich auch insofern belegen lässt, als dass uns die Amerikaner mal wieder weit voraus sind. Wenn man sich die Videoangebote der Topseiten aus den USA so ansieht, dagegen wirkt das meiste, was hier passiert, immernoch ein klein wenig kümmerlich. 

Written by cjakubetz

März 8th, 2007 at 9:40 pm

Posted in ONLINE/MULTIMEDIA