Archiv für März 2007


Abschied von Zeitung und Tagesschau

7. März 2007 - 15:39 Uhr

Ich bin groß geworden mit Zeitunglesen und mit dem 20-Uhr-Ritual der Tagesschau. Diese beiden Dinge gehörten zu einem Tagesablauf unabänderlich dazu, beide erklärten mir die Welt. Beide waren an bestimmte Uhrzeiten und Situationen gebunden. Die Zeitung habe ich irgendwann morgens aus dem Postkasten geholt, die Tagesschau um 20 Uhr eingeschaltet, weil jetzt eben DIE Nachrichten kamen. DIE und keine anderen. Allenfalls die heute im ZDF, aber die hieß damals ja schon die Tagesschau im Zweiten.

Ich habe in den letzten Zeit viel zu viel zu tun gehabt, um diese Rituale weiter zu pflegen. Eine Tageszeitung habe ich alleine schon deswegen nicht abonniert, weil ich zu oft und zu viel unterwegs bin, als dass es nicht viel sinnvoller wäre, die Zeitung dort zu kaufen und zu lesen, wo ich mich gerade befinde. In der letzten Zeit allerdings nicht mehr das: Mehr und mehr habe ich für mich selbst festgestellt, dass das Lesen einer Zeitung für mich Luxus ist. Ich mache es gelegentlich gerne,es macht mir Spaß – aber ich brauche sie nicht mehr. Der Nachrichtenteil ist komplett überflüssig für mich, die Anzeigenmärkte ebenfalls, bleiben also Leitartikel, Kommentare, Reportagen. Das ist immer noch eine Menge, aber eben nicht das, was mein publizistisches Grundnahrungsmittel ist. Das hole ich mir schon lange woanders. Diese Woche habe ich erst einmal eine SZ in die Hand nehmen können, habe aber irgendwie nicht das Gefühl, mir würde etwas fehlen. Die Tagesschau habe ich diese Woche noch gar nicht gesehen, warum auch? Nachrichten mit bewegtem Bild gibts anytime, anywhere – und wenn ich dann mal noch wirklich die 20-Uhr-Tagesschau sehe, dann hat das eher was Nostalgisches an sich.

Umgekehrt ist es ein Trugschluss zu glauben, man könne bestehende Loyalitäten einfach mal so mitnehmen ins Netz. Wenn ich 30 Jahre Tagesschau gesehen habe, heißt das noch lange nicht, dass tagesschau.de die Nachrichtenseite meines Herzens ist. Wenn ich ein alter Liebhaber der SZ bin, muss ich deswegen noch lange nicht sueddeutsche.de zu meiner Startseite machen. Und umgekehrt mag ich derzeit zwar durchaus welt.de ganz gerne, komme aber dann doch noch nicht auf den Gedanken, die gedruckte Welt zu abonnieren (der Satz funktioniert auch, wenn man “Welt”streicht und durch FAZ ersetzt).

Das also, was ich wirklich haben muss, das findet im Netz statt. Alles andere – schön, wenn es das gibt. Soviel als Wanderpredigt des Tages für diejenigen, deren stärktes Argument für Old Media immer noch der alte Gassenhauer ist, noch nie habe ein neues Medium ein altes…

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Mein Mitschnitt

4. März 2007 - 18:32 Uhr

Ein Blog ist…

Der Name ist dabei Programm und kommt von den Logfiles (logfile), in denen ein Webserver (web server) Zugangsdaten (von Websites) mitschneidet…

schreibt sueddeutsche.de und liefert den Beleg dafür, dass es anscheinend zwischen Print und Online immer noch leichte Unterschiede gibt. In der Printredaktion hätte der Praktikant, der das geschrieben hat, schnell ein unangenehmes Gespräch mit seinem Vorgesetzten. Also echt, wo doch jeder weiß, dass es von Block kommt. (via Niggemeier).

 

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Hey, ich bin alt und kurzsichtig!

4. März 2007 - 13:43 Uhr

Zu meinen Zeiten als reiner Printjournalist habe ich mal einige Dinge über Fotos und Layout gelernt. Grundlegend galt: Ein Aufmacher sollte auch eindeutig als solcher zu erkennen sein. Ein gutes Foto zieht Leute in den Text. Fotos sind mehr als ein lästiges Anhängsel. Fotos retten ggf. eine Seite.

Umso erstaunter bin ich immer noch, dass bei vielen Online-Angeboten selbst in den Zeiten, in denen das Internet ein Massenmedium geworden ist, mit Fotos eher nachlässig umgegangen wird (bei Stefan Niggemeier findet sich übrigens momentan, nebenbei bemerkt, eine nette Sammlung von wunderbaren Symbolfotos).  Von der erstaunlich schlechten und sterilen Fotoauswahl bei vielen abgesehen, geht man auch mit dem Thema “Bildgröße” ziemlich mau um. Briefmarkenformate, das wars. Stört mich übrigens auch beim ansonsten ziemlich geglückten Online-Auftritt der Welt – Leute, ich bin in einem Alter, in dem ich mich nicht mehr nur aufs angeborene Adlerauge verlassen will…

Und während man bei N24 aus noch nicht näher bekannten Gründen dazu übergegangen ist, das Layout so zu erschießen, dass man sich jetzt ausknobeln kann, was Aufmacher sein soll, gönnt Spiegel Online seinen Aufmachern seit ein paar Tagen wenigstens auch ein ordentlich großes Foto. Recht so, mein Augenarzt dankt es euch.
 

Nachtrag: Ein besonders originelles Beispiel für Bebilderung findet sich gerade bei N24. Die Schlagzeile “Politiker für Urlaub in Deutschland” wird dort aktuell mit einem Foto eines Waldbrands bebildert. Hallo? Jemand da? 

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Usability

2. März 2007 - 15:33 Uhr

Mein aktuelles Lieblings-Beispiel aus der Kategorie “Was juckt mich der User?”: Videos auf einer Seite lassen sich offenbar mit Windows Media Player 11 nicht abspielen. Der Fehler, teilt der Seitenbetreiber mit, liege offensichtlich bei Microsoft (aha).

Lösungsvorschlag: Media Player 11 runter von der Platte, stattdessen downgraden auf 10 oder (noch besser) 9. Klar, die Dinge halt, die man dem Seitenbetreiber zuliebe gerne mal macht.

Und jetzt stelle ich mir gerade vor, wie der moderne User von heute seinen chicen Player 11 von der Platte wirft, sich Version 9.x besorgt und installiert, um dann dort wieder Videos sehen zu können. Wundert mich ja immer noch, wie man im Web so ungestört dilettieren darf, ohne auf der Stelle seinen Job in den Wind schreiben zu können.

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BBCTube = YouBBC

2. März 2007 - 15:27 Uhr

Naheliegend und vernünftig: BBC und YouTube, zwei Bewegtbildriesen, werfen sich zusammen, ohne dem anderen wehzutun. Kluge Ergänzung, das. YouTube sendet weiterhin die Häppchen, bleibt sich selbst treu und bekommt das alles auch noch legal. BBC wiederum erhält quasi einen neuen Vertriebskanal, kann seine eigenen Multimedia-Pläne weiter verfolgen und erreicht womöglich noch ein Publikum, bei dem es zumindest Gefahr gelaufen wäre, es mittelfristig zu verlieren.

Und aus gegebenem Anlass in dieser Woche fallen mir gerade wieder all jene ein, die gerne so argumentieren, als sei der Fortbestand der klassischen Mediennutung ein Naturgesetz. Der BBC/YouTube-Deal jedenfalls ist – wieder mal – ein schönes Beispiel dafür, wie alte Strukturen gerade wegbrechen. 

 

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Zeit

2. März 2007 - 15:14 Uhr

Dass die “Zeit” nicht nur in ihrem Stammgeschäft gute Zahlen vorlegt, sondern so ganz nebenbei auch ihre Online-Umsätze im zurückliegenden Geschäftsjahr verdoppelt hat, zeigt nicht nur, dass der Trend irgendwie hin zum Digitalen geht, sondern dass sich Qualität auch online gut vermarkten lässt. Fernab irgendwelcher, nunja, nennen wir sie mal zweifelhafter PR-Inhalte, die man redaktionell getarnt dem User unterjubeln will. Und hätte man dort nicht die Reunion von The Police so gnadenlos verrissen, wäre zeit.de vermutlich aus vielen guten Gründen mein aktuelles Lieblingsangebot…;-)

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Huch…

1. März 2007 - 13:35 Uhr

…Deutschlands frischgekürte Nachwuchsjournalistin Nummer eins läuft ein bissel Amok, weil ihr ein Portrait in der SZ nicht gefällt. Und muss sich deswegen jetzt “mitten in der Nacht” (23 Uhr nochwas) austoben und die bedauernswerte Autorin des SZ-Artikels runterbügeln. Allerdings dies nicht als WAZ-Online-Chefin, sondern als Bloggerin. Ulkig.

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Münster, unterirdisch

1. März 2007 - 11:34 Uhr

Ein Verleger schaut nach eigenem Bekunden über Jahre hinweg zu, wie seine Zeitung “unterirdische Qualität” abliefert, Gefälligkeits- und Terminjournalismus leistet. Dann feuert er den ganzen Laden und macht ausgerechnet den langjährigen Chef der Truppe, die angeblich so unterirdisch ist, zum Herausgeber. Selten so eine ulkige Argumentation gehört. Aber man darf dafür jetzt ganz bestimmt davon ausgehen, dass die restlichen Blätter von Lensing-Wolff eine Vorreiterrolle im Bestreben um mehr Qualität und gegen den Terminjournalismus in der deutschen Regionalpresse einnehmen werden. Ganz, ganz sicher.

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