Grimmes Stellungnahme
31. Mai 2007 - 21:07 UhrDer Kommentarfunktion sei Dank, jetzt wissen wir an dieser Stelle auch, dass zur umstrittenen Nachnominierung des “Elektrischen Reporters” inzwischen doch auch schon eine Stellungnahme des Instituts existiert.
Sie liest sich in etwa so einsichtig wie ein Bulletin des ZK der SED:
“Als – wie üblich – zu Beginn der Jurysitzung mögliche Nachnominierungen erörtert wurden und dabei der Vorschlag gemacht wurde, auch den „Elektrischen Reporter“ in die möglichen drei Nachnominierungen einzubeziehen, trat Mario Sixtus sofort von der Jury-Mitgliedschaft zurück. Weder hat er seinen “Elektrischen Reporter” vorgeschlagen, noch hat er an einer Diskussion und Entscheidung der Jury teilgenommen. Die Bedingung des Statuts – nämlich die Unvereinbarkeit der Hauptverantwortung für eine Site und einer persönlichen Entscheidung über diese Site im laufenden Wettbewerb – wurde folglich jederzeit eingehalten. Insofern hat es auch keinerlei Interessensverquickung, Doppelfunktion oder Günstlingswirtschaft gegeben.”
Man hält es also tatsächlich für nötig, eigens zu betonen, dass Mario Sixtus nicht als Jurymitglied über sein eigenes Angebot entscheiden wird, als wenn das nicht das Allermindeste wäre, was man verlangen sollte. Und es wird betont, dass es nicht Sixtus selbst war, der diesen Vorschlag eingereicht hat. Davon abgesehen, dass das auch niemand ersthaft behauptet hat: Auch das ist doch wohl das Allermindeste. Fällt also dem Grimme-Institut ersnthaft nichts anderes ein, als zu betonen, dass mal all die Dinge, die man allenfalls aus Bananenrepubliken kennt, nicht getan zu haben? Was für eine klägliche Argumentation, das.
Gleichwohl, diese Argumentation ist symptomatisch für Grimme allgemein und für den GOA im Allgemeinen: Ein kleiner, elitärer Kreis, überzeugt von seiner eigenen Großartigkeit, verteilt die Preise an einen kleinen elitären Kreis, der vermutlich ebenfalls von der eigenen Großartigkeit überzeugt ist. Kritik daran – z.B. die, dass sich aus 1500 Vorschlägen doch noch irgendwas anderes als das eigene Jurymitglied finden lassen muss, werden in dem Tenor abgetan, dass vermutlich der weniger elitäre Kreis der Außenstehenden ganz einfach nicht verstanden hat, was sich in dem kleinen elitären Kreis abgespielt hat. Wie gesagt: So dachte das ZK der SED damals auch.
Ich habe ein ähnliches Spiel schon mal vor drei Jahren gehabt. Damals machte ich mir die Mühe einer Mail an Grimme und fragte nach, ob es nicht irgendwie ein klitzekleines Missverhältnis sei, wenn 1500 Seiten vorgeschlagen würden und bei den Nominierungen seien dann ungefähr 60 Prozent Seiten, die von öffentlich-rechtlichen TV-Sendern gemacht worden seien. Die Antwort im gewohnten ZK-Deutsch: Für die Qualität eines Angebots spiele seine Hekunft nun mal keine Rolle und deswegen habe man sich eben entschieden, gefühlte 87 Angebote von ARD und ZDF zu nominieren.
So ist das nun bei Grimme: Die Hüter der Qualität sind unangreifbar, wer nicht glaubt, hat´s einfach nicht kapiert und verdient.
Um Missverstädnisse auszuräumen: Ich habe großen Respekt vor der Arbeit derer, die jetzt nominiert sind – auch und vor allem vor dem Elektrischen Reporter. Es geht hier nicht darum, die Qualität von Sixtus oder dem ER zu diskutieren.
Aber mir waren ZK´s schon immer suspekt. Wenn man jedenfalls demnächst in Marl wieder den Zeigefinger hebt, um auf das Böse in der Medienwelt hinzuweisen, werde ich sicher nicht mehr hinschauen.
Auch wenn das natürlich keinen Menschen interessiert, in dem kleinen, elitären Zirkel.