JakBlog

Anmerkungen eines Medienmenschen

Archive for Mai 14th, 2007

Eins noch…

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…zur Debatte um Posener/Diekmann/Springer/Welt. Wenn mich nicht alles täuscht, gibt es eine Menge Blogger, die mit Stolz von sich behaupten, auch mal zu löschen, wenn ihnen was nicht passt. Sogar sehr bekannte. Ich hab´s auch schon getan.

Written by cjakubetz

Mai 14th, 2007 at 7:25 pm

Posted in NUR SO DAHINGESAGT

Journalisten-Reflexe

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Wir Journalisten sind ja bekanntermaßen das toleranteste, flexibleste, kritischste und aufgeschlossenste Volk der Welt. Wir betrachten Dinge differenziert, haben zu allem eine natürlich fundierte Meinung, neigen nicht zu Vorteilen, differenzieren die Dinge aus und teilen unserem geneigten Publikum gerne täglich und kostenpflichtig mit, was sich jetzt, verdammt noch mal, alles ändern muss, dass es mit der Welt im Allgemeinen und uns im Besonderen endlich wieder aufwärts gehe.

Und wir haben keinerlei Beißreflexe, natürlich nicht.

Insofern, obiges vollständig vorausgesetzt, habe ich geschmunzelt über diese Debatte über einen gelöschten Blog-Beitrag in der Welt-Debatte. Genau, jenen Beitrag von Alan Posener, der den Bild-Chefredakteur niederschrieb. Großer Aufschrei, weil dieser Beitrag gelöscht wurde. Springer, die schwarze Mafia. Springer, die dunkle Seite der Macht, die Meinungsfreiheit und Pluralismus unterdrückt. Böser Diekmann, guter Posener. Und überhaupt: Darüber gehört jetzt endlich mal ordentlich debattiert und zwar selbstverständlich auf den Seiten von Springer.

Ein paar Anmerkungen dazu, auch wenn ich mich unbeliebt mache.

Erstens: Ich fand das Stück von Posener eher kümmerlich. Es gibt nichts Einfacheres, als auf Diekmann und die Bild zu schießen. Das ist kein Heldentum, weil mir der Applaus fast aller sicher ist und ich keine ernsthafte Debatte zu fürchten brauche. Im Gegenteil, wird dieses Stück kritisiert oder gar gelöscht, dann steckt dahinter keine andere Meinung, sondern Zensur und schwarze Mafia, ein paar Nummer kleiner haben wir´s gerade nicht.

Ich konnte nichts Substantielles in dieser Geschichte entdecken. Diekmann anzuschießen ist in etwa so, als würde ein Feuilletonist feststellen, Dieter Bohlens Musik sei konfektionierte Massenware und irgendwie ein bisschen substanzlos und außerdem sei der Typ ein bisschen doof. Tusch, Vorhang, die selbstgerechte Menge jubelt und keiner widerspricht. Wunderbar. Aber brauche ich das und gehört dazu auch nur ein Fünckchen Courage? Diekmann bietet viel Angriffsfläche und einer schießt auf diese große Fläche. Kunststück.

Zweitens: Ich habe eine ziemlich altmodische Vorstellung von Anstand. Ich erwarte, dass ein Kollege aus meinem Haus, der mir etwas mitzuteilen hat, dies mir persönlich mitteilt. Oder dass er mir zumindest mitteilt, dass er vorhat, etwas über mich zu publizieren. Wenn er das dann tut, in Ordnung – soll er schreiben, was er will. Alles andere ist nicht akzeptabel und ich schildere aus Gründen potenzieller strafrechtlicher Relevanz nicht, was ich mit jemandem machen würde, der mir derart hinterrücks eine reinwürgen würde. Selbst bei ziemlich erbitterter Gegnerschaft gibt es ein paar Anstandsregeln, ohne die nichts funktioniert. Nach meinem Wissen stellen selbst die Bildblogger, bestimmt nicht Springers beste Freunde, im Regelfall bei Fragen eine offizielle Anfrage an die Pressestelle des Verlags, selbst wenn sie wissen, dass sie vermutlich keine Antwort bekommen werden.

Drittens: In unserer Branche wird gerne mal Selbstreflektion verwechselt mit dem Drang, sich selbst zu kasteien. Bevor mir jetzt jemand einen gepfefferten Kommentar reinwürgen will: Der Gedanke stammt nicht von mir, sondern vom großen Herbert Riehl-Heyse. Aber ich fand ihn immer richtig. Riehl-Heyse schrieb, niemand würde beispielsweise von der Metzgerinnung bei deren Hauptversammlung erwarten, dass sie sich öffentlich kasteie, weil irgendjemand mal schlechtes Fleisch ausgeliefert habe (sinngemäß). Nur wir Journalisten sollen uns immer öffentlich selbst auspeitschen, wenn was schief läuft. Man erwartet also – in diesem Fall von Springer – dass ein Verlag ein Pamphlet eines Kollegen gegen den anderen Kollegen ohne Rücksprache nicht nur zulässt, sondern auch ausdrücklich die Debatte darüber befördert. Ich finde das, mit Verlaub, unsinnig. Und ich bezweifle, dass die Reaktionen ähnlich ausgefallen wären, wäre der betroffene Verlag nicht Spinger, sondern – sagen wir – der Spiegel gewesen. Wäre der Spiegel als zensierende Mafia angeklagt worden, hätte man dort einen Beitrag von Spiegel Online entfernt, in dem Gabor Steingart Stefan Aust als einen ziemlichen Idioten schildert? Oder sueddeutsche.de schreibt einen langen Beitrag, die Kommentare von Kurt Kister seien aber nun wirklich unerträglicher Quark…

Bevor das Argument kommt: Natürlich kann man mit Fug und Recht ins Feld führen, dass Bild und Welt zwei eigenständige Titel sind, aber umgekehrt nimmt man ja seitens der Springer-Gegner auch gerne mal die Welt für die Bild in Sippenhaft, das Argument zählt also nicht.

Um beim Thema Reflexe zu bleiben: Man muss schon fast wieder lachen, wenn die Kollegen des JEPBLOG am Freitag dann Bild.de den (Negativ-)Award der Woche verleihen. Natürlich ist die Begründung in der Sache absolut vertretbar, so ist es nicht. Trotz alledem kommt mir das ganze so vor, als wolle man nun mit Gewalt beweisen, dass man auch dann was Böses über Bild schreiben darf, wenn man bei Springer arbeitet.

Viertens: Die Reflexe sind bei uns wirklich ausgeprägt, auch in anderer Hinsicht. Wolf Schneider beispielsweise hat mal wieder ein neues Buch geschrieben, ich nehme an, dass es das siebenundsiebzigste ist. Wolf Schneider lässt sich derzeit wieder gerne in furchterregenden Posen ablichten und suggeriert, der alte Sprachgeneral sei immer noch da und hochvital. Und alles nimmt die Hacken zusammen und grüßt. So, wie umgekehrt Bild und Diekmann unreflektiert niedergebügelt werden, so wird völlig unreflektiert sofort Habacht-Stellung eingenommen, wenn Schneider den Raum betritt. Ich behaupte, niemand setzt sich mehr wirklich mit Schneider und seinen Büchern und seinen Theorien auseinander. Geschrieben wird nur noch Quark wie der von Turi in der Vanity Fair (kein Link, weil sonst wieder alles kollabiert): Schneider ist heute nötiger denn je. Ach herrje, ist er das? Die letzte Initiative, mal wieder die bedrohte deutsche Sprache zu retten, beinhaltete den Vorschlag, Laptops künftig Klapprechner zu nennen. Mutig fände ich jemanden, der sich Schneider entgegen stellt und mit ihm eine Debatte über einen solchen Unfug führt. Stattdessen sind wir alle unglaublich mutig und couragiert und murmeln und raunen: Wenn Schneider das sagt, muss es richtig sein. Er ist ja schließlich nötiger denn je, der alte General, der, hohoho, seine Schüler “bis aufs Blut gequält hat”. Dass sich da möglicherweise einer großartig und selbstgefällig selbst inszeniert, ist auf die Idee eigentlich außer Harald Schmidt, der sich gerne mal über ihn lustig macht, mal jemand gekommen?

Böser Diekmann, großer Schneider, so einfach sind wir Journalisten manchmal gestrickt.

Die Kommentare bleiben übrigens offen, auch wenn ich jetzt beschimpft werde.

(Disclaimer: Ich schreibe einmal im Monat für Springers Jepblog und bin dort an der Akademie auch als Dozent eingesetzt. Sonst aber von Springer völlig unabhängig. Nur für den Fall, dass jemand herauszufinden versucht, inwieweit man mich für diesen Beitrag unter Druck gesetzt oder bedroht haben könnte.)

Written by cjakubetz

Mai 14th, 2007 at 9:54 am

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Grimme Online Award

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Wer dieses Blog schon länger als zwei, drei Tage liest, der weiß, dass die Bekanntgabe der Nominierten und der Gewinner des Grimme Online Awards bei mir regelmäßig krampfartige Bauchschmerzen auslöste, so stark, dass ich für drei Tage nicht mehr wusste, ob ich ein Männlein oder Weiblein bin. Im Regelfall bisher: 23 Angebote der ARD, 17 des ZDF. Und zwei Alibiblogs.

Die virtuellen Menstruationsbeschwerden sind dieses Jahr ausgeblieben. Well done. Keine Einwände. Persönlicher Favorit: Stefan Niggemeier. Go for it. 

Written by cjakubetz

Mai 14th, 2007 at 8:46 am

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Idendity 2.0

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Ein wenig off-topic, zugegeben, aber das hier ist eine fantastische Form der Präsentation und zudem ein so oder so interessantes Thema: Idendity 2.0. Anschauen!

Written by cjakubetz

Mai 14th, 2007 at 8:41 am

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