Archive for Mai 16th, 2007
Asterix und die Blogosphäre
In den vergangenen Tagen war ich viel in dem Mikrokosmos Blogosphäre unterwegs und ich habe viel über sie gelernt.
Vorab: Ich gehöre weder zum Inner Circle noch zum Greater Circle noch zum Outer Circle der (Medien-)Blogger. Google rankt mich wahlweise mit drei (an schlechten Tagen) oder mit vier (an guten, ich kenne nur den Unterschied noch nicht). Die großen Leithammel der Branche linken nicht auf mich und ich könnte hier auch drei Tage am Stück über kopulierende Fliegen schreiben, ohne dass ein Raunen durch die Blogosphäre ginge. Niemand käme auf die Idee, mich irgendwo als Chefredakteur zu engagieren, nur weil ich Blogger bin. Wenn, dann weil ich Journalist bin und irgendwann auch mal schon ein bisschen was geschafft gekriegt habe. Ich gehöre nicht zu den 500 wichtigsten Denkern dieses Landes und die Blogosphäre ist alles in allem mir insofern ziemlich unbedeutsam, als dass ich nicht zögern würde, wenn ich zu wählen hätte zwischen dem Verfassen eines Blogbeitrags oder einem schnellen Kick mit ein paar großen Jungs auf der Straße. Ich würde mich immer für den Kick entscheiden. Einen Ball kann ich nicht liegen lassen, eine Blogdebatte schon. Das ist sehr angenehm, weil ich schreiben kann, was ich will. Die paar wenigen, die es lesen wollen und sollen, die tun es. 100 Prozent Zielgruppenaffinität, was will ich mehr. Das ist soweit erstmal mein Verständnis von der Medienwelt 2.0.
Was deren Relevanz angeht, habe ich heute eine interessante Mail von einer Studentin bekommen, die irgendwie am Rande erwähnte, sie habe vor vier Wochen zum ersten Mal ein Blog gelesen. Nachdem die junge Frau weder Maschinenbau noch Hotelgastronomie sondern Medienwirtschaft studiert und nach meinem flüchtigen Eindruck auch nicht intellektuell benachteiligt ist, dachte ich, Blogosphäre sei schön, aber nur für ein paar wenige. Die wiederum frei nach Loriot denken: Ein Leben ohne Blogs ist möglich, aber sinnlos.
Meine ersten ziemlich unangenehmen Erfahrungen mit der Blogosphäre habe ich irgendwann im Winter letzten Jahres gemacht, als ich im November das Vergnügen hatte, eine Diskussion zum Thema Web 2.0 zu moderieren. Kurz darauf fand ich mich als Diskussionsgegenstand in einigen Blogs wieder, in denen man mir bescheinigte, meine Moderation sei zwar eloquent, aber weitgehend ungetrübt von Sachkenntnis gewesen. Ich nehme an, man kam zu dem Urteil, weil ich nicht sofort in spitze, ekstatische Lustschreie ausgebrochen bin, als es um Xing oder StudiVZ oder Qype ging. Direkt ein Bild wollten sich einige der virtuellen Henker lieber nicht machen und kamen deswegen auch nicht zur Veranstaltung, man war sich aber sicher, es müsse so gewesen sein, schließlich hatte man das ja bei zumindest einem gelesen, der dabei war. Seitdem findet man, wenn man mich googelt, schon auch mal unter den Suchbegriffen “Web 2.0″ und “inkompetent”, was sich aushalten lässt, aber irgendwie nicht gerade mein höchstes Lebensziel war. Immerhin weiß ich jetzt, dass man in einer solchen Google-Suche landen kann aufgrund eines schreiberischen Verbunds von Leuten, die über eine Veranstaltung schreiben, die sie nicht besucht haben. Komisch. Ich hatte als Volontär ja mal was anderes gelernt, aber vielleicht ist das jetzt arg geschmäcklerisch und old school-artig. Und Blogosphäre ist eh über jeden Zweifel erhaben.
Jedenfalls habe ich in der stark demokratisierend und diskussionsfördernd wirkenden Blogosphäre, in unserer medialen Zukunft und dem gleichzeitigen Tod alter Medien, in den letzten Tagen viele demokratisierende Elemente gesehen. Beispielsweise, dass ich immer auf die selben Leute gestoßen bin. Die sich, ganz im Zuge sich gegenseitig verstärkender Prominenz, gegenseitig verlinken, gegenseitig zitieren und gegenseitig auf die Schulter klopfen. So richtig pluralisierend ist das ja nicht und irgendwie muss ich da am Rande immer auch darüber schmunzeln, dass sich in der Jury und in der Nominierungskommission des Grimme Online Award entweder die früheren oder die kommenden Preisträger die Klinke in die Hand geben und in irgendwelchen Kommissionen auch solche sitzen, die immer noch, selbst nach einem Jahr der nach außen nicht sichtbaren Ergebnisse, als Wette auf die Zukunft gelten. Man hat gemeinsame Freunde, Werte, Ziele, man kennt sich, man schätzt sich, man weiß, wo der Gegner steht. Merkwürdigerweise also alles irgendwie ähnlich wie beim erklärten Gegner.
Die Blogosphäre ist ein bisschen wie das Dorf der Unbeugsamen bei Asterix. Man rauft sich mit Leidenschaft, ab und zu wirft Verleihnix einen faulen Fisch in die Runde. Gelegentlich kommt auch der dicke Obelix und beschwert sich, dass man ohne ihn angefangen habe. Und einer gibt den Troubadix, der nie singen darf, obwohl er so gerne würde und sogar Listen erstellt, wer jetzt eigentlich A-, B- und C-Blogger ist. Das finde ich übrigens interessant in einer pluralistischen, demokratisierenden Blogosphäre, dass, ganz wie in der alten Welt, genau klassifiziert wird, ab wann der Alphablogger beginnt. Wohlgemerkt, der Alphablogger definiert sich über Quantität, nicht darüber, ob das, was er zu sagen hat, irgendwie relevant sein könnte. Also tausend am Tag sollten es schon, heißt es. Wenigstens habe ich es der Lektüre von Troubadix Turi zu verdanken jetzt zu wissen, dass es sich bei Thomas Knüwer um einen “Alphablogger” nahe der Zwei-Meter-Grenze handelt. Ich kenne Herrn Knüwer nicht (bin gerade noch mit dem Aufstieg von C nach B ausgelastet), würde ihn aber sofort erkennen an den zwei Metern und an dem eintätowierten Alpha auf der Stirn, und ihm auch nicht widersprechen, weil man einem Zweimeteralphablogger nicht widerspricht. Sagt der Alphablogger Troubadix.
Immerhin, wir haben dann doch wieder bei allen Raufereien einen gemeinsamen Feind, den Römer. Und Alesia, mein Herr, nein, ich kenne kein Alesia!
SPON-Teaser (7)
Roy Makaay aus Paraguay??
Der dienstälteste HSV-Spieler muss seine Koffer packen. Einen Bayern-Stürmer aus Paraguay zieht es nach Spanien.
Blogger und Journalisten
Der beste Claim, den sich ein Printobjekt in seinem Online-Ableger geben kann, ist momentan bei der Titanic zu lesen:
Garantiert ohne Blogs!
Ich staune gerade jeden Tag ein kleines bisschen mehr über die Vehemenz und die Brachialgewalt, über die in der Bloggosphäre diese Posener/Diekmann-Nummer debattiert wird. Vor allem staune ich darüber, wie sehr Blogger (und dazu zähle mich selber – wenn ich nicht gerade Journalist bin) erstens unsere eigene Relevanz überschätzen und zweitens meinen, der konventionelle Journalismus stehe vor dem Untergang, wenn er sich nicht sofort den Regeln des Web im Allgemeinen und der Blogosphäre im Besonderen unterwerfe. Ich weiß allerdings nicht, ob sich das überhaupt verträgt, das Bloggen und der konventionelle Journalismus. Vielleicht sollte man ernsthaft allen traditionellen Zeitungshäusern empfehlen, von Blogs die Finger zu lassen.
Momentan jedenfalls finde ich, dass die Debatte absurde Züge annimmt. Christoph Kesse muss sich derzeit mindestens der “Dummheit” bezichtigen lassen (leider vom von mir an sich über die Maßen geschätzten Kollegen Niggemeier), weil er ein Interview in der Süddeutschen gibt, über das man streiten kann und mit dem ich nicht immer d´accord bin. Aber “Angstschweiß und Dummheit”; Kollegen, haben wir es nicht gerade mal eine Nummer kleiner? Dem Springer-Konzern gerinnt der Angstschweiß, weil diejenigen, die ihm ohnedies ablehnend gegenüberstehen, ihm jetzt noch ein bisschen mehr ablehnend gegenüber stehen?
Und hallo, Freude vom Bildblog, es ist also ein Ausweis von “Merkwürdigkeit”, dass sich die Welt in einer satirischen (und ohnedies nicht eben lustigen) Umfrage NICHT über Kai Diekmann lustig macht? Ich hätte es eher anbiedernd gefunden, hätte man es getan.
Bloggen und Debattieren im Netz hat nichts oder nicht viel mit unseren konventionellen Vorstellungen von Journalismus zu tun. Stimmt. Das haben eine ganze Reihe konventioneller Medienhäuser noch nicht begriffen. Stimmt auch. Ich würde sogar so weit gehen, dass sich die allermeisten unserer Tageszeitungen mit den Umbrüchen und Verwerfungen, die wir momentan erleben, verdammt schwer tun, absolut kein Springer-Phänomen. Ich tu mich ja selber manchmal schwer damit. Aber tun wir doch bitte nicht so, als wären alle anderen, die (noch) drüben auf der analogen Journalisten-Seite sitzen, allesamt nicht mehr länger ernstzunehmende, bedauernswerte Kretins.
Ach, und dann würde ich doch noch mal gerne auf die hohe Debattenkultur durchaus nicht unprominenter Blogger erinnern wollen: Da gibts einen überaus bekannten, der schon mal schreibt: “Wenn du hier noch mal so einen Müll ablässt, fliegst du raus.” Und ein weibliches Pendant habe ich schon öfter mal mit Sätzen vernommen wie dem, man solle sich doch verkrümeln, wenn´s einem nicht passt, das nächste gute Blog sei nur einen Mausklick weg.
Das finden wir dann alle toll, wir Blogger. Weil es so echt und so authentisch ist.
Tour der Leiden…
…beim Arbeiten beim bewegten Bild. Und obwohl man ja niemandem was Böses wünscht, ist man irgendwie doch froh, mit diesem Schicksal nicht alleine auf diesem Planeten zu sein.
Fernsehen zum Selberbauen
Schnell mal einen eigenen Fernsehchannel ins Leben rufen? Bitteschön.
Vodafone antwortet doch
Upps, kein böses Wort mehr über Vodafone. Ein Zehn-Minuten-Telefonat mit einert netten Dame in der Kundenbetreuung, Tarif geändert, die 900-Euro-Mörderrechnung gecancelt. Problemlos, unbürokratisch, schnell.
Man lässt sich gerne mal in seinen eigenen Erwartungen täuschen.