Archiv für 25. Juni 2007


Die General-Attackierer

25. Juni 2007 - 18:13 Uhr

Im Jahr der Entscheidung, so hatte man landauflandab Ende letzten und Anfang dieses Jahres so gehört, wolle man dem Marktführer Spiegel Online ordentlich auf die Pelle rücken – namentlich insbesondere stern.de und focus.de. Das halbe Jahr von dem ganzen Jahr der Entscheidung ist jetzt dann fast vorbei, Zeit also, mal nachzusehen, ob die Attacke auf den Marktführer schon Fortschritte macht und ob sie beim SPON schon zittern müssen.

Kurze Antwort:

Nein. Während SPON im Mai laut IVW gut 70 Millionen Visits eingefahren hat, liegen Focus und Stern in einer Größenordnung von gut 13 bzw. 12 Millionen (Mai 2005). Bis man da auch nur im Ansatz zu einer Bedrohung wird, rauchen noch viele Vista-Rechner ab.

Lange Antwort:

Ich habe vor rund zwei Wochen einen der interessantesten Vorträge seit langem gehört, es ging um Märkte, nicht nur Medien, die sich rasant verändern. Eine (verkürzte) These dieses Vortrags: Nachdem sich viele Angebote von Einzel- und auch Großhändlern zum Verwechseln sind, die Produktpaletten nahezu identisch und nur die Vermarktungs-Inszenierung eine andere ist, bleibt dem Kunden nur ein Entscheidungskriterium: der Preis. Und nachdem Preise bei Online-Angeboten auch nicht relevant sind, die Angebote sich aber zum Verwechseln ähnlich sind in ihrer Funktion als schnelle Content-Schaufel-Maschinen mit ein bisschen Video und ein bisschen Multimedia, gibts vermutlich für die meisten User nur noch das Entscheidungskriterium, gleich beim Original zu bleiben, anstatt eine aufgemotzte Kopie zu wählen.

Und deswegen muss man weder Prophet noch Experte in diesem Genre sein um zu erahnen, dass auch in den kommenden Jahren sich auf dem Siegertreppchen nix ändern wird. Wie mir ganz generell auffällt, dass die lautstark angekündigten Online-Offensiven des einen oder anderen momentan ein wenig versanden. Und, ähm, darf man mit der WAZ und ihrem neuen Zauber-Auftritt überhaupt nochmal rechnen?

(u.a. auch via blogmedien.de

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Ich bin ein zynisches Dreckschwein – und es ist mir egal

25. Juni 2007 - 8:58 Uhr

“Journalisten sind zynische Dreckschweine.”

“Der Journalismus ist eines der korruptesten Gewerbe überhaupt.”

“Ich würde mein Kind lieber auf den Bau schicken, als in den Journalismus.”

Das alles soll der leibhaftige Don Alphonso jetzt in einem Seminar in Leipzig gesagt haben. Vor Studenten. Mit Betonung auf “soll”, ich war nicht dabei, er wird aber so zitiert. Und jetzt ist, erstaunlicherweise, das Geschrei gerade groß.

Es ist ja schon eine erstaunliche Reaktion, wenn man sich jemanden einlädt, der einigermaßen bekannt dafür ist, gerne mal ein wenig zu provozieren und zu polarisieren – und man sich dann ganz fürchterlich aufgregt, wenn derjenige komt und ein wenig provoziert und ein wenig polarisiert.

Es ist eine leicht riechende Reaktion, wenn dann der Lieblingsfeind Nummer eins (Turi) sofort den üblichen Reflex auspackt (Jugendfoto von Don Alphonso, das wir jetzt ungefähr dreihundertmal gesehen haben) auspackt und nach Anwälten schreit (dabei müsste gerade er doch froh sein, gerade mal keinen justitablen Kontakt mit Don Alphonso zu haben). Und dass Stefan Niggemeier dem Auftritt Dons einen ziemlich langen und natürlich nicht eben positiven Eintrag widmet, just nachdem die Debatte über den ebenfalls leicht riechenden GOA so langsam zu Ende geht, hat sicher nichts damit zu tun, dass diese Debatte ziemlich maßgeblich von Don geführt wurde, sicher nicht. So langsam müssten sich die Herren doch selbst langweilen.

Manchmal glaube ich, dass der Don jetzt gerade auf seiner Dachterasse sitzt und sich im Stillen köstlich amüsiert, dass alle genau das tun, was er erwartet und vermutlich gewollt hat. Schön, wenn man Menschen so leicht steuern und manipulieren kann.

Ich bin übrigens auch Journalist, wenn ich nicht gerade Blogger bin. Ich bin demnach auch ein zynisches Dreckschwein? Von mir aus. Wenn ich mir überlege, wem ich in meinem Journalistenleben schon alles an die Kandarrhe gefahren bin und dabei sicher nicht immer freundlich war, dann sollte ich im Gegenzug auch aushalten können, wenn mir mal jemand einen bösen Tritt vors Schienbein gibt. Don würde seine Kinder lieber auf den Bau schicken? Seine Entscheidung. Zumindest meine beiden müssen nicht auf den Bau, aber wenn sie wollen, dürfen sie das. In den Journalismus zwingen werde ich sie sicher nicht, wenn sie trotzdem hinwollen: bitte sehr. Kurzum, ich finde, man muss sowas aushalten können, im Übrigen gerade wir Journalisten, die wir sehr gerne sehr hart austeilen und dann demjenigen, den wir gerade eine reingepfeffert haben, freundlich mitteilen, dass das erstens durch die Pressefreiheit gedeckt sei und man das zweitens aushalten könne müsse, so viel Kritikfähigkeit sei ja wohl zu erwarten, wenn man in der Öffentlichkeit steht. Für soviel Aufrichtigkeit verleihen wir uns dann gegenseitig Preise und loben unsere tapferen Verdienste um die Pressereiheit (das Netzwerk Recherche ging jetzt sogar so weit, den Preis “Verschlosse Auster” in Abwesenheit an Putin zu verleihen, Herr Prantl hielt eigens eine Ansprache und ich stelle mir gerade vor, wie sie sich im Kreml vor Lachen über soviel Gutmenschentum gekrümmt haben – manchmal kann ich es gut verstehen, warum man sich über uns Journalisten amüsiert).

Und noch kurz angemerkt: Speziell in diesem Niggemeier-Turi-Konstrukt bin ich mir nicht nicht wirklich sicher, ob sich die selbstreferenzielle Alpha-Bloggosphäre nicht einfach mal wieder ihren persönlichen Befindlichkeiten und Abneigungen hingibt. Und ein bisschen Kalkül steckt natürlich auch bei Niggemeier und Turi dahinter: DA resp. DA-Bashing bringt zumindest Traffic und meistens auch leicht verdienten und dankbaren Applaus des “Ich kann den Don auch nicht leiden”-Publikums. Und übrigens, bevor jetzt der erhobene Zeigefinger wieder durch die Luft kreist und man den Untergang des Abendlands wegen ein bisschen Krawall vermutet, Anwälte gefordert und die Moral bemüht wird: Der Leiter des betroffenen Seminars sieht die ganze Geschichte deutlich entspannter als die weltverbessernden Alphatiere. Wovon man bisher merkwürdigerweise noch nichts gelesen hat.

9 Kommentare » | NUR SO DAHINGESAGT