Archiv für 28. Juni 2007


Sachen, die mir bisher so noch gar nicht aufgefallen sind (1)

28. Juni 2007 - 18:37 Uhr

 

“Die Verlagshäuser haben in den letzten Jahren ihre Internetstrategien mit großem Nachdruck weiterentwickelt und sich damit nicht nur im Hinblick auf ihre Content-Angebote mit an die Spitze der Entwicklung gesetzt”, erklärt Alexander von Reibnitz, Geschäftsführer Digitale Medien und Neue Geschäftsfelder beim VDZ.

 

 

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1000Langeweiler.de

28. Juni 2007 - 12:43 Uhr

Was ich heute so alles erfahren habe, lautet zusammengefasst wie folgt:

Es gibt da einen Musiker namens Patrice, dessen Eltern aus Sierra Leone stammen und den man in keine Schubladen stecken kann. Ich sowieso nicht – ich kenne nämlich keinen Patrice. Aber er ist bestimmt toll.

 Außerdem gibt es einen jungen Mann aus Uelzen, der seit ein paar Wochen in einem türkischen Knast hockt, was jetzt ein ziemliches Politikum ist. Das wiederum wusste ich zwar schon, aber man kann ja manche Sachen nicht oft genug lesen. Momentan frage ich mich allerdings, wann ich zum letzten Mal einen journalistischen Text gelesen habe, der mit dem Wort “kürzlich” begann. Ich denke, es muss so um 1987 irgendwo in Niederbayern gewesen sein. Allerdings, ich finde, im Internet gewinnt der Begriff “kürzlich” gleich noch mal eine ganz andere Dimension.

Und hallo, weil wir schon bei “kürzlich” sind – Miro Klose verlässt Werder! Sofort! Geht zu den Bayern! Sofort!! 

Wer diese ganzen Sensationsgeschichten nicht glauben will: Steht alles aktuell, jetzt, Donnerstag, 12.32 Uhr, auf der Titelseite der Readers Edition. Ein kurzer Blick genügt und man weiß, was man sich schenken kann. Keine wirklich neue Erkenntnis, aber sie gewinnt an Relevanz, wenn man jetzt liest, dass stern.de jetzt eine News-Community namens tausendreporter.de gegründet hat (nebenbei: Weiß eigentlich irgendjemand, warum sie jetzt alle News-Community gründen?).  Tendenziell zucke ich ja immer zusammen, wenn jemand ankündigt, “tausend Reporter” irgendwohin schicken zu wollen, beim letzten, der das angekündigt hat, sind es meines Wissens nach ein bissel was über 50 geworden, was immer so ein klitzekleines bisschen peinlich ist, wenn man von tausend spricht und dann nicht mal die hundert voll bekommt, aber manche mögen´s eben gerne ein bisschen größer. Und es hat ja auch seine Vorteile: Bei entsprechender Fallhöhe klatscht es beim Aufprall unten umso schöner.

Jedenfalls, jetzt hat auch stern.de seine tausend Reporter. Man wundert sich zwar ein bisschen und sieht Herrn Jörges und die anderen Alphajournalisten des Hauses förmlich vor sich, wie sie die Klodeckel festketten wegen der drohenden Fäkalien von unten, aber ein wenig partizipieren möchte man von dem Mist, der von unten kommt, dann doch.

Das Problem nur: Es kommt keiner. Es kommt bloß gähnende Langeweile. Es kommen Teaser wie

Gleich zwei Jubiläen konnte die FernUniversität in Hagen feiern: Zum 1.500sten Mal wurde an der Hagener Hochschule eine mündliche Prüfung über eine g

und man weiß dann, dass man entgegen des Claims (“Das musst du lesen”) hier gar nix lesen muss und dass das größte Problem solcher Geschichten nicht die Toilettenanlagen im Hause stern, sondern einfach nur die blanke Belanglosigkeit ist.    

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Blogs, der Dreck von unten

28. Juni 2007 - 10:24 Uhr

“Die guten Redaktionen sollten ihre Siele geschlossen halten, damit der ganze Dreck von unten nicht durch ihre Scheißhäuser nach oben kommt.”

Ochjeh, Herr Jörges…Angst, dass man dann Ihre seit Jahren irgendwie immer gleich lautenden, etwas bräsigen und meistens in einem nöligen Ton geschriebenen Besserwisser-Kommentare, in dem sie allen und jedem erzählen, was sie jetzt gerade wieder falsch gemacht haben, nicht mehr so wahrnimmt?

Und Angst, dass man Ihnen dann auch in einem Kommentar unter Ihrem Kommentar sagen könnte, dass man den nicht so dolle fand? Wo es doch viel schöner ist, in ausgewählten Leserbriefen im Stern sich selbst ein bisschen belobigen zu lassen, kann das sein?

Ach, und was mich am meisten interessieren würde: Schon mal ein Blog gelesen?

Schönes Leben noch, da oben im Elfenbeinturm. Zusammen mit den anderen Alpha-Journalisten.

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Wie sich Journalismus kaufen lassen muss

28. Juni 2007 - 10:01 Uhr

Unternehmen kaufen sich redaktionelle Beiträge, Journalisten sprechen beim Anzeigenleiter vor, welches Unternehmen sie befragen sollen, wenn es um Wrtschaftsthemen geht? Und es sind dann meistens die Anzeigenkunden, die gefragt und die Nicht-Kunden, die ignoriert werden? Redakteure, die meinen, sie könnten die hehren Grundsätze des Journalismus auch im Lokalen durchziehen? Offen gestanden: Im ersten Moment war das, was die Kollegen des ZDF als vermeintlich neuen Negativ-Trend im Journalismus aufdecken wollten, für mich erst einmal nicht sehr viel mehr als ein Schulterzucken wert. Nicht, weil der Beitrag in irgendeiner Weise zu kritisieren wäre – sondern weil das, was Frontal 21 da am Dienstag sendete, jeder wissen müsste, der ein bisschen länger im Geschäft ist und der ein wenig genauer hin sieht. Man muss ja nicht gleich so weit gehen wie in der vieldiskutierten Dreckschwein-Debatte um und mit Don (und vor allem muss man vermutlich auch den Druck berücksichtigen, unter den normale angestellte Redakteure ohne große Alternativen gesetzt werden), aber von der Hand zu weisen ist das Thema nicht: Redaktionen sind tendenziell käuflich, vor allem diejenigen, die unter wirtschaftlichem Druck stehen.

Man könnte es sich (zu) einfach machen und das Problem – so wie in dem ZDF-Beitrag geschehen – auf unsere Regionalpresse reduzieren. Tatsächlich würde ich nahezu jede Wette eingehen, dass in der Tat jeder Redakteur die Aussagen aus dem Beitrag unterschreiben würde. Tatsächlich bin ich mir auch sicher, dass selbst unbedarfte Leser eine Ahnung davon haben, dass im Lokalen manches ein bisschen anders tickt als im “großen” Journalismus. Und das nicht nur im Hinblick auf Wirtschaft und Anzeigenkunden. Wenn ich mir so durchlese, wie die Welt hier bei uns auffm flachen Land läuft, dann würde ich nach Lektüre unserer Tageszeitung sagen: Alles supi! Prima Politiker! Prima Leute! Prima Gegend! Alle engagiert, alle lieb zueinander – nicht alles wird gut, alles ist gut. Natürlich weiß jeder, der nicht halbwegs verblödet ist, dass es nicht so ist. Nur: Vielleicht will man es in seinem eigenen Mikrokosmos gar nicht so genau wissen, weil man sowas dann nicht mehr als kritischen Journalismus, sondern schnell mal als Nestbeschmutzung empfindet.

Unabhängig davon: Wahr ist natürlich, dass der blanke wirtschaftliche Druck, unter dem insbesondere Regionalzeitungen inzwischen stehen, das journalistische Argumentieren ungemein schwer macht. Dass man natürlich in einer mittelgroßen Stadt seinen besten Anzeigenkunden nur ziemlich ungern in die Pfanne haut, weil es um viel Geld und in vielen Fällen auch persönliche Verflechtungen geht. Das war schon vor etlichen Jahren so und es ist kaum anzunehmen, dass sich daran in Zeiten von sinkenden Umsätzen und schwindenden Auflagen auch nur das Geringste ändert.

Man würde indes der Gattung Tageszeitung ziemlich unrecht tun, würde man die Problematik auf sie beschränken. Wer jemals auch nur in halbwachem Zustand Lokalradio gehört oder Lokalfernsehen gesehen hat, der bekommt schnell eine Ahnung davon, wie viele Sendestrecken gekauft und nur sehr halbherzig als gekaufte Sendestrecken gekennzeichnet werden. Argumentativ haben diejenigen, die unter finanziellem Druck stehen, den Wünschen von Anzeigenkunden nix, aber auch gar nix entgegenzusetzen.

Unbestritten ist, dass es auch Journalisten gibt, die sich einzelnen Zuwendungen gegenüber nicht abgeneigt zeigen (um es diplomatisch zu formulieren). Sie sind ein Teil des Problems, aber eben nur ein Teil. So lange sich Medien, vor allem kleine und mittelgroße, über Werbung finanzieren, sind sie extrem anfällig gegenüber mehr oder minder unverschämten Wünschen der Kunden. Klar, das Manager Magazin (wie im Beitrag zu sehen) hält einen Anzeigenboykott der Bahn schon mal durch, wenn auch vielleicht unter Schmerzen. Der kleine Sender, die kleine Zeitung irgendwo da draußen auf dem flachen Land – die ist schnell um ihre Existenz gebracht.

Weswegen – und das ist systemimmanent – Journalismus immer auch für Käuflichkeit anfällig ist. Man sollte sich deswegen evtl. ein paar Gedanken über das System machen und nicht nur über die Dreckschweine.

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