Archive for Juni, 2007
Ich bin ein zynisches Dreckschwein – und es ist mir egal
“Journalisten sind zynische Dreckschweine.”
“Der Journalismus ist eines der korruptesten Gewerbe überhaupt.”
“Ich würde mein Kind lieber auf den Bau schicken, als in den Journalismus.”
Das alles soll der leibhaftige Don Alphonso jetzt in einem Seminar in Leipzig gesagt haben. Vor Studenten. Mit Betonung auf “soll”, ich war nicht dabei, er wird aber so zitiert. Und jetzt ist, erstaunlicherweise, das Geschrei gerade groß.
Es ist ja schon eine erstaunliche Reaktion, wenn man sich jemanden einlädt, der einigermaßen bekannt dafür ist, gerne mal ein wenig zu provozieren und zu polarisieren – und man sich dann ganz fürchterlich aufgregt, wenn derjenige komt und ein wenig provoziert und ein wenig polarisiert.
Es ist eine leicht riechende Reaktion, wenn dann der Lieblingsfeind Nummer eins (Turi) sofort den üblichen Reflex auspackt (Jugendfoto von Don Alphonso, das wir jetzt ungefähr dreihundertmal gesehen haben) auspackt und nach Anwälten schreit (dabei müsste gerade er doch froh sein, gerade mal keinen justitablen Kontakt mit Don Alphonso zu haben). Und dass Stefan Niggemeier dem Auftritt Dons einen ziemlich langen und natürlich nicht eben positiven Eintrag widmet, just nachdem die Debatte über den ebenfalls leicht riechenden GOA so langsam zu Ende geht, hat sicher nichts damit zu tun, dass diese Debatte ziemlich maßgeblich von Don geführt wurde, sicher nicht. So langsam müssten sich die Herren doch selbst langweilen.
Manchmal glaube ich, dass der Don jetzt gerade auf seiner Dachterasse sitzt und sich im Stillen köstlich amüsiert, dass alle genau das tun, was er erwartet und vermutlich gewollt hat. Schön, wenn man Menschen so leicht steuern und manipulieren kann.
Ich bin übrigens auch Journalist, wenn ich nicht gerade Blogger bin. Ich bin demnach auch ein zynisches Dreckschwein? Von mir aus. Wenn ich mir überlege, wem ich in meinem Journalistenleben schon alles an die Kandarrhe gefahren bin und dabei sicher nicht immer freundlich war, dann sollte ich im Gegenzug auch aushalten können, wenn mir mal jemand einen bösen Tritt vors Schienbein gibt. Don würde seine Kinder lieber auf den Bau schicken? Seine Entscheidung. Zumindest meine beiden müssen nicht auf den Bau, aber wenn sie wollen, dürfen sie das. In den Journalismus zwingen werde ich sie sicher nicht, wenn sie trotzdem hinwollen: bitte sehr. Kurzum, ich finde, man muss sowas aushalten können, im Übrigen gerade wir Journalisten, die wir sehr gerne sehr hart austeilen und dann demjenigen, den wir gerade eine reingepfeffert haben, freundlich mitteilen, dass das erstens durch die Pressefreiheit gedeckt sei und man das zweitens aushalten könne müsse, so viel Kritikfähigkeit sei ja wohl zu erwarten, wenn man in der Öffentlichkeit steht. Für soviel Aufrichtigkeit verleihen wir uns dann gegenseitig Preise und loben unsere tapferen Verdienste um die Pressereiheit (das Netzwerk Recherche ging jetzt sogar so weit, den Preis “Verschlosse Auster” in Abwesenheit an Putin zu verleihen, Herr Prantl hielt eigens eine Ansprache und ich stelle mir gerade vor, wie sie sich im Kreml vor Lachen über soviel Gutmenschentum gekrümmt haben – manchmal kann ich es gut verstehen, warum man sich über uns Journalisten amüsiert).
Und noch kurz angemerkt: Speziell in diesem Niggemeier-Turi-Konstrukt bin ich mir nicht nicht wirklich sicher, ob sich die selbstreferenzielle Alpha-Bloggosphäre nicht einfach mal wieder ihren persönlichen Befindlichkeiten und Abneigungen hingibt. Und ein bisschen Kalkül steckt natürlich auch bei Niggemeier und Turi dahinter: DA resp. DA-Bashing bringt zumindest Traffic und meistens auch leicht verdienten und dankbaren Applaus des “Ich kann den Don auch nicht leiden”-Publikums. Und übrigens, bevor jetzt der erhobene Zeigefinger wieder durch die Luft kreist und man den Untergang des Abendlands wegen ein bisschen Krawall vermutet, Anwälte gefordert und die Moral bemüht wird: Der Leiter des betroffenen Seminars sieht die ganze Geschichte deutlich entspannter als die weltverbessernden Alphatiere. Wovon man bisher merkwürdigerweise noch nichts gelesen hat.
Famous last words…
…und noch dazu ziemlich treffende Worte zum Thema der (letzten) Woche hier.
So. Und nu iss auch wieder gut.
Pressefreiheit nur für Blogs, die zur Presse gehören (oder so)
Herr Holthoff-Pförtner von der WAZ hat, obwohl Jurist, Humor. Und originelle Ideen bezüglich der Interpretation des Grundgesetzes. Denn am liebsten würde er wen schon nicht die Meinungsfreiheit (kann nicht mal er), dann aber doch wenigstens was anderes beschneiden.
Seine delikaten Äußerungen zu Paragraph 5 erklärt er jetzt in einer Pressemitteilung so:
„Artikel 5, Satz 1 des Grundgesetzes regelt das Recht auf freie Meinungsäußerung in Wort, Schrift und Bild. Und Satz 2 regelt den Presseschutz. Gerade dieser Schutz steht den Bloggern meiner Meinung nach nicht zu, weil sie keine Organe der Presse sind“, betont Holthoff-Pförtner. Besonders die in Artikel 5 des Grundgesetzes garantierte Pressefreiheit sei aus schmerzlichen Erfahrungen der deutschen Geschichte gewachsen. „Mit dieser Freiheit muss man sorgsam umgehen“, so Holthoff-Pförtner. Der wichtige Satz 2 sei daher ein Privileg, das ausschließlich für die Medien gelte. „Wenn jemand abends mal auf dem Fußballplatz den Schiedsrichter spielt, ist er ja noch kein Teil der Judikative.“
Davon abgesehen, dass ich den Vergleich mit dem Fußballschiedsrichter ausgerechnet durch den Anwalt von Herrn Hoyzer ziemlich lustig finde (ich sag´s ja, er hat Humor) – wie handeln wir das denn künftig mit beispielsweise dem gerade grimmepreisgekrönten tagesschau-Blog? Muss der Chefredakteur von ARD aktuell dann künftig davon ausgehen, kein Organ der Presse mehr zu sein, wenn er gerade nicht die Tagesschau macht, sondern bloggt? Und kann er dann, wenn ihn die Polizei dann versucht zu fassen, schnell wieder ins Tagesschau-Häuschen laufen und rufen: “Ich steh im Freio, hier gilt es nicht mehr. Ätsch.” Und, ähm, wie mache ich das dann künftig? Ich habe zwar einen anerkannten Presseausweis, aber wenn ich hier, ich meine auf dieser, meiner eigenen privaten Bäh-Blog-Seite, ich meine…bin ich jetzt richtig schutzlos??
Hallo? Herr Holthoff-Pförtner?
Schwamm-drüber-Blues
Man singt jetzt den Schwamm-Drüber-Blues die Vergiss-es-einfach-Polka und zeigt lieber Preisträger Sixtus in Jubelpose und sagt: WEITER SO! Notabene: Der WDR ist Gesellschafter.
Keine Grundrechte mehr für Blogger
Ich habe in den vergangenen Tagen immer wieder mal drüber gegrübelt, warum sich insbesondere Zeitungshäuser mit dem Thema Bloggen und Blogger so schwer tun. Ich habe mit Zeitungsleuten darüber diskutiert, warum die meisten ihrer Redaktionsblogs veritable Langweiler sind und warum es ihnen einfach nicht gelingt, in der Szene als relevant wahrgenommen zu werden.
Es gab eine ganze Reihe von Gründen, die mir einfielen (und die sind zu lang, als dass ich sie hier mal eben quick and dirty aufschreiben wollen würde). Aber einer ist mir inzwischen als der wichtigste in meiner privaten Liste markiert: Eigentlich mögen wir Journalisten uns Blogger nicht (klingt deshalb so schizophren, weil ich beides bin). Eigentllich sehen wir Journalisten uns Blogger als lästiges, quälendes Anhängsel, das sich alle Freiheiten rausnimmt, das alle in Frage stellt, was wir Journalisten in den letzten Jahrzehnten als publizistischen Standard aufgebaut haben. Und insgeheim kratzt uns Journalisten, vor allem die, die wir schon ein paar Tage im Geschäft sind, dass wir unsere schöne Bühne jetzt mit anderen teilen müssen, dass wir nicht mehr die allein seligmachenden Gatekeeper, die priveligierten journalistischen Stadtpfarrer sind. Nein, stattdessen kommen Blogger, machen sich mit ein paar Mausklicks eine eigene Seite auf und geben zu alles und zu jedem ungefragt unseren Senf dazu. Das nervt. Das will keiner und deswegen sagen wir Journalisten über uns Blogger: Das BRAUCHT keiner.
Natürlich können wir Journalisten unseren Unbill über uns Blogger nur schwerlich so ehrlich nach außen kommunizieren. Wir können nicht einfach sagen: Das nervt. Haut ab. Wir wollen, dass alles wieder so ist wie früher. Wir können ja schlecht für publizistische Vielfalt eintreten und sie imer wieder vehement einfordern, um sie auf der anderen Seite wieder einschränken zu wollen (auch wenn wir es gerne täten). Stattdessen müssen wir die Kuschelkater geben und sanft irgendwas schnurren von journalistischen Standards und Seriösität und davon, dass wirkliches Einordnen von Informationen nur von uns Journalisten gemacht werden kann und nicht von uns Bloggern (puh…hartes Leben als Schizophrener, stelle ich gerade fest).
Nur ab und an, wenn wir so gar nicht mehr an uns halten können, beispielsweise auf Podien von Medienforen, da bricht es aus uns heraus. Da fordern wir dann mal irgendwann, man solle diesen vermaledeiten Bloggern einfach mal den Mund verbieten und eigentlich könnte man ihnen doch konsequenterweise auch gleich ein paar Grundrechte entziehen:
“Blogger verdienen nach meiner Ansicht nicht den Schutz des Artikel 5.”
Sagt Stephan Holthoff-Pförtner aus einer der Eigentümerfamilien der “Westdeutschen Allgemeinen Zeitung” auf einem Forum bei den Medientagen in Köln. Und bringt damit, vermutlich ungewollt, die Sache auf den Punkt – nämlich wie etablierte Journalisten, wie insbesondere Zeitungen über Blogger und diese ganze vermaledeite Ansammlung von neuer Medienwelt wirklich denken.
Schön, dass das mal geklärt ist. Grundrechte nur für Journalisten und noch besser nur für Zeitungen – alles andere hält besser den Mund und hat zufrieden zu sein, wenn es mal in einem (gekürzten) Leserbrief zu Wort kommt: So tickt und denkt die Holzklasse. Und nichts kann ihren drohenden Exitus und seine Ursachen schöner beschreiben als diese eine, kleine und vermutlich sogar unbedachte Äußerung.
Hier stehen die, die schon immer hier gestanden sind
Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, nichts mehr über diesen “Preis” zu schreiben, aber erstens bin ich gerade in Fahrt, zweitens für alle Zeiten von Herrn Niggemeier diskrediert als hysterischer Handlanger von Don Alphonso und drittens bringt´s so schön viel Traffic. Als olle Quotensau ohne irgendeinen ethischen und qualitativen Anspruch nehme ich den gerne mit.
Was also nervt an diesem Institut und an diesem Preis? Mich in erster Linie die Selbstherrlichkeit, mit der man dort über alle Einwände hinweg gegangen ist. Mit der man sich mit der Penetranz einer gesprungenen Schallplatte immer und immer wieder daran festklammerte, es sei doch alles mit den STATUTEN vereinbar. Kinners, ja, das wissen wir doch inzwischen, das bestreitet niemand. Und Herr Niggemeier klammert sich daran fest, dass es sehr wohl einen Unterschied zwischen Mauschelei und Vetternwirtschaft gebe. Yo, mag sein. Muss ich mich deswegen entschuldigen und den Grimmies zugestehen, es sei keine Mauschelei, sondern lediglich ein bissel Vetternwirtschaft gewesen? Wenn ja, sorry, Grimme: Ich meinte Vetternwirtschaft und nicht Mauschelei. Und natürlich Quotenpreise. Bei meinem alten Eishockeyverein hängt in einer Kurve ein wundervolles Transparent: Hier stehen die, die schon immer hier gestanden sind. Könnte man abhängen und nach Marl verfrachten.
Stefan Niggemeier hat vehement das Institut verteidigt, zugestanden. Aber wo war eigentlich das Institut während dieser Debatte? Außer höchst widersprüchlichen Aussagen zum Prozedere des Publikumspreises und dem sau-langweiligen Lamento “Alles von ein paar Bloggern hochgeputscht” – nix. Rien. Nada. Was ihnen von den Preisträgern sicher in einem Blog um die Ohren gehauen worden wäre, käme solch derart krude Argumentation nicht von Grimme sondern von einem analogen Zeitungsverlag. Business as usual also auf der Website, das heißt, halt: inzwischen waren sie schnell dort. Die Fotos von der strahlenden, schulterklopfenden und frei von allen Anwandlungen von Selbstkritik befindlichen Festgesellschaft sind bereits online.
Das Institut hat in den vergangenen Tagen alles vorgelebt, was eine Vielzahl seine ehemaligen und aktuellen Preisträger immer wieder kritisiert: null Transparenz, kommunikative Totalverweigerung, Web null.dot.null.
Wir brauchen den Grimmepreis, befindet Stefan Niggemeier tapfer.
Brauchen wir? Wozu?
Ich bin mir sicher, dass wir im kommenden Jahr wieder die erleben werden, die schon immer da standen: ein paar öffentlichrechtliche Preisträger (WDR und ZDF sind schließlich Gesellschafter), ein paar Blogger aus dem Umfeld der professionalisierten Blogosphäre.
Und jemanden, der Laptops verlost.
So einfach ist das also…
…mit Grimme und seinen Preisen. Und mit Spiegel Online.
Spiegel Online (Preisträger) ruft Stefan Niggemeier an (Preisträger) und zitiert Alexander Svensson (Nominierungskommission) und eine Sprecherin des Instituts und einen Sprecher der Verlagsgruppe, die das Voting für den Publikumspreis hätte abwickeln sollen.
Der verkündet erstaunliches:
Die Organisatoren bestreiten, dass hier spät abgegebene Stimmen nicht mehr gezählt wurden. Instituts-Sprecherin Bernsmann gegenüber SPIEGEL ONLINE: “Als die Ergebnisse bekannt wurden, war die Wahl für den Publikumspreis bereits abgeschlossen.” Das bestätigt Uwe Barfknecht, Sprecher der Verlagsgruppe Milchstraße gegenüber SPIEGEL ONLINE: “Die Abstimmung ist um 18 Uhr geschlossen worden.” Zu der Verwirrung habe lediglich eine unpräzise Zeitangabe geführt. Sprecherin Bernsmann: “Wir haben nie eine Uhrzeit kommuniziert, es hieß immer nur, dass man bis zum 18. abstimmen kann.” (Quelle: Spiegel Online)
Herr Niggemeier, übernehmen Sie. Ich würde gerne lesen, wie solche Aussagen (“Wir haben nie eine Uhrzeit kommuniziert”) bewertet würden, wenn sie nicht aus dem Grimme-Umfeld kämen, sondern von, sagen wir, callactive. Wird das Publikumsvoring auch per Hot Button beendet? Oder wie muss man sich das vorstellen?
Aber natürlich sind nicht etwa derart eigenartige Reglements schuld, die es ermöglichen, dass eine Abstimmung irgendwann (!) mal am 18. Juni beendet wird und zwar nach Gusto des Veranstalters. Nein, schuld sind andere die hysterischen Blogger im Blutrausch:
“Zum Skandal ist das durch die nicht ganz korrekte Darstellung in einigen Blogs geworden”.
Wie weit kann sich eigentlich noch von der Realität entfernen?
PS: Großartiger Journalismus in diesem Zusammenhang auch vom Grimmepreis-Träger SPON, der es nicht für nötig hält, mal die Gegenseite, die Blutrausch-Blogger zu fragen, beispielsweise meinen neuen Mitstreiter, Co-Hysteriker und Ränkeschmnied Don Alphonso. Steht in jedem Handbuch für Volontäre: Immer auch die andere Seite hören.
Grimme, die Letzte
Ok, das Desaster ist also perfekt. Man muss wirklich nichts mehr schreiben über das kleine Mauschelgrüppchen aus Marl. Erstens haben das im Laufe des gestrigen Abends unzählig viele Blogs getan, da muss ich nicht auch noch rumschwadronieren. Nicht wundern übrigens, das Institut hat die Seite mit der vorzeitigen Bekanntgabe der Gewinner inzwischen heimlich, still und leise entfernt. Eigenartig, das. Wo doch gerade Macher eines Online-Awards wissen müssten, dass sich solche Luftnummern durch heimliches, stilles und leises Entfernen nicht auflösen lassen. Ihr habt jetzt geschätzte Fantastilliarden Blogger am Hals, liebe Grimmes – und wisst ihr was: Ich gönn es euch von Herzen.
Zweitens ist jedes Wort, jede Sekunde der Aufmerksamkeit, die man diesem “Preis” noch zukommen lässt, verschenkte Zeit, zumal nicht zu erwarten ist, dass irgendjemand bei Grimmes mal irgendwann ein wirklich vernünftiges Wort zu dieser Lachplatte loslassen wird. Sollen die, die den “Preis” mit heimnehmen, glücklich sein damit. Solange das Institut und die Jury uns von ihren quälenden, zeigefingererhobenen Statements über die publizistische Qualität in diesem Land verschont, ist mir alles recht.
Und letztlich – alles was dazu wirklich zu sagen ist, schreibt Don Alphonso an der Blogbar: Schämt Euch!
Update: Grimme hat in Fom einer Mitteilung reagiert, in der es u.a. heißt:
Durch eine peinliche Panne und die rasche Verbreitung in verschiedenen Weblogs sind die Preisträger des Grimme Online Award 2007 vorzeitig gestern Nacht bekannt geworden und waren eine Zeitlang online auf der Website des Instituts einzusehen. Damit folgt der Grimme Online Award – allerdings unbeabsichtigt – dem Modus des Grimme-Fernsehpreises, bei dem die Preisträger stets schon vorher bekannt gegeben werden… Bei allen Beteiligten – insbesondere den Nominierten und Preisträgern des Grimme Online Award – entschuldigen wir uns für die unbeabsichtigte Vorab-Bekanntgabe.
Wir nehmen die Ereignisse der letzten Nacht zum Anlass, die Pressemitteilung zur Bekanntgabe der Preisträger bereits jetzt zu verschicken. Dieses betrifft auch den diesjährigen Publikumspreis, dessen Abstimmung gestern Abend beendet wurde und dessen Gewinner-Präsentation ebenfalls in der redaktionellen Vorbereitung war.
Update 2: Schönster Satz zum Thema “Grimme-Verwicklungen” stammt aus der taz:
Und über die Schnittmengen zwischen Nominierten, Preisträgern, Jury- und Kommissionsmitgliedern würde sich in Liechtenstein sicher niemand wundern, wohl aber im bevölkerungsreichsten Land Europas.
Grimme ist nichts zu peinlich
Der Kommentar von Judith auf dieser Seite verdient einiges an Beachtung – ich finde nämlich, dass er zeigt, dass der Grimme Online Award in dieserm Jahr eine einzige Peinlichkeit ist…
Na, schon mal auf den Kalender geschaut? Heute ist der 18. Juni. An diesem 18. Juni vermeldet das Grimme-Institiut in der Vergangenheitsform, dass am 20. Juni, also in genau 2 Tagen, die Grimmepreis-Träger 2007 gekürt wurden (!). Man ahnt ja schon seit langem, dass Grimme etwas ganz Besonderes ist, aber dass man jetzt schon zwei Tage vor der Veranstaltung eine Pressemitteilung über deren Verlauf veröffentlicht, Respekt. Da warte ich direkt auf ein paar hämische Zeilen von Herrn Niggemeier, die es aber vermutlich nicht geben wird, denn der hat, tarä, den Preis gewonnen. Schade, ein wenig Häme hätte den Jungs in Marl sicher gut getan, aber wir wollen dann ja doch mal die Kirche im Dorf lassen.
(Stefan Niggemeier hat sich inzwischen geäußert.)
Und noch ein anderer hat ihn gewonnen, richtig, der nachnominierte Herr Sixtus. Und, tarä, hausgemacht.tv, ein Angebot, das gerade mal einen Tag online sein musste, um schon einen Grimmepreis zu bekommen.
Aber jetzt wissen wir es ja – wer schon zwei Tage vor einer Veranstaltung weiß, wie sie verläuft, braucht auch nur einen Tag, um die Preiswürdigkeit eines frisch gestarteten Angebots beurteilen zu können.
Meine Güte – dass sie nochmal eins draufsetzen in Marl, das hätte nicht mal ich für möglich gehalten. Was für ein schlechter Witz.
Internet ist zum Mailen da
Da kann die Holzklasse jetzt aber aufatmen: Beim Bayerischen Journalisten-Verband, genauer gesagt der Bezirksversammlung München/Oberbayern, hat jetzt eine gewisse Elke Löw aufgeräumt mit diesem ganzen Internet-Quatsch und dafür gesorgt, dass die gesamte Holzklasse sich entspannt zurücklehnen konnte, denn:
Internet sei kein Massenmedium, so Löw, die meisten Deutschen nutzten das Netz vor allem für den E-Mail-Verkehr und zum Buchen von Reisen. Die virtuelle Welt “Second Life”, derzeit in aller Munde, hätten die allermeisten Deutschen noch nicht “echt” angesehen, erklärte Löw und zitierte eine Studie, laut derer von 6.000 repräsentativ Befragten noch kein Einziger sich ins “Second Live” geklickt hatte. Auch was die Verdienstmöglichkeiten für die Zeitungen im Internet angehe, sei die Situation keineswegs aussichtslos. Die Anzeigenmärkte kämen z. B. vom Internet wieder zurück in die Zeitungen.
Und, jetzt doch mal im Ernst, wer braucht schon diesen ganzen Quatsch, den irgendwelche Blogger und sonstiges Gesocks ins Netz stellen:
Auch für Journalisten sei das Internet eher Jobmaschine als Bedrohung, denn “user generated content” höre sich als Schlagwort gut an, doch wer solle denn diese ganzen Artikel und Inhalte selektieren und bewerten wenn nicht Journalisten?
Frau Löw ist übrigens Beraterin und mit ihrer Firma spezialisiert “ als Ideenschmiede für komplexe, zielgerichtete Kommunikationslösungen.”
Achja, und vermutlich, so muss man wohl befürchten, meinte sie das alles ernst.