Archive for Juli 9th, 2007
n-tv macht sich breit
Bekanntermaßen bin ich ein Fan des breiten Vollbild-Formats. Wenn man´s denn kann. Beim Tagesspiegel finde ich den Relaunch nach wie vor ziemlich gelungen, bei n-tv geht man zwar jetzt ebenfalls in die Breite, aber diese kleinteilige Rumgefrissel dass mich schon eine Ewigkeit und drei Tage bei n-tv.de stört, das hört wieder nicht auf. Mir persönlich ist es viel zu viel, wenn ich auf einer Startseite mit gefühlten 200 Schlagzeilen erworfen werde, garniert mit ein paar Briefmarken-Fotos. Immerhin aber ein ganzes Eck schöner als vorher, das ganze sieht eher nach state of the art aus als das Sommer1999-Design bisher – und dass n-tv dem Konkurrenten N24.de immer noch um Längen überlegen ist, muss man auch nicht extra feststellen.
Über das Hecheln nach Klicks
Wir saßen vergangene Woche noch keine halbe Stunde richtig zusammen, meine nächste Klasse an der DJS und ich, da steckten wir schon mitten drin in der Diskussion über den aktuellen Zustand des Onlinejournalismus. Und wenn man über ein solches Thema denn schon redet, dann muss natürlich irgendwann auch mal die Frage nach den Quoten, den Klicks und den Auswirkungen dessen, dass jeder einzelne Klick messbar ist, gesprochen werden. Man muss nicht mal sonderlich kritisch draufschauen oder gleich eine Systemfrage stellen um zu bemerken, dass die “Klickmaschinen” gang und gäbe sind. Dass es bei Dingen wie den 150 besten Bieren der Welt, den 270 schönsten Uhren oder wie hier aktuell bebilderten Tipps zum Energiesparen um das gewaltsame Brachialhochtreiben der Klicks geht. Und um nichts, aber auch gar nichts anderes.
Natürlich könnte man jetzt mit den Schultern zucken und sich fragen: who cares? Näher betrachtet nervt zweierlei daran. Aus journalistischer Sicht, dass damit Inhalte relativiert werden, dass eine Geschichte, die man zu guten alten Zeiten in einen einspaltigen Infokasten mit 30 Zeilen gepackt hätte, hochgejazzt wird zur 15-teiligen Bildstrecke, in der dann auch noch Dinge stehen, die man selbst dann schon wusste, wenn man ein klimapolitischer Totalignorant wie ich ist (über die eigenartigen Bebilderungen von n-tv.de mag ich mich an dieser Stelle nicht auslassen, das machen andere schon zur Genüge – aber wie man das Thema Energiesparlampen mit einem Foto eines beleuchteten Rummelplatzes bebildern kann, ist mir in diesem Zusammenhang auch eher schleierhaft).
Als User schließlich fühle ich mich ganz simpel etwas vergackeiert, wenn ein ziemlich banales Thema, das ich wenn schon denn schon gerne kompakt und übersichtlich zusammengefasst präsentiert bekommen hätte, auf 15 Fotos aufgeblasen wird. Man kann – natürlich – zu jedem Thema Bilderstrecken machen. Die Kunst eines vernünftigen multimedialen Arbeitns besteht aber exakt darin – für die jeweilige Geschichte die beste Darstellungsform zu finden. Sollte man vielleicht mal im aktuellen Bilderserienwahn berücksichtigen, selbst wenns viele Klicks bringt. Die journalistische Substanz jedenfalls erschlägt man mit dem Slideshow-Overkill jedenfalls ziemlich schnell und zuverlässig.
Blogger und Jounalisten
Über das meistens ziemlich schwierige Verhältnis von Old und New Media, von Bloggern und von Journalisten – ein überaus lesenswerter Beitrag von Peter Sennhauser in der Schweizer Sonntagszeitung.