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Anmerkungen eines Medienmenschen

Archive for Juli 19th, 2007

Qualitätsjournalismus…

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…gefunden hier und hier. Als alter Sportler weiß ich, dass (Qualitäts-)Offensiven schmerzhaft sein können, aber gleich so?

Oder lauern sie doch irgendwo, die Außerirdischen, mit der versteckten Kamera? 

Written by cjakubetz

Juli 19th, 2007 at 9:30 pm

Posted in NUR SO DAHINGESAGT

Das völlig transparente ZDF

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Man soll ja immer beide Seiten hören. Weswegen ich mir erlaubt habe, der frontal21-Redaktion ein paar Fragen zu dieser Nummer mit der Radio-PR zu schicken. Im einzelnen lauten die Fragen wie folgt:

  1. Wie verträgt sich die Tatsache, dass Ihre Sendung selbst von der Agentur „All4Radio“ gesponserte Beiträge als PR für Ihre Sendung erstellen lässt, mit Ihrer Kritik an dieser Vorgehensweise?
  2. Warum wurde in Ihrer Sendung nicht darauf hingewiesen, dass sich das ZDF bzw. Frontal 21 selber dieser Methode bedient?
  3. In der Anmoderation heißt es u.a., es gäbe „“mehrere hundert Radiosender, die immerhin täglich von der halben Nation gehört werden”. Können Sie näher spezifizieren, wie Sie auf „mehrere hundert Radiosender“ in Deutschland kommen?
  4. Warum wurde JAM FM mit einem vermeintlichen Honorar von 15.000 Euro geködert, wo doch ein Werbespot von JAM FM bei der entsprechenden Reichweite bei 30 Sek. Maximal rund 250 Euro kosten könnte? Würden Sie das Hantieren mit völlig unrealistischen und fiktiven Zahlen als seriöse Recherche bezeichnen?

Das ZDF hat inzwischen wie folgt geantwortet:

Zu Ihrer Anfrage schicken wir Ihnen einen Kommentar, den die Redaktion von Frontal21 für unser Forum zu diesem Thema verfasst hat:

Und selbst? Sind wir auch nicht ohne eigene Erfahrungen – allerdings ausdrücklich nicht als verdeckte Schleichwerbung. Wir haben vor unserer Sendung Interviewauszüge als Sendehinweis auf unsere Beiträge angeboten. Verteilt wurden diese Sendehinweise über all4radio. Es handelte sich dabei lediglich um die erweiterte Wiedergabe von Programminhalten, wie sie sich auch auf unserer Internet-Seite finden und auch als Schlagzeilen in vielen deutschen Tageszeitungen erscheinen. Um jeglichen Zweifel an diesen völlig offenen Programmhinweisen auszuräumen, haben wir diese Art der Verteilung von Programmhinweisen nach kurzer Zeit wieder eingestellt.

Zu Ihrer 3. Frage: Herr Koll hat die Zahlen der Landesmedienanstalten zugrunde gelegt, siehe: < http://www.alm.de/52.html>

Zu Ihrer 4. Frage: Nicht der Interviewer hat über diesen Betrag von 15.000 Euro gesprochen, sondern der Interviewte.

Mit freundlichen Grüßen,

Michael Hölting

Written by cjakubetz

Juli 19th, 2007 at 2:51 pm

Posted in NUR SO DAHINGESAGT

Entweder…

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…es liegt an der Hitze. Oder daran, dass eine heimliche Horde Satiriker die heimliche Weltherrschaft ausübt. Dass jedenfalls erst ARD und ZDF die Tour de Trance erst übertragen und dann nicht mehr und dass jetzt ausgerechnet SAT1 die Tour de Farce übernimmt, Freunde sagt mal: Wollt ihr uns Medienblogger eigentlich in einen unbefristeten Lachstreik versetzen?

Written by cjakubetz

Juli 19th, 2007 at 2:39 pm

Posted in TV

Radio-PR – oder: Gutmenschen unter sich

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Gutmenschen unter sich: Das ZDF sendet einen Beitrag, der sich mit Werbepraktiken im Radio beschäftigt. Unter anderem auch damit, dass eigene Radio-PR-Agenturen damit beauftragt sind, mit kostenlosen Beiträgen für Gutwetter im Programm zu sorgen. Das (was man eigentlich schon lange weiß) hat das ZDF zum Anlass zu einem ziemlich zweifelhaften Beitrag zu machen (im Detail später mehr). Also plustert sich Theo Koll in seiner Moderation ziemlich auf und verkündet, dass man bei ihnen, den großen, den öffentlich-rechtlichen Medien immer sehr genau hinschaue. Dafür übersehe man leicht, welch üble Praktiken bei den Privaten und Lokalen so gang und gäbe sind.

Der leicht selbstgerechte Herr Koll übersieht dabei allerdings etwas – nämlich, dass er und sein Sender, bei dem alle so genau hinschauen, die selben Methoden gebrauchen:

Das ZDF-TV-Magazin „Frontal 21“ wird von all4radio mit umfangreicher Audio-PR begleitet, um die Sendung von Moderator Theo Koll noch stärker ins Bewusstsein der Radiohörer zu bringen. Dazu liefert all4radio den Radiosendern Vorab-Infos zum spektakulärsten Thema von „Frontal 21“, kombiniert mit O-Tönen von Moderator Theo Knoll.

Schreibt die Agentur All4Radio auf ihrer eigenen Homepage, für jeden einsehbar. Bei den Lokalsendern also ein Skandal, beim ZDF völlig berechtiges Marketing? Die Kollegen von blogmedien, die ich hier eigentlich viel zu selten lobend erwähne, sind der Sache dann nachgegangen und haben einige andere Unebenheiten in diesem Beitrag festgestellt (bitte dort nachlesen!).

Was ich interessant finde, ist die Kette der Weitergabe der Information vor allem durch die, die solche Praktiken gerne kritisieren und die nahezu täglich mit den Fingern auf andere zeigen: Thomas Knüwer, der von Peter Turi grundsätzlich nur mit dem Präfix “Alpha-Bloger” erwähnt wird, nimmt das ZDF-Stückchen zum Anlass, eine flammende Eloge gegen die PR-abhängigen Lokalfunker zu schreiben. Und die Kommentatoren bei Knüwer überbieten sich dann gegenseitig mit “erschreckend”, “traurig” und sonstigen Reflexen. Und alle zusammen wissen wir es dann: SAT1-Prinzipien und billige, bestechliche Lokalfunker bedeuten den Untergang des Journalismus, dem sich gottseidank die nieimLeben schleichwerbende ARD und das ZDF heroisch entgegen stellen. So einfach ist das im Leben. Wenn man nur schwarz und weiß kennt.

(Danke nochmal fürs Recherchieren an die blogmedien!)

Nachtrag: Thomas Knüwer hat das jetzt zum Anlass genommen, eine Geschichte darüber zu schreiben, warum wir wohl lieber auf frontal21 verzichten sollten. Gut pariert. 

Written by cjakubetz

Juli 19th, 2007 at 12:32 pm

Posted in NUR SO DAHINGESAGT

Blogger werden…

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…ist nicht schwer, Blogger sein dagegen sehr. Selbst dann, wenn man aus dem Journalismus kommt und sogar dann, wenn man einen Branchendienst zum Thema unterhält. Auf dem kress-Blog wird jetzt jedenfalls seit sechs Tagen geschwiegen und nachdem sich noch niemand fand, der es für wert befand, dieser Tatsache auch nur eine Zeile zu widmen, gehe ich davon aus, dass das auch noch niemand so richtig bemerkt hat. Die Blog-Frequenz der kressies ging jedenfalls schnell nach unten. Im Mai statistisch gesehen noch fast täglich ein Eintrag, im Juni dann schon nur noch halb so viel. Nach drei Monaten ein Fall für die ewigen Blogger-Jagdgründe, ein richtig schönes Durchschnitts-Schicksal.

Written by cjakubetz

Juli 19th, 2007 at 10:31 am

Posted in ONLINE/MULTIMEDIA

Der digitale (und finanzielle und technische) Graben

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In meinem Umfeld gibt es jetzt ein eher simpel gestricktes Gemüt. Das bekommt heute “das Internet”, der Mann von der *elekom müsste jeden Moment eintrudeln. Es gibt dieses ganz rasend schnelle Internet und endlich, so habe ich jetzt erfahren, kann man all das machen, was die Segnungen der neuen, digitalen Medienwelt ausmacht: bei eBay irgendwelchen Kram ersteigern, bei Google nach Dingen suchen, die man vorher schon nicht wissen wollte. Und vermutlich noch ein paar andere Dinge tun, über die wir öffentlich lieber den Mantel des Schweigens legen.

Wenn ich ab und an mal neugierig ins Wohnzimmerfenster schaue, dann läuft ohne Unterbrechung die Kiste. Manchmal erlaube ich mir den Spaß und schaue bei mir im Fernseher nach, was drüben läuft. Natürlich führe ich keine Statistik, aber auch ohne statistischen Hintergrund würde ich mich verbindlich auf die Aussage festlegen wollen, dass es meist irgendwas Privates ist. Ich glaube, wenn ich mal nachfragen würde, wie man die ersten Sendungen von Caren Miosga beurteile, würde ich einen erstaunten Blick ernten. Und die Frage, wer diese Carmen Dingsbumms überhaupt sei. Das würde man mich dort allerdings auch fragen, wenn ich mich nach dem frisch gefeuerten SAT1-Anchor Thomas Kausch erkundigen würde. Oder nach der Diskussion um die frisch eingedampften “Info”-Formate von SAT1 (wobei mich in diesem Zusammenhang immer noch erstaunt, wie man angesichts der Einstellung der diversen Boulevard-Formate so hartnäckig davon reden kann, SAT1 stelle die “Nachrichten” ein).

Achja, liebe Zeitungsmacher – bevor ihr jetzt anfangt zu jubilieren, diese meine Quasi-Nachbarn seien dafür dann ganz bestimmt treue Zeitungsleser: Ich muss euch enttäuschen, sind sie leider auch nicht. Sie sind klassische Nebenbei-Nutzer von irgendwelchen Medien, die hat in ihrer Wahrnehmung nichts kosten. Sie sind nicht bereit – und das ist der entscheidende Punkt – für Medien Geld auszugeben, sie empfinden übrigens (was natürlich Unsinn ist) auch das Internet als “kostenlos”. Ach, Sie denken jetzt, ich hätte außergewöhnlich desinteressierte, ungebildete Nachbarn? Keineswegs. Ich denke, ich habe es mit einem ziemlich authentischen Mainstream-Ausgabe deutscher Familien zu tun.

Der digitale Graben, der von Wissenschaftlern permanent als neues Szenario an die Wand geworfen wird, ist nach meinen Beobachtungen schon lange Realität. Wer nicht bereit und nicht willens und vielleicht auch nicht in der Lage ist, seinen Medienkonsum gezielt (durch den Einsatz von Geld, Technik und Wissen) zu steuern, der bekommt künftig permanent das, worauf wir einen Vorgeschmack in dieser Woche allseitig bekommen haben. Private Sender machen die Rendite zum alleinigen Lebenszweck. Wenn die Rendite auf einem Sendeplatz bei einer Gerichtsshow-Wiederholung höher ist als bei einem Boulevard-Magazin, dann wird die Gerichtsshow gesendet. Mich wundert, nebenbei bemerkt, dieser aktuelle Aufschrei der üblichen Verdächtigen in dieser Woche ja schon etwas: Als Haim Saban ProSiebenSAT1 übernahm, gab er für jeden nachlesbar die Devise aus, dass jeder Sendeplatz eine bestimmte Umsatzrendite erzielen müsse. Rendite wohlgemerkt, nicht Quote. Dass man jetzt auch unter etablierten Medienjournalisten erschrocken feststellt, dass die Rendite der Maßstab sei…nunja. Ansonsten würde ich übrigens sehr dafür plädieren, bei dem SAT1-Thema etwas runter vom Gas zu gehen. Privates Fernsehen ist nun mal in erster Linie eine ökonomisch orientierte Veranstaltung, für alles andere haben wir ja die Segnungen des dualen Systems.

Aber nochmal zurück zur Mediennutzung: Medien für die Leute, an denen es wenig zu verdienen gibt, werden billiger, in jeder Hinsicht. Wer sich ein bisschen mit der Situation von lokalem Rundfunk oder lokalem Fernsehen auseinander setzt, der wundert sich über die Erkenntnis des ZDF, in diesen Programmen würden reihenweise vorgefertigte PR-Beiträge gesendet, ganz und gar nicht mehr. In den meisten Lokalstationen regiert die blanke Not – mangelhaft ausgebildete, unterbezahlte Journalisten und Low-Budget-Redaktionen sind dort der blanke Alltag. Wenn ein Radio-Programmchef nicht mal weiß, dass er Redaktion und Werbung trennen muss, was bittesehr erwartet man dann noch außer eben billigem Programm für all diejenign, die es nicht leisten können und wollen, teure und hochwertigere Medien zu konsumieren. Dass übrigens sogar der Fußball nach der Rück-Übernahme durch Premiere ein ganzes Stück teurer werden dürfte, passt in diesem Zusammenhang ins Bild.

Insofern wundere ich mich schon auch über diejenigen, die die Rahmenbedingungen für Medien, isnbesondere für privaten Rundfunk festlegen. Wenn ich die wesentlichen Entscheidungen der letzten Monate Revue passieren lasse, fällt es schwer, eine klare Linie zu erkennen. Springer durfte also – weil große Gefahr für den Medienstandort – ProSiebenSAT1 keinesfalls übernehmen, ausländische Finanzinvestoren, die exakt jenes Spiel treiben, das Finanzinvestoren nun mal so treiben, dagegen schon. Dagegen wiederum ist der Kartellamt durchaus der Meinung, es sei dem Wettbewerb dienlich, wenn mit Premiere de facto nur noch ein Pay-TV-Anbieter auf dem Markt ist. Und dann wiederum heißt es aus Kreisen der Medienaufseher, man prüfe, ob man SAT1 die Lizenz entziehen lassen könne, was völlig substanzloser Quatsch ist, während man gleichzeitig bedauert, dass man zwar wisse, dass in privaten und lokalen Programmen massenweise eingeschleuste PR-Beiträge liefen, man aber quasi keine Handhabe dagegen habe.

*(Disclaimer: Ich habe ziemlich lange für ProSiebenSAT1 gearbeitet und bin alles andere als unvoreingenommen.)

Written by cjakubetz

Juli 19th, 2007 at 9:17 am

Posted in NUR SO DAHINGESAGT