Archive for August 28th, 2007
PRima!
Frau von der Leyen – genauer gesagt: eine Agentur, die von ihrem Ministerium beaufragt ist – jubelt Redaktionen komplett fertige Beiträge zum Thema Elterngeld unter. Ein Verhaltensmuster, das nicht neu ist, weder in der Politik (gell, Herr Glos…) noch in der Wirtschaft. Man nutzt zwei Dinge aus, die in durchschnittlichen deutschen Redaktionen inzwischen zum Standard gehören: eine nicht wirklich gute finanzielle und personelle Austattung sowie die latent vorhandene Bequemlichkeit von Journalisten. Man liefert demnach also fertige Beiträge und freut sich, wenn sie am nächsten Tag prominent platziert erscheinen. Wirkt um etliches besser als eine konventionelle, dröge Anzeige resp. ein Spot.
Bevor jemand aufjault, dass die Methoden immer dreister werden: Ich hatte schon vor 20 Jahren als Lokalchef regelmäßig Besuch von mehr oder minder netten Herren der AOK und anderer Krankenkassen, die mir höchstpersönlich “Pressemitteilungen” vorbei brachten. Deren Gehalt war in etwa, dass die AOK empfiehlt, man solle beim Fahrradfahren einen Helm aufsetzen. Ein echtes Servicestück für die Leser also.
Man kann mit solchen Dingen zweierlei machen: bequem sein und abdrucken. Oder sie in den Papierkorb werfen. Letzteres ist unstrittig die sauberste Lösung, vermutlich sogar: die einzig wirklich richtige. Insofern: Was Report Mainz da aufgedeckt hat, ist zwar schon irgendwie ein bisschen aufregend und man kann dann bestimmt auch Briefe an Frau von der Leyen schicken und sich echauffieren. Viel angebrachter und spannender wäre allerdings eine Diskussion um den Zustand unserer Redaktionen. Wenn es schon reicht, mit einem kostenfreien Beitrag zu winken, um alle Dämme brechen zu lassen, ist irgendwas schief gelaufen.
Web 1,2,3
Ein paar generelle Anmerkungen zu tu-oh und dazu, dass Technik nicht vor Inhalt gehen sollte (amen). Drüben im jepblog.