Archiv für August 2007


Documenta Live

12. August 2007 - 12:09 Uhr

Könnte sein, dass es auf dieser Seite in den kommenden Tagen ein bisschen ruhiger wird. Liegt aber nicht am Sommerurlaub, sondern an einem kleinen Projekt auf der Documenta in Kassel. Es soll, quelle surprise, ziemlich multimedial zugehen, drüben bei documenta-live. livedocumentation.de. Start ist am Montag.

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Grundkurs Vorspann-Schreiben, Teil 1

10. August 2007 - 21:39 Uhr

Irgendwie wüsste man es ja inmitten der Diskussionen um die Weltrevolution im Journalismus, auch Digitalisierung genannt, wirklich zu schätzen, fänden sich ausreichend Leute, die journalistische Grundspielarten beherrschen. Beispielsweise das Schreiben eines nachrichtlichen Vorspanns (für die Digital-Kids unter den Lesern: So nannte man dieses Ding früher, dass ihr jetzt “Teaser” nennt. Dieses Dingsbumms da am Anfang, mit dem man Leute nicht nur neugierig machen soll, wie man euch im Praktikum beigebracht hat – man darf die Leser auch schon mal informieren):

Der 1. FC Köln hat den Saisonstart gemeistert, für den SC Freiburg und Alemannia Aachen hat die 34. Saison der 2. Fußball-Bundesliga dagegen mit herben Enttäuschungen begonnen. Im ersten Punktspiel nach der Finke-Ära erlebten die Breisgauer bei Aufsteiger VfL Osnabrück mit 1:2 (0:1) ein unerwartetes Fiasko und kassierten erstmals seit 18 Jahren wieder eine Niederlage zum Saisonauftakt. Alemannia Aachen mit Weltmeister Guido Buchwald auf der Trainerbank verspielte beim ernüchternden 2:2 (2:1) einen 2:0-Vorsprung. Köln feierte mit dem 2:0 (0:0) einen erfolgreichen Saisonstart, wurde seiner Rolle als Aufstiegsfavorit aber nicht gerecht.

Und auch nach dreimaligem Durchlesen rätsle ich, gegen wohl Aachen so herbe enttäuscht hat. Und bei welchem Gegner Kölle seine Unfähigkeit demonstriert hat. Tröstet mich nicht mal, dass sich Leads wie diese im ansonsten von mir ziemlich geschätzten Tagesspiegel finden.

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Gute Chancen für Humboldt

10. August 2007 - 21:24 Uhr

Vermutlich hat “Humboldt”, das streng geheime, höchst innovative, kreative und superlative neue Portal der VHB endlich eine echte Chance, eine echte Zukunftsperspektive bekommen. Nein, niemand hat mir eine geheime Kopie des Konzepts zukommen lassen, die Lösung ist viel einfacher: Klaus Madzia ist nicht mehr dabei…

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Fair Radio

8. August 2007 - 21:18 Uhr

Früher mal (was denn, den Satz kennen Sie schon?), früher also war Radio für mich so eine Art Medium Nummer eins: Mit Fernsehen konnte ich als 15jähriger nicht wirklich viel anfangen, was möglicherweise daran lag, dass es damals nur drei, vier Programme gab und in diesen drei, vier Programmen liefen gelegentlich so schöne Dinge wie Telekolleg – Physik II. Die Zeitung(en) fand ich meistens etwas dröge, die Lokalzeitung vor Ort war irgendwie doof und von den Leitartikeln der SZ verstand ich damals ungefähr kein Wort. Und bei Anblick der “Zeit” musste ich zwangsweise immer an meinen alten Oberstudienrat denken, dessen Unterricht ich meistens so anregend wie eine verdörrte Bananenschale fand.

Aber Radio, das war einfach eine große Nummer. Wenn man derart suchtähnliche Züge in Sachen Musik aufweist wie ich und wenn man quasi nur aufs Knöpfchen drücken muss, um an die neusten Songs zu komen, für den war Radio unschlagbar. Davon abgesehen waren manche Moderatoren echte Helden für mich. Es konnte also schon mal gut sein, dass mich Radio durch den Tag begleitet hat – und alles in allem habe ich mich dort auch immer ganz gut aufgehoben gefühlt. Selbst in den 80ern konnte es noch vorkommen, dass ich bei längeren Autofahrten auch mal zwei Stunden Radio gehört habe.

Auf diese bizarre Idee käme ich heute kaum mehr. Radio ist für mich zunächst der Inbegriff des Nebenbei-Mediums geworden, danach wurde es für mich lange Zeit zur No-Go-Area. Was ich gerne gehabt hätte, gab mir (fast) niemand mehr. Die Pop-Wellen waren zu unerträglichen, piefigen und sterbenslangweiligen Abspielstationen mit einer Rotation geworden, die ich mit meiner privaten Musiksammlung quantitativ locker auch hingebracht hätte (vom Inhalt reden wir lieber erst gar nicht). Und den ganzen Tag Nischen- oder Wortprogramme, ja Kreizsacklzement, ist es denn wirklich zu viel verlangt, wenn man sich ein Programm mit Musik von mehr als 150 Titel in der Rotation wünscht und Moderatoren, die nicht schon in hysterisches Gelächter ausbrechen, wenn sie das Wort “Unterhose” sagen. Und wenn man “Das Beste aus den 80ern, 90ern und heute” einfach nicht mehr hören will. Bleiben schließlich noch die ganzen grenzdebilen Gewinnspiele, mit denen man sich gerne schon auch mal kurz nach dem Aufstehen terrorisieren lassen darf. No more radio also.

Diese durchaus gesunde Einstellung hielt sich dann, bis Podcasting kam. Bis ich plötzlich bemerkte, dass gute Audiobeiträge nicht nur eine Kunst für sich, sondern auch eine überaus spannende Darstellungsform sind. Radio reloaded sozusagen, nur eben nicht auf terrestrischen Frequenzen, sondern ganz für mich alleine, total digital. Und der Gedanke dabei, dass man aus Radio schon was machen könnte, jenseits der Dudelfunkerei. Nun also gibt es immerhin eine Initiative, eine Idee für den Weg dorthin: FAIR-RADIO. Lesen, unterstützen, weitersagen. (via Blogmedien, mal wieder…)

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Video rules the Kreisliga

8. August 2007 - 15:04 Uhr

Fußball-Filme ganz ohne Sportschau, Premiere und Wortmann: Die-Ligen.de zeigt Dinge, die man bisher im Fußball noch nie zu sehen bekam, nämlich Spielszenen bis runter in Kreisliga-Relegationen. Gut, man mag einwenden: Diese Bilder gab´s bisher zurecht noch nie zu sehen. Auf der anderen Seite: Millionen Menschen spielen in unteren Ligen Fußball und die nehmen sich in einem gemeinsamen Netzwerk jetzt einfach das Recht, ihren Sport in Bewegtbildern zu zeigen. So schaut die mediale Zukunft eben aus – und wo könnte man das schöner zelebrieren als beim Volkssport Nummer eins?

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Fernesehen on dimand, 6 Fränklis bitte

7. August 2007 - 8:52 Uhr

Als jemand, der ein paar Jahre seines Lebens mit den Tücken dessen verbracht hat, wie man Fernsehen auch noch anderswo genießen (genießen?) kann, habe ich immer noch ne Ahnung, wie schwer es ist, sowas auf die Beine zu stellen. Und ich habe auch fast jedes Verständnis dafür, dass nicht immer alles glatt und reibungslos läuft.

Was die Kollegen in der Schweiz allerdings mit dem Thema Video on demand angestellt haben, das ist so derart absurd lustig, dass mir jetzt noch die Tränen in den Augen stehen (an alle hier mitlesenden Ex-Maxdome-Mitstreiter: Lest das hier - und ihr fühlt euch besser. Echt. Es funktioniert!).

Danke, Freunde von der Medienlese – you made my day. 

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Die Medienwächter, die Gerichte und die Blogger

5. August 2007 - 11:53 Uhr

Vermutlich bin ich in mancherlei Hinsicht von einer grenzenlosen Naivität. Ich denke mir immer: Wenn einer nix zu verbergen hat, dann kann er mit jeder Kritik dieser Welt umgehen. Wenn er aber schon was zu verbergen hat, dann klagt er. Demnach, so mein überaus naiver Gedankengang weiter, muss Callactive (Hersteller von zweifelhaften umstrittenen merkwürdigen Call-In-Shows) eine Menge zu verbergen haben, schließlich erweist man sich gerade im Moment als ziemlich klagefreudig. Marc Doehler und seine Seite hat man mit einer einstweiligen Verfügung kalt gestellt, nach der sofort 250.000 Euro fällig, sollte in den Foren nochmals der Eindruck erweckt werden, dass bei von Callactive produzierten Shows sich gelegentlich Anrufer im leicht angeschlagenen Geisteszustand melden und danach kurz vor Erreichen eines Gewinns wieder auflegen (für mich klingt das ja schon verwirrt, aber wenn das Gericht meint, man dürfe das nicht mehr als Verwirrung bezeichnen, wenn Menschen, nachdem sie lange auf ein Durchkommen gewartet haben, just in dem Moment auflegen, wenn sie durchkommen, und das auch noch in augenscheinlich hoher Zahl, dann nennen wir das eben ab sofort: völlig normal). Auch Stefan Niggemeier hat eine Abmahnung von Callactive resp. eine Einstweilige Verfügung seitens des Gerichts kassiert – nicht wegen eigener Beiträge, sondern wegen User-Kommentaren, für die er quasi als Seitenbetreiber in Haftung genommen wird.

Weil ich, wie erwähnt, ziemlich naiv bin, denke ich mir jetzt: Boah, die müssen aber vielleicht doch was zu verstecken haben bei Callactive. Eine solche ausgeprägte Klagewut ist mir tendenziell immer suspekt, vor allem dann, wenn sie sich an Dingen aufhängt, die den Kläger keinen Millimeter weiterbringen. Klar, bei Doehler darf jetzt nicht mehr von “xxx Anrufern” gesprochen werden und Niggemeier musste zwei Kommentare rausnehmen. In der eigentlichen Sache aber ist Callactive den Nachweis, das alles immer sauber zugeht, eher schuldig geblieben. Und gleichzeitig hat man den Kritikern enorm Publicity gegeben. Mir war Callactive beispielsweise vorher weitgehend unbekannt, weil ich erstens kein MTV schaue und mir zweitens Call-In-TV bis dato eher egal war. Ich hielt es eher mit der “Titanic” und deren unschlagbarer Logik, die “ausgeplünderten Anrufer-Doofis” seien mehr oder minder selbst schuld. Dank der kleinen Klägereien weiß ich jetzt ziemlich viel über Callactive und ich würde sagen: Ich bin wahrscheinlich kein Einzelfall, vielen Dank, liebe Rechtsabteilung. In Bayern pflegen wir aus ziemlich guten Gründen bei Ugang mit Gegnern den schönen Leitsatz: nicht mal ignorieren. (wahrscheinlich ist im Übrigen die Tatsache, dass beispielsweise die CSU ihre Gegner nicht mal ignoriert, ein Grund dafür, dass die CSU so erfolgreich ist und ein bisschen CSU hätte man sich bei Callactive schon zum Vorbild nehmen können, aber das ist wieder was anderes).

Man fragt sich dann allerdings auch als Nicht-Jurist schon, wo eigentlich die Medienaufseher bleiben, wenn man dann schon zur Kenntnis nehmen muss, dass man bei Callactive gerne klagt und die Gerichte geneigt sind, den Klägern recht zu geben und den Bloggern den Mund zu verbieten. Immerhin, fast 140 Millionen Euro haben die Landesmedienanstalten vergangenes Jahr aus Gebührengeldern kassiert, wie die Freunde von Blogmedien dezent anmerken. Da wundert man sich dann schon, dass bei einem Thema, bei dem offensichtlich einiges im Argen liegt, regelmäßig die heftigste Reaktion ein konsequentes Schulterzucken und ein “Wir würden ja gerne, aber wir können nicht” ist. Wenn man sich die aufgeplusterte Aufregung um ein paar Bohlen-Sprüchlein bei DSDS anhört und die hilflose Androhung, man könne RTL ja auch zwingen, die Sendung erst nach 22 Uhr auszustrahlen, dann findet man die Contenance, mit der sich die Medienwächter sowas ansehen, naja…erstaunlich.

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SAT 1, die Selbstzerstörung

4. August 2007 - 12:09 Uhr

Klar wäre es jetzt einmal das Allereinfachste, dem (journalistischen) Reflex zu folgen und zu lamentieren, dass die Heuschrecken unser schönes Fernsehen kaputt machen. Passt alles schön zusammen: nur Rendite im Kopf, als erste Amtshandlung “die Nachrichten” rauswerfen und ein paar Mitarbeiter gleich noch hinterher. Dabei macht sich unser TV selber zur gesendeten Irrelevanz und das betrifft nicht nur ausschließlich SAT 1.

Die taz – ausgerechnet  die taz! – erklärt treffend, was das eigentliche Problem von SAT1 war (und ist):

Aus dem früher so profilierten Programm ist ein Sender ohne Eigenschaften geworden – TV egal. Und an dieser Beliebigkeit sind ausnahmsweise mal nicht nur renditehungrige Investoren schuld. Die Selbstvernichtung von Sat.1 hat schon lange vor dem Verkauf an KKR und Permira begonnen.

Hier bitte weiterlesen – und ab und an mal kurz noch darüber nachdenken, ob man an bestimmten Stellen den Namen SAT1 nicht wie einen Platzhalter behandeln könnte. 

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Daheim-Magazin

4. August 2007 - 11:56 Uhr

Normalerweise halte ich mich sehr zurück, wenn es auf dieser kleinen Seite um Lesetipps geht. Und PDF´s im Netz finde ich – normalerweise – auch nur so mitteltoll. Für dieses Projekt aber werfe ich gerne mal die Prinzipien über Bord: Das Daheim-Magazin, ein ziemlich ambitioniertes, in jedem Fall lesenswertes und spannendes Grassroots-Projekt, alle drei Monate neu, monothematisch und viel, viel besser als vieles von dem, was ansonsten ziemlich teuer und glitzernd an den Kiosken liegt. Bestätigt die alte Erkenntnis, dass die Erneuerung immer an den Rändern beginnt. Well done, Freunde.

Hier entweder mal reinlesen oder (kostenlos) abonnieren. 

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Waz iss los?

2. August 2007 - 10:28 Uhr

Seit kalendarisch rund einem Jahr, gefühlt noch viel länger, wartet man auf die Stones der deutschen Presselandschaft: A bigger bang, made by WAZ. Seit einem Jahr lese ich davon und darüber, entnehme zwischendrin dem “journalist” auch, dass Frau Chefredakteurin B., immerhin vergangenes Jahr zu irgendwie sowas wie der bedeutensten Nachwuchsjournalistin des Landes gewählt, inzwischen so begehrt ist, dass sie sich von einer PR-Agentur beraten lassen muss, wem sie überhaupt die Gunst ihrer Interviews gewährt und auf welche Panels sie sich setzt und auf welche nicht.

Dann hieß es: Im Frühjahr. Dann: Im Spätfrühjahr. Dann: Im Sommer. Jetzt, im August, liest man fast gar nix mehr. Nicht mal im eigenen “Projektblog”, das den Start des Wunderwerks der ruhrpottigen Web tu-oohh-Wunderwelt begleiten soll. Letzter Eintrag: 5. Juli. Dabei sind die Sommerferien im Pott doch auch schon wieder vorbei.

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