Archiv für September 2007


Achtung! Ich bin die Bild!

18. September 2007 - 9:40 Uhr

Deutschlands größte Tageszeitung hat seit ein paar Tagen die Gebühreneinzugszentrale auf dem Kieker. Und zwar ordentlich. Die Rede ist da schon mal auch von “GEZ-Schnüfflern” und von Erpressung.

Erstaunlich: Eine Abmahnung, wie bei Akademie.de, gibts bei Bild nicht, nur eine Presseerklärung des SWR, in der es sinngemäß heißt, es gäbe da ein paar Fehler in der Berichterstattung der Bild zu bemängeln und ansonsten sei das Vorgehen der Fahndung nach Schwarzsehern durchaus legitim.

Merkwürdig: Bei der Abmahnung von Akademie.de reichte es aus, dass dort von “GEZ-Gebühren” die Rede war, ein durchaus gängiger Begriff, der sogar vom ZDF oder der Deutschen Anwaltshotline auf deren Seiten verwendet wird, völlig unbeanstandet übrigens. Der Verdacht liegt nahe, dass man es sich mit der geballten Macht der Bild ganz einfach nicht verscherzen will, während eine kleine Webseite schnell mal eben abgemahnt ist.

Ob´s was nutzt, wenn ich jetzt behaupte, ich sei in Wirklichkeit die Bild? (via Heise)

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…sagte er der Zeitung

18. September 2007 - 8:31 Uhr

Ich freu mich ja regelmäßig, wenn ich mal wieder in den Frühnachrichten von meiner Heimatzeitung (Passauer Neue Presse) höre oder lese. Und in letzter Zeit lese und höre ich ziemlich viel von ihr, weil meine Heimatzeitung sich als weltläufiges Blatt versteht und viele große Interviews mit vielen großen Politikern macht und danach Vorausmeldungen an die Agenturen schickt.

Die Frühschicht-Redakteure der großen Medien freuen sich dann genauso wie ich. Nicht wegen irgendwelcher heimatnostalgischer Anwandlungen, sondern weil das prima Material zum Füllen des morgendlichen Nachrichtenlochs ist. Bei Spiegel Online beispielsweise hat es heute neben der PNP auch der Mannheimer Morgen zu der Ehre gebracht, im Früh-Aufmacher zitiert zu werden.

Bei der PNP geht man übrigens noch weiter. Einmal im Jahr gibt´s eine große Veranstaltungsreihe mit vielen bekannten Leuten. Bundespräsident, Bundeskanzler, Gorbatschow, so diese Kaliber. Dieses Jahr schaut Kofi Annan mal eben auf einen Sprung in der Weltstadt Passau vorbei. Sowas moderiert dann natürlich nicht irgendwie ein Lokalchef, sondern dafür holt man sich (2006) Sabine Christiansen oder Bio Biolek. Nett fürs Blatt, blöd für die Leser – die sind nämlich bei den großen und geschlossenen Veranstaltungen leider ausgesperrt.

Worauf ich hinaus will:  Mich wundert sehr, dass sehr viele mittelgroße Regionalblätter immer noch einen eigenartigen Dünkel pflegen. Den, dass sie eigentlich großen Journalismus machen und das Lokale nur so als lästiges Anhängsel mitschleifen. Ganz hinten im Blatt, so als würde man sich dafür schämen. Der Leitartikler, der mal geschwind die neuesten Entwicklungen im Nahen Osten analysiert, gilt hausintern (und vermutlich auch in der öffentlichen Wahrnehmung) immer noch erheblich mehr als der gestandene Lokalredakteur.

Erstaunliche Diskrepanz – und für mich einer der entscheidenden Gründe für den anhaltenden Leserschwund von Regionalzeitungen: Noch immer scheinen viele Redaktionen solcher Zeitungen zu denken, sie würden wegen ihrer Politikberichterstattung gelesen. Oder wegen ihres chicen Feuilletons. Ich vermute, vom realen Leben draußen haben die allermeisten wenig Ahnung (und wollen sie vermutlich auch nicht haben). Klar, wenn man sich intensiv um Kofi Annan kümmern muss, bleibt wenig Zeit für die Umgehungsstraße in Hintererbsing.

Allerdings überschätzt man die Wirkung solcher Radiomeldungen wie “….sagte derunder im Gespräch mit der XY-Zeitung ganz erheblich. Da freut sich der Morgenredakteur von Spiegel Online und bei mir hüpft auch kurz das Herz ob der Erwähnung eines heimatlichen Namens. Aber das ist drei Sekunden später wieder vorbei und schlägt spätestens dann in Frust um, wenn der Bericht über mein jüngstes Kreisklassenspiel wieder mal erheblich der Kürzung zum Opfer fällt.

Platzmangel, Sie verstehen?

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Will, der Morgen danach

17. September 2007 - 8:29 Uhr

Das sind die Tage, an denen man kein Medienjournalist sein möchte: Jeder quält sich gerade irgendwas über das Debüt von Anne Will raus. Was mich wiederum erstaunt ist, dass nahezu alle, ganz egal, zu welchem Schluss sie letztendlich kommen, feststellen, das Genre der Talkshow sei irgendwie nicht neu erfunden worden. Ich höre direkt Loriot vor mir, wir er sagt: Ach, was?!

Reizvolle, neue Variante bei sueddeutsche.de. Bilderstrecke über Anne Wills Karriere, allerdings nur mit neun Fotos. Der Prakti kriegt Ärger heute.

Nachtrag, 12.28 Uhr: Entweder hab ich den Prakti unterschätzt oder er hat seine Abreibung schon bekommen. Inzwischen sind´s 12 Bilder.

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Man darf übrigens…

16. September 2007 - 11:46 Uhr

…sehr gespannt sein auf Frau Will heute abend. Die Gästeliste jedenfalls liest sich mit Beck und Co. so, als wenn jemand aus der Christiansen-Crew einen alten Zettel versehentlich im Studio liegen gelassen hätte.

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Zeitungs-Zukunft und ein paar unsortierte Gedanken

15. September 2007 - 20:05 Uhr

Gleich dreimal in dieser Woche kleinere und größere Anlässe gehabt, über (Tages-)Zeitungen und deren Zukunft im Stillen zu philosophieren. Anlass Nummer eins: der Media-Coffee in Berlin, die Äußerungen dort auf dem Podium und die Reaktion vom Kollegen ix und dessen Auffassung, es habe sich weitgehend um gelangweilte Verwalter von irgendwas gehandelt. Naturgemäß habe ich eine leicht andere Meinung dazu, aber nicht, weil ich den Abend moderiert, sondern tatsächlich den Eindruck habe, dass sich ein paar Dinge im Denken der Printer gerade ändern. Nicht, dass ich meinen würde, alle Zeitungen hätten inzwischen erkannt, dass die Digitalisierung ihrem bisherigen monomedialen Geschäfts-Modell die Grundlage entzieht. Aber immerhin, die Total-Ignoranz, die noch vor zwei, drei Jahren bei vielen an der Tagesordnung war, die ist weg. Welche Schlüsse Zeitungen aus diesen Erkenntnissen ziehen, mag eine andere Sache sein, über die es sich zu diskutieren lohnt. Aber ich glaube, ich habe in den vergangenen 12 Monaten keinen Zeitungsmenschen mehr erlebt, der den aktuellen Radikalumbruch und das daraus resultierende Gefährdungspotential negieren würde. Meine Theorie ist übrigens eine denkbar einfache: Die, die es erkannt haben, dass sie sich sowohl in ihren Inhalten als auch in ihren Strategien verändern müssen, werden überleben. Die anderen nicht.

Zweiter Anlass: eine Einladung, einen Abend beim einem Regionalverband des BJV ein wenig zu plaudern über Cross- und Multimedia. In Niederbayern, weit entfernt von den taz, Tagesspiegel, FAZ, SZ-Redaktionen dieser Welt. Stadtplatz Plattling statt Berlin Alexanderplatz, zwei völlig unterschiedliche Welten (eine Feststellung, keineswegs eine Wertung). Ich würde fast eine Wette eingehen: Wenn ich da am Dienstag abfragen würde, wem – nur mal angenommen – die Namen Stefan Niggemeier, Don Alphonso, Peter Turi, Robert Basic und Felix Schwenzel auch nur irgendwas sagen, es wird ein verschwindend geringer Anteil sein. Und bitte jetzt keine hämischen Bemerkungen über Provinz in Bayern: Das sind allesamt nette und interessierte Kollegen, die da ihrem Job nachgehen, ich meine das keineswegs spöttisch. Sie repräsentieren einen deutlich größeren Anteil der Tageszeitungsredakteure, als dass beispielsweise die Gäste vom MC am Dienstag in Berlin taten. Will heißen: Bei einem beträchtlichen Teil des Publikums in unserem kleinen Land ist das, was wir auf Panels und anderem Zeug debattieren, noch gar nicht wirklich angekommen. Deren Lebenswirklichkeit sind nicht Blogs (nicht mal Alphablogger) und auch keine Websiten und irgendwelches Zwonullzeugs. Insofern haben Zeitungsmacher hier auf dem flachen Land sicher noch ein deutlich größeres Zeitfenster als in den Ballungsräumen. Wenn sie clever sind, nutzen sie es.

Dritter Anlass: ein leicht zu übersehender 15-Zeiler in der neusten Ausgabe des “Journalist”. Dort wird gemeldet, dass acht Prozent der Deutschen schon einmal auf den Kauf einer Zeitung verzichtet haben, weil sie den entsprechenden Inhalt auch im Netz lesen konnten (was mich etwas erstaunte: Ich hätte spontan diesen Anteil für deutlich größer gehalten).  Überschrift dazu: “Online schadet Print”. Drei Worte, in denen die ganze Malaise der Zeitungsmacher komprimiert ist. Man sollte es nämlich genau andersrum sehen: Der Inhalt war es, der die Leute interessiert hat. So sehr, dass sie ihn gelesen haben, was in Zeiten des latenten Inhalte-Overkills ja schon mal was wert ist. Spielt es da wirklich auch nur irgendeine Rolle, auf welchem Trägermedium er gelesen wurde?

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Nachtrag Bildergalerien

13. September 2007 - 14:37 Uhr

Manchmal ist die Realität schneller als die Satire. Die Vermutung, demnächst würde auf sueddeutsche.de mal eine ganze Seite 3 als Bildergalerie gemacht, ist zwar noch nicht ganz eingetroffen – immerhin aber hat man es jetzt aber schon hingebracht, die Geschichte des Pay-TV in Deutschland als Slideshow zu erzählen.

Bin nur von der Bilderzahl enttäuscht. 16 Stück, das ist mager.

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Die Rundfunkfreiheit, verteidigt

13. September 2007 - 13:18 Uhr

Man muss vermutlich wirklich tief im Innnersten einer öffentlich-rechtlichen Anstalt sitzen, um so denken zu können: Caren Miosga moderierte das Karlsruher GEZ-Urteil mit den Worten an, es sei dort “nichts Geringeres als die Rundfunkfreiheit verteidigt”, etwas kleiner hatte es sie es wohl nicht. Jörg Schönenborn jubilierte anschließend darüber, dass für das bisschen Geld, dass man dafür zahlt, die ARD-Journalisten recherchieren und berichten. Jedem Abend. Jeden! Und dass alle anderen Kommentare zu dem Gebührenthema letztendlich von Eigeninteressen geleitet seien, deren Ziel es sei, Renditen durchzusetzen -selbstverständlich zu Lasten der seriösen Information, die es so nur bei den Öffentlich-Rechtlichen gibt (evtl. sollte sich Herr Schönenborn mal den gebührenfinanzierten Test des ZDF, ob man anfällig für Verschwörungstheorien sei, zu Gemüte führen).

Man freut sich ja für die Kollegen, dass marktwirtschaftliche Überlegungen auch weiterhin keine richtige Rolle in den Anstalten spielen müssen und man dennoch ungehindert auf die Quote schielende Programme in rauen Mengen produzieren und auch noch nachts (“Der Tatort wird Ihnen präsentiert von…”) machen darf. Man hatte ja auch nichts wirklich anderes erwartet.

Aber bitte, Frau Miosga, Herr Schönenborn, liebe ARD, künftig nicht mehr aus den wieder mal verteuerten Gebühren das Argument ziehen, damit sei ich ein Verteidiger der Rundfunkfreiheit. Ich träume sonst nachts schlecht.

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Media-Coffee, Reaktionen

13. September 2007 - 11:44 Uhr

Kollege ix meint, es sei leidenschaftslos bis zum Umfallen gewesen und es habe 5 gelangweilte verwalter verlegerischer besitzstände (wer war´n eigentlich der 5.? Ich?) und einen sich selbst bremsenden Berufsprovokateur gegeben und irgendwie hätte es mich sehr gewundert, wenn ich was was anderes gelesen hätte als das, was es bei ihm zu lesen gab.

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Mallorca? Rimini? Hauptsache, Italien!

12. September 2007 - 17:57 Uhr

Wenn es um Bildergalerien geht, sind die Kollegen von sueddeutsche.de so kreativ wie kein anderes Onlineangebot in Deutschland. Biersorten werden da schon mal in 100 Teilen vorgestellt, bei schönen Uhren dürfen es auch ein paar mehr sein, Interviews eignen sich wunderbar als Bilderstrecken und es dürfte demnach nur noch eine Frage der Zeit sein, wann die erste Seite 3 bei sueddeutsche.de als reine Bilderstrecke zu sehen ist. Und die Leitartikel werden mit den 15 schönsten Aufnahmen von Kurt Kister bebildert.

Besonders kreativ und ressortüberschreitend allerdings arbeitet man jetzt in Reiseressort. Die Bilderstrecke zum Thema “Bedrohte Adria” jedenfalls folgt dem alten Fußballer-Witz: Hauptsache, Italien!

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Bush hat den 11.9. geplant und das ZDF lässt darüber abstimmen

12. September 2007 - 17:43 Uhr

Doch, ja, gestern war ein großer Tag für ARD und ZDF: Jedenfalls können Politiker jetzt nicht mehr einfach so dahin sagen, dass die Öffentlich-Rechtlichen weniger Geld benötigten als wie sie behaupten. Weswegen die beiden Anstalten (by the way: in diesem Zusammenhang wirklich ein sehr schönes Wort, dieses “Anstalten”) gleich mal klar gestellt haben, dass man 2009 wieder ein kleines Schlückchen aus der Pulle nehmen will.

Inzwischen macht man ja auch so allerhand dort. Vor allem mit diesem Internet. Gut, es gibt Kritiker, die sagen: Programmbegleitung ja, eigenständige onlinejournalistische Plattformen eher nein. Beim ZDF hingegen setzt man dagegen ganz auf die Interaktion und auf die Kommunkation mit dem Publikum und auf die Basisdemokratie und fragt deshalb: Wer steckt hinter den Anschlägen von Nineeleven? Bin Laden? Die Rüstungsindustrie? Oder war es dann doch, man ahnte es ja irgendwie schon lange, Bush himself? Der gemeine ZDF-Zuschauer übrigens hat die ganze Sache schon lange durchschaut und so sagen 26 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage: Bush wars. Bin Laden kommt übrigens auf 27 Prozent.

Fairerweise muss ich allerdings zugegen, dass ich gerade dabei bin, Bushi in Führung zu bringen. Cookies brauchts nämlich nicht für diese Umfrage und so könnte, rein theoretisch natürlich nur, außer mir auch beispielsweise eine Organisation namens “Unterstützer des gemäßigten Flügels des demokratischen Dschihad e.V.” mühelos dafür sorgen, dass schon bald der Eindruck erweckt werden könnte, beim ZDF würden die Zuschauer Bush als Drahtzieher vermuten. Arbeitet man richtig crossmedial, wäre das dsoch mal eine Nachricht für die 19-Uhr-Heute: “Die Deutschen bezweifeln, dass wirklich Bin Laden hinter den Anschlägen…”

Ja, so verantwortungsbewusst geht das ZDF mit seinen Gebührengeldern und seinen Umfragen um. Und wenn man das alles wirklich für Quatsch halten sollte, kann man sich übrigens auf der selben Seite einem kleinen Psychotest unterziehen. Titel: Wie anfällig sind Sie für Verschwörungstheorien?

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