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Anmerkungen eines Medienmenschen

Archive for Oktober 11th, 2007

Ein Loblied dem Sportstudio (auch wenn´s manchmal schwer fällt)

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Sportjournalismus scheint eine lustige Sache zu sein. Besser gesagt: Eigentlich kann es sich bei Sportjournalismus nicht um Journalismus handeln, zumindest nicht um eine Form, die man halbwegs ernst nimmt. Anders jedenfalls ist es kaum zu erklären, dass das, was sich gerade bei der künftigen Berichterstattung über die Fußball-Bundesliga anbahnt, von der Branche allenfalls mit einem Schulterzucken wahrgenommen wird.

Geplant ist also jetzt folgendes: Leo Kirch darf wieder Bundesliga machen. In Ermangelung eigener Sender, die ihm der böse Rolf mal weggekickt hat, kann er sie zwar nicht mehr ausstrahlen, aber vermarkten. Dazu gehört, dass er in einem Jointventure mit der DFL die Berichte über die Spiele selbst produzieren darf, die DFL wiederum will zur Auflage machen, dass die abnehmenden Sender das fertige Produkt nehmen und keineswegs versuchen, eigene Wertungen ins und zum Spiel zu bringen. Wie das aussieht, kann man sich vorstellen, denn notabene: Ausgerechnet Ex-Arena-Mann Dejan Jocic darf sich jetzt als Geschäftsführer von Bundesliga-TV probieren. Wer einmal die unerträgliche, marktschreierische Berichterstattung von Arena miterleben durfte und gesehen hat, wie man dort selbst noch einen Gurkenkick atemlos zum Event hochredete, der hat eine Ahnung, was Kirch und die DFL vorhaben: Viel Geld machen, indem man die Bundesliga zur Show macht und praktischerweise sowas Lästiges wie Journalisten aussperrt und sich seine Berichte selber macht (im Übrigen durfte man das jähe Ende von Arena als Fußball-Fan durchaus als Erlösung empfinden, schon alleine wegen Oliver Welke).

Man stelle sich vor: Erwin Huber, Günther Beckstein und Leo Kirch gründeten CSU-TV und würden sich die Berichte von Parteitagen und Wildbad-Kreuth-Memorial-Treffs selber produzieren. Absurd? Natürlich. So absurd wie dieser Bundesliga-Deal.

Persönliche Konsequenz? Selbst wenn ich auf unabhängige Bilder bis tief in der Nacht warten muss, Bundesliga-TV kommt mir nicht ins Haus. Dann lieber Sportstudio. Trotz Poschmann und Steinbrecher.

Written by cjakubetz

Oktober 11th, 2007 at 6:48 pm

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Ein letztes Wort…

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…zu Frau Herman und den geflissentlichen Auseinandersetzungen mit ihr und der leidenschaftlichen Nazi-oder-nicht-Debatte. Frau Herman hat den ganzen Kuddelmuddel um ihre Person mit dem folgenden (wörtlichen) Satz begonnen:

“Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der daraus folgenden 68er-Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68ern wurde damals praktisch alles das, was wir an Werten hatten, es war ne grausame Zeit. Das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder. Das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehenbleiben.‘‘

Mal im Ernst: Warum diskutieren wir einen solchen sprachlichen und intellektuellen Trümmerhaufen überhaupt? Die Frau sagt Dinge, die man mit halbwegs gutem Gewissen dämlich nennen darf. Und gut is´auch wieder.

Written by cjakubetz

Oktober 11th, 2007 at 5:53 pm

Posted in NUR SO DAHINGESAGT

Entweder oder

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Merkwürdig ist das ja schon irgendwie: Ausgerechnet wir Journalisten, die wir von anderen gerne die Fähigkeit zur Differenzierung einfordern, tun uns mit genau dieser Differenzierung ziemlich schwer. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass bei nahezu jeder Veranstaltung und Diskussion zum Thema Medienzukunft irgendwann dieses Fass aufgemacht wird, auf dem groß und in Leuchtfarbe steht: entweder/oder.

Im Entweder-Oder-Fass befindet sich dann aber leider meistens kein aufbauender und inspirierender Zaubertrank, sondern eine eher ungenießbare Brühe. Das Spiel spielt sich dann in etwa wie folgt ab (so wie auch gestern abend wieder bei einer kleinen Runde im Münchner Presseclub, bei der ich mitdebattieren durfte): Man gibt zu bedenken, dass sich die Dinge gerade im ziemlich heftigen Fluss befinden und sich so schnell ändern wie noch nie zuvor. Man gibt dann weiter zu bedenken, dass dies für unsere bisherigen konventionellen Medien und ihre Journalisten, unbeschadet ob Zeitung, Radio oder Fernsehen, ein paar Veränderungen einhergehen werden, von denen man noch nicht so ganz genau sagen könnte, wie sie aussehen werden, weil Hellsehen leider noch nicht erlernbar ist. Statt dann aber darüber zu reden, wie solche Veränderungen aussehen und die Vorbereitungen darauf aussehen könnten, kommt als Killer-Gegenargument in etwa folgendes. Erstens: Zeitungen hat es schon immer gegeben. Zweitens: Zeitungen wird es auch immer geben. Drittens: Zeitungen rascheln beim Lesen so schön. Ob Fernseher wohl auch rascheln, wenn man sie abends zusammen faltet? Erstaunlich übrigens, wenn man über Veränderungen im Journalismus in einem digitalen Zeitalter redet und die Diskussion dann nahezu immer auf Zeitungen kommt. Ganz so, als wären Radio und TV keine Medien und von den anstehenden Veränderungen quasi ausgeschlossen.

Mich wundert, dass man so selten Leute hört, die erkennen, dass das eine das andere nicht ausschließt. Dass eine vernünftige Digitalstrategie nicht zwangsweise das Ende der gedruckten Zeitung bedeutet und dass umgekehrt es der Digitalstrategie nicht schadet, wenn man dazu noch eine ordentliche Zeitung macht. Kein vernünftiger Mensch würde bezweifeln, dass die bisher bestehenden Medien auch weiterhin ihren Platz haben werden.

Und noch etwas hat mich gestern abend erstaunt: nämlich dass wir, beinahe schon im Jahr 2008 angekommen, über das Web immer noch reden, als sei es ein kleines Schifflein, dessen Segel man schon schemenhaft am Horizont erkennt und auf dessen Ankunft man sich allmählich ja mal vorbereiten könnte.

Written by cjakubetz

Oktober 11th, 2007 at 9:47 am

Posted in NUR SO DAHINGESAGT