Archive for Oktober, 2007
Tabloid or not to be…
Mh, du schaust aber guad aus heid ha?
Ja, geh weg do! I? Ja woi!
Wieso? Aha! Mhm! Ja, geh weida!
Was Haindling mit dem Tabloid-Format zu tun hat – Auflösung drüben im Jepblog.
Ja, ja,ja! Die Bildergalerie des Jahres!
Sueddeutsche.de macht auf dem Weg zur vollständiger Verbildergalerisierung großartige Fortschritte. Jetzt macht man schon Bildergalerien – ohne Bilder!! Glauben Sie nicht? Doch, ist so. In echt jetzt.
(Via Kommentare, danke an Christoph M.)
Und nie wieder…
…ein böses Wort zur Manie von sueddeutsche.de, alles, was mehr als 5 Fotos hat, zur Galerie aufzuplustern. Hier findet sich die kürzeste Bildergalerie der Welt.
Ein Argument für noch mehr Rundfunkgebühren
BR-alpha “Forum Wissenschaft” am 10. Oktober 2007
Psychoanalyse und Theologie:
Zwischen Individualität und Gemeinschaft (Teil 2)
Prof. Dr. Martin Balle im Gespräch mit
Dr. med. Werner Huth und Prof. Dr. Dr. Erwin Möde.
in BR-alpha am
Mittwoch, 10. Oktober 2007, 20.15 Uhr
(Wdh. 11. Oktober 2007, 13.00 Uhr)
Der Mensch ist heute bei seiner Suche nach einem sinnerfüllten Leben in einem nahezu unbegrenzten Markt der Meinungen einer Vielfalt von Sinngebungskonzepten ausgeliefert. Längst hat die Theologie das Deutungsprimat für das, was die menschliche Existenz betrifft, verloren. Auf der Suche nach Identität scheinen sich viele Menschen in der schnelllebigen Welt von heute nur mehr über Leistung definieren zu können. Diese Leistung ist nach außen hin zwar messbar. Wer sich jedoch allein über Leistung definiert, erleidet über kurz oder lang einen „burn-out“: Er verliert den Bezug zum eigenen Inneren.
Für den einzelnen Menschen geht es bei der Suche um ein erfülltes Leben um die Wiederentdeckung einer Dimension, die mehr ist als bloßer Egoismus und bloße Leistung. Sie beinhaltet eine Wiederentdeckung des Gemeinschaftlichen, aber auch der existenziellen Verwiesenheit(en) des Menschen, was – so der Theologe und Psychologe Prof. Dr. Dr. Erwin Möde – Angst erzeugen kann.
Die Psychoanalyse kann helfen das wiederzuentdecken, was man Urvertrauen und Grundvertrauen nennt. Dabei geht es in der Therapie für viele zunächst darum, wieder zu entdecken, dass sie in der Welt, in der sie leben, auf andere angewiesen sind. “Wer letztlich nichts besseres im Kopf hat als sich selbst zu verwirklichen, landet auf der Spitze eines Eisbergs”, sagt der Psychoanalytiker und Psychiater Dr. med. Werner Huth: “Letzten Endes muss man sich selbst verwirklichen, aber um zueinander hinzufinden.”
Der Verlust an Intimität und Scham, hat mit dem übersteigerten Leistungsdruck zu tun, dem die Menschen von heute ausgeliefert sind. Der führt zu einer Verengung des Verständnisses von Intimität z.B. auf den sexuellen Bereich. Intimität ist jedoch mehr. “Intimität ist“, so Dr. med. Huth, „ein geschützter Raum der angstfreien Nähe“.
Mit ihren Leistungsforderungen an den Einzelnen birgt die postmoderne plurale Gesellschaft für die Kirche die Chance Menschen wieder mit echten Sinnangeboten für sich zu gewinnen. “Viele Menschen suchen erneut im Religiösen nach Heilsbezügen” sagt Professor Möde. Gerade in dem so wichtigen Bereich der Intimität böten die Spiritualität, aber auch die Psychoanalyse die Möglichkeit, Intimität anders und ohne Leistungsdruck zu erfahren. Psychoanalyse und Theologie können hier neue Lebenswege aufzeigen, die den Menschen Möglichkeiten eröffnen, neues Vertrauen in sich und andere zu finden und sinnerfüllter zu leben.
Der Theologe und Psychologe Prof. Dr. Dr. Erwin Möde lehrt christliche Spiritualität und Homiletik an der Katholischen Universität Eichstätt. Für ihn gehört es zu den vor¬nehmsten Aufgaben der Kirche, die Menschen vor dem „sprechenden Hintergrund der jüdisch-christlichen Offenbarung“ auf ihr individuelles Geschöpfsein und auf ihren Gemeinschaftsbezug zu orientieren, um so Ängste zu relativieren und Gemeinsinn (statt Konkurrenzdenken) zu stiften.
Der Psychoanalytiker und Psychiater Dr. med. Werner Huth war Lehrbeauftragter für Grenzgebiete zwischen Anthropologie und Tiefenpsychologie an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München. Selbstverwirklichung führt für ihn dann zu einem erfüllten Leben, wenn sie auf den anderen hin geschieht. Dr. med. Huth arbeitet als Psychoanalytiker, Psychiater und Meditationslehrer in München.
Unter dem Titel “Psychoanalyse und Theologie – Zwischen Individualität und Gemeinschaft“ analysieren Prof. Dr. Dr. Erwin Möde und Dr. med. Werner Huth in der wissenschaftlichen Diskussionsreihe Alpha-Forum Wissenschaft die Rolle der Gesellschaft und die Chancen des Einzelnen auf dem Weg zu einem wahren Selbstsein.
Moderation: Prof. Dr. Martin Balle, Verleger und Herausgeber der Gruppe Straubinger Tagblatt / Landshuter Zeitung.
Ein ausführliches Internetangebot mit dem gesamten Diskussionstext, den Lebensläufen der Gäste sowie Links und Literaturtipps ist abrufbar in der Rubrik „Wissenschaft“unter :
http://www.br-online.de/alpha/forum/
(Text: Von der Homepage des Moderators)
Die Journalistenattrappe
Gut, ich bin endgültig überzeugt: Bei sueddeutsche.de existiert ein geheimer Masterplan, als erstes Onlineangebot der Welt eines Tages als komplette Bilderstrecke zu erscheinen. Und zudem einen Preis für die schlechteste Imitation der Ironie der gedruckten SZ zu gewinnen.
Über den Zustand der Blogosphäre als solcher
Das kommt davon, wenn man kein richtiger First Mover ist: Irgendwas scheine ich mal wieder versäumt zu haben. Jedenfalls lese ich in den letzten Tagen auffallend häufig Formulierungen wie Blogblues, Blog-Depression und gar “sterbender Blog-Hype”. Huch. Mein Blog stirbt gerade und ich merke es nicht?
Man muss dazu wissen, dass ich Blogs erst recht spät für mich entdeckt habe. Das hier gibt es erst seit gut zwei Jahren, da hatte Don Alphonso schon ungefähr fünf Bücher zum Thema gescrieben. Ich habe Blogs gelegentlich sehr gerne gelesen, auf die Idee, selbst zu bloggen, bin ich nachts um drei gekommen. Weil mich mein damaliges journalistisches Umfeld wahlweise entweder langweilte (an guten Tagen) oder tödlich quälte (an nicht so guten Tagen). Mit der Bloggerei entdecklte ich mein kleines persönliches Refugium, in dem ich machen konnte, was ich will. Nebenher hatte diese Seite den angenehmen Effekt, “meine” DJSler einfach auf sie verweisen zu können, wenn es um die Updates aus vergangenen Unterrichtseinheiten ging. Besser als irgendwelche losen Kopien – allemal.
Ob sich darüber hinaus irgendjemand diese Seite anschaut, war mir seit jeher völlig egal. Inzwischen schauen sich auch ein paar Leute auch außerhalb der DJS gelegentlich hier um, was mich im Fall von einigen ganz speziellen Lesern sehr freut, ansonsten aber mir grundsätzlich immer noch egal ist. Dieses Blog wird weder dazu geschrieben, um Geld zu verdienen, noch um in irgendeinen Konkurrenzkampf einzutreten noch um jemanden zu beeindrucken (oder gar Eigenmarketing zu betreiben). Dass es so eine ulkige Seite wie die “Deutschen Blogcharts” gibt, habe ich jahrelang gar nicht bemerkt. Ich dachte ja ehrlich gesagt immer, so was könne es nur in Deutschland und seinem ausgeprägten Hang zur Ordnung geben. Sogar ein halbwegs anarchisches und freies Kommunikations-Tool wie Blogs zwängen wir sofort in ein gelistetes Raster. Blogcharts, den Schwachsinn muss man sich mal vorstellen. Ich meine, von mir aus kann man sowas ja machen und sich auch darüber amüsieren, aber eine wie auch immer geartete Relevanz kann man weder aus Verlinkungen noch Klickzahlen oder anderem Kram herauslesen.
Davon abgesehen habe ich für mich persönlich sehr schnell festgestellt, dass ich die meisten der topgelisteten Blogs erstaunlich langweilig finde. Was irgendwie logisch ist, weil ich Bon Jovi oder irgendwelche anderen Gurken, die regelmäßig die Musikcharts dominieren, auch ziemlich einschläfernd finde. Letztendluch bleibt also der Schluss, dass ich weder die Musik, die ich höre, noch die Blogs, die ich lese, in irgendeiner Weise an Charts orientiere. Ist Bon Jovi ein guter, gar relevanter Musiker, weil er in den Charts ist? Na also. Charts haben also bestenfalls eine quantitative Aussage.
Und jetzt die aufgeregte Debatte: Blogs sterben! Blogs in Depression! Negative Verlinkungstendenzen!! Der Hype geht zu Ende! Man liest das und denkt, man sei mitten in einer Börsianer-Debatte. Dabei sind´s doch nur Blogs, kein Dax.
Was ich an Blogs machen: Jeder könnte theoretisch schreiben, viele und gottseidank nicht jeder tun es. Und ich kann Dinge von Leuten lesen, von denen ich zu früheren Zeiten nie etwas lesen hätte können. Das finde ich ziemlich schön. Man muss deswegen Blogs weder professionalisieren noch vercharten. Sie werden immer eine schöne kleine Nische für den Typus Selbstdenker sein. Ein paar Leute werden davon leben können und exponierte Stellungen einnehmen, was ich ihnen durchaus gönne. Der Rest hat auch in den vergangenen Tagen und Wochen gute und spannende und manchmal einfach nur blöde Geschichten geschrieben.
Ganz so wie immer.
Krise? Was für ein Unfug.
Inter-Webb-Bloggs. Und die Qualität. Diskutiert ihr mal schön.
Ich weiß nicht, ob ich bei dieser Namensgebung eine Veranstaltung auch nur im Ansatz ernst nehmen sollte:
“Zukunftswerkstatt Journalismus: MySpace, Web-Bloggs und die Qualität?”.
(gerade aus dem Posteingang gefischt).
Klickvieh, nächster Teil
Auch eine sehr kreative Idee: Die “Stimmen zum Spiel” nach der Partie Deutschland-Tschechien als Bilderstrecke zu machen. Himmel, wenn man das mal konsequent weiterdenkt und dann die nächste Bundestagsdebatte…
(Hinweis auf den Urheber dieser wunderbaren Idee fehlt, weil jeder, der ab und an relevante Medienblogs liest, weiß um wen es geht. Für den armen Rest gilt: Klicken macht schlau.)
Schreiben für Klicks
Ein alter Bekannter hat mir unlängst mal von einem anderen alten Bekannten erzählt. Der wiederum ist gelernter Zeitungsjournalist und seit durchaus nicht wenigen Jahren bei einer honorigen Regionalzeitung beschäftigt. Bei dieser honorigen Regionalzeitung hat man jetzt anscheinend, wie bei vielen anderen honorigen Blättern auch, beschlossen, auf den fahrenden Online-Zug aufzuspringen und künftig auch mal etwas mehr ins Internet reinzuschreiben. Deswegen musste der alte Bekannte bei der honorigen Zeitung jetzt auf ein mehrtägiges Seminar, das den ulkigen Titel “Texten fürs Web” trug.
Mein anderer alter Bekannter, der nicht in den Genuss eines solchen Seminar kam und auch so mit Online nicht viel zu tun hat, stellt manchmal verblüffend einfache und treffende Fragen. So auch in dem Fall: Was denn jetzt das “Texten fürs Web” ausmache, wollte er wissen. Der Befragte wiederum antwortete sinngemäß so, dass man vor allem dafür sorgen müsse, dass die Leute so neugierig sind, dass sie weiterklicken und somit Klicks machen.
Das sieht dann in etwa so aus:
Messi schießt Argentinien zum Sieg, Fidschi hält sich wacker
Zweiter Erfolg im zweiten Spiel: Argentinien hält Kurs auf die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. In der Ozeanien-Gruppe konnte sich Neuseeland nur mit Mühe bei einem Außenseiter durchsetzen
Gefunden – mal wieder – bei SPON, wo man dieses Klickvieh-Texten perfektioniert hat (andere versuchen gerade, das ein wenig nachzumachen, was tut man nicht alles für ein paar Klicks). Man kann also, ohne einen Leistungskurs logisches Denken belegt zu haben, davon ausgehen, dass Neuseeland sich gegen die Fidschi-Inseln schwer tat. Warum schreibt man es dann nicht auch? Der Hintegrund ist offenkundig. Man opfert jegliches journalistisches Prinzip für einen einzigen, windigen Klick, den man vielleicht bekommt. Vielleicht aber auch nur – ich weiß ja in dem Fall, wer der Gegner der Neuseeländer war und auf Ringelpietz habe ich keine Lust. Entweder ihr macht Nachrichten und sagt mir, was Sache ist. Oder ihr lasst es und ich hole mir sie woanders. Aber dieses “Und nach dem dritten Klick bekommen Sie die Auflösung”-Schema nervt einfach nur. Es macht auf Dauer den Journalismus zu einer Klamauk-Veranstaltung, die aufmerksamkeitsheischend um die Welt zieht und “Ich sehe was, was du nicht siehst” ruft.
Wenn mich also irgendwann mal jemand fragen sollte, wie man für das Web zu texten habe, würde ich ihm sagen: So, wie wir für jedes andere gute Lesemedium auch. So einfach ist das. Alles andere ist Schaumschlägerei.