JakBlog

Anmerkungen eines Medienmenschen

Archive for November, 2007

Kleinst-Abteilungen

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Unterhält man sich mit Journalisten darüber, dass Online seit Jahresfrist irgendwie ungemein anzieht, stellen die meisten Kollegen irgendwann mal fest: Stimmt, die Redaktionen werden gerade ja enorm aufgerüstet. Und nachdem man insbesondere in diesem Jahr tatsächlich verdammt oft gehört hat, dass erweitert, vergrößert und verbessert wird, hat man das irgendwann mal als gottgegeben hingenommen: Online wird aufgerüstet. Online wird aufgerüstet. Online wird…klingt irgendwie nach Mantra.

Dann wieder liest man auf der Medienseite der SZ eine gute und spannende Geschichte über die neuen Räumlichkeiten der New York Times und stolpert über den Satz: “Es war völlig unsinnig, hier 1200 Journalisten für die Print-Ausgabe und dort 50 Journalisten für die Online-Ausgabe arbeite zu lassen.” (Vivian Schiller, nyt.com). Stimmt, denkt man sich, was für ein bizarres Missverhältnis. Bis man dann irgendwann mal nachrechnet und dann zu dem Schluss kommt, dass eine Redaktion mit 50 Online-Journalisten selbst bei den “Qualitätsmedien” hier zu Lande als vergleichsweise luxuriös ausgestattet gelten dürfte. 50? Wer 5 neue Stellen dazu bekommt, schreibt ja inzwischen schon eine Pressemitteilung und lässt seinen innovativen Chefredakteur sofort ein Interview nach dem anderen geben, aktuell würde das evtl. sogar schon für die Titelseite vom kress reichen.

“Im Übrigen sind die Leute hier klug genug, um zu sehen, wohin sich der Journalismus entwickelt”, wird Vivian Schiller am Ende der Geschichte auf die Frage zitiert, wie das eigentlich die Journalisten der Times sehen, dass sie plötzlich nicht mehr nur für eine hoch angesehene Zeitung, sondern für eine hoch angesehe Medienmarke arbeiten. Das schreit nach beredtem Schweigen.

Written by cjakubetz

November 30th, 2007 at 5:42 pm

Posted in NUR SO DAHINGESAGT

Video kills itself

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Nachdem ich auch nach weiterem Betrachten dieses Brüllers hier ziemlich sicher bin, dass die Formatentwickler und der, öhm, Moderator sich als Ziel gesetzt haben, jede Niveau-Schmerzgrenze mühelos zu unterbieten, habe ich mir auch mal den Rest der Videos der Seite angesehen. Um dann erst einmal festzustellen, dass von den Damen und Herren Print- und Onlinejoiurnalisten bitte nie wieder jemand ein Lamento über die vielen Me-Too-Programme im TV verfassen sollte. Klar weiß man beim Durchzappen durch die unzähligen Programme manchmal nicht mehr, wo man gerade gelandet ist. Und den Unterschied zwischen “Wer wird Millionär?” und dem Pilawa-Quiz kann vermutlich nur Günther Struwe erklären, und das auch nur deswegen, weil er sonst wieder eine Gebührendiskussion an der Backe hat.

Trotzdem: Wenn´s im bewegtes Bild geht, regiert die Gleichförmigkeit. Nach dem Fernsehen jetzt auch online. Oder wie sonst als “Me too” darf man es nennen, wenn jetzt die Reuters-Newsclips von Spiegel über Focus bis hin zu jetzt eben auch stern.de überall zu sehen sind – manchmal mit Moderation, manchmal ohne, aber eben immer der gleiche Reuters-Newsfeed. Und wieso überhaupt verfällt man bei den Web-TV-Machern immer in den eigenartigen Gedanken, man müsse das machen, was auch die “richtigen” Sender machen? Wenn jetzt jedenfalls stern.de ein “Kino-Magazin” anbietet, staunt man über diese Art der Strategie. Kinomagazine laufen inzwischen in jeder McDonalds-Filliale. Und um den Trailer von Ratatouille (übrigens einer der nettesten Filme der letzten 10 Jahre) zu sehen, Himmel nein, dafür brauche ich weiß Gott nicht den 17. Aufguss eines Kinomagazins mit einer halbwegs gut aussehenden und halbwegs unfallfrei sprechenden Moderatorin, die Vorschau-Clips der Filme antextetet. Im Übrigen unterliegt man auch einem strategischen Denkfehler, wenn man meint, eine Webseite müsse und könne mit einem TV-Sender und seiner Infratstruktur auch nur halbwegs konkurrieren.

Vermutlich, so sieht es zumindest aus, unterliegen aktuell gerade ein paar Strategen einem elementaren Denkfehler. Nämlich zu glauben, Bewegtbild auf einer Seite sei noch irgendwas Besonderes. Im Gegenteil: Wer heute Video zu einem Bestandteil seines Geschäfts erklärt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er sich in einen brutalen Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeit begibt. Video kann (theoreitisch zumindest) jeder und macht demnächst beinahe jeder. Die Nase vorne hat, wer sehenswerten, guten, witzigen, außergewöhnlichen Inhalt hat. Kinomagazine und Mario-Barth-Comedy, so viel lässt sich vermuten, gehören da eher weniger dazu. 

Weitaus cleverer Gedanke: Bewegtbild aus dem lokalen und dem regionalen Bereich zu bringen, Dinge zu zu zeigen, die es sonst im Fernsehen eben nicht gibt. Ganz passables Beispiel, dass man im Auge behalten sollte: merkurtz.tv, mit einer Mischung aus linearem und on-demand-Programm, strikt lokal und trotzdem nicht in verpixelter Wackelästethik von Hopbbyfilmern.

Written by cjakubetz

November 25th, 2007 at 1:02 pm

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Links wachsen die Pommes

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“Wenn Belgien geteilt wird, wie machen die das? Links wachsen die Pommes, rechts steht die Friseuse?”

Das kommt raus, wenn man stern.de eine Video-Offensive starten lässt. Das sind dann die Momente, wo man sich wünscht, der Stern möge nie wieder auch nur halbkritische Sätze zum Thema “Zustand des deutschen Fernsehens” schreiben. Solche Flachwitzereien würden nicht mal auf 9Live positiv auffallen.

Written by cjakubetz

November 21st, 2007 at 3:09 pm

Posted in ONLINE/MULTIMEDIA

Wenn der Talk zur Show wird…

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…und warum öffentlichrechtlich gesendete Tarifverhandlungen irgendwie ein bisserl absurd sind – drüben im jepblog (als Audio).

Written by cjakubetz

November 20th, 2007 at 12:53 pm

Posted in IN EIGENER SACHE

Hausgemacht

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Man freut sich ja, wenn´s einer deutlich benennt: Giovanni di Lorenzo hat jetzt in München ein paar Dinge zur Krise der Tageszeitungen in Deutschland gesagt, die man sonst eher selten hört, zumindest bei offiziellen Anlässen. Bei der CSU-Medienkommission, ziemlich offiziell ist das, sagte di Lorenzo jedenfalls Dinge, die man sonst im kleinen Kreis oder in irgendwelchen Medienblogs liest, die aber normalerweise von jedem Offiziellen bei Zeitungen kategorisch als Unsinn abgetan werden. Beispielsweise, dass man es sich zu einfach macht, wenn man auf das böse Internet und seine noch viel bösere Kostenlos-Kultur schimpft und damit einen Persilschein für die anhaltenden Auflage- und Umsatzverluste gefunden. Di Lorenzo spricht eher von “hausgemachten Problemen” und davon, dass ein beträchtlicher Teil der Regionalzeitungen in Deutschland inzwischen durch Beliebigkeit und, ja, suboptimale Qualität auffalle. Tatsächlich scheint das das deutlich größere Problem zu sein als das Internet. Nicht jeder, der innerlich von seiner Zeitung immigriert, ist ein Online-Flüchtling, im Gegenteil: Man muss wohl davon ausgehen, dass Zeitungen einen erheblichen Teil ihrer Verluste an Nicht-Leser verlieren. Das könnte man kompensieren bzw. verhindern, man müsste dazu aber, wie bei allen größeren Projekten, ein wenig Geld in die Hand nehmen. Das aber passiert nur selten. Mit der Konsequenz, dass man zwar die Krise rund um 2000 mit einigen radikalen Sparmaßnahmen überstanden hat, jetzt aber vor einem echten strukturellen Problem steht; vor einem Akzeptanz-Problem noch dazu.

Ein wenig off-topic: Von den 15 größten deutschen Tageszeitungen haben im vergangenen Quartal 14 an Auflage verloren. Eine hat zugelegt: der Münchner Merkur. Der Merkur hat sich in diesem Jahr einem radikalen Relaunch unterzogen, nahezu alle alten Zöpfe abgeschnitten – und macht jetzt eine überaus solide, ansehnliche und zeitgemäße Zeitung. Die Leser honorieren es.

Und schließlich noch: In den USA ist der Trend der sinkenden Zeitungsauflagen ungebrochen, dort hat man auch den Glauben daran verloren, dass sich dies noch essentiell ändert. Trotzdem herrscht Hoffnung: Man setzt jetzt verstärkt auf Online. Als eigenständiges Medium unter der Dachmarke. Keine Markenverlängerung, kein Marketing, kein Muttermedium mehr. Und auch kein paid content, übrigens.

Written by cjakubetz

November 20th, 2007 at 8:16 am

Posted in PRINT

Die Anne, die Bahn und der Schell

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Was für eine bizarre Veranstaltung: Seit Monaten ist jegliche Form der Kommunikation zwischen Bahn und dem Quälgeist M. Schell zumindest, ja, schwierig. Für eine Talkshow in der ARD setzen sie sich dann wieder zusammen und reden miteinander.

Zu einer neuen Verhandlungsrunde kommt es allerdings, trotz entsprechenden Bahn-Angebots, heute nicht. Herr Schell lies wissen, er habe heute keine Zeit…

Definitiv: Der bislang skurrilste Auswuchs der Journalismus-Darstellerei im TV.

Written by cjakubetz

November 19th, 2007 at 8:04 am

Posted in TV

FAZ, genauer betrachtet

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Der erste Reflex beim inzwischen vollständig und nicht mehr von Geheimnissen umrankten Relaunch der FAZ scheint bei vielen der gleiche gewesen zu sein: Sieht aus wie Spiegel online. Nur in blau. Mein erster Reflex war´s auch, zugegeben. Schade allerdings, wenn man das neue FAZ.net nur nach diesem Gesichtspunkt beurteilen würde. Zwar hat, in der Tat, dieses eine Layout sehr stark um sich gegriffen und manchmal fragt man sich, ob eigentlich Web-Desigern so gar nichts anderes einfällt als der 72. Aufguss von Spiegel Online. Und man stellt auch fest, dass die ganzen Konkurrenten aus der 2. Reihe dafür gesorgt haben, dass Nachrichten-Deutschland im Web ziemlich einförmig aussieht.

Dass die FAZ sich jetzt an diesen Trend anhängt, nunja, man mag es bedauern, es hat aber auch seine Vorteile. Denn leicht haben es die Frankfurtern ihren Nutzern nicht gemacht. Weniger deswegen, weil sie sich trauten, auch mal längere, sperrige Stücke zu machen (dafür muss man sie ja sogar loben). Sondern weil die Seite nach mehrjährigem Nicht-Aufräumen zum einen ziemlich antiquiert rüberkam und zum anderen, weil sie demenstprechend unaufgeräumt war. Man weiß ja aus eigener Erfahrung wie das ist: Man nimmt hier noch eine neue Rubrik dazu, da ein neues Plug-In, entdeckt noch ein nettes Feature zum Draufpacken – bis man irgendwann fest stellt: So geht das nicht mehr weiter, hier muss dringend aufgeräumt werden. Wenigstens das hat man getan. Die Neugestaltung ist zwar nicht gerade designerpreisverdächtig, aber immerhin: wenigstens aufgeräumt. Man kennt sich wieder aus.

Der Vergleich mit SPON zieht aber aus einem ganz anderen, gewichtigen Grund nicht: Die FAZler sind ziemlich unbeeinflusst von dem, was sich andernorts in den Folgen einer unbedingten Klickhörigkeit niederschlägt. Man hat den – überaus angenehmen – Eindruck, dass es hier tatsächlich noch weitgehend um Inhalte handelt und nicht um die elende Klickschinderei, mit der man inzwischen Witze, leere Bierflaschen und nichtssagende Pressekonferenzen zur Bilderstrecke aufplustert. Klar machen auch die Frankfurter Bildstrecken. Gegen die gibt es per se ja auch nichts einzuwenden. Wenn sie journalistisch motiviert sind, wenn sie gute Motive haben, wenn sie eine Story erzählen – natürlich, dann sind Bildstrecken etwas Wunderbares. Bei den Kollegen der FAZ jedenfalls fallen mir auf Anhieb nicht sehr viele Bildstrecken ein, die nicht eine dieser Eigenschaften mit sich gebracht hätten.

Beim Vergleich Optik vs. Inhalt fällt mir dann auch noch der “Tagesspiegel” ein, dessen Relaunch ich optisch überaus gelungen fand (und finde – obwohl er natürlich, zugegeben, sehr stark von NYT.com inspiriert ist). Was nutzt die wunderbarste Optik, wenn es dann mit den Inhalten eher wieder mau aussieht? Hinter seiner beeindruckenden Fassade liefert der Tagesspiegel leider nicht mehr sehr viel, was das Klicken lohnt. Die FAZ macht´s andersrum – was mir im Zweifelsfall lieber ist.  Insofern: Daumen rauf, Lob an den Main. Well done.

Written by cjakubetz

November 18th, 2007 at 2:31 pm

Posted in ONLINE/MULTIMEDIA

Stell dir vor, es ist Relaunch – und keiner merkt´s

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Heute morgen, Lehrsaal 2 an der DJS, München:

Kollege: “Und, wie ist der Relaunch von faz.net geworden?”

Ich: “Hä?”

Kollege: “Na, der Relaunch.”

Ich: “Welcher Relaunch?”

(kurzes Klicken auf die Seite…) 

Ich: “Na, siehste. Kein Relaunch.”

Kollege: “Komisch, da stand doch was bei…”

PS: Man muss die FAZ für ihre Fähigkeiten, bei Relaunches fast nix zu verändern, beinahe schon wieder bewundern. Ich mag die Seite trotzdem, gerade weil sie so unaufgeregt ist. Und weil sie sich traut, auch mal längere Stücke zu bringen. Weil sie nicht jeden Mist zur Eilmeldung aufplustert und völlig Bohlen-frei geblieben ist. Und weil man den Mini-Relaunch einfach gemacht hat, statt mit ordentlichem Ballyhoo die Niederkunft des kreisenden Bergs mit einem Mäuslein anzukündigen. Mir fallen spontan ein paar ein, die sich an Frankfurt ein Beispiel nehmen dürfen. 

PPS: Achja, die Seite. Aufgeräumter, ruhiger. Aber man muss wirklich zweimal hinsehen… 

Written by cjakubetz

November 16th, 2007 at 10:27 pm

Posted in ONLINE/MULTIMEDIA

Dead Betty (2)

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Nu isses passiert.

Kein Verlust. 

Written by cjakubetz

November 13th, 2007 at 8:26 pm

Posted in TV

Der Westen und die Hobby-Chirurgen

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Written by cjakubetz

November 10th, 2007 at 2:16 pm

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