Kleinst-Abteilungen

Unterhält man sich mit Journalisten darüber, dass Online seit Jahresfrist irgendwie ungemein anzieht, stellen die meisten Kollegen irgendwann mal fest: Stimmt, die Redaktionen werden gerade ja enorm aufgerüstet. Und nachdem man insbesondere in diesem Jahr tatsächlich verdammt oft gehört hat, dass erweitert, vergrößert und verbessert wird, hat man das irgendwann mal als gottgegeben hingenommen: Online wird aufgerüstet. Online wird aufgerüstet. Online wird…klingt irgendwie nach Mantra.

Dann wieder liest man auf der Medienseite der SZ eine gute und spannende Geschichte über die neuen Räumlichkeiten der New York Times und stolpert über den Satz: “Es war völlig unsinnig, hier 1200 Journalisten für die Print-Ausgabe und dort 50 Journalisten für die Online-Ausgabe arbeite zu lassen.” (Vivian Schiller, nyt.com). Stimmt, denkt man sich, was für ein bizarres Missverhältnis. Bis man dann irgendwann mal nachrechnet und dann zu dem Schluss kommt, dass eine Redaktion mit 50 Online-Journalisten selbst bei den “Qualitätsmedien” hier zu Lande als vergleichsweise luxuriös ausgestattet gelten dürfte. 50? Wer 5 neue Stellen dazu bekommt, schreibt ja inzwischen schon eine Pressemitteilung und lässt seinen innovativen Chefredakteur sofort ein Interview nach dem anderen geben, aktuell würde das evtl. sogar schon für die Titelseite vom kress reichen.

“Im Übrigen sind die Leute hier klug genug, um zu sehen, wohin sich der Journalismus entwickelt”, wird Vivian Schiller am Ende der Geschichte auf die Frage zitiert, wie das eigentlich die Journalisten der Times sehen, dass sie plötzlich nicht mehr nur für eine hoch angesehene Zeitung, sondern für eine hoch angesehe Medienmarke arbeiten. Das schreit nach beredtem Schweigen.