Archiv für Dezember 2007


Happy New Year…

31. Dezember 2007 - 10:28 Uhr

…an alle, die hier mitlesen!

(Dieser schlichte Neujahrswunsch steht hier eigentlich nur, weil man nach dem ganzen Rumgenörgel auch 2007 denken könnte, ich sei in etwa so drauf wie diese beiden mosernden Alten aus der Muppetshow. Was gar nicht stimmt, eigentlich bin ich ein überaus freundlicher Mensch. Hoffe ich wenigstens. 2008 wird trotzdem weitergemotzt, sonst wär dieses Blog ja auf Dauer langweilig).

3 Kommentare » | IN EIGENER SACHE

In der Falle

31. Dezember 2007 - 10:15 Uhr

Wenn man einigermaßen viel unterwegs ist in diesem Land und es sich dabei zum Hobby macht, neben den üblichen großen Blättern am jeweiligen Aufenthaltsort auch die örtlichen regionalen kleinen bis mittelgroßen Zeitungen zu lesen, der stößt gelegentlich auf Sätze und einen Sprachgebrauch, von dem man es nicht für möglich hält, dass es sowas noch gibt. “Die Band XY brannte ein wahres Rock-Feuerwerk ab”, steht dann da beispielsweise zu lesen. Und so schöne Dinge wie die Feststellung, die Musical-Aufführung habe sich auch dadurch besonders ausgezeichnet, dass sie choreographiert war. Sehr schön auch die schreiende Überschrift: Tausende pädophile Bilder entdeckt! Das kommt raus, wenn der biedere Lokaljournalist plötzlich Boulevard spielen will. Wie auch immer, wenn man ein paar der Zeitungen gelesen hat, dann ahnt man, in welchem Zustand sich die deutschen Regionalblätter befinden. Es ist kein sehr schöner.

Was mir auffiel in den letzten Wochen (wie immer: sehr subjektiv in der Einschätzung): Zeitungen sind noch älter als sie aussehen. Natürlich wäre es unsinnig, sich plötzlich im Jargon und in der Anmutung der Bravo und der Gala anzupassen. Rentner in Jeans wirken bekanntermaßen häufig eher albern. Nein, erstaunlich ist vielmehr, wie wenig die allermeisten Regionalzeitungen zu bieten haben. Der Mantel: Im Regelfall eine bieder aufbereitete Sammlung von dpa-Meldungen, ergänzt mit ein paar abgeschriebenen Meldungen aus der “Bild” (die Seite heißt dann meistens “Panorama” oder so). Kommentierungen, die den Namen oftmals nicht verdienen und häufig aus der beliebten Sowohl-als-auch-Schule zu stammen scheinen. Und dann das viel gepriesene Herzstück, das Lokale/Regionale: Es gibt eine Reihe von mehr oder minder guten Gründen dafür, die ich nicht im Einzeln durchdebattieren möchte, aber unter dem Strich bleibt die Erkenntnis, dass sehr häufig eine unübersehbare Diskrepanz zwischen den Sonntagsreden der Verantwortlichen und dem Ist-Zustand herrscht. Dabei kann ich mich erinnern, dass es schon zu meinen Volontärszeiten immer hieß, das Lokale sei das Wichtigste, was die Regionalzeitung zu bieten habe und von dem her von unvergleichlicher Wichtigkeit. Was mich damals schon wunderte: Wenn es sich dabei um das Herzstück handelt, dann müssten da doch die meisten und die besten Leute aus der Redaktion sitzen. Wer den Alltag von Regionalzeitungen kennt, der weiß, dass dies (höflich formuliert) nicht immer und überall der Fall ist. Stattdessen liefern sich die Blätter – zumindest bei mir in Niederbayern – einen merkwürdigen Konkurrenzkampf um vermeintliche überregionale Reputation, die kein Mensch braucht. Die einen schafften es gestern mit einer Meldung über Roland Koch immerhin ins heute-journal, bei den anderen ist der Verleger so was Ähnliches wie seekrank, wenn nicht alle zwei Tage ein Interview oder eine Geschichte von ihnen in den Frühnachrichten des BR zitiert wird. Das mag ja auch alles schön und recht sein, aber keine wirklich hinreichende Strategie, das Blatt vor Relevanzverlust zu retten. Wenn nämlich das vermeintliche Herzstück nichts anderes zu bieten hat als eine Ansammlung langweiliger Texte von Rock-Feuerwerken mit dem entsprechenden optischen Material dazu, dann interessiert mich das Interview mit Roland Koch nur sehr eingeschränkt.

Es gibt Blätter, die es anders machen. Die sehr ordentliche, gute Lokalteile machen, die ihren Schwerpunkt auf das legen, was ihre Leser wirklich interessiert. Und die sich dann auch noch Gedanken um eine ordentliche Sprache und ein ansprechendes Layout machen. Sie sind, leider, die Minderheit. Die Mehrheit allerdings muss sich mehr denn je die Frage stellen, wie sie überhaupt überleben wollen.

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Gute Galerie, schlechte Galerie

22. Dezember 2007 - 12:03 Uhr

Bei den ganzen Diskussionen um Klickvieh und grenzdebile “Fotostrecken” und “Bildergalerien” kamen von den Befürwortern in den letzten Monaten immer wieder die gleichen Argumente: Fotos seien Journalismus, Journalismus dürfe auch Spaß machen, Bildergalerien seien eine ganz besonders attraktive und beliebte journalistische Darstellungsform.

Da ist viel Wahres dran.

Wenn man sich beispielsweise jene Bilder resp. Bilderstrecke ansieht, die Fabian Mohr beim letzten Parteitag der CSU gemacht hat und die von Focus Online als Bildergalerie verwertet wurden – dann stimmt das. Dass diese Fotos jetzt einen Sonderpreis bei Pressefoto Bayern bekommen haben, ist ein schöner Anlass, nochmal auf sie hinzuweisen (in dem Zusammenhang: Glückwunsch, Fabian!).

So, liebe Massengalerienproduzenten – und dann schauen Sie sich doch bitte nochmal diese Fotos an und dann denken Sie bitte darüber nach, warum Ihre o.a. Argumentation so absurd ist. Und warum man dann leider umso mehr zu der Auffassung kommen muss, dass es Ihnen eigentlich doch nur um die Klickvieh-Generierung, keineswegs aber um einen halbwegs glaubhaften journalistischen Aspekt geht.

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Ein paar Sätze, bevor der Weihnachtsfrieden kommt

21. Dezember 2007 - 19:36 Uhr

Um ganz ehrlich zu sein: Die Kampfesrhetorik vom ansonsten durchaus geschätzten Don Alphonso ist mir häufig eine kleine Spur zu blutrünstig. Selbst wenn ich in der Sache durchaus bei ihm bin, denke ich im Regelfall nicht, dass die Götterdämmerung des Journalismus angebrochen sein könnte. Das mag auch damit zusammen hängen, dass ich selber einer bin und mir nur ungern meinen eigenen Untergang prophezeien möchte.

Allerdings ertappe ich mich mittlerweile selbst immer öfter dabei, zumindest gedanklich mit heftiger Verbal-Rhetorik zu liebäugeln. Was damit zusammen hängt, dass ich vieles von dem, was Printjournalisten in den vergangenen Wochen zum Thema Onlinemedien abgesondert haben, einfach nur noch (Achtung: es folgt das erklärte Lieblingswort kritischer Blogger) fassunglos zur Kenntnis nehme. Über die erstaunlichen Ausfälle des Kollegen Bernd Graff ist hier und andernorts genügend geschrieben worden, weswegen ich auf weitere Ausführungen verzichte und stattdessen darauf verweise, was Stefan Niggemeier in der taz zum Thema schreibt:

Bernd Graff (…) leiht sich das höchstverfügbare Ross, und klettert aus dem Sumpf, in dem er täglich anklickbaren Müll produziert, kurz hinauf, um von ganz oben einen inhärenten Qualitätsgegensatz zwischen Tageszeitung und Internet zu behaupten.

Es geht allerdings – damit hier kein falscher Eindruck entsteht – keineswegs nur um die Person des Herrn Graff oder das Online-Angebot der Süddeutschen. Wenn es das alleine wäre, handelte es sich um ein singuläres Problem; was auch durch die Tatsache unterstrichen wird, dass sich die SZ mit Lesern und ihren Kommentaren trotz der angekündigten “Wir-schauen-mal-was-geht”-teilweisen Wiedereröffnung der Kommentare ungemein schwer tut. Nein – leider scheint diese Onlinephobie zeitungsübergreifend zu sein. Auch in der FAZ offenbart sich ein merkwürdiges Verständnis davon, wie sich das Verhältnis zwischen Medien und Nutzern idealerweise darzustellen habe: nämlich dergestalt, dass auf der einen, der guten Seite des Schreibtisches die Lehrer sitzen und auf der anderen Seite die Schüler. Was den Schluss nahe legt, dass jeder, der es ernst meint, sich irgendwann auf die Seite der Lehrer schlagen müsse. Schreibt die FAZ und glaubt es anscheinend auch noch.

Ungezählt auch die persönlichen Begegnungen, die ich in diesem Jahr hatte – mit Printmenschen, die mehr oder minder alle den selben Quark erzählten. Nämlich, dass zwar unbestritten inzwischen Onlinemedien ein  fester Bestandteil von Medien und gelegentlich auch ernstzunehmen, in jedem Fall aber nicht mehr einfach zu negieren und zu ignorieren seien. Trotzdem seien sie mit Print und dessen Qualitäten nicht vergleichbar. Fragt man dann ganz schlicht nach: “Warum?” – dann bekommt man in der Regelfall Antworten der Güteklasse, dass es Print schon immer gegeben habe, dass Print ein Medium zum Anfassen sei – und, so nun auch Herr Schirrmacher, Print per se vertrauenswürdiger sei, zumal man da wenigstens wisse, wo es herkomme. Ich weiß, der Vergleich ist viel bemüht und inzwischen auch nicht mehr wirklich originell, aber ich werde an Herrn Schirrmacher denken, wenn ich demnächst mal wieder am Münchner Hauptbahnhof stehe und die ungezählten Pralines, Wochenends und sonstiges Billig-Illus am Kiosk rumliegen sehe. Ein sehr einseitiges Bild von Printmedien? Klar. Mindestens so einseitig wie die ewige und ausgeleierte Platte von den verschweineigelten und unseriösen Onlinemedien. Mir ist wirklich nicht klar, warum sich die Debatte kurz vor 2008 allen Erntes wieder auf dieses dämliche Level begibt.

Tatsächlich schwanke ich in meiner Einschätzung. Manchmal tendiere ich zu der Niggemeier-taz-Auffassung, wir hätten es mit reiner Arroganz von Printleuten zu tun. Manchmal neige ich zu Dons Aufassung, dass wir gerade das Pfeifen in einem sehr dunklen Wald erleben.

Und manchmal habe ich meine eigene Meinung, die ich allerdings angesichts der Vorstellung, bei Journalisten handle es sich zumeist um intelligente Menschen, selbst kaum glauben mag: dass nämlich eine ganze Reihe von Leuten immer noch nicht verstanden und begriffen haben, was in den letzten sechs, sieben Jahren überhaupt passiert ist.

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Graff, die Nächste

20. Dezember 2007 - 11:24 Uhr

Bernd Graff hat wieder zugeschlagen. Und wird dafür ziemlich heftig von Thomas Knüwer seziert. Völlig zu Recht, übrigens. Ob ich jetzt mein SZ-Abo auch kündigen soll, weiß ich noch nicht. Das könnte auch daran liegen, dass ich keines habe. Und, ganz im Ernst, auch daran, dass ich immer noch stark unterscheide zwischen der gedruckten SZ und sueddeutsche.de. Allerdings, das Graff-Idiotae-Pamphlet, war ja auch gedruckt zu haben. Wie überhaupt es ja auch nicht einsehbar ist, warum ich mir die Mühe machen soll, Medien zwischen ihren einzelnen Ablegern zu unterscheiden. Ok, sagen wir es mal so: Allzu viel Graff et al sollte die SZ nicht mehr brigen.

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Warum Papier bessere Qualität bietet als Online

19. Dezember 2007 - 11:02 Uhr

Man hätte ja denklen können, diese alberne Argumentation gehöre endgültig der Vergangenheit an: nämlich, dass Papier von Haus für bessere Qualität und vertrauenswürdigere Inhalte stehe als Onlinemedien. Aber nach den letzthin verstärkt auftretenden kleinen Ausfälligkeiten seitens der Old-Old-Old-School von FAZ und der “Idiotae 0.0″ SZ, inzwischen auch noch befeuert von Herrn Schirrmacher und der merkwürdigen Theorie, beim Papier wisse man wenigstens, woher es kommt, während man das von Onlinemedien nicht so genau sagen könne, würde ich doch gerne mal eine ernstgemeinte Frage stellen:

Liebe FAZ, liebe SZ, würdet ihr dann auch offiziell sagen, dass eure Online-Ableger tatsächlich eben nur Ableger sind, von einer Qualität, die mit euren gedruckten Ausgaben nicht mithalten kann?

Und falls die Antwort “ja” lauten sollte: Warum tut ihr dann sowas?

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Danke, Claus!

12. Dezember 2007 - 20:19 Uhr

Claus Kleber wechselt nicht zum “Spiegel” und am Ende dieses Tages ist das die angenehmste Nachricht, die man sich wünschen kann. Nach meinem unmaßgeblichen Geschmack ist Kleber der herausragende Anchor im deutschen Nachrichtenbusiness (wobei ich zugeben muss: Ich hatte nie eine Idee, was alle an Caren Miosga oder Tom Buhrow finden). Die Vorstellung, Kleber hinter den dicken Mauern des “Spiegel” verschwinden zu sehen, fand ich eher unangenehm.

Und Gundi Gause wird auch glücklich sein.

PS: Für den “Spiegel” zeigt sich indes zweierlei. Erstens, dass er an Relevanz verloren hat. Auch wenn Kleber von einer “Zusage an das ZDF” spricht, ist es de facto doch eine Absage an den “Spiegel”. Zweitens wirkt das Schmierentheater um Herrn Aust spätestens nach der öffentlich zelebrierten Absage Klebers so, wie man es wohl einschätzen muss: unprofessionell.

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Idiotae 0.0 (3)

8. Dezember 2007 - 10:40 Uhr

Weit wäre Bernd Graff mit seiner Polemik im Web 2.0 in der Lesart der SZ nicht gekommen … denn gibt er seine überschrift im Kommentarsystem von sz-online ein, so wird er aufgefordert, die Schimpfworte doch bitte zu entfernen, sonst könne der Beitrag leider nicht veröffentlicht werden. Ganz unbegrenzt sind die Möglichkeiten der neuen “Idi*tae” – dies ist das anstoessige Wort – dann doch noch nicht, wie es scheint.

Schreibt jemand in den Kommentaren zur Idiotae-Geschichte. Etliche Kommentare sind dort übrigens zensiert und man würde wirklich gerne wissen, was die SZ-lesenden Idiotae dort geschrieben haben.

Was unter dem Strich bleibt, ist die Erkenntnis. dass sich Bernd Graff bleibende Verdienste erworben hat: Man weiß jetzt wenigstens wieder, warum man es ganz und gar nicht schade finden muss, dass Journalisten das alleinige Monopol zur Publikation nicht mehr haben. Danke dafür.

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Idiotae 0.0 (2)

8. Dezember 2007 - 10:31 Uhr

Die kleine, verschwurbelte Eloge dagegen, dass irgendwie alle mitreden dürfen von Bernd Graff – die findet man auch bei der gedruckten Süddeutschen toll. So toll, dass man sie auf Seite 1 ankündigt mit der bezeichnenden Zeile:

Das Internet verkommt zum Debattierclub

Schön, so eine Printausgabe und eine “gefreezte” Kommentarfunktion im Onlineangebot. Dann kann wenigstens nicht so viel debattiert werden.

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Internet, für sueddeutsche.de Idiotae Web 0.0

7. Dezember 2007 - 17:52 Uhr

Es wäre wirklich spannend zu wissen, was den Kollegen von der Süddeutschen im Allgemeinen und von sueddeutsche.de im Speziellen in ihrem Journalistenleben Traumatisierendes mit dem Web passiert ist. Ich kenne jedenfalls kaum eine Zeitung und auch kaum ein Onlineangebot, dass sich dermaßen über das Netz hermacht und es als einen ziemlich unangenehmen Ort schildert wie die SZ. Wenn man dort eine Serie über das Web macht, handelt sie nicht etwa von den Umwälzungen und den gigantischen Chancen und Herausforderungen durch das Netz. Sondern sie handelt von Kriminalität im Internet. Wenn ein Diktator hingerichtet wird und diese Bilder tauchen in der Öffentlichkeit auf, redet man nicht von der Hinrichtung, sondern von der “Seuche Internet” (und das immerhin an sehr prominenter Stelle im Leitartikel). Die Geschichten in der SZ über die Irrelevanz des Netzes im allgemeinen und Blogger im Besonderen sind Legende. Und Heribert Prantl verstieg sich gar mal zu der albernen Auffassung, Journalisten würden durch Internet und Crossmedia zu Gauklern aus dem Mittelalter degradiert, die sich auf Marktplätzen zum Clown und Hofnarren machen. Wobei sich die Frage aufdrängt, warum die SZ nicht sueddeutsche.de einfach schließt und damit einen entscheidenden Beitrag zur Schwächung von Seuchen und Kriminalität und ein Zeichen pro Relevanz und journalistischer Qualität setzt. Über Seuchen maulen und selber sehr aktiv an der Seuche mitwirken ist jedenfalls keine Haltung, die mir auch nur einen Hauch von Respekt abnötigt.

Nein, stattdessen pflegt die SZ weiter ihre von leichter Schizophrenie geprägte Haltung zum Web. Diesmal in Form von Dr. Bernd Graff, der erstaunlicherweise Vizechef von sueddeutsche.de ist. Und Latein kann! Das ist wichtig bei der SZ, weil wenn man es nicht könnte, könnte man einem Beitrag nicht den TitelDie neuen Idiotae Web 0.0″ geben (der Beitrag hält übrigens, was der Titel verspricht).

Neben vielem Zeug, dass das Bild der SZ vom Web eindrucksvoll bestätigt, versteigt sich Dr. Graff auch zu diesem Satz:

Zugegeben: Klage darüber zu führen, dass Internet und Beliebigkeit siamesische Zwillinge sind, ist so sinnvoll, wie gegen den Wind zu pusten.

Da hat er recht, der Herr Graff, Vor allem ist es dann sinnlos, wenn das eigene Medium einer der größten Beliebigkeitsverursacher im Web ist. Wäre man penibel, könnte man an dieser Stelle mal an eine ganze Linkliste setzen mit Bildergalerien von sueddeutsche.de, die an Beliebigkeit nicht zu toppen sind. Mit schlechten Witzen, mit Uhren, Biermarken und allem möglichen Kram, der einzig und allein dazu da ist, Quoten aufzuplustern. Den Trick mit den IVW-Klickmaschinen, mit Verlaub, beherrscht inzwischen jeder 14-Tage-Praktikant, trotz alledem behauptet sueddeutsche.de-Chef Jakobs im neuen “Journalist” allen Ernstes noch, die 32 besten Witze aus den 80ern in Form einer Slideshow seien ein genuitives Element des Webs und zudem eine ganz besonders schöne Erzählform (Kollege Knüwer nannte das so schön “sich selbst in die Tasche lügen”).

Das Lamento über Blogs darf natürlich auch nicht fehlen:

Ist die produktive Vernetzung von wandelbaren sozialen Identitäten schon deswegen gegeben, weil jemand ein Chatprogramm anschmeißen kann oder sich in einem Blog wenigstens selbst beweist, dass er ja bloggt, also irgendwie noch lebt?

Das ist besonders ulkig angesichts der Tatsache, dass Graff es war, der noch Ende 2005 versuchte, Blogs bei sueddeutsche.de zu etablieren und nach ein paar außer von ihm selbst von fast niemandem bemerkten Einträgen bereits behauptete, Platzhirsch Don Alphonso röhre bereits – waidwund. Es war dann eher Graff, der röhrte, als a.) das SZ-Blog-Trauerspiel schnell wieder beendet wurde und b.) Don ihm noch böse eine reinpfiff.

Und schließlich fragt man sich dann noch, warum der Herr Dr. Graff nicht einfach seine onlinejournalitsischen Tätigkeiten wieder einstellt – angesichts solcher Sätze:

(…Zitat aus einem Forum) “Hier wird natürlich ein Qualitätsgegensatz zwischen beiden Medien (Anm.: Zeitung und Internet) herbeigeredet.” Nein, ihr Lieben, der wird nicht herbeigeredet. Der besteht.

Graff beendet seine Phillipika mit folgendem Fazit:

“Die Menschen”, schreibt Norbert Bolz, “werden immer mehr zu – wie man im Mittelalter sagte – idiotae: also zu eigensinnig Wissenden. Die neuen Idiotae lassen sich ihr Wissen, ihre Interessen und Leidenschaften nicht mehr ausreden.” Mag sein. Verlangt ja auch keiner. Aber sollen wir uns deshalb von jeder Idiotie in die Zukunft führen lassen?

Schreibt jemand, der jeden Tag Continental-Winterreifen-Specials, abstruse Bildergalerien und ein Angebot verantwortet, dessen erster und einziger Zweck es ist, Klicks zu generieren. Ich weiß nicht so recht, was ich da idiotischer finden soll.

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