Archive for Januar, 2008
Lokalspitzen (3)
Von einem blauen Skoda Fabia, der in der Nacht zum Dienstag im Bayerwaldring abgestellt war, wurde von einem unbekannten Fahrzeug der linke Außenspiegel weggefahren. Den Umständen zufolge war das flüchtige Fahrzeug vom Krankenhaus herkommend in Richtung Hochstraße unterwegs.
(Quelle: Landauer Zeitung)
Raue Sitten im Sport
Das Gefühl, dass es im Sportjournalismus bzw. bei der Berichterstattung über Events merkwürdig zugeht, habe ich schon länger. Hier habe ich ein paar Gedanken darüber abgelassen, warum es überaus merkwürdig ist, dass sich niemand über den geplanten de-facto-Maulkorb der Deutschen Fußball-Liga in der Bundesliga-Berichterstattung und das eigenartige Gekungel zwischen Liga und Kirch auslässt. Passend ins Bild die Erfahrungen des “Westen”-Kollegen Markus Hündgen beim ADAC: Nicht nur, dass man dort Onliner immer noch als irgendwie nicht richtig existente Journalisten ansieht und man dort auch offensichtlich droht, die Berichterstattung eines Jahres zu checken, um dann im nächsten Jahr ordentlich zu selektieren, wer rein darf (vulgo: Wer die richtige, ehrerbietende Berichterstattung abgeliefert hat), nee, noch lustiger: Bei der Akkreditierung mussten die Redaktionen die IVW-Klickzahlen des jeweiligen Vormonats angeben.
Lokalspitzen (2)
Die Lachmuskeln wurden beim Pfarrball heftig strapaziert.
Und, ehrlich gesagt…
…in der ganzen “Scheiß-Privatfernsehen”-Debatte (und den entsprechenden Komentaren der üblichen Verdächtigen bei SZ et al): Mir ist ordentlicher, sauberer, guter Trash wie das Dschungelcamp tausendmal lieber als dieser aufgesetzte Pseudo-Qualitätsfernsehen-Müll, den Frau Christiansen da gestern abend in der milliardensubventionierten ARD abgeliefert hat. Dschungel ist ehrlicher Trash. Und ehrlich lustig. In gewissem Sinne ehrlich zynisch. Christiansen war nicht mal das.
Warum man den Westen nicht lieb haben muss
Die ersten Zahlen für den neuen WAZ-”Westen” waren, nunja, ernüchternd. Wenn man die IVW-Zahlen zum Maßstab nimmt, könnte man bei ein bisschen Bösartigkeit von einem kolossalen Flop sprechen. So weit muss man allerdings gar nicht gehen und man muss auch nicht über die strukturellen Schwächen des Angebots diskutieren (die es zweifelsohne hat). Viel interessanter finde ich bei dieser Geschichte einen anderen, bisher wenig beachteten Aspekt – und der hat nichts mit dem “Westen” oder der WAZ im speziellen, sondern generell sehr viel mit der Lage unserer Regionalzeitungen zu tun:
Man liebt sie nicht. Man braucht sie vielleicht, so wie man auch viele andere Dinge braucht. Aber man muss sie nicht mögen.
Tatsächlich kenne ich auch bei näherer Betrachtung niemanden, der das wirklich tut. Man liest Regionalblätter aus den unterschiedlichsten Motivationen, man mag sie im gewissen Sinne auch für unverzichtbar halten. Wegen der Supermarktangebote, der Todesanzeigen oder meinetwegen sogar deswegen, weil man halt doch wissen will (oder muss), was vor der eigenen Haustür los ist. Aber es gibt auch viele andere Dinge, die zwar irgendwie unverzichtbar sind, die man aber deswegen trotzdem nicht unbedingt innig mag.
Tatsächlich sind eine ganze Reihe regionaler Zeitungsverlage in den vergangenen 15 Jahren, seit sich die Entwicklung abzuzeichnen begann, einer merkwürdigen Logik gefolgt: Statt das schwächelnde Produkt zu stärken resp. zu verbessern, passierte genau das Gegenteil. Steigende Kosten, weniger Erlöse? Das Gegenmittel hieß häufig: Personal raus, Seitenumfang reduzieren, ausdünnen, wo es geht. Stattdessen: Praktikanten rein, Agenturen rein, überhaupt: alles rein, was billig ist. Mit dem bemerkenswerten Ergebnis, dass es schon mal vorkommt, mein Heimatblättchen in der Hand zu halten und nachzuschauen, ob nicht irgendwie was fehlt (am Freitag im Zug beispielsweise dachte ich allen Ernstes, ich hätte beim Bäcker nur den Manteil bekommen). Das Blatt mit manchmal insgesamt 28 Seiten Umfang kostet dafür inzwischen umgerechnet irgendwas an der Drei-Mark-Grenze im Einzelverkauf.
Was das mit dem “Westen” und den Online-Bemühungen der WAZ und auch einiger anderer zu tun hat? Sehr viel. Wem man schon im richtigen Leben als gedrucktem Medium mit wenig bis gar keiner Bindung oder auch nur ein wenig aufwallenden positiven Gefühlen gegenübersteht, weil man ihm und seinem de-facto-Monopol ausgeliefert ist, dem wird man in dem Moment, in dem man ihm ausweichen kann dann auch tatsächlich – ausweichen. Kürzer gesagt: Als Zeitung brauche ich die WAZ oder andere Regionalmonopolisten vielleicht (noch). Online ist das nächste gute Angebot gerade mal den berühmten einen Mausklick entfernt.
Wenn also tatsächlich nur statistisch gesehen auf jeden Einwohner im Einzugsgebiet 0,3 Besuche beim “Westen” kommen, dann heißt das nicht nur, dass sie das (Online-)Angebot als solches nicht akzeptieren. Es könnte auch heißen, dass die Leute auch die WAZ nicht sehr akzeptieren – und ihr da aus dem Weg gehen, wo sie es können.
Vielleicht kein Trost für die WAZ – aber ich würde vieles darauf wetten, dass etliche andere Blätter vor ähnlichen Problemen stehen. Sie merken es nur noch nicht. Weil sie in der Online-Welt de facto gar nicht statt finden.
Wilde junge Männer, römische Exorzisten
Also, das mit der Jugendkriminalität ist so: Man kann da nicht viel machen, weil junge Männer die gefährlichste Spezies der Welt sind. Und die Gewalt quasi im Blut bzw. im Gen haben. So entstand übrigens auch Al-Qaida.
Außerdem im neuen Spiegel:
- Hautnah dabei: Spiegel-Reporter besucht 90jährigen Exorzisten in Rom, spürt aber im Selbstversuch nur ein leichtes Kribbeln im Magen.
- Unterschätztes Kulturgut: Die Super-Rocker Scorpions sorgen weltweit für ausverkaufte Hallen. In der Ukraine und in Indien beispielsweise, nur in Deutschland nicht (warum eigentlich steht diese lustige Nummer auf der Medien-Seite??)
Oh ja. Es wird wirklich Zeit, dass der Spiegel wieder einen ordentlichen Chefredakteur bekommt. Bei der aktuellen Ausgabe jedenfalls war ich mir zeitweise nicht sicher, ob mir nicht jemand eine Faschingszeitung in die Hand gedrückt hat.
Lokalspitzen (1)
Über den Ort hat sich tiefe Trauer gelegt.
Alle Jahre wieder schmücken 35 Millionen Bäume unsere Wohnzimmer.
(entdeckt am Wochenende in Niederbayern)
Waffenstilltstand zwischen Aust und Kerner
Man staunt ja immer wieder mal über die Art und Weise, wie sich der Noch-Spiegel-Chef Dinge hinbiegt, für die jeder Lokalchef einer Provinzzeitung ordentlich Dresche kriegen würde. Unvergessen die Argumentation, mit der Stefan Aust begründete, warum er sich gelegentlich von diversen Autofirmen 400-PS-Karossen zu “Testzwecken” vor die Tür stellen lasse: Man müsse als Chefredakteur ja schließlich wissen, was die deutsche Industrie so alles herstelle.
Eine erstaunliche Dimension haben Austs kleine Absprachen mit anderen offensichtlich bei der Zusammenarbeit mit dem ZDF resp. J.B. Kerner erreicht. In diesem überaus bemerkenswerten Interview mit der SZ jedenfalls erklärt Kerner, warum es zwischen ihm und Aust eine Art Burgfrieden gab. Und man weiß hinterher nicht wirklich, ob Kerner ziemlich naiv oder einfach nur dreist ist.