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Anmerkungen eines Medienmenschen

Archive for März, 2008

Udo-Hype

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Immer dann, wenn sich von der FAZ bis zur Bild alle einig sind, einer habe ein “Hammer-Album” vorgelegt, packt mich die Skepsis. Und tatsächlich, auch im Fall der neuen Lindenberg-Platte darf man getrost davon ausgehen, dass Musikjournalisten auch nicht viel anders ticken als Reise- und Autojournalisten. Leg ihnen die Platte zeitig hin, lass sie an einem hübschen Event teilnehmen und mach ihnen klar, Udo sei jetzt irgendwie sowas wie Johnny Cash, jedenfalls dürfe man ihn ab sofort wieder cool finden, sogar das, worüber man vor Jahresfrist noch lauthals lachen durfte (“Hinter dem Horizont”) – funktioniert einwandfrei. Lindenberg jedenfalls nölt wie immer und hat sich passenderweise auch noch Silbermond für einen Titel dazugeholt (schlimmer wäre echt nur noch “Wir sind Helden” gewesen. Oder Nena, Udo und Judith Holofernes singen “Bitte gib mir nur…”). Interview mit Gott? Ach, Udo.

Bei “Wetten, dass…” war er übrigens gestern auch noch, der Hammer-Panik-Rocker. Ich nehme an, er hat da niemanden weiter gestört.

Written by cjakubetz

März 30th, 2008 at 9:31 pm

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Vanity leer

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Bei Brainpool hatten sie eine nette Idee: Eine kleine Best-of-DVD, mit einzelnen Folgen aus Stromberg, Ladyland, Pastewka, Dr. Psycho. Beigelegt der neuen Vanity Fair, ein guter und um ehrlich zu sein auch der einzige Grund, warum ich mir nach endlos langer Pause mal wieder ein solches Blatt gekauft habe. Dass der Verlag das gute Stück derzeit mal wieder für einen albernen Euro auf den Markt wirft, hat die Entscheidung enorm erleichtert, zugegeben. Und dann war ja noch die Neugierde: Wie würde VF jetzt sein, nachdem der Hauptprotagonist Poschardt das schon ziemlich mit Schlagseite versehene Schiffverlassen hat?

Um es kurz zu machen: uninspiriert und sterbenslangweilig. Zu diesem Urteil kommt man nicht etwa, weil man das US-Vorbild zum Vergleich heranziehen würde, sondern weil VF das Kunststück fertigbringt, in einem kompletten und zumindest optisch aufwändig produzierten Magazin nicht einmal so etwas ähnliches wie Aufmerksamkeit und Relevanz zustande zu bringen. Man bemüht sich zwar, in dem man Barbara Schöneberger zu “Deutschlands bester Entertainerin” hochjazzt, aber man ist das von VF ja inzwischen gewohnt, dass man alles Mögliche auf den Titel nimmt. Die Texte: bemüht, aber ideenlos. Allen Ernstes versieht man Kurt Beck mit der Bezeichnung “Problembär”, ein Witz, den die Titanic schon vor zwei Jahren gemacht hat. Und so, wie der Problembär, so kommt das ganze Heft daher: So schrecklich vorhersehbar. Würden, sagen wir, Journalistenschüler eine solche Zeitschrift als Projektarbeit abliefern, ich wüsste sehr genau, was der Leiter einer durchaus bekannten deutschen Journalistenschule dazu sagen würde: dass nämlich erstens jede durchschnittlich begabte Redaktion innerhalb von fünf Minuten auf dieselben Ideen gekommen wäen und dass zweitens die ersten Ideen selten die besten sind. VF hingegen hat, so wirkt dieses Blatt, sich inhaltlich jeweils für die erste am Markt befindliche Idee entschieden und ansonsten optisch aus alledem zusammengeklaut, was momentan als state of the art gilt. Alles zusammen ist eine ziemlich unbekömmliche Mischung, die man evtl. mal beim Friseur liest, weil einem die Gala dann doch zu peinlich ist. Jetzt soll die neue Mannschaft verlaggseitig mit mehr Glamour versehen werden und man darf davon ausgehen, dass die Linie so ist wie bei Glamour eben auch: viel Verpackung, ziemlich wenig Inhalt.

Aber die DVD, die war wirklich gut.

Written by cjakubetz

März 30th, 2008 at 12:03 pm

Zeitungssargnagel

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Eine wirkliche Überraschung ist es ja nicht mehr, dass es craigslist inzwischen auch in Deutschland gibt bzw. demnächst geben soll (die deutsche Domain wird momentan noch mit dem Hinweis dargestellt, die Seite befinde sich noch im Aufbau). Trotzdem ist es eine nur noch rhetorische Frage, wer eigentlich künftig noch Kleinanzeigen in der guten alten Tageszeitung schalten soll, wenn es reihenweise Portale gibt, auf denen die Schaltung solcher Anzeigen kostenlos möglich ist – noch dazu bei ungleich höherer Reichweite und deutlich besseren Möglichkeiten der Interaktion zwischen Inserenten und Interessenten. Rubrikenmärkte sind ohnehin schon weg, jetzt kommen die Kleinanzeigen. Man darf gespannt, ob und wie und vor allem wann die Blätter auf diese hübsche Bedrohung reagieren werden. Meine Prognose: In fünf Jahren sind die heutigen Anzeigenteile der meisten Zeitungen nur noch qualmende Ruinen.

Written by cjakubetz

März 28th, 2008 at 6:36 pm

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Die Schöne…

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Gerade eben festgestellt: Wenn eine Frau in einem Boulevardblatt (kein bestimmtes, gilt für alle) als “hübsch” bezeichnet wird, heißt das auf Deutsch: hässlicher Uhu. Alles, was nicht zur Kategorie “hässlicher Uhu” zählt, wird als “Die schöne XX” bezeichnet.

Sogar Verena Kerth. 

Written by cjakubetz

März 25th, 2008 at 8:40 pm

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Anne Will antwortet jetzt so, wie sonst nur ihre Gäste antworten

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Vor Beginn der Sendung haben Sie auf die Frage, was Sie anders machen wollen, immer geantwortet: Sie seien der Unterschied. Sie und Ihre Art, Gespräche zu führen. Sind Sie manchmal frustriert, wie wenig Unterschied das macht?

Beobachten Sie das so?

Ja.

Ich bekomme andere Reaktionen.

 

Nein, kein Auszug eines Interviews von Heribert Prantl mit Peter Struck. Zwar ist der Ablauf ähnlich, aber tatsächlich unterhalten sich hier Anne Will und Stefan Niggemeier. In einem Interview, bei dem man aus dem Staunen kaum heraus kommt: Anne Will als eine Sprechblasenmaschine, die genau jenen Duktus drauf hat, der normalerweise ihren Gästen vorbehalten ist. Alles ist gut, wir sind bestens aufgestellt, die Kritik ist irrelevant und von bösmeinenden Journalisten konstruiert. Exakt die Sorte Interviews, bei denen ich mir (wenn ich sie denn seltenerweise einmal führen muss) regelmäßig im Stillen denke: Komm, lassen wir das Ganze doch einfach bleiben. Gib mir ne Pressemitteilung mit und ich frage die auftraggebende Redaktion, ob sie nicht einfach die offizielle Verlautbarung drucken will. Aber vieleicht wird man so im System ARD.

Stefan Niggemeiers beste und alles auf den Punkt bringende Frage bleibt jedenfalls weitgehend unbeantwortet:

Bei der Sendung vom letzten Sonntag zum Thema Hartz IV mit Günther Oettinger, Heiner Geißler, Fritz Schösser, Wolfgang Clement – da hatte ich auch das Gefühl, das hätte eine Wiederholung von „Sabine Christiansen“ sein können. Kann es nicht sein, dass es ein Bedürfnis gab: Man müsste das doch auch anders machen können, die Politiker anders zu packen kriegen, eine andere Besetzung haben, vielleicht auch ein anderes Konzept entwickeln?

Tatsächlich ist Will nichts anderes als Christiansen mit braunen Haaren. Ein stereotyper Durchlauferhitzer für Phrasen aus dem alltäglichen Berliner Politikbetrieb. Das wäre nicht weiter dramatisch, wenn der Anspruch nicht ein ganz anderer gewesen wäre. Doch auch diesen Anspruch, den sie vor Jahresfrist noch von den Titelseiten aller relevanten Magazine verkündete, negiert sie jetzt: “Ich wollte nie die Talkshow-Erlöserin sein.”

Ach nein?

Ich habe mir vorgenommen, eine aktuelle gesellschaftspolitische Gesprächsrunde anzubieten. Eine Runde, die Themen aufgreift und die Themen setzt. Eine Talkshow, die relevant ist. Das wird in mancher Hinsicht eine Weiterentwicklung dessen sein, was Sabine Christiansen erfolgreich vorgelegt hat. Aber ich werde meinen eigenen Stil finden müssen und – ich werde ihn finden.

Written by cjakubetz

März 23rd, 2008 at 2:09 pm

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Neu auf Platz 1: n-tv.de

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Im Rennen um die sinnlosesten und am offensichtlichsten auf Klicks um jeden Preis ausgelegte Bildergalerien hat n-tv.de inzwischen die Führung übernommen. Wie man aus einem nichtigen Thema eine substanz- und weitgehend hirnlose Klickmaschine macht – unerreichtes Anschauungsmaterial darüber hier…

…und hier.

Exorbitant lustig hier.

Und schließlich noch eine erstaunliche Mischung aus Schenkelklopfern und verblüffenden (so würde man beim Fernsehen sagen) Text-Bild-Scheren – bittesehr, hier.   

Written by cjakubetz

März 21st, 2008 at 1:30 pm

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SAT1 Nachrichten, der nächste Versuch

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Zumindest so viel stand ja vorher schon fest: Nachdem sich SAT 1 in den letzten Jahren seine übrigens vor vielen Jahren durchaus mal zugebilligte Informationskompetenz systematisch ruiniert hat, gehört es zur einfachsten (weil risikoarmen) Übung, den Sender und seine Sendungen und seine Protagonisten zu zerlegen. Mit Peter Limbourg hätte man also nicht tauschen mögen, als er in dieser Woche begonnen hat, den soundsovielten Anlauf von SAT 1 zu steuern, etwas mehr ernst genommen zu werden. Und tatsächlich setzte das Kritiker-Schaulaufen auch schnell ein (exemplarisch sei die SZ genannt, in der Hans Jürgen Jakobs ordentlich zur Keule griff und Limbourg als Archetyp des karrierebessenen, sauertöpfischen uninspirierten Nichtskönners schildert. Risikolos, wie gesagt: Wer ergreift schon ernsthaft Partei für einen SAT1-Anchor?).

Tatsächlich lassen sich aus den mal wieder runderneuerten SAT1-Nachrichten ein paar mehr oder minder spannende Erkenntnisse herauslesen. Beispielsweise die, dass das TV-Publikum bei der Auswahl seiner TV-Nachrichten radikalkonservativ ist. Zwar beklagt die SZ bei Peter Limbourg mangelnde Inspiration, dass aber irgendeiner der aktuellen 20-Uhr-Sprecher der Tagesschau schon mal durch übertriebene Inspiration aufgefallen wäre, lässt sich so sicher nicht sagen. Trotzdem lassen Abend für Abend Millionen Menschen gelangweilt und erfüllt von einem gewissen Unverständnis das Tagesschau-Ritual über sich ergehen. Daran wird, man muss kein Prophet für diese Aussage sein, auch Peter Limbourg mit seinen Nachrichten nichts ändern.

Dummerweise nämlich sitzt Limbourg in der Falle, in der SAT1-Falle. Egal, was er tun wird, es wird gegen ihn verwendet (siehe SZ). Limbourg moderiert ernst und zurückhaltend? Ha, langweilig! Er bemüht sich um Witz und Ironie? Gehören nicht in die Nachrichten! Die Nachrichten-Agenda ist bei den ersten Themen identisch mit denen der Tagesschau? Abgekupfert! Danach weicht sie ab? Typisch Private, nur die Quote im Kopf!

Man würde solche Vergleiche bei RTL und Peter Kloeppel sicher nicht anstellen. Kloeppel hat sich über Jahre hinweg ein gewisses Standing und sein Publikum erarbeitet. Das macht ihn weitgehend unangreifbar, obwohl die SAT1-Nachrichten so sehr anders als die von RTL auch nicht aussehen. SAT1 hat sich durch kurioses Hin und Her in den letzten Jahren einen ordentlich verheerenden Ruf erworben. Der wird erst einmal bleiben und für den wird Limbourg in Sippenhaft genommen. Zumindest noch für ein paar Jahre, danach sehen wir weiter.

Written by cjakubetz

März 18th, 2008 at 8:39 pm

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Grundsätzlich…

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…finde ich das ja schon für in Ordnung, wenn sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk dem digitalen Zeitalter nähert und öffnet. Den Video-Deal zwischen WDR und DerWesten halte ich aber für hochgradig fragwürdig. Nicht aus der Sicht der WAZ, als vielmehr aus der Sicht des WDR.

De facto verkauft/lizensiert dabei also ein mit Gebührengeldern finanzierter Sender seine Inhalte an einen kommerziellen Anbieter. Unabhängig davon, inwieweit ein Rundfunkstaatsvertrag die “content syndication” von ÖR-Programmen deckt, fragt man sich ja dann doch schon: Warum die WAZ, warum nicht – beispielsweise – die Glocke in Oelde? Kommt dann also nur derjenige in den Genuss von WDR-Material, der am meisten Geld hat oder die besten Drähte zur Intendantin? Und nach welchen Maßstäben werden die Inhalte generell verteilt? Wie´s dem Sender gerade beliebt?

Ärgerlich und fragwürdig ist auch, dass sich die öffentlich-rechtlichen Anstalten durch die Hintertür einen neuen Vetriebskanal schaffen, auf dem sie nichts verloren haben. Nichts dagegen, wenn ARD und ZDF auch anständige Online-Plattformen haben, ich würde sogar soweit gehen, dass deren Inhalte noch viel zugänglicher (siehe: die vielgerühmte BBC) sein müssten. Wir (im Sinne von: wir Gebührenzahler) haben diese Inhalte schließlich schon bezahlt. es wäre also durchaus legitim, sie auch an “uns” wieder zurückzugeben. Dass aber jetzt ausgewählte Zeitung zur Abspielstation von WDR-Formaten werden, ist in dieser Form nicht hinnehmbar.

Dass die Zeitungen damit auch inhaltlich eine enorme Chance verspielen, sei nur am Rande erwähnt. Wie will man sich als multimediale Plattformen mit guten (und lokalen) Bewegtbildinhalten positionieren, wenn man dann doch nichts anderes macht, als gut abgehangenes Fernsehzeugs zu präsentieren? Dem Online- und Multimediajournalismus jedenfalls tut man damit sicher keinen Gefallen, der eigenen Marke auch nicht.

Aber vielleicht ist das auch genau das Kalkül: Wer nimmt eigentlich Regionalzeitungen denn überhaupt noch als publizistisch eigenständige Marke wahr?

Written by cjakubetz

März 11th, 2008 at 9:32 pm

SPON und seine Überschriften

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Zugegeben: Ich war mir sicher, dass die Fabulierungskünste von Spiegel Online einen unrühmlichen Höhepunkt erreichten, als man nach der bayerischen Kommunalwahl titelte, die bayerische SPD träume vom Minsterpräsidentensessel. Es gab eine kleine Diskussion hier, aber bei allen Aspekten, die auftauchten, kam doch niemand auf die Idee, SPON habe vielleicht schlicht und ergreifend ein echtes Qualitätsproblem.

Doch das könnte gut sein, schaut man sich die neueste, durchaus sehr abenteuerliche Variante aus der Serie “Lustiger Texten mit Spiegel online” an. Aus einem einzigen Sätzchen, dass der (gedruckte) Spiegel aus einer SPD-internen Unterhaltung mit Peer Steinbrück herausgehört haben will, formuliert man:

Steinbrück gibt Bundestagswahl verloren!

Interessant, wie SPON auf diese Aussage kommt. Zitiert wird Steinbrück nämlich lediglich mit folgendem Satz:

Wir haben der Merkel den Teller doch saubergeleckt.

Aha. Ganz eindeutig, doch, jetzt bei genauerem Hinsehen sieht man es: Steinbrück kann damit eigentlich nichts anderes gemeint haben, als dass die in eineinhalb Jahren stattfindende Bundestagswahl schon verloren ist.

Man staunt jedenfalls, und auch wenn ich mich wiederhole: Ich glaube immer noch, dass man uns früher solche abenteuerlichen Interpretationen um die Ohren gehauen hätte, mit vollem Recht übrigens. Heute haut der Online-Marktführer Überschriften dieser Güteklasse reihenweise raus und hat komischerweise immer noch keine ordentliche Qualitätsdebatte an der Backe.

Written by cjakubetz

März 10th, 2008 at 6:24 pm

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BR-Relaunch

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Der BR hat inzwischen auch den Sprung ins neue Jahrtausend geschafft. Der Relaunch, seit heute on air, ist ziemlich unspektakulär, man bricht nicht in unkontrolliertes Jubeln aus, es gibt aber, zumindest auf den ersten und auch auf den zweiten Blick, nicht wirklich was zu motzen. Alles auf dem weitgehend neuesten Stand: Die Seite ist aufgeräumt (wenn auch etwas kleinteilig), weitgehend übersichtlich, es gibt eine Mediathek, das Design wirkt luftig und in etwa so, als wenn es jemand erstellt hätte, den man beauftragt hatte, etwas zu designen, auf das sich alle einigen können. Immerhin also ein echter Quantensprung gegen das Monstrum aus der halbanalogen Zeit, das sich bis gestern noch BR-online nannte.

Das Hauptproblem – und das ist leider systemimmanent – konnte der BR erwartungsgemäß nicht beseitigen. Wenn man so unterschiedliche Programme wie einen Schlagersender und ein multimediales Jugendradio, ein Fernsehen für Ältere und ein Bildungsfernsehen unter einen (Seiten-)Hut bringen soll, dann muss für jeden etwas dabei sein. Das bedingt dann auch, dass man auf der Startseite des Portals eine gewöhnungsbedürftige Themenmischung hat. Aktuell on air (in dieser Reihenfolge): Bahnstreik, eine Ausstellung in München, Fußball, Gesundheit, Gehirnforschung, Sharon Stone wird 50 – und schließlich, als Aufreger zum Schluss: Berghütten in Gefahr! Zudem: Noch gibts Plätze auf der Wiesn und die neuesten Fotos von Flocke. Das sorgt letztendlich dafür, dass BR-online inzwischen ein ganz ansehnlicher Wegweiser durch die BR-Programme ist, aber als Startseite, als eine Art wegweisendes Bayernportal mag man sich das dann doch nicht antun. Dazu sind inhaltlich zu viele der Struktur geschuldete Konzessionsentscheidungen prominent platziert.

PS: Die Tatsache, dass der ganze Auftritt trotz – oder gerade wegen – ziemlich nervigem Dauer-Airplay auf den Sendern eher (freundlich gesagt) instabil läuft, sei insofern verziehen, als dass es so gut wie keinen Relaunch auf dieser Welt gibt, der am ersten Tag stabil läuft. Allerdings ist das schon eine der Merkwürdigkeiten der Onlinewelt: Man geht halt mal raus und sieht dann schon, was passiert. Wenn ich mir umgekehrt vorstelle, ein neuer TV-Sender würde seinen Start lancieren und dann wäre den ganzen Tag ein Testbild zu sehen…

Written by cjakubetz

März 10th, 2008 at 9:22 am

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