Zugegeben: Ich war mir sicher, dass die Fabulierungskünste von Spiegel Online einen unrühmlichen Höhepunkt erreichten, als man nach der bayerischen Kommunalwahl titelte, die bayerische SPD träume vom Minsterpräsidentensessel. Es gab eine kleine Diskussion hier, aber bei allen Aspekten, die auftauchten, kam doch niemand auf die Idee, SPON habe vielleicht schlicht und ergreifend ein echtes Qualitätsproblem.
Doch das könnte gut sein, schaut man sich die neueste, durchaus sehr abenteuerliche Variante aus der Serie “Lustiger Texten mit Spiegel online” an. Aus einem einzigen Sätzchen, dass der (gedruckte) Spiegel aus einer SPD-internen Unterhaltung mit Peer Steinbrück herausgehört haben will, formuliert man:
Steinbrück gibt Bundestagswahl verloren!
Interessant, wie SPON auf diese Aussage kommt. Zitiert wird Steinbrück nämlich lediglich mit folgendem Satz:
Wir haben der Merkel den Teller doch saubergeleckt.
Aha. Ganz eindeutig, doch, jetzt bei genauerem Hinsehen sieht man es: Steinbrück kann damit eigentlich nichts anderes gemeint haben, als dass die in eineinhalb Jahren stattfindende Bundestagswahl schon verloren ist.
Man staunt jedenfalls, und auch wenn ich mich wiederhole: Ich glaube immer noch, dass man uns früher solche abenteuerlichen Interpretationen um die Ohren gehauen hätte, mit vollem Recht übrigens. Heute haut der Online-Marktführer Überschriften dieser Güteklasse reihenweise raus und hat komischerweise immer noch keine ordentliche Qualitätsdebatte an der Backe.
Zugegeben: Ich war mir sicher, dass die Fabulierungskünste von Spiegel Online einen unrühmlichen Höhepunkt erreichten, als man nach der bayerischen Kommunalwahl titelte, die bayerische SPD träume vom Minsterpräsidentensessel. Es gab eine kleine Diskussion hier, aber bei allen Aspekten, die auftauchten, kam doch niemand auf die Idee, SPON habe vielleicht schlicht und ergreifend ein echtes Qualitätsproblem.Doch das könnte gut sein, schaut man sich die neueste, durchaus sehr abenteuerliche Variante aus der Serie "Lustiger Texten mit Spiegel online" an. Aus einem einzigen Sätzchen, dass der (gedruckte) Spiegel aus einer SPD-internen Unterhaltung mit Peer Steinbrück herausgehört haben will, formuliert man:Steinbrück gibt Bundestagswahl verloren!Interessant, wie SPON auf diese Aussage kommt. Zitiert wird Steinbrück nämlich lediglich mit folgendem Satz:Wir haben der Merkel den Teller doch saubergeleckt.Aha. Ganz eindeutig, doch, jetzt bei genauerem Hinsehen sieht man es: Steinbrück kann damit eigentlich nichts anderes gemeint haben, als dass die in eineinhalb Jahren stattfindende Bundestagswahl schon verloren ist.Man staunt jedenfalls, und auch wenn ich mich wiederhole: Ich glaube immer noch, dass man uns früher solche abenteuerlichen Interpretationen um die Ohren gehauen hätte, mit vollem Recht übrigens. Heute haut der Online-Marktführer Überschriften dieser Güteklasse reihenweise raus und hat komischerweise immer noch keine ordentliche Qualitätsdebatte an der Backe.
Der BR hat inzwischen auch den Sprung ins neue Jahrtausend geschafft. Der Relaunch, seit heute on air, ist ziemlich unspektakulär, man bricht nicht in unkontrolliertes Jubeln aus, es gibt aber, zumindest auf den ersten und auch auf den zweiten Blick, nicht wirklich was zu motzen. Alles auf dem weitgehend neuesten Stand: Die Seite ist aufgeräumt (wenn auch etwas kleinteilig), weitgehend übersichtlich, es gibt eine Mediathek, das Design wirkt luftig und in etwa so, als wenn es jemand erstellt hätte, den man beauftragt hatte, etwas zu designen, auf das sich alle einigen können. Immerhin also ein echter Quantensprung gegen das Monstrum aus der halbanalogen Zeit, das sich bis gestern noch BR-online nannte.
Das Hauptproblem – und das ist leider systemimmanent – konnte der BR erwartungsgemäß nicht beseitigen. Wenn man so unterschiedliche Programme wie einen Schlagersender und ein multimediales Jugendradio, ein Fernsehen für Ältere und ein Bildungsfernsehen unter einen (Seiten-)Hut bringen soll, dann muss für jeden etwas dabei sein. Das bedingt dann auch, dass man auf der Startseite des Portals eine gewöhnungsbedürftige Themenmischung hat. Aktuell on air (in dieser Reihenfolge): Bahnstreik, eine Ausstellung in München, Fußball, Gesundheit, Gehirnforschung, Sharon Stone wird 50 – und schließlich, als Aufreger zum Schluss: Berghütten in Gefahr! Zudem: Noch gibts Plätze auf der Wiesn und die neuesten Fotos von Flocke. Das sorgt letztendlich dafür, dass BR-online inzwischen ein ganz ansehnlicher Wegweiser durch die BR-Programme ist, aber als Startseite, als eine Art wegweisendes Bayernportal mag man sich das dann doch nicht antun. Dazu sind inhaltlich zu viele der Struktur geschuldete Konzessionsentscheidungen prominent platziert.
PS: Die Tatsache, dass der ganze Auftritt trotz – oder gerade wegen – ziemlich nervigem Dauer-Airplay auf den Sendern eher (freundlich gesagt) instabil läuft, sei insofern verziehen, als dass es so gut wie keinen Relaunch auf dieser Welt gibt, der am ersten Tag stabil läuft. Allerdings ist das schon eine der Merkwürdigkeiten der Onlinewelt: Man geht halt mal raus und sieht dann schon, was passiert. Wenn ich mir umgekehrt vorstelle, ein neuer TV-Sender würde seinen Start lancieren und dann wäre den ganzen Tag ein Testbild zu sehen…
Der BR hat inzwischen auch den Sprung ins neue Jahrtausend geschafft. Der Relaunch, seit heute on air, ist ziemlich unspektakulär, man bricht nicht in unkontrolliertes Jubeln aus, es gibt aber, zumindest auf den ersten und auch auf den zweiten Blick, nicht wirklich was zu motzen. Alles auf dem weitgehend neuesten Stand: Die Seite ist aufgeräumt (wenn auch etwas kleinteilig), weitgehend übersichtlich, es gibt eine Mediathek, das Design wirkt luftig und in etwa so, als wenn es jemand erstellt hätte, den man beauftragt hatte, etwas zu designen, auf das sich alle einigen können. Immerhin also ein echter Quantensprung gegen das Monstrum aus der halbanalogen Zeit, das sich bis gestern noch BR-online nannte.Das Hauptproblem - und das ist leider systemimmanent - konnte der BR erwartungsgemäß nicht beseitigen. Wenn man so unterschiedliche Programme wie einen Schlagersender und ein multimediales Jugendradio, ein Fernsehen für Ältere und ein Bildungsfernsehen unter einen (Seiten-)Hut bringen soll, dann muss für jeden etwas dabei sein. Das bedingt dann auch, dass man auf der Startseite des Portals eine gewöhnungsbedürftige Themenmischung hat. Aktuell on air (in dieser Reihenfolge): Bahnstreik, eine Ausstellung in München, Fußball, Gesundheit, Gehirnforschung, Sharon Stone wird 50 - und schließlich, als Aufreger zum Schluss: Berghütten in Gefahr! Zudem: Noch gibts Plätze auf der Wiesn und die neuesten Fotos von Flocke. Das sorgt letztendlich dafür, dass BR-online inzwischen ein ganz ansehnlicher Wegweiser durch die BR-Programme ist, aber als Startseite, als eine Art wegweisendes Bayernportal mag man sich das dann doch nicht antun. Dazu sind inhaltlich zu viele der Struktur geschuldete Konzessionsentscheidungen prominent platziert.PS: Die Tatsache, dass der ganze Auftritt trotz - oder gerade wegen - ziemlich nervigem Dauer-Airplay auf den Sendern eher (freundlich gesagt) instabil läuft, sei insofern verziehen, als dass es so gut wie keinen Relaunch auf dieser Welt gibt, der am ersten Tag stabil läuft. Allerdings ist das schon eine der Merkwürdigkeiten der Onlinewelt: Man geht halt mal raus und sieht dann schon, was passiert. Wenn ich mir umgekehrt vorstelle, ein neuer TV-Sender würde seinen Start lancieren und dann wäre den ganzen Tag ein Testbild zu sehen...