Archive for April 3rd, 2008
Die exklusiven Ansichten des BR
Das Angenehme am Bayerischen Rundfunk ist ja irgendwie, dass er erst gar nicht großartig versucht, seine Nähe zu der Partei, die das schöne Bayern erfand, zu bestreiten. Besonders lieb haben muss man den BR dafür an Tagen wie dem heutigen, wenn die Bayerische Landesbank einräumen muss, über 4 Milliarden Euro in der Kreditkrise versemmelt zu haben. Schaltgespräch (eine übrigens meistens inhaltlich sinnlose Übung) zwischen Bayern 3 und einem Korrespondenten, das irgendwann in der vorsichtig formulierten Frage mündet, es habe das ja auch in der Vergangenheit ein kleines bisschen Kritik am CSU-Vorsitzenden Erwin Huber gegeben (für Nicht-Eingeborene: Huber ist stellv. Vorsitzender des LB-Aufsichtsgremiums und hat noch bis zum Februar behauptet, es gäbe keine belastbaren Zahlen zu den Verlusten der BayernLB; im Landtag ist inzwischen zu dem Thema ein Untersuchungsausschuss eingesetzt) – jedenfalls, so die todesmutige Frage des Bayern3-Moderators: Ob diese neuen Zahlen denn irgendwie Auswirkungen für Huber hätten. Nein, beeilt sich der Korrespondent zu sagen, nein, ganz im Gegenteil: Huber habe heute Rückenwind bekommen, weil die Bank die gesamte Verantwortung für das Milliarden-Desaster auf sich genommen habe.
Dann wünschen wir dem BR mal, dass ihm diese ziemlich exklusive Einschätzung des heutigen Tages nicht ziemlich schnell um die Ohren fliegt…
PS: Hab´mit mir gerungen, das hier überhaupt zum Thema zu machen. Ich meine, wer nimmt ernsthaft Dudelfunk ernst bzw. billigt ihm Relevanz zu? Auf der anderen Seite gibt´s jeden Tag ein paar hunderttausend Leute, die ihre rudimentären News aus Nachrichtenattrappen wie dieser beziehen.
Kreative Überschriften
Man halt es als Sportjournalist auf dem Boulevard nicht leicht. Immer wieder Spekaulationen, Gerüchte und der Wunsch der Leser (und des Chefredakteurs), täglich so viel wie möglich aus der bunten Glitzerwelt des FC Bayern zu erfahren. Noch dazu, wo doch jetzt der traditionell verschwiegene und dem Boulevard wenig zugetane Klinsi nach München kommt. Und dem die Bayern aus der Hand fressen. Was Klinsi sagt, ist Gesetz – und weil Klinsi immer weniger sagt, sagen auch die Bayern immer weniger, künftig vermutlich sogar nur noch gegenüber sehr ausgewählten Journalisten, die in der Vergangenheit dem FC Bayern, nun ja, freundlich gesonnen waren.
Immer weniger Futter also, immer mehr, die sich ums Futter streiten – und da darf man sich dann auch nicht wundern, wenn Überschriften zu einem eher spekulativen Thema gewisse Ähnlichkeiten aufweisen…
Reingezoomt in den Boulevard
Das Topthema: Champions League. Danach: der große Städtevergleich. Und dann eine Geschichte über Mariah Carey, die “auf dem Höhepunkt” ihrer Karriere stehe. So beginnt aktuell der Tag bei zoomer.de und irgendwie wirkt mittendrin Uli Wickert mit seiner Videokolumne über den Nato-Beitritt über die Ukraine und Georgiens wie ein Landpfarrer, der sich versehentlich unter eine hiphoppende Gang aus Marzahn gemischt hat.
Bleibt die Vermutung, dass man sich von hehren journalistischen Grundsätzen bei zoomer.de bereits verabschiedet hat. Eine auch nur halbwegs ernstzunehmende Nachrichtenagenda – selbst für ein junges Publikum – sieht ein wenig anders aus.