JakBlog

Anmerkungen eines Medienmenschen

Archive for April 17th, 2008

Kampf verloren, nix gemerkt

with 2 comments

Dem Printmedium als solches geht es nicht so richtig gut. Das ist eine Erkenntnis, für die man heutzutage nirgends mehr bestaunt oder beklatscht wird. Das ist einfach Fakt. Ebenso, wie es Fakt ist, dass man ohne eine halbwegs intelligente Digitalstrategie die Zukunft nicht mehr erleben wird. Den Kampf gegen das Internet haben die Zeitungen verloren. Es wird sie weiter geben, natürlich und Gott sei Dank, aber mit deutlich geschrumpfter Bedeutung und mit einer veränderten inhaltlichen Ausrichtung. Wenn es jetzt schon eine “Nationale Initiative Printmedien” gibt, die in irgendwelchen Ministerien angesiedelt ist, dann wirkt das ein wenig so wie die damalige etwas verspätete Einsicht der Titanic, dass es möglicherweise doch kein Fehler wäre, allmählich SOS zu senden.

Prima lässt sich über die Ursachen dieser Entwicklung debattieren. Susanne Gaschke von der “Zeit” beispielsweise meint, man müsse schon auch daran glauben, dass die Zeitung mehr zu bieten habe als das “Informationsfrikassee” aus dem Internet. Dass genau diese immer noch durchaus verbreitete Geisteshaltung das Problem vieler Printredaktionen ist, hat Frau Gaschke offenbar noch niemand gesagt. Dieser immer noch verbreitete Glaube, Onlinejournalismus sei Journalismus zweiter Klasse, diese immer noch vorhandene und durch nichts zu begründende Arroganz, die verzweifelten Versuche, den eigenen Bedeutungsverlust einfach zu negieren und zu ignorieren – genau das führt dazu, dass viele Zeitungen von den Entwicklungen der digitalen Welt abgekoppelt sind.

Und wenn man das gesamte Zitat von Susanne Gaschke liest, dann wird man Zeuge eines unfreiwilligen Eingeständnisses, dass hier jemand die wichtigsten Entwicklungen der Medienwelt einfach nicht verstanden hat und immer noch glaubt, man müsse dem leicht muffigen Wohnzimmer einfach mal einen neuen Anstrich verpassen, um es wieder im alten Glanz erstrahlen zu lassen – selbst dann, wenn unter dem Putz schon der Schimmel wuchert (Zitat aus kress.de):

“Zeit”-Redakteurin Gaschke kritisierte die um sich greifende “Ideologie des Digitalismus”, nach der technischer und gesellschaftlicher Fortschritt zusammenfallen. Auch bei Verlegern und Journalisten verfange diese Ideologie zunehmend, das “Geraune irgendwelcher Blogger” werde auch in den eigenen Reihen teilweise für erfolgreicher gehalten als das Geschäft mit gedruckten Medien. “Wir müssen wirklich daran glauben, dass die Zeitung mehr zu bieten hat als das Informationsfrikassee aus dem Internet. Aber tun wir das?”

Written by cjakubetz

April 17th, 2008 at 5:51 pm

Posted in PRINT

Videotrash

with 7 comments

Vermutlich muss man sich das momentan so vorstellen: Irgenjemand in einer Onlineredaktion hat gelesen, dass Videos hip seien, irgendwie. The next big thing, sozusagen. Dann beschließt man im mittlgroßen Kreis, dass man dieses “spannende” Medium auch mal ausprobieren müsste. Was man dann auch tut und bei der anschließenden Manöverkritik in ein interessantes Fahrwasser kommt: Man beschließt nämlich kurzerhand, jeden noch so offensichtlichen handwerklichen Fehler damit zu entschuldigen, dass das ja “nur fürs Internet” war. Und weil man bei der Produktion von Videos und Filmen ganz erstaunlich viele Fehler machen kann, hört man den Satz, es sei ja nur fürs Web, ebenso erstaunlich oft.

Und was man das nicht alles sieht: verwackelte, ungeschnittene Bildchen, Vertonungen, dass es einem die Löffel weghaut, gewagte Kameraeinstellungen, kurzum: fröhliches Dillettieren, manchmal auch ohne fröhlich. Man mag dem Ganzen bei YouTube ja stellenweise noch einen gewissen Charme zubilligen und die Videos als ein eher anarchisches Medium betrachten, aber auf Dauer würde man dann doch gerne Videos von Leuten sehen, die ihr Handwerk einigermaßen beherrschen. Sogar im Web.

Gleichzeitig würde man sich auch über jemanden freuen, der sich mit der ernsthaften Weiterentwicklung von Videos im Netz ein paar Gedanken macht. Weil umgekehrt ja auch die pure Transformation des konventionellen TV-Videos ins Netz nicht so richtig spannend ist, davon abgesehen, dass es ein paar gute technische und inhaltliche Gründe gibt, warum bestimmte Sachen aus dem “großen” Fernsehen auf einem kleinen Flashplayer oder dem iPod nicht so wirklich gut funktionieren. Solche Formate (weiter-)zu entwickeln, das wäre mal eine echte Perspektive. Mag aber keiner so recht, was vermutlich mal wieder auch dem Schmarrn der IVW-Zählung geschuldet ist: Ein noch so gutes Video (und wer schon mal gedreht hat weiß, welchen zeitlichen Aufwand das in der Regel erfordert) bringt eben nur einen einzigen Pageview. Da ist die Bildergalerie schneller gemacht, bei ungleich mehr PI´s.

Written by cjakubetz

April 17th, 2008 at 11:10 am

Posted in ONLINE/MULTIMEDIA